DiscogsDienstag: The Jesus & Mary Chain – Stoned & Dethroned

Über die schottische Band The Jesus & Mary Chain muss ich eigentlich nicht viel schreiben, sie gehören zu den Pionieren des Shoegaze, besonders mit ihren ersten beiden Alben „Psychocandy“ (1985) und „Darklands“ (1987) und im Grunde bekommt man von den Reid-Brüdern Jim und William immer, was man erwartet: Post-Punk, Noise Pop und Shoegaze mit einer Prise Rock’n’Roll, Surf-Rock und Blues. So auch auf ihrem 1994er Album „Stoned & Dethroned“, ihrem fünften Longplayer.

Das Highlight des Albums ist für mich „Sometimes Always“ mit Gastsängerin Hope Sandoval (Mazzy Star), die zu der Zeit mit William Reid zusammen war und das Lied mit Jim Reid im Duett singt, ganz in der Tradition von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra. Ein weiterer Gastsänger war Shane MacGowan (The Pogues), der „God Help Me“ gesungen hat. Insgesamt finden sich 17 Songs auf dem Album, das eigentlich als Akustik-Album geplant war, was an einigen Stellen noch hörbar ist („Everybody I Know“). Es sind viele ruhigere Songs dabei, aber auch klassische, flotte JAMC-Stücke („She“, „Girlfriend“). Die Besetzung bestand aus Jim Reid (Gesang, Gitarren, Bass), William Reid (Gesang, Gitarren, Bass), Steve Monti von Curve (Schlagzeug) und Ben Lurie (Gitarre, Harmonika, Orgel, Bass).

Wie so häufig bei familiären Bandprojekten haben sich auch die Reid-Brüder irgendwann zerstritten, so dass es von 1998 bis 2007 Funkstille zwischen ihnen gab. Danach traten sie jedoch wieder gemeinsam auf und veröffentlichten noch die Alben sieben und acht, „Damage and Joy“ (2017) und „Glasgow Eyes“ (2024).

Ich habe The Jesus & Mary Chain am 02.07.1988 beim Roskilde Festival live gesehen.

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DiscogsDienstag: Die Goldenen Zitronen – Am Tag als Thomas Anders starb

Die Goldenen Zitronen wurden 1984 im Umfeld der Hafenstraße in Hamburg gegründet. Schorsch Kamerun (Gesang), Aldo Moro (Gitarre/Bass), Ale Sexfeind (Schlagzeug) und Ted Gaier (Gitarre/Bass) machten Fun-Punk und Polit-Punk, wurden zunehmend avangardistischer und gelten als Mitbegründer der „Hamburger Schule“. Mit ihrer Single „Am Tag als Thomas Anders starb“ erlangten sie 1986 große mediale Aufmerksamkeit. Es soll die erfolgreichste deutsche Indie-Single sein.

Dabei handelt es sich um eine Punk-Coverversion des Schlagers „Am Tag als Conny Kramer starb“ von Juliane Werding aus dem Jahr 1972, welcher wiederum eine Coverversion des Folk-Rock-Songs „The Night They Drove Old Dixie Down“ von The Band (1969) war. Im Original ein Anti-Kriegs- bzw. Anti-Drogensong machten Die Goldenen Zitronen daraus ein Anti-Thomas-Anders-Lied, der zu der Zeit mit Modern Talking sehr erfolgreich war. Unterstützt wurden die Zitronen dabei von Rod Gonzales am Banjo, der bekanntlich heute bei den Ärzten praktiziert.

Und auch der musikalische Partner von Thomas Anders bekommt Erwähnung auf der Single, nämlich im Lied „Zitronenmord“ auf der B-Seite. „Zitronenmord“ handelt vom mysteriösen Ableben der bekannten Hamburger Musiker Udo Lindenberg, Achim Reichel, Dieter Bohlen, Freddy Quinn und Jutta Weinhold, „sie lagen alle tot mit ’ner Zitrone im Maul da“.

Ich habe Die Goldenen Zitronen leider nicht so intensiv verfolgt. Ich habe mal das Album „Porsche, Genscher, Hallo HSV“ von 1987 als CD besessen, aber die ist im Laufe der Zeit leider verschütt gegangen. Darauf ist ja der zweite Zitronen-Hit, „Für immer Punk“. Der lief häufig am Ende in meiner Stammdisco, bevor dann zu „Streetlife“ von Randy Crawford das Licht anging.

Die Goldenen Zitronen sind nicht bei Fun-Punk- und Rockabilly-Songs stehen geblieben, sondern haben sich mit den Jahren weiterentwickelt. In späteren Veröffentlichungen werden sie elektronischer und entdecken No-Wave, Hip-Hop, Krautrock und Jazz für ihre Musik. Wie oben bereits erwähnt, haben sie auch auf die Bands der „Hamburger Schule“ Einfluss genommen.

Die Goldenen Zitrone bestehen heute immer noch, von der Originalbesetzung sind Schorsch Kamerun und Ted Gaier noch dabei. Nach dem letzten Album „More Than A Feeling“ (2019) erschien 2024 zum 40. Jubiläum eine Best-Of-Compilation auf 3 LPs, darunter ist auch „Am Tag als Thomas Anders starb“.

#DieGoldenenZitronen #Discogs #DiscogsDienstag #Punk #Rockabilly

DiscogsDienstag: David Bowie – Earthling

Muss ich viel über David Bowie schreiben? Nein. Wird das dann hier ein kurzer Beitrag? Vielleicht. Meistens fällt mir erst beim Schreiben immer mehr ein, mal sehen, wie das heute wird. Wir schreiben das Jahr 1997 und David Bowie veröffentlicht sein 21. Studio-Album „Earthling“ oder „EART HL I NG“, wie es in goldenen Lettern auf dem Cover steht, 30 Jahre nach seinem selbstbetitelten Debüt. In den Credits entdecken wir neben Bowies langjährigem Weggefährten Brian Eno den Gitarristen Reeves Gabrels, der auch an den Bowie-Alben „Black Tie White Noise“ (1993), „Outside“ (1995) und „Hours“ (1999) mitgewirkt hat. Seit 1997 ist Gabrels auch Live-Gitarrist bei The Cure und ebenfalls auf dem letzten Cure-Album „Songs Of A Lost World“ (2024) zu hören. Bei Bowie spielte Gabrels Gitarre und Synthesizer und war am Songwriting beteiligt, auf „Earthling“ an sieben der neun Songs.

Das Album „Earthlings“ vereint Drum and Bass mit Industrial- und Hard-Rock, Electronica und Jungle-Rhythmen. Das tritt schon beim grandiosen Opener „Little Wonder“, geschrieben von Bowie, Gabrels und Mark Plati, deutlich hervor. „Looking For Satellites“ aus der gleichen Feder ist dagegen ein ruhigeres Stück, bei dem das Gitarrensolo von Gabrels heraussticht. Bei „Battle for Britain (The Letter)“ dominiert wieder Drum And Bass und eine harte Gitarre, zwischendurch ist ein weirdes Klavier zu hören. Auch dieser Song wurde von dem Trio geschrieben. „Seven Years in Tibet“ ist eine Bowie/Gabrels-Komposition mit einer ruhige Strophe und einem gitarrendominierten Refrain mit fast wütendem Gesang und einer prägnanten Synth-Orgel. „Dead Man Walking“ (Bowie/Gabrels) hat wieder flotte Drum And Bass-Elemente und flimmernde Synthies. Der treibende Beat macht das Lied sehr tanzbar. Am Ende kommt ein Jazz-Piano dazu. „Telling Lies“ wurde von Bowie während der „Outside“-Sessions alleine geschrieben. Auch hier wurde ein Drum And Bass-Rhythmus verwendet, die Instrumentierung ist deutlich spärlicher als bei den anderen Songs, so dass Bowies Stimme eine tragende Rolle einnimmt. „The Last Thing You Should Do“ (Bowie/Gabrels/Plati) vereint erneut Drum And Bass mit ballernden Gitarrenwänden und diesmal spärlichem Gesang sowie sanften Keyboard-Teppichen. Der nächste Titel „I’m Afraid of Americans“ stammt vom bewährten Team Bowie/Eno und ebenfalls aus den „Outside“-Sessions. Er klingt bereits in der Album-Version so, als ob er von Trent Reznor remixt werden müßte, was er schließlich auch wurde. Sechs Remixe umfasst die Maxi-Single, davon fünf von Nine Inch Nails. Reznor tritt auch im Musikvideo zu „I’m Afraid of Americans“ auf, wo er einen Stalker spielt, der David Bowie verfolgt. Zuletzt kommt wieder eine Bowie/Gabrels-Komposition, „Law (Earthlings on Fire)“. Es ist ein Industrial-Track, fast EBM, mit kräftigen Beats und einer verzerrten Stimme. Ein würdiger Abschluss für ein sehr gutes Album.

„Earthling“ ist ein flottes Album, sehr elektronisch und rhythmusgetragen. Der Gesang variert von Song zu Song und die Gitarre gibt hier die entsprechende Würze. Ich finde es erstaunlich, dass relativ gesetzte Musiker – Bowie war 1997 50, Brian Eno 49, Reeves Gabrels immerhin 41 Jahre alt – so frische Musik machen. Naja, Bowie war schon immer sehr wandlungsfähig, auch musikalisch und Eno schon immer experimentierfreudig. Insofern kein Wunder, nicht mal ein „Little Wonder“ (das ist übrigens mein Favorit).

#BrianEno #DavidBowie #Discogs #DiscogsDienstag #DrumAndBass #Earthling #Electronica #IndustrialRock #ReevesGabrels

DiscogsDienstag: China Crises – Wishful Thinking

China Crises wurde 1979 von den 17-jährigen Engländern Eddie Lundon und Gary Daly gegründet. Eddie übernahm die Gitarre und den Gesang, Gary die Keyboards und ebenfalls den Gesang. Die Band besteht noch heute und wurde im Laufe der Jahre von vielen Musikern unterstützt. Das bekannteste Mitglied war vielleicht Kevin Wilkinson (1958 – 1999), der vorher Schlagzeuger bei The Waterboys war und China Crises von 1983 bis 1989 begleitete. Die Single „Whishful Thinking“ aus dem Jahr 1984 war der größte Hit von China Crises, der es in England und Irland in die Top-10 der Single-Charts schaffte, in Deutschland immerhin auf Platz 16. In Schweden belegte die Single sogar Platz 1 in den Radio-Charts.

Obwohl Gary Daly der Hauptsänger bei China Crises ist, wurde „Whishful Thinking“ von Eddie Lundon gesungen, der das Lied auch getextet hat. Der Text ist einfach, aber tiefgründig, und passt perfekt zur träumerischen, melancholischen Musik, die von einem prägnanten Synthesizer-Riff getragen wird. Einen richtigen Refrain hat das Lied nicht, die Zeilen „And if I wish to stop it all, and if I wish to comfort the fall, It’s just wishful thinking“ muten eher wie eine aufbauende Bridge an, nach der es jedoch wieder in die Strophe geht. Alles in allem ist „Wishful Thinking“ mal wieder ein zeitloser Song aus der frühen New Wave- und Synth-Pop-Ära, den ihr hier bei eurem bevorzugten Streaming-Dienst anhören könnt. Die Single-Version ist mit 4:08 Minuten, die leider viel zu schnell vergehen, eine gute halbe Minute kürzer als die Maxi-Single und die Album-Version (4:40 Minuten).

Die B-Seite „This Occupation“ ist übrigens nur auf dieser Single erhältlich. Es ist ein flotterer Synth-Pop-Song, der nicht die melancholische Stimmung von „Wishful Thinking“ verbreitet, dafür eher in Richtung Heaven 17 geht.

#ChinaCrises #Discogs #DiscogsDienstag #NewWave #SynthPop #SynthiePop #WhishfulThinking

DiscogsDienstag: The Cure – Bloodflowers

Heute geht es um das mit „Songs Of A Lost World“ beste Spätwerk von The Cure: „Bloodflowers“. Das elfte Studioalbum der Band wurde 2000 unter Mitwirkung von Robert Smith (Gesang, Gitarre, Keyboards), Simon Gallup (Bass), Perry Bamonte (Gitarre), Roger O’Donnell (Keyboards) und Jason Cooper (Drums) veröffentlicht. Es gilt als Abschluss einer inoffiziellen Trilogie, zu der auch „Pornography“ (1982) und „Disintegration“ (1989) gehören. Nach den poppigeren Elementen der Vorgänger „Wish“ (1992) und „Wild Mood Swings“ (1996) wendete The Cure sich hier wieder düsteren, melancholischen Klängen zu.

Auf dem Album bleibt nur das wunderschöne „There Is No If…“ unter der 4-Minuten-Marke, alle anderen Songs sind zum Teil deutlich länger und bestehen aus ausgedehnten Instrumental-Parts, die von Roberts melancholischen und fast zerbrechlichen Stimme unterbrochen werden. Die Texte wirken sehr persönlich, wie bei „There Is No If…“, dass Robert mit 19 Jahren geschrieben haben soll, wahrscheinlich für seine Mary. Zwanzig Jahre später schrieb er „39“, das vom Thema her seine eigene kreative Ausgebranntheit behandeln könnte. Glücklicherweise konnte er das Feuer immer wieder neu entzünden.

Hervorheben kann ich eigentlich nur „There Is No If…“ (das ich jetzt auch schon dreimal erwähnt habe), weil es ein großartiges Liebeslied Marke Robert Smith ist und den Titelsong „Bloodflowers“ wegen der traurigen Schönheit und dem epischen Aufbau des Songs. Im Grunde sind jedoch alle Lieder großartig und machen das Album zu einem Gesamtwerk, dass auch in Gänze gehört werden kann. Zum Tanz fordert uns „Bloodflowers“ (das Album) allerdings nicht auf und es gab auch keine Single-Auskopplung.

The Cure zeigen hier eine musikalische Weiterentwicklung, ohne die bewährten Muster von „Pornography“ und „Disintegration“ zu vernachlässigen, sondern sich darauf zurückzubesinnen. 2002 wurden alle drei Alben auf den „Trilogy“-Konzerten gespielt, eine fast vierstündige Aufnahme von den Konzerten am 11. und 12. November 2002 im Berliner Tempodrom wurde 2003 als DVD veröffentlicht. Das zeigt, was für einen Stellenwert „Bloodflowers“ in der Cure-Diskografie auch für Robert Smith hat.

#Bloodflowers #DarkWave #Discogs #DiscogsDienstag #GothicRock #PostPunk #TheCure

DiscogsDienstag: The The – Soul Mining

Der englische Singer/Songwriter und Multiinstumentalist Matt Johnson gründete sein Projekt The The bereits 1979, veröffentlichte das erste Album Burning Blue Soul 1981 jedoch unter seinem eigenen Namen. 1983 erschien dann das erste Album von The The, Soul Mining. Musikalisch ist das Album gar nicht so leicht zu greifen, ist es Post-Punk? Ist es New Wave? Ist es Art Pop? Oder doch Synth-Pop wegen der eingesetzten Synthesizern? Tatsächlich spielt das alles rein.

Ich bezeichne es hauptsächlich als Post-Punk, weil dies einerseits die Ära beschreibt, in der Matt Johnson seine musikalische Karriere gestartet hat und weil es andererseits ein gutes Beispiel ist, wie unterschiedliche Einflüsse in die Musik hineinspielen. Die Klänge sind eher düster und melancholisch, ohne depressiv zu sein. Das Album zeigt ebenfalls das Hitpotential, das The The haben, wenngleich der große Erfolg nie gelungen ist. Einige Songs haben es aber geschafft, größere und nachhaltige Aufmerksamkeit zu bekommen. Auf Soul Mining war dies vor allem This Is The Day, das auch als Vorabsingle veröffentlicht wurde und in den britischen Charts Platz 71 erreichte. Noch drei Plätze darüber landete die Single-Version von Uncertain Smile, meinem Favorit auf dem Album. Hier ist allerdings eine Neuaufnahme zu hören.

Soul Mining ist ein zeitloses Album, das Genre-Grenzen überwindet, vielfältig instrumentiert ist mit z. B. Akkordeon, Geige, Cello, Mundharmonika, Klavier sowie allerlei Percussions und von Johnsons markanter Stimme getragen wird.

#Discogs #DiscogsDienstag #MattJohnson #NewWave #PostPunk #SynthPop #TheThe

DiscogsDienstag: The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music

Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Video werden, denn ich sehe in letzter Zeit häufiger kurze und lange Videos, in denen Tonträger in die Kamera gehalten werden. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Ein weiterer Nachteil ist, dass ich aus urheberrechtlichen Beschränkungen keine Musik anspielen könnte. Also war die nächste Idee, ein GothDiscoInferno-Special zu machen, in dem ich über die Musik spreche und einige Lieder spiele. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Also nutze ich den Dienstag, um über die Sampler Serie „The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music“ zu schreiben, schließlich ist sie auch Teil meiner Sammlung.

Die Sampler habe sich zum Teil seit 35 Jahren und die letzten fehlenden Teile habe ich erst kürzlich ergänzt, Discogs sei Dank. Die Serie beschreibt auf zehn CDs die Geschichte der britischen Independent-Musik von 1977 bis 1986 und damit den Weg vom Punk über Post-Punk zu den unterschiedlichen Entwicklungen. Los geht’s:

The Indie Scene 77

Es beginnt wie gesagt 1977, als der Punk-Rock dominierte und die britische Jugend zur „No Future“-Gereration machte. Ein Jahr zuvor hatten die Sex Pistols die Bühne betreten und viele junge Fans inspiriert, ebenfalls eine Punk-Band zu gründen. Ein prominentes Beispiel waren Bernhard Sumner und Peter Hook, die auf einen Konzert von Johnny Rotten und Co. beschlossen, auch Musik zu machen, was schlussendlich zu Joy Division und New Order führte (und noch weiteren Nebenprojekten). Auch andere bekannte Namen sind auf dem ersten Sampler zu finden, wenn auch noch nicht mit ihrer endgültigen Band, wie z. B. Joe Strummer, der vor The Clash bei The 101ers spielte und sang. Die erste Single Keys To My Heart wurde 1976 veröffentlicht, als Strummer bereits The Clash gegründet hatte.

Weitere bekannte Namen sind Buzzcocks und The Stranglers, die beide erfolgreich den Post-Punk mitgestalteten und heute noch/wieder aktiv sind. Aus den USA kamen Bands wie die Ramones, The Heartbreakers mit Johnny Thunders (ex-New York Dolls) und Dead Boys mit Stiv Bators, der später The Lords Of The New Church gründete, auf die Insel. Interessant sind auch zwei Bands, die später andere musikalische Wege einschlugen, Johnny And The Self Abusers, die eine Single (Saints And Sinners) herausbrachten und dann zu Simple Minds wurden, und Tubeway Army, die zwar ihren Namen behielten, aber bald nach ihrem Punk-Debüt That’s Too Bad die Gitarren in Synthesizer eintauschten und Pioniere von New Wave und Synthie-Pop wurden.

The Indie Scene 78

Auf dem 78er-Sampler stechen für mich zwei Songs ganz klar heraus, weil sie zu den ersten Post-Punk-Klassikern gehörten: Teenage Kicks von The Undertones und Ever Fallen In Love von Buzzcocks. Hohe Bekanntheit hat auch das Lied Warm Leatherette von The Normal, hinter dem Daniel Miller stand, der Gründer des Indie-Labels Mute Records, das bis 2002 „independent“ blieb und von dem zahlreiche weitere Bands im Verlauf dieser Sampler-Reihe zu hören sind.

Hier gibt es noch Joy Division mit Glass, das 1978 auf einem Factory Sampler veröffentlicht wurde, The Stranglers mit ihrer fünten Single 5 Minutes und Tubeway Army mit Bombers, ihrer auch noch punkigen zweiten Single, die schon den Numan-typischen Gesang hat. Mit The Fall, Lene Lovich und Teardrop Explodes sind auch noch weitere bekanntere Künstler dabei.

The Indie Scene 79

1979 war ein Jahr, das zumindest auf diesem Sampler sehr facettenreich war. Wir erleben Punk mit The Damned (Love Song), Post-Punk mit Joy Division (Novelty, B-Seite von Transmission) und The Teardrop Explodes, Synthwave mit Fad Gadget (Back To Nature) und Tubeway Army (Are ‚Friends‘ Electric?) sowie Ska/2-Tone mit Madness, The Beat und The Selecter. Auch Songs mit Funk-Elementen sind dabei, wie von The Regrets (7 Teen) und The Passions (Hunted).

Herausragend sind noch Cabaret Voltaire mit Nag Nag Nag und The Go-Betweens, die aus Australien kommend die britische Indie-Szene mit ihrem melodisch-poppigen Post-Punk bereicherten.

„Punk Is Dead“ scheint das Jahresfazit zu lauten, denn bis auf The Damned entwickelten alle Bands neue Spielarten, sei es melodisch, düster, elektronisch oder poppig. Es ist interessant, diese Transformation der Musik zu erleben.

The Indie Scene 80

The Indie Scene 80 kassiert mein Vorjahresfazit gleich wieder ein, denn es kamen die Dead Kennedys mit ihrer ersten Single Califonia Uber Alles in die britischen Indie-Charts und die sind ja definitiv noch Punk. Daneben sind einige Hochkaräter dabei, nämlich Echo & The Bunnymen (Pictures On My Wall), Joy Division (These Days, B-Seite von Love Will Tear Us Apart), Bauhaus (Dark Entries), Cabaret Voltaire, D.A.F. (Kebabträume), Fad Gadget (Ricky’s Hand) und The Fall (Totally Wired).

Einige Musiker kamen erst später zu Ruhm und Ehre wie Pete Burns, hier mit Nightmares In Wax und deren einzigen Single Birth Of A Nation vertreten, wurde mit Dead Or Alive erfolgreich. Bei den Q Tips sang ein gewisser Paul Young, der unter eigenem Namen und unter anderem auch einer Coverversion von Love Will Teart Us Apart zu einem der Pop-Stars der Achtziger wurde. Genau wie der Sänger von den Frantic Elevators, Mick Hucknall, später als Simply Red bekannt.

Eines meiner Highlights dieser Ausgabe ist Gathering Dust von Modern English, das 1983 auch von This Mortal Coil gecovert wurde. Und es bleibt die von Spizz Energi aufgeworfene Frage: Where’s Captain Kirk?

The Indie Scene 81

Wir machen einen Exkurs in die Gegenwart. Im Jahre 2022 brachte Netflix eine Serie über Wednesday Addams heraus. In Episode 4 wird eine Schulfeier (Raben-Tanz) gezeigt, auf der Jenna Ortega als Titelheldin zum Song Goo Goo Muck von The Cramps einen interessanten Tanz performte, zu dem sie u.a. Siouxsie Sioux, Lene Lovich und Archivmaterial von Goths in den Tanzclubs der 1980er-Jahre inspiriert hatten. Die Tanzszene ging bei TikTok viral, allerdings nicht mit der Originalmusik sondern mit einer Sped-Up-Version von Lady Gagas „Bloody Mary“. Goo Goo Muck bekam nach 41 Jahren trotzdem Beachtung, so stiegen z. B. die Streams alleine bei Spotify um 9.500%.

Zurück ins Jahr 1981. Damals kam ein großer Hit aus der Indie-Szene, nämlich It’s My Party von Dave Stewart & Barbara Gaskin. Die Single wurde Platz 1 in England und Platz 3 in Deutschland und Österreich. Mit diesem Erfolg kann kein anderes Lied auf dieser Compilation mithalten, trotzdem finden wir einige interessante Songs. Is Vic There? von Department S erreichte immerhin Platz 22 in den britischen Single-Charts. In der deutschen Wikipedia wird ohne Quelle erwähnt, dass dieses Lied als Vorlage für Kaltes Klares Wasser von Malaria! gedient hätte. Eine gewisse Ähnlichkeit konnte ich feststellen, aber keine weiteren Belege finden.

The Southern Death Cult ist mit Fatman vertreten. Die Gothic-Rock-Band um Sänger Ian Astbury ist vielleicht Rekordhalterin im Namenswechsel, denn die Nachfolgecombo nannt Astbury Death Cult, was kurz darauf auf The Cult verkürzt wurde. Angeblich, weil man mit dem „Death“ im Namen Probleme beim erwünschten Erfolg in den USA vermutete. The Southern Death Cult trat mit Bands wie Sex Gang Children, UK Decay und Bauhaus auf und trennte sich 1983.

The Birthday Party mit Nick Cave konnten mit ihrer Goth-Hymne Release The Bats nur die Indie-Charts stürmen, die Fledermäuse landeten dort auf Platz 3. Die Australier waren 1980 nach England gekommen. Im selben Jahr hatte Pete Burns Nightmares In Wax in Dead Or Alive umbenannt und als erste Single unter diesem Namen I’m Falling veröffentlicht. A Flock Of Seagulls debütierten mit (It’s Not Me) Talking und der auffälligen Frisur ihres Sängern Mike Score, musikalisch besticht das Wave-Gitarrenspiel des damals 19-jährigen Paul Reynolds, das er später noch perfektionierte. Die Virgin Prunes sind mit einem Song ihrer zweiten EP vertrete, In The Greylight.

The Indie Scene 82

1982 war laut Booklet-Text für die Indie-Labels eine schwere Zeit, denn die großen Plattenfirmen erkannten das Potential auch und begannen, ihre eigenen „Indie-Labels“ zu gründen. Natürlich mit mehr Budget und den damit verbundenen besseren Vertriebsmöglichkeiten und Radioeinsätzen. Dennoch brachte das Jahr einige brilliante Indie-Produktionen hervor, wie Night & Day von Everything But The Girl, eine Coverversion der Cole Porter-Ballade (1932), das immerhin in den UK-Single-Charts auf Platz 92 kam. In den Indie-Charts auf Platz 1 landete New Order mit Temptation, das außerdem in den UK-Single-Charts auf Platz 29 stieg. Saturday Night Special, die fünfte Single von Fad Gadget, kam dagegen nur in den Indie-Charts aus Platz 22.

Aus den USA kamen Wall Of Voodoo mit ihrer Single On Interstate 15. Sie bereicherten die Szene mit ihrem Cowpunk, einem Post-Punk mit Country-Elementen und waren damit vielleicht auch Inspiration für Fields Of The Nephilim. Ihr Sänger Stan Ridgeway verließ die Band 1983 und startete eine Solo-Karriere, die 1986 mit dem Hit Camouflage ihren Höhepnkt erreichte.

Stiv Bators (The Dead Boys) hatte 1981 mit ehemaligen Mitgliedern von u. a. The Damned und Sham 69 die Supergroup The Lords Of The New Church gegründet. Mit Open Your Eyes veröffentlichten sie ihre zweite Single, die Platz 27 in den US-Billboard-Charts erreichte sowie Platz 7 in den UK-Indie-Charts. The Lords Of The New Church vereinten in ihren Songs Punk, Post-Punk, Garage- und Gothic-Rock und haben bis zur ihrer Trennung 1989 noch einige weitere Szene-Klassiker geschaffen.

Aprospos „Szene-Klassiker“, der Pagan Lovesong von Virgin Prunes fällt auch in diese Kategorie und der bekannteste Song der Toy Dolls, Nellie The Elephant, die vielleicht den Fun-Punk erfunden haben. Das Lied ist übrigens eine Coverversion eine Kinderliedes aus dem Jahr 1956.

The Indie Scene 83

1983 wurde die Indie-Szene von einer Maxi-Single überstrahlt, die bis heute die erfolgreichste 12-Inch aller Zeiten ist: Blue Monday von New Order. Dabei hat ist die Plattenfirma Factory Records fast bankrott gegangen, weil das Cover in Form einer Floppy-Disk ausgeschnitten war, was sehr kostspielig war. In den Indie-Charts belegte Blue Monday natürlich den 1. Platz, in den UK-Single-Charts Platz 9. Ein weiterer Chartstürmer in diesem Jahr war Everything Counts von Depeche Mode, das in den UK-Single-Charts sogar auf Platz 6 kam, in Deutschland auf 23. Der ehemalige Depeche Mode-Mastermind Vince Clarke war gleich mit zwei Bands vertreten, Yazoo (Nobody’s Diary aus der Feder von Alison Moyet) und The Assembly (Never Never), seinem kurzlebigen Projekt mit Feargal Sharkey, dem ehemaligen Sänger von The Undertones. Nobody’s Diary schaffte Platz 3 in den UK-Single-Charts (Deutschland 18), Never Never lag jeweils einen Platz dahinter.

Außerdem erwähnenswert finde ich das A-Capella-Stück It’s A Fine Day von Jane, einem One-Hit-Wonder. Das Lied wurde auch gecovert und remixed, das Original besteht aber wirklich nur aus der Stimme von Jane Lancaster, die ansonsten nicht musikalisch tätig war. Wall Of Voodoo hatten mit Mexican Radio ihren größten Hit, der ihnen auch den Status „One-Hit-Wonder“ einbrachte, weil er als einzige ihrer Singles in die US-Top100 kam.

Great Expectations war die zweite Single von New Model Army, die als eine der wenigen Bands ihre Karriere bis heute fortgesetzt haben. Für The Birthday Party war dagegen kurz nach Veröffentlichung der EP The Bad Seed mit dem Song Sonny’s Burning Schluss, Nick Cave gründete u. a. mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) Nick Cave And The Bad Seeds, andere Birthday Party-Mitglieder schufen Crime & The City Solution und These Immortal Souls.

The Indie Scene 84

New Model Army schafften es 1984 mit ihrer dritten Single The Price auf Platz 1 der UK-Indie-Charts und 98 der UK-Single-Charts. Nick Cave war 1983 nach West-Berlin und coverte 1984 In The Ghetto von Elvis Presley. Ob die Songauswahl mit seinem Wohnortwechsel zusammenhing? Sandy Shaw, die 1967 mit Puppet On A String den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann und ihre Karriere eigentlich 1969 beendete, coverte Hand In Glove von The Smiths.

Anne Clark schuf mit ihrer ersten Singleauskopplung Our Darkness in dem Jahr ebenso einen Synthie-Pop-Klassiker wie Depeche Mode mit Master & Servant. Mit ihrer zweiten Single Spiritwalker (aus dem Debütalbum Dreamtime) schafften The Cult einen Klassiker des Gothic-Rock.

Ansonsten finden sich auf diesem Sampler unbekanntere Bands, z. B. die Folk-Punk-Band The Man They Could’t Hang mit The Green Fields of France (No Mans Land), einer Coverversion eines Anti-Kriegs-Liedes aus dem Jahr 1976 von Eric Bogle, der auch den bekannten Folksong And the Band Played Waltzing Matilda geschrieben hat, der u. a. von Joan Baez, The Dubliners und The Pogues gespielt wurde. Ein bekannter Name findet sich allerdings auch noch in einer der Bands, Float Up CP war eine der Bands in der Neneh Cherry sang, bevor sie ihre erfolgreiche Solo-Karriere startete. Leider ist der Song Joy’s Adress nur bei YouTube verfügbar. Der Song vereint Post-Punk mit Ska-, Jazz- und Soul-Elementen.

The Indie Scene 85

Die Indie-Szene im Jahr 1985 brachte einige meiner Lieblingslieder hervor, die damals in meiner Stammdisco (Baumgarten, Bistensee) regelmäßig gespielt wurden. Love And Rockets (Bauhaus ohne Peter Murphy) waren mit ihrer Coverversion von Ball Of Confusion (The Temptations) genauso dabei wie The Fall mit Cruiser’s Creek, Billy Bragg mit A New England und The Woodentops mit It Will Come. Hach, diese Erinnerungen.

Und auch The Man They Couldn’t Hang sind wieder dabei mit Ironmasters, diesmal eine Eigenkomposition, sowie Sonic Youth feat. Lydia Lunch mit Death Valley ’69, einem Song über Charles Manson, und Johnny Thunders & Patti PaladiKittie Whiten mit der Coverversion Crawfish, im Original von Elvis Presley und Kittie White.

The Indie Scene 86

Im Jahre 1986 endet unsere Reise durch die britische Independent-Musik, nicht ohne noch ein paar Highlights zu liefern. Pulp ist eine Band, die viele mit der Brit-Pop-Ära in Verbindung bringen, tatsächlich wurde sie schon 1978 von dem damals 15-jährigen Jarvis Cocker und Peter Dalton gegründet. Übrigens war auch Simon Hinkler Mitglied bei Pulp, bevor er bei The Mission einstieg. Das war allerdings vor der Single Little Girl (With Blue Eyes).

Billy Bragg wird nochmal berücksichtigt, mit seinem wunderschönen Song Levi Stubbs‘ Tears und auch Vince Clarke mit Sometimes von Erasure. The Primitives mochte ich damals auch gerne, ich war sogar ein wenig in Sängerin Tracy Tracy verschossen. Das war Really Stupid, schließlich ist sie blond. 😉

All About Eve haben auch eine schöne weibliche Stimme zu bieten, Julianne Regan, die vorher Bassisten von Gene Loves Jezebel, Backgroundsängrin bei The Mission und auch mal mit der ehemaligen Schlagzeugerin von Xmal Deutschland, Manuela Zwingmann, in einer Band namens The Swarm war. Zusammen mit Tim Bricheno, der später zu The Sisters Of Mercy ging, gründete sie All About Eve. In The Clouds heißt ihr Beitrag auf dieser Compilation.

Abschließend möchte ich noch Lee Remick von The Go-Betweens erwähnen, ein Re-Release ihrer ersten Single aus dem Jahr 1978 und Velveteen eine tolle Ballade der Gothic-Rock-Band The Rose Of Avalanche, die zu der Zeit Vorgruppe von The Mission waren und sich 2019 nach 27 Jahren Pause wieder zusammenfanden und 2026 in GB touren.

Ich hoffe, dass dieser längere DiscogsDienstag interessant war, ich habe natürlich meine persönliche Brille aufgehabt, es waren noch viel mehr Bands und Lieder dabei, als ich hier erwähnt habe. In den Überschriften sind die Discogs-Seiten der CDs verlinkt, dort sind die vollständigen Tracklisten nachzulesen.

Und falls die Frage aufkommt, warum einige wichtige Bands nicht vorkommen wie The Cure, Siouxsie And The Banshees oder The Sisters of Mercy, das liegt daran, dass die bei Major-Labels untergekommen sind. The Cure waren bei Fiction Records, einem Sub-Label von Polydor, Siouxsie And The Banshees wurden gleich von Polydor unter Vertrag genommen und Mercyful Release von The Sisters Of Mercy wurde zwar von Andrew Eldritch gegründet, aber 1984 von WEA übernommen. Hier hätten zumindest die ersten Singles berücksichtigt werden können, aber ich habe die Compilations schließlich nicht zusammengestellt. 😉

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DiscogsDienstag: New Order – Decadence

Sind Bootlegs noch ein Thema? Heutzutage gibt es ja von nahezu jedem Konzert kurze oder auch längere Handyvideos bei Youtube zu finden. Das gab es vor dem Internet natürlich noch nicht und unauthorisierte Konzertmitschnitte wurden auf Musikkassetten verkauft oder getauscht. Manche Aufnahmen wurden sogar auf Vinyl gepreßt und unter dem Ladentisch verkauft. So wie das Doppelalbum „Decadence“, das ich mal auf einem Flohmarkt erstanden habe. Darauf finden sich Liveaufnahmen von verschiedenen New Order-Konzerten aus dem Jahr 1989 sowie ein Remix und ein Soundcheck-Mitschnitt aus dem Jahr 1981 mit Liedern von Joy Division.

Es beginnt mit einem Konzert vom 27.04.1989 aus dem Universal Amphitheatre in Universal City (Los Angeles, Kalifornien). Diese Konzert füllt die ersten drei Seiten des Albums mit den Songs „Dream Attack“, „Ceremony“, „All The Way“, „True Faith“, „Mr. Disco“, „Every Little Counts“ (alle Seite A), „Vanishing Point“, „1963“, „Round & Round“, „Temptation“, „Bizarre Love Triangle“ (alle Seite B), „Perfect Kiss“, „Blue Monday“ und „Fine Time“. Seite C schließt mit „Your Silent Face“, aufgenommen einen Tag später am gleichen Ort, das hatten sie am Vortag nämlich nicht gespielt.

Die Seite D beeinhaltet „Touched By The Hand Of God“ (National Exhibition Centre, Birmingham, 26.03.1989), „Love Less“ (Southern Star Amphiteatre, Atlanta, 15.04.1989), „Face Up“ (Saenger Theatre, New Orleans, 16.04.1989) sowie den „Razormaid-Mix“ von „5 8 6“. Den Abschluss bildet der Soundcheck vom 09.02.1981 (Heaven, London) mit den Joy Division-Songs „Walked In Line“, „No Love Lost“, „Digital“, „Decades“ und „Atmosphere“, die jeweils instrumental angespielt werden.

Die Musikauswahl ist ja schon mal nicht schlecht, kommen wir nun zum wichtigsten Punkt, der Soundqualität. Ich sag mal so, ich habe schon schlechtere Bootlegs gehört. Es ist eine Publikumsaufnahme und die Fans sind deutlich zu hören. Die Musik kommt auch gut rüber, der Gesang von Barney hatte damals deutliche Schwächen. Als Fan bin ich allerdings begeistert, ich habe New Order selbst 4 Jahre später auf der Loreley gesehen.

Die 1989er Konzerte fanden im Rahmen der Technique-Tour statt, daher stammen die meisten Songs von diesem Album (nur „Run“ und „Guilty Partner“ fehlten) und auch das Cover des Bootlegs ist an das Design von Peter Saville angelehnt, nur dass die Engelsstatue gespiegelt und ein weißer Hintergrund verwendet wurde.

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DiscogsDienstag: Winter Severity Index – Winter Severity Index

Im Jahre 2009 gründeten vier junge Musikerinnen in Rom eine Post-Punk-Band. Sie nannten sich Winter Severity Index und veröffentlichten im darauffolgenden Jahr ohne Label eine selbstbetitelte EP mit 5 Songs. Das Line-Up bestand aus Simona Ferrucci (Gesang und Gitarre), Diana Salzo (Bass), Elyria (Drums) und Mushy (bürgerlich Valentina Fanigliulo, Synth). Die Erstauflage war 350 CDs, ich habe Nummer 292. 2011 gab es noch eine Neuauflage des deutschen Labels afmusic (2008 – 2018).

Die Debüt-EP ist sehr facettenreich, der Opener „The Wiser“ lebt von einer melodiösen Gitarre, die sich wie ein roter Faden durch die EP zieht und der sich die anderen Instrumente quasi unterordnen.

Bei „Severity“ übernimmt der Bass die Führung und das Schlagzeug treibt präzise mit. Die Gitarre tritt hier einen Schritt zurück, ohne das Melodiespiel abzulegen, was einen schönen Kontrast zum Opener schafft.

„While We’re Living“ ist ein ruhigeres Lied, bei dem die Synthies zum ersten Mal hervorstechen. Die Gitarre beschränkt sich auf Akkorde und der Bass übernimmt die melodische Führung.

„Blind Me“ wird vom Schlagzeug getragen, das von Bass rhythmisch unterstützt wird. Die filigrane Gitarre umspielt das Ganze melodiös.

Zum Abschluss folgt der Bonus-Track „Motionless“, mein Favorit. Ich erinnere mich, dass ich mal irgendwo im Netz (vermutlich auf meinem gelöschten Twitter-Account) geschrieben habe, „Motionless“ sei das „Atmosphere“ (Joy Division) von Winter Severity Index. Es ist das langsamste Lied der EP und alle Instrumente scheinen sich hier auszutoben, aber wie in Zeitlupe, was das Lied sehr atmosphärisch und emotional macht.

Die EP ist eine kurze, aber schöne Reise durch verschiedene Facetten der Dunkelheit: von der melancholischen Klarheit („The Wiser“) bis zur erdrückenden Schönheit („Motionless“). Diese Elemente zwischen Melancholie und rhythmischer Düsternis haben Winter Severity Index in ihren späteren Werken bewahrt.

2012 verließen allerdings Diana und Elyria die Band, so dass Simona und Mushy als Duo weitermachen mussten und 2014 die EP „Survival Rate“ herausbrachten. Das erste Album von Winter Severity Index, „Slanting Ray“ entstand dann 2015 auch ohne Mushy, sie wurde durch Alessandra Romeo an den Tasten ersetzt. Simona und Alessandra haben noch zwei weitere Alben gemacht, „Human Taxonomy“ (2016) und „Disgelo“ (2022). 2025 hat sich die Band zum 15. Jubiläum in der Originalbesetzung wieder zusammengefunden und einige Konzerte gespielt. Für dieses Jahr ist eine „Reunion Tour“ in Planung.

Winter Severity Index · Winter Severity Index #ColdWave #DarkWave #Discogs #DiscogsDienstag #PostPunk #SynthWave #WinterSeverityIndex

DiscogsDienstag: The Cure – The 13th

Mit der ersten Singleauskopplung ihres 10. Albums „Wild Mood Swings“ (1996) beweisen The Cure zwei Tatsachen: Dass sie immer für eine musikalische Überraschung gut sind und dass sie einige ihrer besten Songs auf B-Seiten „versteckt“ haben. Immer wieder haben Robert Smith und seine Mitstreiter Songs gemacht, die nicht in ihr Konzept passten oder die Fans ein Stück weit verwirrten, bei „Wild Mood Swings“ schafften sie es mit einem ganzen Album. Und „The 13th“ setzt dem mit seinem Mariachi-Sound die Krone auf.

Der „Swing Radio Mix“ von „The 13th“, der auch auf dem Album enthalten ist, hat eine ungewöhnliche Instrumentierung, darunter lateinamerikanische Perkussion und Blechbläser. Das Schlagzeug wurde übrigens erstmals von Jason Cooper bedient, nachdem der langjährige Drummer Boris Williams die Band nach dem Album „Wish“ zusammen mit Pearl Thompson verlassen hatte. Das weitere Line-Up bestand aus Robert Smith, Simon Gallup, Perry Bamonte (RIP) und Roger O’Donnell sowie einigen Gastmusikern an den Bläsern.

Bei den weiteren Songs auf der Maxi finde ich es unverständlich, warum diese nicht auf dem Album erschienen sind. „It used to be me“ ist ein düsterer, atmosphärischer Track mit typischen The-Cure-Elementen: melancholische Gitarren, dichte Synthesizer-Layers und ein treibender Bass. Der Song baut sich langsam auf und hat einen fast hypnotischen Charakter. „Ocean“ ist ein ruhiger, fast ambientartiger Track mit sanften Gitarren und einem gleichmäßigen, wellenartigen Rhythmus. Der Song wirkt sehr entspannt und fast tranceartig, was gut zum Titel passt. In „Adonais“ schließlich dominieren sanfte Gitarren, sphärische Keyboards und ein ruhiger, fast meditativer Rhythmus.

Die B-Seiten machen hier also den Reiz aus, diese sind Goth sei dank auf der Compilation „Join The Dots (B-Sides & Rarities 1978>2001 The Fiction Years)“ zu bekommen.

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