“Onlinejournalismus” sprachlos

Ex-Eigentorschütze schiesst ein Bonner “Tor des Monats”

Wie sich der Sparkurs der Verlagsmilliardär*inn*e*n auf ihre Interpretation von “Online first” auswirkt, das studierte ich heute morgen, nachdem ich gestern zwei interessante Fussballspiele gesehen habe.

Bescheidene Bratwurst

Zunächst besichtigte ich den Bonner SC, wie er Rot-Weiss Oberhausen endgültig am Aufstieg von der 4. in die 3. Liga hinderte. Ein bisschen mutete es mir wie eine Kopie des 0:1 gegen den BVB an. Die favorisierten Gäste aus Oberhausen dominierten das Spiel, doch der Bonner SC konterte gelegentlich, und kam dabei meistens weit gefährlicher vors Tor. Doch dieses Mal ohne “Kack”-Eigentor, sondern mit einem gerechten 1:1. Das Ausgleichstor von Haris Mesic, dem Eigentorschützen gegen den BVB, landete bildschön und unhaltbar im Winkel. Es gibt im Fussball also doch Gerechtigkeit. Gut 1.400 Zuschauer*innen waren zufrieden und bejubelten den Schlusspfiff.

Beim Bratwurst-Test fiel der BSC hingegen brutal durch. Das Beste an ihr war das frisch-knackige Brötchen. Die Wurst war weniger als lauwarm und wurde einem Warmhaltebottich statt einem Grill entnommen, in dem ca. 50-60 weitere Exemplare auf Kund*inn*en warteten. Weder heiss noch gar. Abzuraten!

Ungewöhnlich am Tag der “Hells-Angels”-Razzia das offensiv präsentierte Polizeiaufgebot, das die Zahl der Gästezuschauer aus dem Ruhrpott weit übertraf. So wurde nicht ganz klar, was das sollte. Wollten die nach der Razzia ein bisschen Fussballvergnügen? Denn in ihren Kasernen soll es recht ungemütlich sein … Hatten sie Angst vor den ein paar Dutzend RWO-Fans? Oder wollten sie Angst machen? Aber wem denn bitte?

Und dann ins “Horizonte”

Im Stadtwerke-Bus zur Rückkehr nach Beuel blieben unmittelbar nach Schlusspfiff sogar Sitzplätze frei. Waren alle mit Auto und Fahrrad da. Egal, zum Elfmetertreffer von Harry Kane in der 17. Spielminute waren wir rechtzeitig ins Beueler “El Horizonte” zurückgekehrt, um das 4:5 des Fussballkonzerns aus dem süddeutschen Raum bei der Pariser Staatself des Emirates Qatar zu begutachten. Die TV-Einkäufer dieser zweifellos spektakulären Partie überschlugen sich mit Superlativen – “Mechanismen des Geschäfts” eben.

Der Ex-Fussballlehrer an meinem Tisch bemängelte hingegen zutreffend die Abwehrleistungen beider Teams. Die Kommerzlogik des Profifussballs will es so. Muss ich erwähnen, wer das süddeutsche Tor hütete? Angriffsspieler sind beim Publikum weit beliebter, werden bewundert und bestaunt – und weit besser bezahlt. Defensivspieler müssen hingegen für die glänzenden Stars die Arbeit machen – wer von den Millionen kleinen Jungs strebt das an?

Ein 32-jähriger, der im gleichen Krankenhaus geboren wurde, und die gleiche Schule besucht hat, wie ich, hat für sich eine Lösung gefunden. Ich schäme mich ein bisschen für so viel Gedankenlosigkeit eines Multimillionärs, mit dem ich 37 Jahre später u.U. hätte zusammen aufwachsen können. Da habe ich nochmal Glück gehabt …

Aber “man muss doch auch mal das Positive sehen!” (Adenauer), Das Positive an der gestrigen Partie in Paris ist, dass es Trumps und Infantinos WM im Sommer nicht gelingen wird, dieses sportliche (und Spektakel-!)Niveau zu erreichen.

Wie kommichdrauf?

Nach dem angeblich historischen Superduper-Megaspiel in Paris las ich heute morgen in meinen morgendlichen Onlinemedien taz (nicht mehr auf Papier, nur noch online), WAZ (Funke-Mediengruppe) und Frankfurter Rundschau (Ippen-Gruppe) bis nach 9 Uhr am nächsten Morgen: NICHTS!

Gehts noch blamabler? Die WAZ meiner Jugend im Ruhrpott hätte schon um 4.30 h im Briefkasten meiner Eltern auf der Titelseite mit dem Ereignis aufgemacht. Hergestellt auf eigenen Druckmaschinen in Essen, und die Pakete abgeworfen für die Zeitungsboten nächtens an der Strassenbahnhaltestelle Sigambrerweg, unmittelbar vor der damaligen Polizeiwache. Der berühmte und verehrte Hans-Josef Justen hätte wahrscheinlich persönlich dafür gekämpft und gesorgt. Alles hier Genannte (= “Infrastruktur”!) weg!

Stattdessen wird die AfD dort jetzt stärkste Partei.

“Onlinejournalismus” sprachlos – Beueler-Extradienst

Berechenbarkeit ist der Tod

Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind

Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.

Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.

Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …

Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.

Fussball – so laaangweilig

Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.

Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.

Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
Niederlande: 19
BRD: 15
Schweiz: 14
Italien: 12
Spanien: 9
Portugal: 7
Griechenland: 5
Tschechien: 5
Frankreich: 4
Türkei: 4
Polen: 3
Dänemark: 2
Belgien: 2
Österreich: 1
Schottland: 1
England: 0

Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.

Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.

Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.

Berechenbarkeit ist der Tod – Beueler-Extradienst

Fussball, den die Fans sehen wollen

“Zeigler” füllt die Lücke, die eingebettete Medien und Profifussball (der Herren) hinterlassen

Trotz meiner intimen Kenntnisse und guten Verbindungen in den WDR habe ich bis heute keine Begründung gefunden, warum es der Redaktion von “Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs” gelungen ist, ihre sonntägliche Sendezeit um fünf Minuten auszudehnen, und das sensationellerweise zu Lasten der sonntäglichen Bundesliga-Sportschau, und zwar auch, wenn sonntags drei Spiele sind. Eine solche Massnahme muss nicht nur die ARD-interne 9er-Konferenz passiert haben, sondern auch von der mächtigen DFL, Vertragspartnerin von ARD, ZDF und all den andern, abgenickt worden sein. Es dokumentiert definitiv den Bedeutungsverlust der Bundesliga-Sportschau.

Ein Grund lässt sich am BVB personifizieren. Immer wieder werden Statistiken bemüht, wie fabelhaft erfolgreich er diese Saison bestreitet. Nur will den “Kovac-Fussball”, den er spielt, niemand sehen. Im Stadion ist es so, und in den TV-Fussballkneipen ebenso. Trotz dieses angeblich so überragend-erfolgreichen BVB ist die Frage, wer dieses Jahr deutscher Meister werden könnte, von allen Fragen des Jahres die Langweiligste. Überall wird sie mit gelangweiltem Gähnen quittiert. Auf den globalen Medienmarkt gemünzt: wer soll sowas kaufen? Da hat die DFL ein Problem. Und das wird nicht kleiner.

Spannender ist es in der Zweiten Lige. Und noch spannender in der Dritten. Zeigler zeigte gestern einen Spielbericht vom besten Fussballspiel des Wochenendes: MSV Duisburg-SC Verl 4:2 vor 20.000 Stadionzuschauer*inne*n. In Aachen beim NRW-Derby Aachen-RW Essen waren es sogar knapp 10.000 mehr, nur dass Gegner RW Essen so schlecht spielte, wie sonst der BVB: unansehnlich aber mit Punktgewinn. Trotz des späten Ausgleichs waren die tausenden mitgereisten Fans aus Essen ungehalten. Warum der WDR das Spiel nicht zeigte? Weisichauchnich.

Atmosphärisch noch stärker die Spielreportage, die Zeigler vom Spitzenspiel der Vierten Liga/Regionalliga West zeigte: RW Oberhausen-Fortuna Köln 1:3 vor 4.500 Zuschauer*inne*n im Niederrhein-Stadion. Die Kölner Fortuna bringt zwar originelle aber wahrlich nicht viele Auswärts-Fans mit. Dafür hat sie den Aufstiegskampf mit diesem Erfolg mglw. entschieden. Schade eigentlich. In dieser Liga spielt auch der Bonner SC mit, im Abstiegskampf mit guten Chancen auf den Klassenerhalt.

Warum schreibe ich das? Weil hier noch halbwegs ehrlicher Sport geboten wird. Auch hier ist schon viel Geld im Spiel. Aber mann und frau weiss vorher nicht, wie es ausgeht.

Fussball, den die Fans sehen wollen – Beueler-Extradienst

Sinalco ist neuer Exklusiv-Partner von Rot-Weiß Oberhausen 

Duisburg, 2. Januar 2026 – Sinalco ist ab sofort exklusiver Kleeblatt-Partner. Die Marke mit dem Rotpunkt ist bereits seit Saisonbeginn im Ausschank bei allen Veranstaltungen von Rot-Weiß Oberhausen im Stadion Niederrhein sowie in den VIP-Bereichen. #Fussball #Oberhausen #RotWeissOberhausen #Sinalco

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