DiscogsDienstag: Winter Severity Index – Winter Severity Index

Im Jahre 2009 gründeten vier junge Musikerinnen in Rom eine Post-Punk-Band. Sie nannten sich Winter Severity Index und veröffentlichten im darauffolgenden Jahr ohne Label eine selbstbetitelte EP mit 5 Songs. Das Line-Up bestand aus Simona Ferrucci (Gesang und Gitarre), Diana Salzo (Bass), Elyria (Drums) und Mushy (bürgerlich Valentina Fanigliulo, Synth). Die Erstauflage war 350 CDs, ich habe Nummer 292. 2011 gab es noch eine Neuauflage des deutschen Labels afmusic (2008 – 2018).

Die Debüt-EP ist sehr facettenreich, der Opener „The Wiser“ lebt von einer melodiösen Gitarre, die sich wie ein roter Faden durch die EP zieht und der sich die anderen Instrumente quasi unterordnen.

Bei „Severity“ übernimmt der Bass die Führung und das Schlagzeug treibt präzise mit. Die Gitarre tritt hier einen Schritt zurück, ohne das Melodiespiel abzulegen, was einen schönen Kontrast zum Opener schafft.

„While We’re Living“ ist ein ruhigeres Lied, bei dem die Synthies zum ersten Mal hervorstechen. Die Gitarre beschränkt sich auf Akkorde und der Bass übernimmt die melodische Führung.

„Blind Me“ wird vom Schlagzeug getragen, das von Bass rhythmisch unterstützt wird. Die filigrane Gitarre umspielt das Ganze melodiös.

Zum Abschluss folgt der Bonus-Track „Motionless“, mein Favorit. Ich erinnere mich, dass ich mal irgendwo im Netz (vermutlich auf meinem gelöschten Twitter-Account) geschrieben habe, „Motionless“ sei das „Atmosphere“ (Joy Division) von Winter Severity Index. Es ist das langsamste Lied der EP und alle Instrumente scheinen sich hier auszutoben, aber wie in Zeitlupe, was das Lied sehr atmosphärisch und emotional macht.

Die EP ist eine kurze, aber schöne Reise durch verschiedene Facetten der Dunkelheit: von der melancholischen Klarheit („The Wiser“) bis zur erdrückenden Schönheit („Motionless“). Diese Elemente zwischen Melancholie und rhythmischer Düsternis haben Winter Severity Index in ihren späteren Werken bewahrt.

2012 verließen allerdings Diana und Elyria die Band, so dass Simona und Mushy als Duo weitermachen mussten und 2014 die EP „Survival Rate“ herausbrachten. Das erste Album von Winter Severity Index, „Slanting Ray“ entstand dann 2015 auch ohne Mushy, sie wurde durch Alessandra Romeo an den Tasten ersetzt. Simona und Alessandra haben noch zwei weitere Alben gemacht, „Human Taxonomy“ (2016) und „Disgelo“ (2022). 2025 hat sich die Band zum 15. Jubiläum in der Originalbesetzung wieder zusammengefunden und einige Konzerte gespielt. Für dieses Jahr ist eine „Reunion Tour“ in Planung.

Winter Severity Index · Winter Severity Index #ColdWave #DarkWave #Discogs #DiscogsDienstag #PostPunk #SynthWave #WinterSeverityIndex

DiscogsDienstag: The Cure – The 13th

Mit der ersten Singleauskopplung ihres 10. Albums „Wild Mood Swings“ (1996) beweisen The Cure zwei Tatsachen: Dass sie immer für eine musikalische Überraschung gut sind und dass sie einige ihrer besten Songs auf B-Seiten „versteckt“ haben. Immer wieder haben Robert Smith und seine Mitstreiter Songs gemacht, die nicht in ihr Konzept passten oder die Fans ein Stück weit verwirrten, bei „Wild Mood Swings“ schafften sie es mit einem ganzen Album. Und „The 13th“ setzt dem mit seinem Mariachi-Sound die Krone auf.

Der „Swing Radio Mix“ von „The 13th“, der auch auf dem Album enthalten ist, hat eine ungewöhnliche Instrumentierung, darunter lateinamerikanische Perkussion und Blechbläser. Das Schlagzeug wurde übrigens erstmals von Jason Cooper bedient, nachdem der langjährige Drummer Boris Williams die Band nach dem Album „Wish“ zusammen mit Pearl Thompson verlassen hatte. Das weitere Line-Up bestand aus Robert Smith, Simon Gallup, Perry Bamonte (RIP) und Roger O’Donnell sowie einigen Gastmusikern an den Bläsern.

Bei den weiteren Songs auf der Maxi finde ich es unverständlich, warum diese nicht auf dem Album erschienen sind. „It used to be me“ ist ein düsterer, atmosphärischer Track mit typischen The-Cure-Elementen: melancholische Gitarren, dichte Synthesizer-Layers und ein treibender Bass. Der Song baut sich langsam auf und hat einen fast hypnotischen Charakter. „Ocean“ ist ein ruhiger, fast ambientartiger Track mit sanften Gitarren und einem gleichmäßigen, wellenartigen Rhythmus. Der Song wirkt sehr entspannt und fast tranceartig, was gut zum Titel passt. In „Adonais“ schließlich dominieren sanfte Gitarren, sphärische Keyboards und ein ruhiger, fast meditativer Rhythmus.

Die B-Seiten machen hier also den Reiz aus, diese sind Goth sei dank auf der Compilation „Join The Dots (B-Sides & Rarities 1978>2001 The Fiction Years)“ zu bekommen.

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DiscogsDienstag: Lacrimosa -Alles Lüge

1993 war Lacrimosa noch ein Soloprojekt von Tilo Wolff, sogar die Plattenfirma Hall Of Sermon hatte er selbst gegründet, um seine Musik zu vermarkten. Nach den Alben „Angst“ (1991) und „Einsamkeit“ (1992) erschien die EP „Alles Lüge“ im Vorfeld des Albums „Satura“ (1993), ohne dass die Titel darauf berücksichtigt wurden. Die EP enthält das Titelstück in zwei Version, Original und Remix, einen Remix von „Diener eines Geistes“ vom Album „Einsamkeit“ sowie das vorher unveröffentlichte Instrumentalstück „Ruin“.

Die EP „Alles Lüge“ ist ein typisches Beispiel für Lacrimosas frühe Phase: düster, emotional aufgeladen und experimentell. Gleichzeitig deutet insbesondere das Titelstück den künftigen Weg von Lacrimosa an: weg von der minimalistischen und klassischen Instrumentierung, hin zu gitarrenlastigerer Musik, klanglich also ein Vorgriff auf die spätere Verschmelzung von Goth-Rock, Darkwave und Industrial, die mit dem vierten Album „Inferno“ (1995) begonnen wurde. Im Vergleich zu „Angst“ und „Einsamkeit“ wirkt „Alles Lüge“ erwachsener, rockiger, aber nicht weniger leidenschaftlich – eine gelungene Balance, die den Weg für die späteren, noch ambitionierteren Werke ebnet und die Entwicklung von Tilo Wolff dokumentiert.

Nach „Satura“ (1994) stieß dann die Finnin Anne Nurmi, vorher Sängerin und Keyboarderin bei Two Witches, dazu, die seitdem mit Tilo Wolff die einzige konstante Musikerin bei Lacrimosa ist.

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DiscogsDienstag: Sweet Ermengarde – Raynham Hall

Liebhaber:Innen des klassischen Gothic Rock werden beim Debütalbum „Raynham Hall“ von Sweet Ermengarde aus dem Jahr 2013 auf ihre Kosten kommen. Die Band aus Bochum nannte sich nach einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft und der Albumtitel referenziert auf ein Landhaus im Englischen Norfolk, das als Spukhaus bekannt ist. Mehr Gothic geht fast nicht.

In meinem alten Weblog habe ich das Album schon 2014 vorgestellt, damals habe ich wöchentlich über Musik geschrieben, die unter Creative Commons lizensiert ist. „Raynham Hall“ hat mir so gut gefallen, dass ich mir damals die CD bei Bandcamp gekauft habe. Musikalisch orientieren sich Sweet Ermengarde an großen Vorbildern wie Fields Of The Nephilim oder The Mission. Allerdings brachte der damalige Sänger Kuba Achtelik eine hohe Eigenständigkeit mit. Seine Stimme klingt zwar dunkel und tief, imitiert jedoch nicht. Leider hat er die Band nach dem Album verlassen.

Die meisten Songs auf dem Album stammen aus der Feder vom Bassisten Lars Kappeler, der bereits als Gitarrist bei Atomic Neon tätig war und mittlerweile auch bei den britischen Gothic Rockern von NFD für die tiefen Töne zuständig ist und bei der internationalen Gothic Band October Burns Black Gitarre spielt.

Raynham Hall von Sweet Ermengarde

Nach „Raynham Hall“ sind noch zwei weitere Alben erschienen, „Ex Oblivione“ mit dem Sänger Daniel Schweigler (2016) und „Sacrifice“ mit Drew Freeman am Mikrofon (2024). Diese sind ebenfalls bei Bandcamp erhältlich.

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DiscogsDienstag: Xmal Deutschland – Matador

Heute stelle ich zum dritten Mal eine (Maxi-)Single von Xmal Deutschland vor. Nach der ersten und der letzten Singleveröffentlichung ist nun die erste Single aus dem dritten Album „Viva“ an der Reihe: „Matador“.

Wie der Titel schon andeutet, thematisiert „Matador“ Stierkämpfe auf eine für mich sehr ambivalente Art und Weise. Einerseits geht es um den Triumph und den Ruhm des Matador, um die feierliche Spannung und gleichzeitig wird auch die blutige Grausamkeit dieser Tradition aufgegriffen. Der Text besteht aus deutschen, englischen und spanischen Fragmenten. Musikalisch sind Xmal Deutschland mit dem Album „Viva“ reifer geworden und „Matador“ ist dabei nochmal gesteigert durch die Produktion von Hugh Cornwell, dem Sänger und Gitarristen von The Stranglers. Der Song setzt auf eine dichte, treibende Rhythmussektion, eingängige Gitarrenriffs und einen markanten Basslauf, so wie wir es von früheren Liedern auch gewohnt sind. Cornwell hat „Matador“ allerdings dazu noch eine glattere Produktion verpasst, die es dynamischer und eingängiger macht. So ist das Schlagzeug z. B. im geraden 4/4-Takt auf Bass- und Snare-Drum mit Hi-Hat ausgerichtet, Toms kommen kaum zum Einsatz. Das Ergebnis ist sehr gut tanzbar und hat seine Wirkung in den Clubs nicht verfehlt. Zudem ist Xmal Deutschland mit „Matador“ der einige Einstieg in die UK Charts gelungen, allerdings nur auf Platz 92.

In meiner Sammlung habe ich die Single als reguläre Ausgabe und als Promo-Copy sowie die Maxi-Single. Die B-Seite ist jeweils der Song „Paho“, für mich einer der besten Gothic-Rock-Songs ever, der musikalisch an frühe The Mission erinnert und leider auf keinem Album erhältlich ist. Auf der Maxi-Single ist noch „4“ vertreten, ein wunderschönes, ruhiges und morbides Stück, das es immerhin auf die CD-Version vom Album „Viva“ geschafft hat.

Die Maxi enthält das 8-seitige Booklet „Worte“ mit den Texten von „Jahr um Jahr“, „Autumn“, „Polarlicht“, „Matador“, „Paho“ und „4“ sowie mit Zeichnungen von Anja Huwe.

Darüber hinaus gibt es noch eine 12″-Version mit „Matador“ im „Blood & Sand“-Mix von Gavin MacKillop und den anderen beiden Songs.

Auf dem Album „Viva“ könnt ihr euch bei folgenden Streamingdiensten zumindest die Album-Version von „Matador“ und „4“ anhören, die Extended Version von „Matador“ und „Paho“ habe ich leider nirgendwo gefunden (nur bei *hust* YouTube).

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DiscogsDienstag: Undinyx – Antarctica

Das Album, welches ich heute vorstelle, dürfte den treuen Zuhörenden vom GothDiscoInferno bekannt sein, ansonsten hat es leider wenig Aufmerksamkeit erlangt. Die Rede ist von „Antarctica“, dem zweiten Album der Hamburger Musikerin Laura Müller alias Undinyx. Laura ist außerdem Sängerin und Gitarristin der von mir sehr geschätzten Band Grundeis. Während sie dort düsteren Post-Punk mit Shoegaze-Anklängen macht, geht ihr Soloprojekt in Richtung Dark-Wave und Ethereal. In meiner Sammlung habe ich „Antarctica“ als Musikkassette, die ich nach einem Konzert am 26.11.2024 direkt bei Laura am Merch-Stand gekauft habe, ein Bandcamp-Downloadcode war auch dabei. Über das Konzert habe ich hier schon berichtet.

Undinyx schafft auf „Antarctica“ eine düstere, atmosphärische Klangwelt, in der Keyboards und Synthesizer die Herrschaft übernehmen, unterstützt von spärlichen Gitarren-Parts. Der Gesang ist verhallt und klagend, trägt damit in Verbindung mit den ebenfalls düsteren Texten zu der mystischen Stimmung des Albums bei. Ich kann gar keinen Song hervorheben, „Antartica“ ist gut in einem Stück zu hören.

Die Kassette ist auf 50 Exemplare limitiert und somit bereits ausverkauft, bei Bandcamp gibt es allerdings „Antarctica“ als digitales Album:

Antarctica von Undinyx

Laura ist bei ihrem Solo-Projekt nicht nur für Komposition, Interpretation und Recording selbst verantwortlich, sondern kümmert sich auch um das Artwork. Nur beim Mastering ihrer Songs läßt sie sich von Denis Wanic (Suir) unterstützen.

Das Debütalbum von Undinyx war übrigens selbstbetitelt und ist ebenfalls über Bandcamp erhältlich. Mittlerweile hat Laura Müller ein weiteres Soloprojekt gestartet. Mit Kobalin hat sie bisher den Song „Tief Fallen“ veröffentlicht, der in Richtung „Neue Neue Deutsche Welle“ geht, also flotten Post-Punk mit deutschen Texten.

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DiscogsDienstag: Joy Division – Untitled Bootleg EP

Trotz ihrer kurzen Schaffenszeit, die vor über 45 Jahren mit dem Selbstmord von Ian Curtis am 18.05.1980 endete, haben Joy Division tiefe Spuren hinterlassen und beinflussen noch heute das Post-Punk-Genre. Vielleicht haben sie dieses Genre auch begründet, denn selbst inspiriert von einem Konzert der Sex Pistols beschlossen Bernhard Sumner (Gitarre) und Peter Hook (Bass), beide damals 20 Jahre alt, eine Band zu gründen. Mit dem gleichaltrigen Ian Curtis fanden sie einen Sänger. Sie nannten sich zunächst „Stiff Kittens“, der Name wurde ihnen von Pete Shelley (Buzzcocks) vorgeschlagen.

Mit den Buzzcocks hatten sie auch ihren ersten Auftritt am 28.05.1977 im Electric Ballroom in ihrer Heimatstadt Manchester. Kurz vor dem Gig änderten sie den Bandnamen in „Warsaw“, nach dem Lied „Warszawa“ vom David Bowie-Album „Low“. Sie wollten nicht „the Irgendwas“ genannt werden. Leider war es nicht mehr möglich, die Namensänderung auf den Plakaten und Flyern anzupassen, so dass dort noch „Stiff Kittens“ angekündigt wurden. Dies soll das Verhältnis zu den Buzzcocks nachhaltig verschlechtert haben.

Erst nach diesem Konzert stieß Stephen Morris dazu, nachdem verschiedene Schlagzeuger ausprobiert wurden. In dieser endgültigen Besetzung ging Warsaw am 18.07.1977 in die Pennine Sound Studios in Oldham, um die ersten Demoaufnahmen zu machen, die später auf verschiedenen Bootlegs erschienen sind. Die ersten Songs, die offiziell veröffentlicht wurden, enstanden am 14.12.1977 ebenfalls in den Pennine Sound Studios. Die Single (01.06.1978) und die EP (10.10.1978) „An Ideal For Living“ wurden unter dem neuen Namen „Joy Division“ im Eigenvertrieb herausgebracht. Die erneute Namensänderung kam, um eine Verwechselung mit einer Punk-Band namens „Warsaw Pact“ zu vermeiden. Die Erstauflagen waren auf 1.000 (Single) bzw. 2.044 Einheiten (EP) limitiert, es existieren daher auch eine ganze Reihe von Bootlegs mit diesen Aufnahmen. Unter anderen der, den ich in meiner Sammlung habe und der als „SPECIAL LIMITED EDITION COLLECTORS ITEM“ betitelt ist. Er enthält außerdem zwei Aufnahmen von der „Unknown Pleasures“-Session vom April 1979 aus den Strawberry Studios in Manchester. Diese beiden Songs, „Auto-Suggestion“ und „From Safety To Where…?“, wurden im selben Jahr auf der Compilation „Earcom 2: Contradiction“ veröffentlicht sowie später auf dem Sampler „Substance“ (11.07.1980).

Der Bootleg hat keine Angaben über den Herausgeber, auch die Schallplattenetiketten sind nur einfarbig schwarz und rot ohne weitere Aufdrucke. Auf der „schwarzen Seite“ befinden sich die Lieder „Warsaw“, „No Love Lost“ (die beiden Lieder sind auf dem Cover vertauscht) und „Auto-Suggestion“. Auf der „roten Seite“ sind „From Safety To Where…?“, „Leaders Of Men“ sowie „Failures“ zu hören.

Die Lieder sind ein faszinierendes Stück Musikgeschichte, das den frühen Stil der Band zeigt, bevor sie zu ihrem späteren, charakteristischen Post-Punk-Sound fanden. Z. B. ist Peter Hooks Bass-Sound noch nicht so ausgereift und unverkennbar wie auf den späteren Alben und bei New Order, aber dennoch schon bemerkenswert. Noch ist er allerdings mehr rhythmisch als melodisch geprägt. Der Gesang von Ian Curtis, auch ein wesentliches Merkmal der Band ab dem Album „Unknown Pleasures“, ist hier rauer, punkiger und noch nicht so dunkel.

Joy Division ist neben The Cure und Siouxsie And The Banshees ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Post-Punk- und Gothic-Musik aus dem Punk heraus entwickelt und viele feine Facetten gebildet hat. Leider wurden JD durch den Tod ihres Sängers Ian Curtis nach nur zwei Alben – das zweite Album „Closer“ wurde 1980 posthum veröffentlicht – Geschichte und wir werden nie erfahren, was passiert wäre, wenn es New Order nicht gegeben hätte. Allerdings möchte ich die auch nicht missen.

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DiscogsDienstag: Echo & the Bunnymen – Heaven Up Here

Echo & the Bunnymen gehören zu den prägendsten und erfolgreichsten Bands des Post-Punk und New Wave – und sind bis heute aktiv. Doch wenden wir uns den Anfängen zu. Echo & the Bunnymen wurden 1978 in Liverpool gegründet. Ian McCulloch (Gesang, Gitarren), Will Sergeant (Gitarre) und Les Pattinson am Bass bildeten die erste Besetzung. Zunächst nutzte die Band einen Drumcomputer, der scherzhaft „Echo“ genannt wurde – ein Name, der später fälschlich als Ursprung des Bandnamens interpretiert wurde. „Echo“ wurde 1980 durch den Schlagzeuger Pete de Freitas ersetzt. Auf das Debütalbum „Crocodiles“ (1980) folgte „Heaven Up Here“ (1981), das von der britischen Musikzeitung NME (New Musical Express) mit dem NME-Award für das „Bestes Album“ und das „Best Dressed Album“ ausgezeichnet wurde. Außerdem erreichte „Heaven Up Here“ Platz 10 in den britischen Album-Charts.

Als Produzent wurde Hugh Jones gewonnen, der im selben Jahr auch mit The Sound deren Album „From The Lions Mouth“ produzierte. Musikalisch waren sich beide Bands zu dem Zeitpunkt recht ähnlich. Während The Sound sich stärker am düsteren, rhythmischen Post-Punk orientierten, integrierten Echo & the Bunnymen bereits auf ‚Heaven Up Here‘ psychedelische Gitarrenklänge und epische Arrangements – ein Markenzeichen ihres späteren Stils. Auch wenn es sehr erfolgreich war, fehlen Hit-Songs. Die einzige Singleauskopplung „A Promise“ schaffte es immerhin auf Platz 49 der britischen Singlecharts, blieb damit allerdings hinter den späteren Klassikern „The Killing Moon“ (1984, Platz 9), „Bring On The Dancing Horses“ (1985, Platz 21) und „Lips Like Sugar“ (1987, Platz 36) zurück.

Mit „Heaven Up Here“ schufen Echo & the Bunnymen ein zeitloses Meisterwerk: ein Album, das durch seine düstere, atmosphärische Klangwelt und die Verbindung von Post-Punk, Psychedelic und epischer Melancholie bis heute fasziniert.

Und bis heute sind Echo & the Bunnymen, wie eingangs bereits erwähnt, aktiv. Ihr bisher letztes Album „The Stars, the Oceans & the Moon“ ist 2018 erschienen. 2026 sind die Gründungsmitglieder Ian McCulloch und Will Sergeant mit neuen Musikern in England, Brasilien und Nordamerika auf ihrer „The Very Best Of Echo & The Bunnymen 1978–2026“-Tour. Für Deutschland sind noch keine Termine bekannt.

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DiscogsDienstag: Clan Of Xymox – Hidden Faces

Clan Of Xymox können wir zur „first wave of gothic“, denn die Band wurde Anfang der 80er Jahre unter dem Namen Xymox in den Niederlanden gegründet. Zwischen einer EP und dem ersten Longplayer änderten sie diesen in Clan Of Xymox, vielleicht wollten sie im Plattenregal lieber vor The Cure stehen als hinter X-mal Deutschland? Gleich mir ihrer ersten Single aus dem selbstbetitelten Debütalbum gelang ihnen 1985 ein Dancefloor-Klassiker: A Day. Nach ihrem zweiten Album, Medusa, wurden sie wieder zu Xymox und brachten bis 1993 vier weitere Alben heraus. 1994 begann eine dreijährige Pause, die 1997 mit dem Erscheinen des Albums Hidden Faces beendet wurde.

Die letzten beiden Xymox-Alben stellten einen Stilwechsel dar, was daran lag, dass die langjährigen Mitglieder Anke Wolbert und Pieter Nooten die Band 1991 verlassen hatten und Ronny Moorings als alleiniger Songwriter zurückblieb. Er orientierte sich am Manchester Rave und so erinnern die beiden Alben Metamorphosis und Headclouds leicht an New Orders Technique. Nach der Pause kam er 1997 als Clan Of Xymox mit neuer Besetzung und dem Album Hidden Faces zurück und schuf damit ein Werk, das an die alten Erfolge anknüpfen konnte und den Grundstein für den weiteren Verlauf seiner Karriere legte. Produziert wurde das Album mit David M. Allen, der schon u. a. mit The Cure, The Chameleons und The Sisters Of Mercy arbeitete. Eingängige Melodien treffen auf elektronische Beats und Gitarren, die mal wavig, mal post-punkig klingen.

Hervorzuheben sind die ersten drei Titel Out Of The Rain, This World und Going Round ’97, welches in der Urfassung auf der ersten Xymox-EP vertreten war. Die weiteren Stücke The Child In Me, Wailing Wall, It’s A Lie, Sing A Song, Hypochrite und Special Friends bewegen sich zwischen Dark Wave, Post-Punk, Gothic Rock bis hin zum Industrial, bevor das Album mit den ruhigeren Songs Piano Piece, Your Vice, November und The Story Ends zum Abschluss kommt.

Hidden Faces ist ein guter Einstiegspunkt für alle, die Clan Of Xymox noch nicht kennen. Darauf folgten noch 11 Studio-Alben, sowie weitere Live- und Remix-Alben. Und zwei Peel-Sessions aus dem Jahr 1985 sind auch erhältlich.

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DiscogsDienstag: Siouxsie And The Banshees – Twice Upon A Time – The Singles

Die britische Band Siouxsie And The Banshees gehören zweifellos zur Speerspitze des Gothic-Genres. Frontfrau Siouxsie Sioux, bürgerlich Susan Janet Ballion, ist zudem mit ihrem Style ein Vorbild für viele weibliche Gothics und das bis heute. Ihre Wurzeln hatte sie in der Punk-Bewegung, sie gehörte zu einer Gruppe von Fans der Band Sex Pistols. Dazu gehörten unter anderen auch der spätere Bassist der Banshees, Steve Severin und Billy Idol. Zur ersten Besetzung der Band gehörte Sid Vicious, der hier Schlagzeug spielte bevor er Bassist bei den Sex Pistols wurde. Anders als andere Band bekamen Siouxsie And The Banshees gleich einen Plattenvertrag bei einem Major-Label, Polydor. Dort erschien 1981 die erste Singles-Collection namens „Once Upon A Time„, zu deutsch „Es war einmal“ mit den Singles der Jahre 1978 bis 1981. Elf Jahre folgte die Fortsetzung und dem Titel „Twice Upon A Time“, also zu deutsch „Es war zweimal“. Ich finde dieses Wortspiel grandios.

Nun, „Twice Upon A Time“ erschien also 1992 mit den Singles des Jahre 1982 bis 1992 und reicht von „Fireworks“ bis „Face To Face“ aus dem Film „Batman Returns“. Auch enthalten sind die Cover-Versionen „Dear Prudence“ (The Beatles), „This Wheel’s On Fire“ (Bob Dylan) und „The Passenger“ (Iggy Pop). Und natürlich auch die Hits „Cities In Dust“ und Candyman“ vom 1986er Album „Tinderbox“. Leider fehlt der wunderschöne „Song From The Edge Of The World“, der wie „Fireworks“ und „Dear Prudence“ auf keinem Album enthalten ist. Erst 2014 tauchte der Song auf einer Neuauflage der CD „Through The Looking Glass“, auf der sonst nur Coverversionen enthalten sind, als Bonustrack auf.

Ansonsten ist „Twice Upon A Time“ eine sehr schöne Compilation, die die Entwicklung der Band vom Post-Punk über Gothic-Rock zum Alternative Rock. Von 1982 bis 1984 begleitete Robert Smith (The Cure) die Band an der Gitarre, auf diesem Album ist er bei „Dear Prudence“, „Swimming Horses“ und „Dazzle“ zu hören. Er war einer von fünf Gitarristen, die Siouxsie And The Banshees verschlissen haben.

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