“Scheisse spielen und gewinnen”, das ist das Prinzip des “Kovac-Fussballs”, der beim Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum gelehrt und praktiziert wird. Nur wenige BVB-Fans widersprachen mir nach dem Spiel im Bus vom Stadion in die City, weil sie sich über die gewonnenen drei Punkte mit sichtbar verkniffenem Gesicht freuen wollten. Die Mehrheit stimmte mir zu: “Es macht keinen Spass, sich das anzugucken.” Die allzeit passende Phrase: “So ist Fussball”.
Auf die Stadionbratwurst verzichteten wir freiwillig, weil wir vor dem Spiel im Beueler l’Olivo ein weit besseres Mittagessen eingenommen hatten. Der Anstoss wurde um eine habe Stunde verschoben. Am Andrang – rund 1.400 – kann es nicht wirklich gelegen haben. Der ÖPNV der Bonner Stadtwerke funktionierte fabelhaft.
Das Spiel dagegen …
Der Netto-Zeitaufwand von Beuel und wieder zurück betrug 3 Stunden. Davon waren inkl. Nachspielzeiten 100 Minuten Fussball. Aber was für einer? Die 5-Minuten-Aufzeichnung beim Kicker ist eine mutwillige, im gesprochenen Kommentar gar brutale, Irreführung der Öffentlichkeit.
Tatsächlich überliess der Bonner SC dem BVB im Spiel um die “goldene Ananas” der Regionalliga West (= 4. Liga) weitgehend den Ballbesitz. BVB-Linksaussen Inacio sorgte sogar gelegentlich für Unterhaltung, liess aber in der zweiten Halbzeit, als er von der BSC-Defensive gedoppelt wurde, sichtlich nach. “Möchtegern-Adeyemi” nannten wir ihn.
Der BVB-Auswahl war anzumerken, dass sie alle offenbar in der nächsten Saison keinen Profivertrag für die erste Liga erhalten sollen. Der BVB hat zu viel Geld, um seine eigene Jugend hochzuziehen. Er kauft lieber ein. Die Jugendlichen wandern ab. Paris Brunner z.B., WM-Torschützenkönig in seiner Altersklasse, versauert jetzt in Monaco mit 6 Saison-Einsätzen und null Toren.
Gegen den finanziell überlegenen Gegner zeigte der BSC eine ausgereifte Spielanlage. Bei weit weniger Ballbesitz hatte er gleich viele und oftmals hochwertigere Torchancen, in der Regel ausgezeichnet teamorientiert herausgespielt. Während unqualifizierte Zuschauer “Schiess, schiess!” kreischten, überwog der Blick für besser postierte Mitspieler. Und bei so manchem Schuss aus der zweiten Reihe überwog das Gefühl, “beim nächsten Versuch geht er rein”.
So kam es aber nicht. Auch ein Verdienst der sicher aufspielenden Keeper Elias Bördner (BSC) und Silas Ostrzinski (BVB). So kam es, wie es kommen musste: in der Nachspielzeit zum Eigentor in der Nachspielzeit, herausgespielt von der rechten Angriffsseite des BVB, die noch in der ersten Halbzeit gelangweilt hatte, sich in der zweiten aber verbessert zeigte. Der bedauernswerte Eigentorschütze Haris Mesic hat sich eine Ehrung bei Arnd Zeigler redlich verdient.
Fazit: der Bonner SC wird diese Saison mal nicht absteigen. BVB II hat ebenso wenig die Kragenweite von Fortuna Köln – noch nicht mal von RW Oberhausen, die bekanntlich noch weniger Kohle haben, sondern eher im negativen Finanzbereich vegetieren …













