Wie gesundbleiben im Meer des Irrsinns?
Es ist tröstlich, dass, obwohl er nun schon sechs Jahre tot ist und vor 19 Jahren dort kĂŒndigte, weil er zensiert wurde, âDie Wahrheitâ auch ohne den seligen Wiglaf Droste gelegentlich ein geeigneter Ort des mentalen Trostes ist. Heute zum Beispiel. Und Wiglafs damaliger Zensor persönlich, Michael Ringel, schreibt:
âDas SchweiĂen der HĂ€mmer â Die AffĂ€re Klöckner-Pilawa wird jetzt fĂŒrs Fernsehen verfilmt â mit Anthony Hopkins. Ein trĂ€nenreicher und nervenzehrender Schmachtfetzen im ZDF.â GegenĂŒber Wiglafs Standards ist das weichgespĂŒlter Stoff, aber heute ⊠mann gönnt sich ja sonst nichts. Julia Klöckner habe ich fĂŒr unspielbar gehalten. Aber grossen KĂŒnstlerinnen ist keine Anforderung unĂŒberwindlich âŠ
Und die Schlusspointe von Arno Frank ist ein bisschen sehr angestrengt, aber als Freund von Schiffsreisen sprach sie mich an: âPanzerkreuzer Porn â Eigentlich ein ganz normaler Urlaub auf der Napoleon-Insel Elba â doch dann taucht in der Bucht die gigantische Yacht eines MultimilliardĂ€rs auf.â Ohne Wiglaf muss mann eben nehmen, was noch da ist.
Mediathekperlen-Feedback
Zu folgenden Perlen bekam ich enthusiastische RĂŒckmeldungen von den schönsten Frauen Kölns:
âTschuggerâ ist nur noch bis 3.9. verfĂŒgbar. Das ist wohl das Beste, was die Schweiz seit langem hervorgebracht hat. Hier der informative Wikipedia-Eintrag.
âWe Are Lady Partsâ, vom ZDF ohne VerfĂŒgbarkeitsangabe hat offenbar nicht nur mich restlos ĂŒberzeugt. Britannien hats besser â im TV. Auch hierzu mehr bei Wikipedia.
FĂŒr ein gutes Wochenende sollte das ausreichen. Es sei denn, bei Ihnen steht noch eine nette Gartenparty an. Aber Vorsicht: nur 5 Sonnenstunden und 60% âRegenwahrscheinlichkeitâ sind uns in Bonn versprochen.
Schande ĂŒber den SWR
Ich hatte das GefĂŒhl, es sei schon lange passiert, weil der Sender damit umging, als sei es ein ĂŒbernutzter verdreckter Wischlappen. Nun hat der SWR offiziell erklĂ€rt, dass er seine Sendereihe âEisenbahnromantikâ, die einzige dieses Senders, die ich regelmĂ€ssig geguckt habe, einstellt. Er folgt damit dem Trend in allen ARD-Anstalten, Fachredaktionen und auch deren letzte Ăberreste, plattzumachen. Und dann wundert sich das Publikum ĂŒber die mangelhafte Fach- und Sachkompetenz der ĂŒbrigbleibenden Journalist*inn*en. In meinem letzten Beruf gipfelte das â ohne Ăbertreibung! â darin, dass âWDR-Lokalzeitâ-Mitarbeiter*innen eine Wegbeschreibung zum Rathaus benötigten.
Das Prinzip, wie die âEisenbahnromantikâ entsorgt wird, ist eine schon oft erlebte Wiederholung. Ein hochkompetenter, erfahrener und widerstĂ€ndiger Redakteur geht in Rente. Die Nachfolge wird von den Anstaltsvorgesetzten so schlampig und desinteressiert wie möglich gehandhabt. Und dann folgt das Fallbeil.
Beim Thema Bahn, das allein in diesem Blog schon ĂŒber 200 Folgen erlebt hat, und stramm auf die 250. zugeht â die âEisenbahnromantikâ ist sogar schon bei ĂŒber 1.000 gelandet (ich habe sie alle gesehen) â hĂ€tte eine Weiterentwicklung in Richtung MobilitĂ€tsforschung, Wissenschaft von der Infrastruktur und Verkehrspolitik nahegelegen. Die AnsĂ€tze waren alle schon da. Die jederfrau und jedermann augenfĂ€lligen Probleme liegen nicht âauf der Strasseâ, sondern werden tĂ€glich auf den Bahnsteigen erlebt. Der konstruktive Journalismus von âEisenbahnromantikâ war lĂ€ngst auf der richtigen FĂ€hrte.
Dass das unter dem ehemaligen Tagesschau-Boss Gniffke zunichte gemacht wird â das wiederum ĂŒberrascht mich nicht.
Bei 3sat stehen jetzt drei Staffeln vom âTschuggerâ.
Ein wunderbarer Anti-Held der Walliser Polizei. Wer Wolf Haas und seine Brenner-Romane mag, könnte auch am âTschuggerâ groĂen SpaĂ haben.
3sat hat gerade die schweizer Action-Comedy-Serie #Tschugger in der Mediathek und versendet heute die zweite Staffel:
https://www.3sat.de/film/tschugger
Positiv: SchwyzertĂŒtsch! Ich kenne die SRF-Fassung nicht, aber hier wird viel geschweizert. Womöglich haben sie einige Figuren etwas hochdeutscher nachsynchronisiert, fiel mir gerade aber vorerst nicht auf.
Schwyzer âKottanâ ohne Untertitel
âTschuggerâ nur einen Monat verfĂŒgbar
Habe erst zwei Folgen gesehen, und habe das GefĂŒhl einer Sensation beizuwohnen. Was die Ăsis in den 70ern mit âKottanâ geschafft haben, dazu gibt es ein schwyzerdeutsches GegenstĂŒck: âTschuggerâ. 3sat bietet drei der insgesamt vier Staffeln an, in kurzweilige 30-Minuten-Folgen gestaffelt. Und nur bis zum 3.9. verfĂŒgbar. Beim Schweizer Fernsehen wird Bezahlung mit persönlichen Daten verlangt, hier auch mit der 4. Staffel.
Mir ist unbegreiflich, dass eine TV-Anstalt, die das mit Hilfe dieser Produktionsfirma realisiert hat, so langweilige Tatorte liefert. Schade um das schöne Geld. FĂŒr Tschugger haben sich die Investitionen gelohnt.
Ach und ĂŒbrigens: unsere medienpolitisch allseitig gebildeten â und leider auch gesetzlich zustĂ€ndigen â deutschen MinisterprĂ€sident*inn*en wollen uns den anbietenden TV-Sender 3sat wegnehmen, im Auftrag der AfD. Denken Sie daran bei Ihrer nĂ€chsten Landtagswahl.