DiscogsDienstag: The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music

Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Video werden, denn ich sehe in letzter Zeit häufiger kurze und lange Videos, in denen Tonträger in die Kamera gehalten werden. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Ein weiterer Nachteil ist, dass ich aus urheberrechtlichen Beschränkungen keine Musik anspielen könnte. Also war die nächste Idee, ein GothDiscoInferno-Special zu machen, in dem ich über die Musik spreche und einige Lieder spiele. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Also nutze ich den Dienstag, um über die Sampler Serie „The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music“ zu schreiben, schließlich ist sie auch Teil meiner Sammlung.

Die Sampler habe sich zum Teil seit 35 Jahren und die letzten fehlenden Teile habe ich erst kürzlich ergänzt, Discogs sei Dank. Die Serie beschreibt auf zehn CDs die Geschichte der britischen Independent-Musik von 1977 bis 1986 und damit den Weg vom Punk über Post-Punk zu den unterschiedlichen Entwicklungen. Los geht’s:

The Indie Scene 77

Es beginnt wie gesagt 1977, als der Punk-Rock dominierte und die britische Jugend zur „No Future“-Gereration machte. Ein Jahr zuvor hatten die Sex Pistols die Bühne betreten und viele junge Fans inspiriert, ebenfalls eine Punk-Band zu gründen. Ein prominentes Beispiel waren Bernhard Sumner und Peter Hook, die auf einen Konzert von Johnny Rotten und Co. beschlossen, auch Musik zu machen, was schlussendlich zu Joy Division und New Order führte (und noch weiteren Nebenprojekten). Auch andere bekannte Namen sind auf dem ersten Sampler zu finden, wenn auch noch nicht mit ihrer endgültigen Band, wie z. B. Joe Strummer, der vor The Clash bei The 101ers spielte und sang. Die erste Single Keys To My Heart wurde 1976 veröffentlicht, als Strummer bereits The Clash gegründet hatte.

Weitere bekannte Namen sind Buzzcocks und The Stranglers, die beide erfolgreich den Post-Punk mitgestalteten und heute noch/wieder aktiv sind. Aus den USA kamen Bands wie die Ramones, The Heartbreakers mit Johnny Thunders (ex-New York Dolls) und Dead Boys mit Stiv Bators, der später The Lords Of The New Church gründete, auf die Insel. Interessant sind auch zwei Bands, die später andere musikalische Wege einschlugen, Johnny And The Self Abusers, die eine Single (Saints And Sinners) herausbrachten und dann zu Simple Minds wurden, und Tubeway Army, die zwar ihren Namen behielten, aber bald nach ihrem Punk-Debüt That’s Too Bad die Gitarren in Synthesizer eintauschten und Pioniere von New Wave und Synthie-Pop wurden.

The Indie Scene 78

Auf dem 78er-Sampler stechen für mich zwei Songs ganz klar heraus, weil sie zu den ersten Post-Punk-Klassikern gehörten: Teenage Kicks von The Undertones und Ever Fallen In Love von Buzzcocks. Hohe Bekanntheit hat auch das Lied Warm Leatherette von The Normal, hinter dem Daniel Miller stand, der Gründer des Indie-Labels Mute Records, das bis 2002 „independent“ blieb und von dem zahlreiche weitere Bands im Verlauf dieser Sampler-Reihe zu hören sind.

Hier gibt es noch Joy Division mit Glass, das 1978 auf einem Factory Sampler veröffentlicht wurde, The Stranglers mit ihrer fünten Single 5 Minutes und Tubeway Army mit Bombers, ihrer auch noch punkigen zweiten Single, die schon den Numan-typischen Gesang hat. Mit The Fall, Lene Lovich und Teardrop Explodes sind auch noch weitere bekanntere Künstler dabei.

The Indie Scene 79

1979 war ein Jahr, das zumindest auf diesem Sampler sehr facettenreich war. Wir erleben Punk mit The Damned (Love Song), Post-Punk mit Joy Division (Novelty, B-Seite von Transmission) und The Teardrop Explodes, Synthwave mit Fad Gadget (Back To Nature) und Tubeway Army (Are ‚Friends‘ Electric?) sowie Ska/2-Tone mit Madness, The Beat und The Selecter. Auch Songs mit Funk-Elementen sind dabei, wie von The Regrets (7 Teen) und The Passions (Hunted).

Herausragend sind noch Cabaret Voltaire mit Nag Nag Nag und The Go-Betweens, die aus Australien kommend die britische Indie-Szene mit ihrem melodisch-poppigen Post-Punk bereicherten.

„Punk Is Dead“ scheint das Jahresfazit zu lauten, denn bis auf The Damned entwickelten alle Bands neue Spielarten, sei es melodisch, düster, elektronisch oder poppig. Es ist interessant, diese Transformation der Musik zu erleben.

The Indie Scene 80

The Indie Scene 80 kassiert mein Vorjahresfazit gleich wieder ein, denn es kamen die Dead Kennedys mit ihrer ersten Single Califonia Uber Alles in die britischen Indie-Charts und die sind ja definitiv noch Punk. Daneben sind einige Hochkaräter dabei, nämlich Echo & The Bunnymen (Pictures On My Wall), Joy Division (These Days, B-Seite von Love Will Tear Us Apart), Bauhaus (Dark Entries), Cabaret Voltaire, D.A.F. (Kebabträume), Fad Gadget (Ricky’s Hand) und The Fall (Totally Wired).

Einige Musiker kamen erst später zu Ruhm und Ehre wie Pete Burns, hier mit Nightmares In Wax und deren einzigen Single Birth Of A Nation vertreten, wurde mit Dead Or Alive erfolgreich. Bei den Q Tips sang ein gewisser Paul Young, der unter eigenem Namen und unter anderem auch einer Coverversion von Love Will Teart Us Apart zu einem der Pop-Stars der Achtziger wurde. Genau wie der Sänger von den Frantic Elevators, Mick Hucknall, später als Simply Red bekannt.

Eines meiner Highlights dieser Ausgabe ist Gathering Dust von Modern English, das 1983 auch von This Mortal Coil gecovert wurde. Und es bleibt die von Spizz Energi aufgeworfene Frage: Where’s Captain Kirk?

The Indie Scene 81

Wir machen einen Exkurs in die Gegenwart. Im Jahre 2022 brachte Netflix eine Serie über Wednesday Addams heraus. In Episode 4 wird eine Schulfeier (Raben-Tanz) gezeigt, auf der Jenna Ortega als Titelheldin zum Song Goo Goo Muck von The Cramps einen interessanten Tanz performte, zu dem sie u.a. Siouxsie Sioux, Lene Lovich und Archivmaterial von Goths in den Tanzclubs der 1980er-Jahre inspiriert hatten. Die Tanzszene ging bei TikTok viral, allerdings nicht mit der Originalmusik sondern mit einer Sped-Up-Version von Lady Gagas „Bloody Mary“. Goo Goo Muck bekam nach 41 Jahren trotzdem Beachtung, so stiegen z. B. die Streams alleine bei Spotify um 9.500%.

Zurück ins Jahr 1981. Damals kam ein großer Hit aus der Indie-Szene, nämlich It’s My Party von Dave Stewart & Barbara Gaskin. Die Single wurde Platz 1 in England und Platz 3 in Deutschland und Österreich. Mit diesem Erfolg kann kein anderes Lied auf dieser Compilation mithalten, trotzdem finden wir einige interessante Songs. Is Vic There? von Department S erreichte immerhin Platz 22 in den britischen Single-Charts. In der deutschen Wikipedia wird ohne Quelle erwähnt, dass dieses Lied als Vorlage für Kaltes Klares Wasser von Malaria! gedient hätte. Eine gewisse Ähnlichkeit konnte ich feststellen, aber keine weiteren Belege finden.

The Southern Death Cult ist mit Fatman vertreten. Die Gothic-Rock-Band um Sänger Ian Astbury ist vielleicht Rekordhalterin im Namenswechsel, denn die Nachfolgecombo nannt Astbury Death Cult, was kurz darauf auf The Cult verkürzt wurde. Angeblich, weil man mit dem „Death“ im Namen Probleme beim erwünschten Erfolg in den USA vermutete. The Southern Death Cult trat mit Bands wie Sex Gang Children, UK Decay und Bauhaus auf und trennte sich 1983.

The Birthday Party mit Nick Cave konnten mit ihrer Goth-Hymne Release The Bats nur die Indie-Charts stürmen, die Fledermäuse landeten dort auf Platz 3. Die Australier waren 1980 nach England gekommen. Im selben Jahr hatte Pete Burns Nightmares In Wax in Dead Or Alive umbenannt und als erste Single unter diesem Namen I’m Falling veröffentlicht. A Flock Of Seagulls debütierten mit (It’s Not Me) Talking und der auffälligen Frisur ihres Sängern Mike Score, musikalisch besticht das Wave-Gitarrenspiel des damals 19-jährigen Paul Reynolds, das er später noch perfektionierte. Die Virgin Prunes sind mit einem Song ihrer zweiten EP vertrete, In The Greylight.

The Indie Scene 82

1982 war laut Booklet-Text für die Indie-Labels eine schwere Zeit, denn die großen Plattenfirmen erkannten das Potential auch und begannen, ihre eigenen „Indie-Labels“ zu gründen. Natürlich mit mehr Budget und den damit verbundenen besseren Vertriebsmöglichkeiten und Radioeinsätzen. Dennoch brachte das Jahr einige brilliante Indie-Produktionen hervor, wie Night & Day von Everything But The Girl, eine Coverversion der Cole Porter-Ballade (1932), das immerhin in den UK-Single-Charts auf Platz 92 kam. In den Indie-Charts auf Platz 1 landete New Order mit Temptation, das außerdem in den UK-Single-Charts auf Platz 29 stieg. Saturday Night Special, die fünfte Single von Fad Gadget, kam dagegen nur in den Indie-Charts aus Platz 22.

Aus den USA kamen Wall Of Voodoo mit ihrer Single On Interstate 15. Sie bereicherten die Szene mit ihrem Cowpunk, einem Post-Punk mit Country-Elementen und waren damit vielleicht auch Inspiration für Fields Of The Nephilim. Ihr Sänger Stan Ridgeway verließ die Band 1983 und startete eine Solo-Karriere, die 1986 mit dem Hit Camouflage ihren Höhepnkt erreichte.

Stiv Bators (The Dead Boys) hatte 1981 mit ehemaligen Mitgliedern von u. a. The Damned und Sham 69 die Supergroup The Lords Of The New Church gegründet. Mit Open Your Eyes veröffentlichten sie ihre zweite Single, die Platz 27 in den US-Billboard-Charts erreichte sowie Platz 7 in den UK-Indie-Charts. The Lords Of The New Church vereinten in ihren Songs Punk, Post-Punk, Garage- und Gothic-Rock und haben bis zur ihrer Trennung 1989 noch einige weitere Szene-Klassiker geschaffen.

Aprospos „Szene-Klassiker“, der Pagan Lovesong von Virgin Prunes fällt auch in diese Kategorie und der bekannteste Song der Toy Dolls, Nellie The Elephant, die vielleicht den Fun-Punk erfunden haben. Das Lied ist übrigens eine Coverversion eine Kinderliedes aus dem Jahr 1956.

The Indie Scene 83

1983 wurde die Indie-Szene von einer Maxi-Single überstrahlt, die bis heute die erfolgreichste 12-Inch aller Zeiten ist: Blue Monday von New Order. Dabei hat ist die Plattenfirma Factory Records fast bankrott gegangen, weil das Cover in Form einer Floppy-Disk ausgeschnitten war, was sehr kostspielig war. In den Indie-Charts belegte Blue Monday natürlich den 1. Platz, in den UK-Single-Charts Platz 9. Ein weiterer Chartstürmer in diesem Jahr war Everything Counts von Depeche Mode, das in den UK-Single-Charts sogar auf Platz 6 kam, in Deutschland auf 23. Der ehemalige Depeche Mode-Mastermind Vince Clarke war gleich mit zwei Bands vertreten, Yazoo (Nobody’s Diary aus der Feder von Alison Moyet) und The Assembly (Never Never), seinem kurzlebigen Projekt mit Feargal Sharkey, dem ehemaligen Sänger von The Undertones. Nobody’s Diary schaffte Platz 3 in den UK-Single-Charts (Deutschland 18), Never Never lag jeweils einen Platz dahinter.

Außerdem erwähnenswert finde ich das A-Capella-Stück It’s A Fine Day von Jane, einem One-Hit-Wonder. Das Lied wurde auch gecovert und remixed, das Original besteht aber wirklich nur aus der Stimme von Jane Lancaster, die ansonsten nicht musikalisch tätig war. Wall Of Voodoo hatten mit Mexican Radio ihren größten Hit, der ihnen auch den Status „One-Hit-Wonder“ einbrachte, weil er als einzige ihrer Singles in die US-Top100 kam.

Great Expectations war die zweite Single von New Model Army, die als eine der wenigen Bands ihre Karriere bis heute fortgesetzt haben. Für The Birthday Party war dagegen kurz nach Veröffentlichung der EP The Bad Seed mit dem Song Sonny’s Burning Schluss, Nick Cave gründete u. a. mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) Nick Cave And The Bad Seeds, andere Birthday Party-Mitglieder schufen Crime & The City Solution und These Immortal Souls.

The Indie Scene 84

New Model Army schafften es 1984 mit ihrer dritten Single The Price auf Platz 1 der UK-Indie-Charts und 98 der UK-Single-Charts. Nick Cave war 1983 nach West-Berlin und coverte 1984 In The Ghetto von Elvis Presley. Ob die Songauswahl mit seinem Wohnortwechsel zusammenhing? Sandy Shaw, die 1967 mit Puppet On A String den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann und ihre Karriere eigentlich 1969 beendete, coverte Hand In Glove von The Smiths.

Anne Clark schuf mit ihrer ersten Singleauskopplung Our Darkness in dem Jahr ebenso einen Synthie-Pop-Klassiker wie Depeche Mode mit Master & Servant. Mit ihrer zweiten Single Spiritwalker (aus dem Debütalbum Dreamtime) schafften The Cult einen Klassiker des Gothic-Rock.

Ansonsten finden sich auf diesem Sampler unbekanntere Bands, z. B. die Folk-Punk-Band The Man They Could’t Hang mit The Green Fields of France (No Mans Land), einer Coverversion eines Anti-Kriegs-Liedes aus dem Jahr 1976 von Eric Bogle, der auch den bekannten Folksong And the Band Played Waltzing Matilda geschrieben hat, der u. a. von Joan Baez, The Dubliners und The Pogues gespielt wurde. Ein bekannter Name findet sich allerdings auch noch in einer der Bands, Float Up CP war eine der Bands in der Neneh Cherry sang, bevor sie ihre erfolgreiche Solo-Karriere startete. Leider ist der Song Joy’s Adress nur bei YouTube verfügbar. Der Song vereint Post-Punk mit Ska-, Jazz- und Soul-Elementen.

The Indie Scene 85

Die Indie-Szene im Jahr 1985 brachte einige meiner Lieblingslieder hervor, die damals in meiner Stammdisco (Baumgarten, Bistensee) regelmäßig gespielt wurden. Love And Rockets (Bauhaus ohne Peter Murphy) waren mit ihrer Coverversion von Ball Of Confusion (The Temptations) genauso dabei wie The Fall mit Cruiser’s Creek, Billy Bragg mit A New England und The Woodentops mit It Will Come. Hach, diese Erinnerungen.

Und auch The Man They Couldn’t Hang sind wieder dabei mit Ironmasters, diesmal eine Eigenkomposition, sowie Sonic Youth feat. Lydia Lunch mit Death Valley ’69, einem Song über Charles Manson, und Johnny Thunders & Patti PaladiKittie Whiten mit der Coverversion Crawfish, im Original von Elvis Presley und Kittie White.

The Indie Scene 86

Im Jahre 1986 endet unsere Reise durch die britische Independent-Musik, nicht ohne noch ein paar Highlights zu liefern. Pulp ist eine Band, die viele mit der Brit-Pop-Ära in Verbindung bringen, tatsächlich wurde sie schon 1978 von dem damals 15-jährigen Jarvis Cocker und Peter Dalton gegründet. Übrigens war auch Simon Hinkler Mitglied bei Pulp, bevor er bei The Mission einstieg. Das war allerdings vor der Single Little Girl (With Blue Eyes).

Billy Bragg wird nochmal berücksichtigt, mit seinem wunderschönen Song Levi Stubbs‘ Tears und auch Vince Clarke mit Sometimes von Erasure. The Primitives mochte ich damals auch gerne, ich war sogar ein wenig in Sängerin Tracy Tracy verschossen. Das war Really Stupid, schließlich ist sie blond. 😉

All About Eve haben auch eine schöne weibliche Stimme zu bieten, Julianne Regan, die vorher Bassisten von Gene Loves Jezebel, Backgroundsängrin bei The Mission und auch mal mit der ehemaligen Schlagzeugerin von Xmal Deutschland, Manuela Zwingmann, in einer Band namens The Swarm war. Zusammen mit Tim Bricheno, der später zu The Sisters Of Mercy ging, gründete sie All About Eve. In The Clouds heißt ihr Beitrag auf dieser Compilation.

Abschließend möchte ich noch Lee Remick von The Go-Betweens erwähnen, ein Re-Release ihrer ersten Single aus dem Jahr 1978 und Velveteen eine tolle Ballade der Gothic-Rock-Band The Rose Of Avalanche, die zu der Zeit Vorgruppe von The Mission waren und sich 2019 nach 27 Jahren Pause wieder zusammenfanden und 2026 in GB touren.

Ich hoffe, dass dieser längere DiscogsDienstag interessant war, ich habe natürlich meine persönliche Brille aufgehabt, es waren noch viel mehr Bands und Lieder dabei, als ich hier erwähnt habe. In den Überschriften sind die Discogs-Seiten der CDs verlinkt, dort sind die vollständigen Tracklisten nachzulesen.

Und falls die Frage aufkommt, warum einige wichtige Bands nicht vorkommen wie The Cure, Siouxsie And The Banshees oder The Sisters of Mercy, das liegt daran, dass die bei Major-Labels untergekommen sind. The Cure waren bei Fiction Records, einem Sub-Label von Polydor, Siouxsie And The Banshees wurden gleich von Polydor unter Vertrag genommen und Mercyful Release von The Sisters Of Mercy wurde zwar von Andrew Eldritch gegründet, aber 1984 von WEA übernommen. Hier hätten zumindest die ersten Singles berücksichtigt werden können, aber ich habe die Compilations schließlich nicht zusammengestellt. 😉

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GothDiscoInferno

präsentiert von Bauhausmensch

GothDiscoInferno

DiscogsDienstag: New Order – Decadence

Sind Bootlegs noch ein Thema? Heutzutage gibt es ja von nahezu jedem Konzert kurze oder auch längere Handyvideos bei Youtube zu finden. Das gab es vor dem Internet natürlich noch nicht und unauthorisierte Konzertmitschnitte wurden auf Musikkassetten verkauft oder getauscht. Manche Aufnahmen wurden sogar auf Vinyl gepreßt und unter dem Ladentisch verkauft. So wie das Doppelalbum „Decadence“, das ich mal auf einem Flohmarkt erstanden habe. Darauf finden sich Liveaufnahmen von verschiedenen New Order-Konzerten aus dem Jahr 1989 sowie ein Remix und ein Soundcheck-Mitschnitt aus dem Jahr 1981 mit Liedern von Joy Division.

Es beginnt mit einem Konzert vom 27.04.1989 aus dem Universal Amphitheatre in Universal City (Los Angeles, Kalifornien). Diese Konzert füllt die ersten drei Seiten des Albums mit den Songs „Dream Attack“, „Ceremony“, „All The Way“, „True Faith“, „Mr. Disco“, „Every Little Counts“ (alle Seite A), „Vanishing Point“, „1963“, „Round & Round“, „Temptation“, „Bizarre Love Triangle“ (alle Seite B), „Perfect Kiss“, „Blue Monday“ und „Fine Time“. Seite C schließt mit „Your Silent Face“, aufgenommen einen Tag später am gleichen Ort, das hatten sie am Vortag nämlich nicht gespielt.

Die Seite D beeinhaltet „Touched By The Hand Of God“ (National Exhibition Centre, Birmingham, 26.03.1989), „Love Less“ (Southern Star Amphiteatre, Atlanta, 15.04.1989), „Face Up“ (Saenger Theatre, New Orleans, 16.04.1989) sowie den „Razormaid-Mix“ von „5 8 6“. Den Abschluss bildet der Soundcheck vom 09.02.1981 (Heaven, London) mit den Joy Division-Songs „Walked In Line“, „No Love Lost“, „Digital“, „Decades“ und „Atmosphere“, die jeweils instrumental angespielt werden.

Die Musikauswahl ist ja schon mal nicht schlecht, kommen wir nun zum wichtigsten Punkt, der Soundqualität. Ich sag mal so, ich habe schon schlechtere Bootlegs gehört. Es ist eine Publikumsaufnahme und die Fans sind deutlich zu hören. Die Musik kommt auch gut rüber, der Gesang von Barney hatte damals deutliche Schwächen. Als Fan bin ich allerdings begeistert, ich habe New Order selbst 4 Jahre später auf der Loreley gesehen.

Die 1989er Konzerte fanden im Rahmen der Technique-Tour statt, daher stammen die meisten Songs von diesem Album (nur „Run“ und „Guilty Partner“ fehlten) und auch das Cover des Bootlegs ist an das Design von Peter Saville angelehnt, nur dass die Engelsstatue gespiegelt und ein weißer Hintergrund verwendet wurde.

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DiscogsDienstag: Winter Severity Index – Winter Severity Index

Im Jahre 2009 gründeten vier junge Musikerinnen in Rom eine Post-Punk-Band. Sie nannten sich Winter Severity Index und veröffentlichten im darauffolgenden Jahr ohne Label eine selbstbetitelte EP mit 5 Songs. Das Line-Up bestand aus Simona Ferrucci (Gesang und Gitarre), Diana Salzo (Bass), Elyria (Drums) und Mushy (bürgerlich Valentina Fanigliulo, Synth). Die Erstauflage war 350 CDs, ich habe Nummer 292. 2011 gab es noch eine Neuauflage des deutschen Labels afmusic (2008 – 2018).

Die Debüt-EP ist sehr facettenreich, der Opener „The Wiser“ lebt von einer melodiösen Gitarre, die sich wie ein roter Faden durch die EP zieht und der sich die anderen Instrumente quasi unterordnen.

Bei „Severity“ übernimmt der Bass die Führung und das Schlagzeug treibt präzise mit. Die Gitarre tritt hier einen Schritt zurück, ohne das Melodiespiel abzulegen, was einen schönen Kontrast zum Opener schafft.

„While We’re Living“ ist ein ruhigeres Lied, bei dem die Synthies zum ersten Mal hervorstechen. Die Gitarre beschränkt sich auf Akkorde und der Bass übernimmt die melodische Führung.

„Blind Me“ wird vom Schlagzeug getragen, das von Bass rhythmisch unterstützt wird. Die filigrane Gitarre umspielt das Ganze melodiös.

Zum Abschluss folgt der Bonus-Track „Motionless“, mein Favorit. Ich erinnere mich, dass ich mal irgendwo im Netz (vermutlich auf meinem gelöschten Twitter-Account) geschrieben habe, „Motionless“ sei das „Atmosphere“ (Joy Division) von Winter Severity Index. Es ist das langsamste Lied der EP und alle Instrumente scheinen sich hier auszutoben, aber wie in Zeitlupe, was das Lied sehr atmosphärisch und emotional macht.

Die EP ist eine kurze, aber schöne Reise durch verschiedene Facetten der Dunkelheit: von der melancholischen Klarheit („The Wiser“) bis zur erdrückenden Schönheit („Motionless“). Diese Elemente zwischen Melancholie und rhythmischer Düsternis haben Winter Severity Index in ihren späteren Werken bewahrt.

2012 verließen allerdings Diana und Elyria die Band, so dass Simona und Mushy als Duo weitermachen mussten und 2014 die EP „Survival Rate“ herausbrachten. Das erste Album von Winter Severity Index, „Slanting Ray“ entstand dann 2015 auch ohne Mushy, sie wurde durch Alessandra Romeo an den Tasten ersetzt. Simona und Alessandra haben noch zwei weitere Alben gemacht, „Human Taxonomy“ (2016) und „Disgelo“ (2022). 2025 hat sich die Band zum 15. Jubiläum in der Originalbesetzung wieder zusammengefunden und einige Konzerte gespielt. Für dieses Jahr ist eine „Reunion Tour“ in Planung.

Winter Severity Index · Winter Severity Index #ColdWave #DarkWave #Discogs #DiscogsDienstag #PostPunk #SynthWave #WinterSeverityIndex

DiscogsDienstag: The Cure – The 13th

Mit der ersten Singleauskopplung ihres 10. Albums „Wild Mood Swings“ (1996) beweisen The Cure zwei Tatsachen: Dass sie immer für eine musikalische Überraschung gut sind und dass sie einige ihrer besten Songs auf B-Seiten „versteckt“ haben. Immer wieder haben Robert Smith und seine Mitstreiter Songs gemacht, die nicht in ihr Konzept passten oder die Fans ein Stück weit verwirrten, bei „Wild Mood Swings“ schafften sie es mit einem ganzen Album. Und „The 13th“ setzt dem mit seinem Mariachi-Sound die Krone auf.

Der „Swing Radio Mix“ von „The 13th“, der auch auf dem Album enthalten ist, hat eine ungewöhnliche Instrumentierung, darunter lateinamerikanische Perkussion und Blechbläser. Das Schlagzeug wurde übrigens erstmals von Jason Cooper bedient, nachdem der langjährige Drummer Boris Williams die Band nach dem Album „Wish“ zusammen mit Pearl Thompson verlassen hatte. Das weitere Line-Up bestand aus Robert Smith, Simon Gallup, Perry Bamonte (RIP) und Roger O’Donnell sowie einigen Gastmusikern an den Bläsern.

Bei den weiteren Songs auf der Maxi finde ich es unverständlich, warum diese nicht auf dem Album erschienen sind. „It used to be me“ ist ein düsterer, atmosphärischer Track mit typischen The-Cure-Elementen: melancholische Gitarren, dichte Synthesizer-Layers und ein treibender Bass. Der Song baut sich langsam auf und hat einen fast hypnotischen Charakter. „Ocean“ ist ein ruhiger, fast ambientartiger Track mit sanften Gitarren und einem gleichmäßigen, wellenartigen Rhythmus. Der Song wirkt sehr entspannt und fast tranceartig, was gut zum Titel passt. In „Adonais“ schließlich dominieren sanfte Gitarren, sphärische Keyboards und ein ruhiger, fast meditativer Rhythmus.

Die B-Seiten machen hier also den Reiz aus, diese sind Goth sei dank auf der Compilation „Join The Dots (B-Sides & Rarities 1978>2001 The Fiction Years)“ zu bekommen.

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DiscogsDienstag: Lacrimosa -Alles Lüge

1993 war Lacrimosa noch ein Soloprojekt von Tilo Wolff, sogar die Plattenfirma Hall Of Sermon hatte er selbst gegründet, um seine Musik zu vermarkten. Nach den Alben „Angst“ (1991) und „Einsamkeit“ (1992) erschien die EP „Alles Lüge“ im Vorfeld des Albums „Satura“ (1993), ohne dass die Titel darauf berücksichtigt wurden. Die EP enthält das Titelstück in zwei Version, Original und Remix, einen Remix von „Diener eines Geistes“ vom Album „Einsamkeit“ sowie das vorher unveröffentlichte Instrumentalstück „Ruin“.

Die EP „Alles Lüge“ ist ein typisches Beispiel für Lacrimosas frühe Phase: düster, emotional aufgeladen und experimentell. Gleichzeitig deutet insbesondere das Titelstück den künftigen Weg von Lacrimosa an: weg von der minimalistischen und klassischen Instrumentierung, hin zu gitarrenlastigerer Musik, klanglich also ein Vorgriff auf die spätere Verschmelzung von Goth-Rock, Darkwave und Industrial, die mit dem vierten Album „Inferno“ (1995) begonnen wurde. Im Vergleich zu „Angst“ und „Einsamkeit“ wirkt „Alles Lüge“ erwachsener, rockiger, aber nicht weniger leidenschaftlich – eine gelungene Balance, die den Weg für die späteren, noch ambitionierteren Werke ebnet und die Entwicklung von Tilo Wolff dokumentiert.

Nach „Satura“ (1994) stieß dann die Finnin Anne Nurmi, vorher Sängerin und Keyboarderin bei Two Witches, dazu, die seitdem mit Tilo Wolff die einzige konstante Musikerin bei Lacrimosa ist.

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DiscogsDienstag: Sweet Ermengarde – Raynham Hall

Liebhaber:Innen des klassischen Gothic Rock werden beim Debütalbum „Raynham Hall“ von Sweet Ermengarde aus dem Jahr 2013 auf ihre Kosten kommen. Die Band aus Bochum nannte sich nach einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft und der Albumtitel referenziert auf ein Landhaus im Englischen Norfolk, das als Spukhaus bekannt ist. Mehr Gothic geht fast nicht.

In meinem alten Weblog habe ich das Album schon 2014 vorgestellt, damals habe ich wöchentlich über Musik geschrieben, die unter Creative Commons lizensiert ist. „Raynham Hall“ hat mir so gut gefallen, dass ich mir damals die CD bei Bandcamp gekauft habe. Musikalisch orientieren sich Sweet Ermengarde an großen Vorbildern wie Fields Of The Nephilim oder The Mission. Allerdings brachte der damalige Sänger Kuba Achtelik eine hohe Eigenständigkeit mit. Seine Stimme klingt zwar dunkel und tief, imitiert jedoch nicht. Leider hat er die Band nach dem Album verlassen.

Die meisten Songs auf dem Album stammen aus der Feder vom Bassisten Lars Kappeler, der bereits als Gitarrist bei Atomic Neon tätig war und mittlerweile auch bei den britischen Gothic Rockern von NFD für die tiefen Töne zuständig ist und bei der internationalen Gothic Band October Burns Black Gitarre spielt.

Raynham Hall von Sweet Ermengarde

Nach „Raynham Hall“ sind noch zwei weitere Alben erschienen, „Ex Oblivione“ mit dem Sänger Daniel Schweigler (2016) und „Sacrifice“ mit Drew Freeman am Mikrofon (2024). Diese sind ebenfalls bei Bandcamp erhältlich.

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DiscogsDienstag: Xmal Deutschland – Matador

Heute stelle ich zum dritten Mal eine (Maxi-)Single von Xmal Deutschland vor. Nach der ersten und der letzten Singleveröffentlichung ist nun die erste Single aus dem dritten Album „Viva“ an der Reihe: „Matador“.

Wie der Titel schon andeutet, thematisiert „Matador“ Stierkämpfe auf eine für mich sehr ambivalente Art und Weise. Einerseits geht es um den Triumph und den Ruhm des Matador, um die feierliche Spannung und gleichzeitig wird auch die blutige Grausamkeit dieser Tradition aufgegriffen. Der Text besteht aus deutschen, englischen und spanischen Fragmenten. Musikalisch sind Xmal Deutschland mit dem Album „Viva“ reifer geworden und „Matador“ ist dabei nochmal gesteigert durch die Produktion von Hugh Cornwell, dem Sänger und Gitarristen von The Stranglers. Der Song setzt auf eine dichte, treibende Rhythmussektion, eingängige Gitarrenriffs und einen markanten Basslauf, so wie wir es von früheren Liedern auch gewohnt sind. Cornwell hat „Matador“ allerdings dazu noch eine glattere Produktion verpasst, die es dynamischer und eingängiger macht. So ist das Schlagzeug z. B. im geraden 4/4-Takt auf Bass- und Snare-Drum mit Hi-Hat ausgerichtet, Toms kommen kaum zum Einsatz. Das Ergebnis ist sehr gut tanzbar und hat seine Wirkung in den Clubs nicht verfehlt. Zudem ist Xmal Deutschland mit „Matador“ der einige Einstieg in die UK Charts gelungen, allerdings nur auf Platz 92.

In meiner Sammlung habe ich die Single als reguläre Ausgabe und als Promo-Copy sowie die Maxi-Single. Die B-Seite ist jeweils der Song „Paho“, für mich einer der besten Gothic-Rock-Songs ever, der musikalisch an frühe The Mission erinnert und leider auf keinem Album erhältlich ist. Auf der Maxi-Single ist noch „4“ vertreten, ein wunderschönes, ruhiges und morbides Stück, das es immerhin auf die CD-Version vom Album „Viva“ geschafft hat.

Die Maxi enthält das 8-seitige Booklet „Worte“ mit den Texten von „Jahr um Jahr“, „Autumn“, „Polarlicht“, „Matador“, „Paho“ und „4“ sowie mit Zeichnungen von Anja Huwe.

Darüber hinaus gibt es noch eine 12″-Version mit „Matador“ im „Blood & Sand“-Mix von Gavin MacKillop und den anderen beiden Songs.

Auf dem Album „Viva“ könnt ihr euch bei folgenden Streamingdiensten zumindest die Album-Version von „Matador“ und „4“ anhören, die Extended Version von „Matador“ und „Paho“ habe ich leider nirgendwo gefunden (nur bei *hust* YouTube).

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DiscogsDienstag: Undinyx – Antarctica

Das Album, welches ich heute vorstelle, dürfte den treuen Zuhörenden vom GothDiscoInferno bekannt sein, ansonsten hat es leider wenig Aufmerksamkeit erlangt. Die Rede ist von „Antarctica“, dem zweiten Album der Hamburger Musikerin Laura Müller alias Undinyx. Laura ist außerdem Sängerin und Gitarristin der von mir sehr geschätzten Band Grundeis. Während sie dort düsteren Post-Punk mit Shoegaze-Anklängen macht, geht ihr Soloprojekt in Richtung Dark-Wave und Ethereal. In meiner Sammlung habe ich „Antarctica“ als Musikkassette, die ich nach einem Konzert am 26.11.2024 direkt bei Laura am Merch-Stand gekauft habe, ein Bandcamp-Downloadcode war auch dabei. Über das Konzert habe ich hier schon berichtet.

Undinyx schafft auf „Antarctica“ eine düstere, atmosphärische Klangwelt, in der Keyboards und Synthesizer die Herrschaft übernehmen, unterstützt von spärlichen Gitarren-Parts. Der Gesang ist verhallt und klagend, trägt damit in Verbindung mit den ebenfalls düsteren Texten zu der mystischen Stimmung des Albums bei. Ich kann gar keinen Song hervorheben, „Antartica“ ist gut in einem Stück zu hören.

Die Kassette ist auf 50 Exemplare limitiert und somit bereits ausverkauft, bei Bandcamp gibt es allerdings „Antarctica“ als digitales Album:

Antarctica von Undinyx

Laura ist bei ihrem Solo-Projekt nicht nur für Komposition, Interpretation und Recording selbst verantwortlich, sondern kümmert sich auch um das Artwork. Nur beim Mastering ihrer Songs läßt sie sich von Denis Wanic (Suir) unterstützen.

Das Debütalbum von Undinyx war übrigens selbstbetitelt und ist ebenfalls über Bandcamp erhältlich. Mittlerweile hat Laura Müller ein weiteres Soloprojekt gestartet. Mit Kobalin hat sie bisher den Song „Tief Fallen“ veröffentlicht, der in Richtung „Neue Neue Deutsche Welle“ geht, also flotten Post-Punk mit deutschen Texten.

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DiscogsDienstag: Joy Division – Untitled Bootleg EP

Trotz ihrer kurzen Schaffenszeit, die vor über 45 Jahren mit dem Selbstmord von Ian Curtis am 18.05.1980 endete, haben Joy Division tiefe Spuren hinterlassen und beinflussen noch heute das Post-Punk-Genre. Vielleicht haben sie dieses Genre auch begründet, denn selbst inspiriert von einem Konzert der Sex Pistols beschlossen Bernhard Sumner (Gitarre) und Peter Hook (Bass), beide damals 20 Jahre alt, eine Band zu gründen. Mit dem gleichaltrigen Ian Curtis fanden sie einen Sänger. Sie nannten sich zunächst „Stiff Kittens“, der Name wurde ihnen von Pete Shelley (Buzzcocks) vorgeschlagen.

Mit den Buzzcocks hatten sie auch ihren ersten Auftritt am 28.05.1977 im Electric Ballroom in ihrer Heimatstadt Manchester. Kurz vor dem Gig änderten sie den Bandnamen in „Warsaw“, nach dem Lied „Warszawa“ vom David Bowie-Album „Low“. Sie wollten nicht „the Irgendwas“ genannt werden. Leider war es nicht mehr möglich, die Namensänderung auf den Plakaten und Flyern anzupassen, so dass dort noch „Stiff Kittens“ angekündigt wurden. Dies soll das Verhältnis zu den Buzzcocks nachhaltig verschlechtert haben.

Erst nach diesem Konzert stieß Stephen Morris dazu, nachdem verschiedene Schlagzeuger ausprobiert wurden. In dieser endgültigen Besetzung ging Warsaw am 18.07.1977 in die Pennine Sound Studios in Oldham, um die ersten Demoaufnahmen zu machen, die später auf verschiedenen Bootlegs erschienen sind. Die ersten Songs, die offiziell veröffentlicht wurden, enstanden am 14.12.1977 ebenfalls in den Pennine Sound Studios. Die Single (01.06.1978) und die EP (10.10.1978) „An Ideal For Living“ wurden unter dem neuen Namen „Joy Division“ im Eigenvertrieb herausgebracht. Die erneute Namensänderung kam, um eine Verwechselung mit einer Punk-Band namens „Warsaw Pact“ zu vermeiden. Die Erstauflagen waren auf 1.000 (Single) bzw. 2.044 Einheiten (EP) limitiert, es existieren daher auch eine ganze Reihe von Bootlegs mit diesen Aufnahmen. Unter anderen der, den ich in meiner Sammlung habe und der als „SPECIAL LIMITED EDITION COLLECTORS ITEM“ betitelt ist. Er enthält außerdem zwei Aufnahmen von der „Unknown Pleasures“-Session vom April 1979 aus den Strawberry Studios in Manchester. Diese beiden Songs, „Auto-Suggestion“ und „From Safety To Where…?“, wurden im selben Jahr auf der Compilation „Earcom 2: Contradiction“ veröffentlicht sowie später auf dem Sampler „Substance“ (11.07.1980).

Der Bootleg hat keine Angaben über den Herausgeber, auch die Schallplattenetiketten sind nur einfarbig schwarz und rot ohne weitere Aufdrucke. Auf der „schwarzen Seite“ befinden sich die Lieder „Warsaw“, „No Love Lost“ (die beiden Lieder sind auf dem Cover vertauscht) und „Auto-Suggestion“. Auf der „roten Seite“ sind „From Safety To Where…?“, „Leaders Of Men“ sowie „Failures“ zu hören.

Die Lieder sind ein faszinierendes Stück Musikgeschichte, das den frühen Stil der Band zeigt, bevor sie zu ihrem späteren, charakteristischen Post-Punk-Sound fanden. Z. B. ist Peter Hooks Bass-Sound noch nicht so ausgereift und unverkennbar wie auf den späteren Alben und bei New Order, aber dennoch schon bemerkenswert. Noch ist er allerdings mehr rhythmisch als melodisch geprägt. Der Gesang von Ian Curtis, auch ein wesentliches Merkmal der Band ab dem Album „Unknown Pleasures“, ist hier rauer, punkiger und noch nicht so dunkel.

Joy Division ist neben The Cure und Siouxsie And The Banshees ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Post-Punk- und Gothic-Musik aus dem Punk heraus entwickelt und viele feine Facetten gebildet hat. Leider wurden JD durch den Tod ihres Sängers Ian Curtis nach nur zwei Alben – das zweite Album „Closer“ wurde 1980 posthum veröffentlicht – Geschichte und wir werden nie erfahren, was passiert wäre, wenn es New Order nicht gegeben hätte. Allerdings möchte ich die auch nicht missen.

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DiscogsDienstag: Echo & the Bunnymen – Heaven Up Here

Echo & the Bunnymen gehören zu den prägendsten und erfolgreichsten Bands des Post-Punk und New Wave – und sind bis heute aktiv. Doch wenden wir uns den Anfängen zu. Echo & the Bunnymen wurden 1978 in Liverpool gegründet. Ian McCulloch (Gesang, Gitarren), Will Sergeant (Gitarre) und Les Pattinson am Bass bildeten die erste Besetzung. Zunächst nutzte die Band einen Drumcomputer, der scherzhaft „Echo“ genannt wurde – ein Name, der später fälschlich als Ursprung des Bandnamens interpretiert wurde. „Echo“ wurde 1980 durch den Schlagzeuger Pete de Freitas ersetzt. Auf das Debütalbum „Crocodiles“ (1980) folgte „Heaven Up Here“ (1981), das von der britischen Musikzeitung NME (New Musical Express) mit dem NME-Award für das „Bestes Album“ und das „Best Dressed Album“ ausgezeichnet wurde. Außerdem erreichte „Heaven Up Here“ Platz 10 in den britischen Album-Charts.

Als Produzent wurde Hugh Jones gewonnen, der im selben Jahr auch mit The Sound deren Album „From The Lions Mouth“ produzierte. Musikalisch waren sich beide Bands zu dem Zeitpunkt recht ähnlich. Während The Sound sich stärker am düsteren, rhythmischen Post-Punk orientierten, integrierten Echo & the Bunnymen bereits auf ‚Heaven Up Here‘ psychedelische Gitarrenklänge und epische Arrangements – ein Markenzeichen ihres späteren Stils. Auch wenn es sehr erfolgreich war, fehlen Hit-Songs. Die einzige Singleauskopplung „A Promise“ schaffte es immerhin auf Platz 49 der britischen Singlecharts, blieb damit allerdings hinter den späteren Klassikern „The Killing Moon“ (1984, Platz 9), „Bring On The Dancing Horses“ (1985, Platz 21) und „Lips Like Sugar“ (1987, Platz 36) zurück.

Mit „Heaven Up Here“ schufen Echo & the Bunnymen ein zeitloses Meisterwerk: ein Album, das durch seine düstere, atmosphärische Klangwelt und die Verbindung von Post-Punk, Psychedelic und epischer Melancholie bis heute fasziniert.

Und bis heute sind Echo & the Bunnymen, wie eingangs bereits erwähnt, aktiv. Ihr bisher letztes Album „The Stars, the Oceans & the Moon“ ist 2018 erschienen. 2026 sind die Gründungsmitglieder Ian McCulloch und Will Sergeant mit neuen Musikern in England, Brasilien und Nordamerika auf ihrer „The Very Best Of Echo & The Bunnymen 1978–2026“-Tour. Für Deutschland sind noch keine Termine bekannt.

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