Im Korridor mit Nazis – Die Zwerenz-Gruppe zwischen Dagen, AfD, Mittelstandsunion und DDV-Mediengruppe

Am 7. und 8. November 2026 ist in Halle die zweite Auflage der extrem rechten Buchmesse „Seitenwechsel“ geplant. Im vergangenen Jahr hatte diese mehrere tausend Besucher*innen angezogen. Einen Beitrag zum Erfolg leistete eine umfangreiche, teilweise naiv anmutende Presseberichterstattung, die den Eindruck erweckte, es handele sich bei „Seitenwechsel“ um eine mehr oder weniger übliche Messe. Ganz direkte Unterstützung erhielt die Messe vor allem durch die Beteiligung einer vermeintlich seriösen und insbesondere in Dresden gut vernetzten Unternehmensgruppe: Die Dresdner Zwerenz-Gruppe stellte sowohl Räume als auch das organisatorische Rückgrat zur Verfügung und machte die Veranstaltung überhaupt erst möglich. Berührungsängste mit reaktionären bis neo-nationalsozialistischen Inhalten und Gästen hat sie keine.

Im Mai 2025 behandelte Tomas Gärtner die extrem rechte Buchmesse „Seitenwechsel“ von Susanne Dagen und ihren Kompliz*innen prominent in den Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN). In seinem Artikel räumte Gärtner Dagen viel Platz ein, die darin die Messe in Halle als legitime Ergänzung zum politischen Diskurs verklärte. Ein Diskurs, der laut Dagen „politisch immer enger“ werde, weswegen es einer „alternativ ergänzenden“ Buchmesse bedürfe. Dagen bezeichnet dies als „geistige Notwehr“. Für den DNN-Autor „taugt das schlichte Links-Rechts-Schema schlecht zur Beschreibung eines umfassenderen Spektrums“, welches sich in Halle angekündigt hatte.

Susanne Dagen (rechts) mit Familie Kubitschek/Kositza. Quelle: Youtube

Die Messe selbst, welche trotz Dagens Beteuerung wohl nicht zufällig auf das Wochenende vom 8. und 9. November 2025 fiel, sollte Tomas Gärtners Aussage dann ad absurdum führen. Wie zu erwarten bot die Messe kein „umfassendes Spektrum“, sondern war ein Stelldichein und Vernetzungsevent verschiedener Facetten der extremen Rechten. Und während Susanne Dagen im Vorfeld der Messe in der DNN bemängelte, dass die großen Messen „immer homogener“ und „politisch immer enger“ würden, war die Messe „Seitenwechsel“ was? Genau. Politisch sehr eng gefasst, ja geradezu homogen.

Extrem rechtes Stelldichein

Unmaskiert: Aron Pielka alias Shlomo Finkelstein. Quelle: EXIF Recherche

Den über 6.000 Besucher*innen präsentierte sich ein Querschnitt der extrem rechten Szene: Angefangen bei den Dagen vertrauten Salonfaschist*innen Götz Kubitschek und Ellen Kositza, über Aron Pielka („Shlomo Finkelstein“), seinerseits Anführer einer extrem rechten Trollarmee an der Kulturkampffront, der unter anderem wegen Volksverhetzung und des Verbreitens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen noch 2025 in Haft saß, bis hin zum immernoch umtriebigen Gründer der Skinheads Sächsische Schweiz Thomas Sattelberg, Betreiber des regionalen Neonazi-Hotspots „Haus Montag“ in Pirna.  Zusammen mit Thomas Sattelberg reiste ein weiterer langjähriger Neonazikader aus der Region an: Constantin Mayer. Angeboten wurde unter anderem Druckerzeugnisse des MetaPol-Verlages, der Freien Sachsen/Die Heimat oder die offen NS-verherrlichenden Schriften des Chemnitzer Zeitenstrom Antiquariats. Eine ausführliche Reportage über die Teilnehmenden und Aussteller*innen der extrem rechten Messe wurde bereits von EXIF-Recherche vorgelegt – obwohl die Veranstaltenden versuchten genau solch kritische, journalistische Recherche per Auflage zu unterbinden.

Thomas Sattelberg (links, markiert) und Constantin Mayer (rechts, markiert) bei der Messe „Seitenwechsel“. Quelle: Rechtsimbild

Schon ein kurzer Blick auf das faschistische, teils neonazistische Schaulaufen zeigt, was bei dieser Messe als „konservativ“ chiffriert wird und dem öffentlichen Diskurs als „alternativ ergänzend“ an die Hand geben werden soll.

Türöffner Zwerenz-Gruppe

Großen Anteil an der Reichweite der Messe hat die Zwerenz-Gruppe mit Sitz auf der Elisabethstraße 9 in Dresden-Bühlau. Geleitet wird die Unternehmensgruppe vom Ehepaar Roland Wilhelm (Diplom-Physiker, geb, 1957 in Hungen) und Beate Zwerenz (Kauffrau, geb. 1965, geborene Schreiber), sowie vom Sohn Beate Zwerenz‘ Peter Schreiber.  Die Vermietung der Messehalle in Halle läuft über die hundertprozentige Tochtergesellschaft M.A.T. Objekt GmbH. Diese Gesellschaft hat ihren Sitz unter der gleichen Adresse. Mit weiteren Tochtergesellschaften wurde die Organsiation der Messe abgewickelt. Über die Halle Messe GmbH liefen Kommunikation und Werbung. Die Impuls Veranstaltungs GmbH wiederum war verantwortlich für die Anmeldung der Messeaussteller. Für den Messebau war die creatyp GmbH zuständig, für den Verkauf von Onlinetickets die MAE Systems GmbH. Aus ihrem Engagement machen die Firmen kein Geheimnis: Auf der Website zur Seitenwechsel-Messe sind die Logos der beteiligten Unternehmen aus der Zwerenz-Gruppe offen als „Service-Partner“ benannt.

Roland Zwerenz (markiert) schaut nach den Rechten bei der Messe „Seitenwechsel“ . Quelle: Rechtsimbild

Nach einer reinen Geschäftsbeziehung sieht das Verhältnis der Zwerenz-Gruppe sowohl zur Veranstalterin als auch zu den dargebotenen Messe-Inhalten nicht aus. Gegenüber der Berliner Zeitung gab Dagen an, sie habe „ihren Vermieter“ Roland Zwerenz in einer „weinseligen Runde“ im Sommer oder Herbst 2024 kennengelernt. Seit November 2024 arbeite man zusammen an der Umsetzung des Projekts.

Mit einschlägig extrem rechten Veranstaltungen hat die Zwerenz-Gruppe schon in der Vergangenheit Erfahrung gemacht: Am 16. Juni 2024 feierte das rechtsaußen Portal „Tichys Einblick“ in der Messe Halle zehnjähriges Bestehen. Im Januar 2025 startete die AfD ihren Bundestagswahlkampf am selben Ort. Eine andere Location der Zwerenz-Gruppe sind die Hessenhallen in Gießen, wo sich die faschistische Junge Alternative im November 2025 zur „Generation Deutschland“ umlabelte. Entgegen eigener Aussagen hätte die Zwerenz-Gruppe die Veranstaltung in Gießen absagen können. Andere Messebetreiber taten genau das, Zwerenz wollte nicht.

Gewinnträchtige Verbindung mit der DDV-Mediengruppe

Dass eine Firmengruppe, die Messen veranstaltet, über ein großes Netzwerk verfügt, ist nicht überraschend. So organisiert die Zwerenz-Gruppe in Cottbus die „Impuls“, die nach eigenen Angaben größte Job- und Bildungsmesse im Land Brandenburg. Bei Klick auf die Messe-Website fällt schnell das Grußwort von SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidtke ins Auge. Pikant ist aber besonders das Netzwerk in Dresden: Über eine weitere Tochtergesellschaft, die ORTEC Messe und Kongress GmbH, ist die Zwerenz-Gruppe direkt mit der DDV-Mediengruppe verbunden. Das ist die Mediengruppe, die hinter der Sächsischen Zeitung, Tag24 und PostModern steht und zum 1. Mai 2024 von Bertelsmann und der SPD-eigenen ddvg an die Madsack-Gruppe verkauft wurde. Zwerenz-Gruppe und DDV sind beide Gesellschafter von ORTEC, 51% der Anteile hält DDV, 49% die Zwerenz-Gruppe. Die Geschäftsführung teilen sich Beate Zwerenz, ihr Sohn Peter Schreiber und Tobias Spitzhorn. ORTEC sitzt zusammen mit anderen Zwerenz-Unternehmen auf der Bertolt-Brecht-Alle 24 und organisiert die großen Messen in Dresden, darunter die Feuerwehrmesse „Florian“, die Baumesse „HAUS“ oder die Messe „KarriereStart“. Das sind durchaus gewinnträchtige Unternehmungen: 2024 schloß ORTEC mit einem Gewinn von über 1,4 Millionen Euro. 49% davon dürften in die Taschen der Familie Zwerenz fließen.

Roland Zwerenz (markiert) ist Mitglied im Arbeitskreis „Dresdner Veranstaltungswirtschaft“ der IHK. Quelle: Facebook

In der hießigen Industrie- und Handelskammer ist Roland Zwerenz zudem Mitglied der Vollversammlung und wählt dort zusammen mit den 69 weiteren Mitgliedern u.a. den Präsidenten und entscheidet über den Etat der Kammer. Außerdem ist er Beisitzer im Kreisvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Dresden, eine parteipolitische Vereinigung der CDU.

Unternehmer für die extreme Rechte

Das Wirken der Zwerenz-Gruppe ist bemerkenswert, aber nicht einzigartig. Schon seit einer Weile agieren eine Reihe an Unternehmer*innen als Türöffner für extrem rechte Umtriebe. In Bautzen fördert Jörg Drews von Hentschke-Bau ein extrem rechtes Netzwerk, in Görlitz ist es der Millionär Winfried Stöcker, der meint der AfD und ihrem Vorfeld zum Durchbruch verhelfen zu müssen. Mit der Zwerenz-Gruppe ist nun auch in Dresden ein wirtschaftlich relevantes Unternehmen zu finden, dass sich aktiv für die Belange neofaschistscher Akteur*innen einsetzt. Das allerdings muss nicht so bleiben: Als Messeunternehmen ist die Zwerenz-Gruppe von der Zusammenarbeit mit vielen weiteren Akteur*innen abhängig. Ob die dieses Gebahren einfach akzeptieren wollen, ist keineswegs sicher. Vielleicht triftt dann auch zu, was die Mittelstandsunion auf ihrer Website als besonderen Wert des Mittelstandes hervorhebt: die Bereitschaft zur Haftung mit eigenem Vermögen. Wie hoch die bei der Familie Zwerenz ausgeprägt ist, gilt es herauszufinden.

#AfD #AronPielka #ConstantinMayer #DDVMediengruppe #EllenKositza #GötzKubitschek #Mittelstandsunion #RolandZwerenz #Seitenwechsel #ShlomoFinkelstein #SusanneDagen #ThomasSattelberg

Partei, Vorfeld und Neonazis – geeint beim Jungeuropa Lesertreffen in Freital

Am 13. September 2025 lud der extremrechte Jungeuropa Verlag erneut zu einem sogenannten „Verlagstreffen“ ein. Nachdem diese Treffen in den letzten Jahren außerhalb Sachsens stattfanden, wurde diesesmal einen Location im „Raum Dresden“ angekündigt. Letztendlich fand die Veranstaltung im kommunalen Ballsaal Coßmannsdorf in Freital statt, wo über einhundert Personen aus den unterschiedlichsten extrem rechten Strömungen Vorträgen und Diskussionen beiwohnten. Die Inhalte dürften dabei eher zweitrangig bleiben, im wesentlichen wurden mit Hydra Comics und Michael Schäfer, dem Oikos-Verlag von Jonas Schick, Volker Zierke und Benedikt Kaiser die immer gleichen selbstreferentiellen Stände, Themen und Referenten geboten. Relevanz hatte das Treffen des Jungeuropa Verlags vor allem als Schnittstelle zwischen Neonazis, Neuer Rechten und AfD. Zentrale Akteure aus den Bereichen waren in Coßmannsdorf anwesend und kamen miteinander ins Gespräch.

Michael Schäfer, Quelle: Pixelarchiv Volker Zierke, Quelle: Pixelarchiv Benedikt Kaiser, Quelle: Pixelarchiv

Der Jungeuropa Verlag arbeitet seit längerer Zeit als Bindeglied zwischen AfD und ihrem sogenannten „politischen Vorfeld“. Gemeint sind damit zumeist außerparlamentarische und metapolitisch arbeitende Gruppen, wie z.B. die „Identitäre Bewegung“ (IB) oder der Antaois-Verlag. Ziel ist es, die Partei dauerhaft im völkisch-nationalen Lager zu einzubinden. Insbesondere der Autor des Jungeuropa Verlages, der in Chemnitzer Neonazikameradschaften politisierte Benedikt Kaiser hat sich diesem Ziel verschrieben und diskutierte entsprechend beim Verlagstreffen zum Thema „Neujustierung von Partei & Vorfeld“. Kaiser debattierte dies laut Ankündigung zusammen mit Felix Menzel. Der aus Chemnitz stammende Menzel ist seit der Jugend politisch in rechten, burschenschaftlichen Kreisen in Chemnitz und Dresden aktiv. In der Landeshauptstadt betrieb er das „Zentrum für Jugend, Identität und Kultur“, bei dem auch Jungeuropa-Verlagschef Philip Stein als Praktikant tätig war. Seit 2020 ist Menzel als Pressereferent für die AfD-Landtagsfraktion Sachsen tätig und betreibt ein Weiterbildungsportal für AfD-Abgeordnete.

Bei solcher AfD-„Prominenz“ auf dem Podium, verwundert es wenig, dass sich auch unter den Besuchern des Verlagstreffen auffällig viele AfDler*innen tummelten. Diese kamen aus den gesamten Bundesgebiet angereist. Knapp ein Dutzend AfD-Landtags- und Bundestagsabgeordnete waren in Freital anwesend. Darunter die Landtagsabgeordnete Lena Kotré sowie ihr Partner der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré. Mit Dominik Kaufner und Jean-Pascal Hohm waren zwei weitere Landtagsabgeordnete aus Brandenburg anwesend. Besonders Letzterer ist seit langem mit den Organisatoren der Veranstaltung verbunden. So absolvierte Hohm 2017, zu diesen Zeitpunkt teil der IB, ein Praktikum beim Dresdner Verein Ein Prozent, die ebenfalls von den führenden Köpfen des Jungeuropa Verlags, Philip Stein, Michael Schäfer und Julian Monaco, geleitet wird. Hohm wird als ein heißer Kandidat gehandelt für den Vorsitz der neu zu gründenden Parteijugend.

Steffen Kotré, Quelle: Pixelarchiv Jean-Pascal Hohm, Quelle: Pixelarchiv Dominik Kaufner, Quelle: Pixelarchiv

Mit Steven Hellmuth (Mitarbeiter AfD-MdB Jens Kestner, Köthen), Felix Niedermeyer (Mitarbeiter AfD-MdL Brandenburg Dominik Kaufner), Lenard Scharpe (ehmaliger Landesvorstand JA-Sachsen, Stadtrat Bautzen), Andreas Fachinger (AfD-KV Koblenz), Matthias Keßel (AfD-KV Dahme-Spreewald), Hinnerk Jordan (JA-Altmarkt) und Patrick Fritsch (JA Berlin-Marzahn) waren weitere Mitglieder der mittlerweile aufgelösten Jungen Alternative anwesend. Mit Marvin T. Neumann saß der geschasste Vorsitzende der JA und ehemalige Pressesprecher der AfD-Fraktion Brandenburg auf einem Podium, um über das Thema seines 2025 im Jungeuropa erschienen Buches „Amerikanismus. Die Ideologie der westlichen Moderne“ zu referieren.

Steven Hellmuth, Quelle: Pixelarchiv Felix Niedermeyer, Quelle: Pixelarchiv Andreas Fachinger, Quelle: Pixelarchiv

Neben den völkischen Mitgliedern der Jungen Alternative waren in Freital auch mehrerer Mitglieder der „Identitären Bewegung“ (IB) vor Ort. Das Verlagstreffen bietet damit die Möglichkeit den Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD mit der IB zu umgehen und sich ungezwungen und  vermeintlich unbeobachtet zu vernetzten. Unter Anderen reisten Carl von Waldstein (München), Maximilian Märkl (Augsburg), David Ratajczak (Chemitz/Sachsengarde), Leonhard Sternitzke (Leipzig/Sachsengarde), Linda Kraft (Chemnitz/Sachsengarde) und Phil Friedrich (IB-Schwarzenberg) nach Freital. Neben den Mitgliedern der IB, waren auch mindestens zwei Personen anwesend, die eine Schärpe (Burschenband in der Couleur der) der IB-nahen Burschenschaft „Salamandria Dresden“ trugen. Auch vor Ort: die rechte Influencerin Nina Hörig, die bereits bei einem Kongress des IB-Frauenprojektes Lukreta sprach.

Carl von Waldstein, Quelle: Pixelarchiv David Ratajczak, Quelle: Pixelarchiv Linda Kraft, Quelle: Pixelarchiv

Einen weiteren Weg hatten die anwesenden Neonazis Manuel Corchia und Florian Stimpfle von der Schweizer Gruppe „Junge Tat“. Diese agiert seit 2020 in der Schweiz und orientiert sich an der „Identitären Bewegung“ und Neonazikameradschaften. Man organisiert immer wieder Veranstaltungen, bei denen sowohl AfD-Mitglieder als auch Neonazis zusammen kommen. So lud die „Junge Tat“ Lena Kotré im Dezember 2024 zu einer Veranstaltung als Rednerin ein, bei der auch zwei Schweizer Mitglieder von “Blood & Honour“ im Publikum saßen. Einem internationalen Neonazinetzwerk, dessen deutscher Ableger seit 2000 verboten ist. Weitere Mitglieder der „Blood & Honour“ Sektion Zürich betätigten sich an den Schleusungspunkten auf dem Weg zu der extrem rechten Veranstaltung.

Manuel Corchia, Quelle: Pixelarchiv

Auch Vertreter des Kameradschaftsspektrums der 1990er/2000er-Jahre waren zahlreich in Freital. So zum Beispiel Sebastian Reiche aus Dresden, der seit den 1990’iger Jahren in Nazikreisen aktiv ist und immer wieder durch seine Gewaltbereitschaft auffällt. Mit Thomas Sattelberg war ein weiterer langjährig aktiver Neonazi unter den Besuchern des Verlagstreffens. Der aus Pirna stammende Sattelberg war Mitbegründer der 2001 verbotenen Skinheads Sächsische Schweiz (SSS), danach Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und ist aktuell bei den Freien Sachsen (Die Heimat) aktiv. Bis heute hat Sattelberg Kontakt in die militante Nazi-Szene. So sitzt der Ehemann von Sattelbergs Tochter Hella Hättasch, Kurt Hättasch, aktuell wegen seiner Rolle bei den mutmaßlichen Rechtsterroristen Sächsische Seperatisten in Untersuchungshaft.

Sebastian Reiche, Quelle: Pixelarchiv Thomas Sattelberg, Quelle: Pixelarchiv

Ebenso aus dem Umfeld der alten NPD-Sachsen stammt Arne Schimmer, der ab 2009 für die NPD im sächsischen Landtag saß. Schimmer ist heute Chefredakteur der Deutschen Stimme/Aufgewacht. Einer Fusion aus der alten NPD-Zeitung und der Zeitung der Freien Sachsen. Von „Verleger zu Verleger“ fand Schimmer dann auch nur lobende Worte für die Veranstaltung in Freital.

Ein weiterer aus Pirna stammender Neonazi, der in Freital ein T-Shirt von Hydra Comic präsentierte, ist Tobias Lichy. Lichy war Mitglied der mittlerweile inaktiven Dresdner Nazikameradschaft Werra Elbflorenz. Seit 2018 ist Lichy regelmäßig beim Trauermarsch am 13. Februar in Dresden anzutreffen. Im vergangenen Jahr besuchte er gemeinsam mit dem NDS-Rapper Dominik Raupbach eine Demonstration der IB in Berlin. Seine Netzwerkarbeit reicht noch weiter: So dokumentierte der Blog „Österreich Rechtsaußen“ im vergangen Jahr die Verbindungen von Lichy zu der Wiener Nazigruppierung „Tanzbrigade Wien“, sondern europaweit vernetzt ist.

Von der mittlerweile verbotenen Neonazikameradschaft Aktionsblog Rostock bzw. Nationale Sozialisten Rostock war Guido Howald in Freital. Nach dem Verbot der Gruppe war Howald zuletzt bei einer Demonstration der „Nationalrevolutionären Jugend“, der Jugendorganisation des Dritten Wegs, in Berlin-Marzahn als Ordner aufgetreten.

Tobias Lichy, Quelle: Pixelarchiv Guido Howald, Quelle: Pixelarchiv Florian Melzer, Quelle: Pixelarchiv

Eher ungewöhnlich war der Besuch von Florian Melzer aus Demitz-Thumitz (Landkreis Bautzen), wo er und seine Frau sich sozialengagiert geben. Ein Nazi, um den es lange still war. Melzer war 2013 wegen Mitgliedschaft in einer kriminiellen Vereinigung angeklagt. Dabei handelte es sich um die Dresdner Hooligangruppierung „Faust des Ostens“. Acht Jahre später erhielt Melzer nur eine geringe Strafe. Der Kampfsport erprobte Melzer tauchte in diesem Jahr erstmals wieder beim Protest gegen den CSD in Bautzen auf, wo er gemeinsam mit dem langjährigen völkischen Neonazi Max Hempel unterwegs war.

Für den Jungeuropa Verlag war die Veranstaltung in Freital sicherlich ein Erfolg. Dass der einschlägig bekannte Verlag kommunal-verwaltete Räume nutzen konnte, ist ein Armutszeugnis für die städtischen und die sächsischen Behörden. Im Nachgang argumentierten die Betreiber, ihnen sei die Ausrichtung des Verlages nicht bekannt gewesen. Das ließe sich jedoch durch eine einfache Internet-Recherche beheben. Hier entsteht der Eindruck, dass bewusst weggeschaut wird. Gleichzeitig macht das Treffen deutlich, wie unbekümmert die Szene derzeit agiert: Neonazis aller Coloeur gaben sich mit AfD-Bundestags- und Landtagsabgeordneten die Klinke in die Hand. Wenn es Argumente für die Prüfung eines AfD-Verbots braucht: In Freital waren einige mehr zu finden.

#afd #andreasFachinger #arneSchimmer #benediktKaiser #carlVonWaldstein #davidRatajczak #dominikKaufner #felixMenzel #felixNiedermeyer #florianMelzer #florianStimpfle #guidoHowald #identitaereBewegung #jeanPascalHohm #jonasSchick #jordanHinnerk #julianMonaco #jungeTat #jungeuropaVerlag #lenaKotre #lenardScharpe #leonhardSternitzke #lindaKraft #manuelCorchia #marvinTNeumann #matthiasKessel #maximilianMaerkl #michaelSchaefer #ninaHoerig #oikosVerlag #patrickFritsch #philFriedrich #philipStein #sebastianReiche #steffenKotre #stevenHelmuth #thomasSattelberg #tobiasLichy #volkerZierke