
90 likes, 13 comments - frau_fussi on May 25, 2026: "Lautgemalte Nacht von Victoria Hohmann Victoria Hohmann gelingt mit „Lautgemalte Nacht“ ein eindringlicher und zugleich poetischer Blick auf Demenz, Erinnerung und den langsamen Verlust von Sprache. Erzählt aus der Perspektive einer Tochter, begleitet der Text nicht nur die Erkrankung der Mutter, sondern auch die Überforderung, Wut, Zärtlichkeit und Hilflosigkeit der Angehörigen. Besonders beeindruckend ist die Sprache des Romans: verdichtet, manchmal fragmentarisch, dann wieder überraschend klar. Hohmann schreibt nicht sentimental, sondern präzise und mutig. Gerade dadurch entfaltet das Buch seine emotionale Wucht. Die Bilder bleiben lange im Kopf, etwa wenn Erinnerungen verschwimmen oder alltägliche Handlungen plötzlich fremd wirken. „Lautgemalte Nacht“ ist kein leichter Roman, aber ein wichtiger. Er macht sichtbar, was Demenz mit Beziehungen, Identität und Sprache macht, ohne die Betroffenen auf ihre Krankheit zu reduzieren. Stattdessen entsteht ein sehr menschlicher, respektvoller Blick auf das Verschwinden und das Festhalten zugleich. Ein stilles, intensives Buch, das nachhallt. Vielen Dank liebe @victoriahohmann für dieses Rezensionsexemplar. #lautgemaltenacht #victoriahohmann #schrufstipetic #demenz".

la_chienne on May 9, 2026: "In "Lautgemalte Nacht" beschreibt Victoria Hohmann auf sehr eindringliche und zugleich einfühlsame Weise die Demenzerkrankung einer Frau Mitte 60 aus der Sicht ihrer Tochter. Es ist tatsächlich der erste offizielle Roman der Autorin, deren andere experimentelle Texte ich ebenfalls sehr schätze. Besonders eindrucksvoll fand ich, dass das Buch Demenz nicht nur als Krankheit zeigt, sondern als einen Prozess, der den gesamten Alltag und die Beziehungen innerhalb einer Familie verändert. Sehr sensibel beschreibt Victoria Hohmann, wie Erinnerungen und Sprache nach und nach verschwinden und wie schwer es wird, einen Menschen wiederzuerkennen, der körperlich noch da ist, sich innerlich aber immer weiter entfernt. Genau dieses Gefühl machen die vielen Nebelbilder für mich greifbar. Der Nebel steht für die Unsicherheit und Orientierungslosigkeit auf beiden Seiten: für die Erkrankten, die sich selbst verlieren, aber auch für die Angehörigen, die versuchen, sich in einer völlig neuen Realität zurechtzufinden. Auch der Vergleich mit der Brausetablette im Wasser gleich zu Beginn ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ähnlich wie die Zellengrafik zwischen den Kapiteln, die nach und nach immer durchlässiger wird, macht er sichtbar, wie ein Mensch sich langsam auflöst, ohne plötzlich zu verschwinden. Gleichzeitig gibt es immer wieder humorvolle oder absurde Momente, die den Text trotz seines schweren Themas nicht hoffnungslos wirken lassen. Gerade diese Mischung empfand ich als sehr lebensnah, denn auch im echten Alltag mit Demenz existieren Trauer und kleine komische Situationen doch oft nebeneinander. Sehr nahe ging mir die Frage: „Wie schaffe ich es, für jemanden zu sprechen, der mir so nahe ist und sich doch jeden Tag weiter entfernt?“ In diesem Satz steckt für mich das ganze Dilemma vieler Angehöriger. Man möchte verstehen, helfen und festhalten, merkt aber gleichzeitig, dass man den anderen nicht erreichen kann wie früher. Besonders berührt hat mich außerdem die Stelle, an der beschrieben wird, wie groß die Freude über einen klaren Satz oder einen kurzen vertrauten Moment sein kann. Solche Augenblicke kennen vermutlich viele Angehörige: kleine Zeichen dafür, ... ⬇️".