Armin Rohde – „Werkstatthelden mit Herz“ (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür, dass es menschlich und authentisch zugeht. Seine Figuren enden niemals als Clowns, sondern sind echte Menschen… (ARD/One, WH)

Armin Rohde - "Werkstatthelden mit Herz" (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür, dass es menschlich und authentisch zugeht. Seine Figuren enden niemals als Clowns, sondern sind echte Menschen... (ARD/One, WH)

NexxtPress

Hörspiel des Monats Mai 2025

Lélé

von Sathyan Ramesh

Regie: Leonhard Koppelmann
Redaktion: Arne Salasse
Produktion: HR 2025
Länge: 54:30
Ursendung: HR 2 Kultur, 30.03.2025 Uhr

Die Begründung der Jury

Es gibt ihn noch, den Briefroman. Wir glaubten, wir hätten zu diesem Thema schon alles gesehen und gehört, und siehe, da kommt doch etwas Neues. Und zugleich etwas ganz Altes. In „Lélé“ schreiben sich beide Protagonisten tatsächlich Briefe. Und das wirkt nicht überholt oder antiquiert, sondern ganz natürlich. Denn einer der beiden sitzt im Knast. Der andere ist draußen.

Es ist die Umkehrung des Klassikers „Frau verliebt sich in Kriminellen, der im Gefängnis sitzt“. Hier nimmt der Mann Kontakt zu einer weiblichen Inhaftierten auf. Aus purer Höflichkeit. Gerhard bedankt sich postalisch für ein besonders schönes Hundehalsband, das er auf einer Website erworben hat, die handgefertigte Waren von Häftlingen vertreibt. Helene, genannt Lélé, die das Halsband hergestellt hat, antwortet. Ebenfalls schriftlich. Daraus wird mehr. Ein Briefwechsel.

Besonders gelungen ist, wie hier etwas scheinbar Altmodisches mit einer neuen Perspektive kombiniert wird. Darüber hinaus schafft der Autor die Porträts zweier Individualisten. Jeder auf seine Art einsam. Matthias Habich spielt Gerhard, den ehemaligen Lehrer und Witwer, mit einer guten Portion Kauzigkeit und Selbstironie. Julia Jäger spricht samtig und lässt klar die Empfindsamkeit ahnen, die unter einer harten Schale liegt. Beide machen das großartig.

Mit Humor, Melancholie und Sehnsucht wird die Annäherung zweier Figuren geschildert, die ihre Charaktere und Lebensgeschichten nach und nach entfalten. Ihre Begegnung führt – dem Autor sei Dank – nicht zu der erwarteten Liebesgeschichte sondern zu einer anderen überraschenden Konsequenz, die an dieser Stelle nicht verraten sein soll. Hier wird eine Geschichte erzählt. Einfach eine Geschichte von zwei Menschen. Die uns berührt hat. Davon brauchen wir mehr.

Lélé – Trailer

Das Hörspiel des Monats wird am Samstag, den 07.06.2025 um 20.05 Uhr im Deutschlandfunk (DLF) wiederholt.

Die Nominierungen

2025-01-02, Frauen und Fiktion: Hallo, ich bin Geld, DLF Kultur
2025-01-08, David Lindemann: Echokammer, DLF Kultur
2025-01-13, Ulrike Haage: Nichts ist, sagt der Weise, RBB
2025-01-18, Merzouga: Wildly tender is thy music – Lieder aus dem Moor, DLF
2025-01-24, Helmut Peschina: Treibholz, ORF

2025-02-01, Heiner Goebbels: Orakelmaschine, SWR
2025-02-17, Michael Stauffer: Ihr habt echt keine Ahnung, in der Schweiz gab es nie Sowjetunion, SRF

2025-03-03, AnniKa von Trier: Spurensuche Hannah Höch, rbb
2025-03-03, David Paquet: Sternschnupfen, SR
2025-03-06, Anonym: 1001 Nacht nach der Neuübersetzung von Claudia Ott, DLF
2025-03-12, Andi Unger: Es gibt kein richtiges Leben, ihr Flaschen!, BR
2025-03-19, C. F. Ramuz: Sturz in die Sonne, SRF
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 1 von 10 – Erwerb von Urlaubskompetenz, NDR/DLF 2025
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 2 von 10 – Pre-Holiday-Holiday, NDR/DLF 2025
2025-03-26, Oliver Sturm: Die Erschöpften – Folge 3 von 10 – Spaß! Spaß! Spaß!, NDR/DLF 2025
2025-03-31, Sathyan Ramesh: Lélé, hr

2025-04-01, Akin Emanuel Sipal: Mutter Vater Land, BR
2025-04-03, Basil Zecchinel / Clara Schiltenwolf: Requiem for a lobster, DLF
2025-04-03, Olga Ravn: Die Angestellten, DLF Kultur
2025-04-03, Schorsch Kamerun: Bevor wir kippen, DLF Kultur
2025-04-06, Maike Wetzel: Schwebende Brücken, SWR
2025-04-10, Dominika Jerkić & Marc Matter: Oroboro, SWR
2025-04-15, Ernst Jünger: Auf den Marmorklippen, SWR
2025-04-15, Walter Filz / Edgar Allan Poe: Der Untergang des Hauses, SWR
2025-04-16, Peter Bichsel: Nichts Besonderes, SRF
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 1 von 3, MDR
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 2 von 3, MDR
2025-04-17, Aleksandar Tisma: Der Gebrauch des Menschen – Teil 3 von 3, MDR

2025-05-06, Noam Brusilovsky / Ofer Waldman: Wer weiß wer kennt, rbb
2025-05-13, Dominik Bernet: Brot weint, SRF
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 3 von 6 – Der Meisterdieb, hr
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 4 von 6 – Zu viel Zaster, hr
2025-05-13, Arne Salasse: Die Glitzer-Gang – Folge 5 von 6 – Totale Krise, hr
2025-05-23, Hans Magnus Enzensberger: Der Untergang der Titanic, ORF

#HörspielDesMonats #HR #Lélé #SathyanRamesh

Briefroman plus Schauspielertheater gleich Hörspiel

Briefroman plus Schauspielertheater gleich Hörspiel. Regisseur Leonhard Koppelmann hat Sathyan Rameshs „Lélé – Lesestück für Julia Jäger und Matthias Habich“ für das Radio inszeniert und bewiesen, dass schriftliche Kommunikation auch im Emoji-Zeitalter noch funktionieren kann.

Sathyan Ramesh: Lélé

HR 2 Kultur, So, 31.03.2025, 14.05 bis 15.35 Uhr

Wer schreibt im Zeitalter von Emojis, WhatsApp und Social Media überhaupt noch Briefe? Das mag sich der Drehbuchautor Sathyan Ramesh (Jahrgang 1968) gefragt haben und er hat darauf eine plausible Antwort gefunden. Es sind nämlich diejenigen, die diese Kulturtechnik noch beherrschen und diejenigen, die von elektronischer Kommunikation ausgeschlossen sind. Als „Lesestück für Julia Jäger und Matthias Habich“ hat Ramesh sein Werk „Lélé“ untertitelt und so wird es auch am Berliner Renaissance-Theater in 120 Minuten aufgeführt. Als Hörspiel dauert die Inszenierung von Leonhard Koppelmann nur 89 Minuten.

Zu Beginn hackt der 85-jährige Matthias Habich in der Rolle des Gerhard Schütter einen Brief in die Tastatur seiner elektrischen Schreibmaschine, in dem er sich für die Gestaltung des Halsbandes für seinen Hund Oskarla bedankt, das er über die Website „Mit Haftung“ einer Strafvollzugsanstalt bestellt hatte. Daraus entspinnt sich ein Briefwechsel mit Julia Jäger als Helene Goldmann, genannt Lélé, die dieses Halsband hergestellt hat. Außerdem wird noch ab und zu eine Frau Zygalski angesprochen, die die Post in und aus der Haftanstalt von Berufs wegen mitliest: „Sie haben zugenommen, Frau Zygalski, da würde ich aufpassen, in Ihrem Alter wird man die Kilos sehr schwer wieder los.“

Das Dialogische

Nun ist die Reichweite eines Briefes naturgemäß begrenzt. Mehr als ein Adressat ist selten. Der Brief selbst ist eine fixierte Form von Kommunikation, die in ihrer Materialität wie in ihrer Ausgestaltung von der gesprochenen Sprache wie von der Stimme getrennt ist. Wenn dieses Dokument nun laut gelesen wird, verwandelt es sich in etwas Akustisches, was man entweder dokumentarisch, wie im Falle historischer Briefe, oder schauspielerisch, wie im vorliegenden Fall, inszenieren kann. Dass es sich hier um fiktive Briefe handelt, die aber vom Autor für die realen Stimmen von Julia Jäger und Matthias Habich geschrieben wurden, um auf einer Bühne aufgeführt zu werden, macht es nicht einfacher, den medialen Charakter des Stückes zu definieren. Als Hörspielfassung einer Theaterinszenierung, die auf die Unmittelbarkeit der Live-Aufführung verzichtet, wird es noch eine Stufe komplizierter. Zumal am Schluss mit einem überraschenden Twist auch noch die Chronologie der Briefe über den Haufen geworfen wird.

Sathyan Ramesh, der seit 2002 etwa dreißig Film- und Fernsehdrehbücher geschrieben hat, denkt vom Dialogischen her, ohne dabei die Verzögerungen der Briefkorrespondenz zu unterschlagen, die sich von April bis Oktober erstreckt. Doch selbst die Sprunghaftigkeit mündlicher Kommunikation wird emuliert: „Anna und David. Hö?, denken Sie jetzt, fehlt da nicht eine Überleitung? Stimmt, die fehlt, es gibt keine.“ Dass Ramesh Dialoge schreiben kann, hat der schon 2005 bewiesen, als er zusammen mit Hans G. Raeth das Drehbuch für einen der ganz, ganz wenigen gelungenen deutschen Liebesfilme verfasst hat: „Mr. & Mrs Right“ mit Matthias Brandt und Maria Furtwängler in den Titelrollen.

Liebesgeschichte am Schmartphone

Natürlich ist auch „Lélé“ eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte mit offenem Ende zwischen einem verwitweten alten Zausel, der immerhin so auf der Höhe der Zeit ist, dass er mit seinem Smartphone umzugehen weiß, auch wenn er es immer „Schmartphone“ nennt. Auf die flache Belehrung, dass „Handy“ nur „die hilflose deutsche Verenglischung eines Begriffes war, den es im Englischen überhaupt noch nie gab“ hätte man vielleicht verzichten können. Nicht weil es das Adjektiv „handy“ im Englischen natürlich schon gab, sondern weil es etwas unangenehm öffentlich-rechtlich Didaktisches hat.

Abgesehen davon entwickelt sich der beiläufige Smalltalk über Gerhards unkastrierten Rüden Oskarla zu intimeren Gesprächen unter den Augen der Zensur. Eine Liebesgeschichte vor einem Publikum, in der von anderen, mitunter tragischen Liebesgeschichten erzählt wird. Julia Jägers Lélé spricht übrigens aus der unangenehm mumpfigen Akustik ihrer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Zell am Berg, während Gerhard Schütter („seit heute Nachmittag noch etwas schütterer“) aus dem Hamburger Stadtteil Hoheluft einen Mimen gibt, der sich an seiner selbst gewählten Rolle ein wenig berauscht und dem man gerne dabei zuhört.

Häufig wird über die Überalterung des Publikums des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gelästert, woraufhin dieser eben nicht mit einem attraktiven und anspruchsvollen Angebot reagiert. Die gerade mal wieder Grimme-Preis-gekrönte Maren Kroymann („Ist die noch gut?“) ist eine der wenigen Ausnahmen. Stattdessen wird in Funk und Fernsehen für ein vermeintlich junges Publikum eine Coming-of-Age-Geschichte nach der anderen rausgehauen. Mit „Lélé“ gibt es jetzt eine weitere Ausnahme intelligenter Unterhaltung nicht nur für die ältere Generation.

Jochen Meißner – KNA Mediendienst

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#HR #Lélé #LesestückFürJuliaJägerUndMatthiasHabich #SathyanRamesh

Podcast: Lélé | Hörspiel von Sathyan Ramesh

Ein zufälliger Briefwechsel verbindet zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Gerhard, ein älterer Witwer, mit seiner Hündin Oskarla, und Helene, genannt Lélé, eine Gefängnisinsassin. Was mit einer Dankesnotiz für ein von Helene gefertigtes Hundehalsband beginnt, entwickelt sich zu einem tiefgehenden Austausch über Verlust, Vertrauen und Veränderung. Mit Witz und Feingefühl verleihen Matthias Habich und Julia Jäger den Figuren ihre Stimmen. Regisseur Leonhard Koppelmann inszenierte den Text von Sathyan Ramesh als eindringliche Geschichte über Nähe trotz Distanz. Mit: Julia Jäger und Matthias Habich Funkeinrichtung: Leonhard Koppelmann Produktion: artinhalt für hr 2024 | ca. 89 Min. (Audio verfügbar bis 28.03.2026)

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Armin Rohde – Werkstatthelden mit Herz (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür, dass es menschlich und authentisch zugeht. Seine Figuren enden niemals als Clowns, sondern sind echte Menschen… (ARD)

Mediathekperlen | Armin Rohde - „Werkstatthelden mit Herz“ (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür…

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Armin Rohde – Werkstatthelden mit Herz (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür, dass es menschlich und authentisch zugeht. Seine Figuren enden niemals als Clowns, sondern sind echte Menschen.

Armin Rohde - Werkstatthelden mit Herz (2020)

Es gibt nur wenige deutsche Komödien, die ihre Figuren mit Respekt behandeln. So selten sie sind, so wertvoll sind sie. Wenn Armin Rohde mitspielen darf, dann ist es fast schon eine Garantie dafür…

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