Die bekannten Robotergesetze von Isaac Asimov sind schon mehr als 75 Jahre alt. Systematisch untersucht wurden sie bislang nicht, obgleich durch die technische Entwicklung in der Computertechnik das Erstellen von Regeln für Roboter immer drängender wird: Autonome Fahrzeug fahren auf unseren Straßen, das EU-Parlament diskutiert Roboterrechte und nicht nur der Deutsche Ethikrat befasst sich mit Pflegerobotern.
Gunter Laßmann hat in seinem eBook Asimovs Robotergesetze philosophisch und technisch untersucht: Asimovs Robotergesetze. Was leisten sie wirklich?" Er erörtert, was ein Roboter ist und wie ein solcher Roboter nach dem heutigen Stand der Technik "denken" würde. Diskutiert wird, inwieweit Roboter individuell sein könnten und wer die Verantwortung für den Roboter trägt. Alle drei Robotergesetze werden erstmals simuliert, was teilweise zu unerwarteten Ergebnissen führt. Die Roboter werden durch Hinzunahme von Lernen weiterentwickelt, es werden die Unterschiede zwischen regelbasiertem Lernen und Deep Learning dargestellt und am aktuellen Beispiel erläutert.
Warum sind die Robotergesetze von Asimov so populär?
Gunter Laßmann: Sie sind einfach und auch für Menschen ohne Vorwissen sofort einsehbar. Außerdem befriedigen sie das Bedürfnis einen Schutz gegen die Maschinen zu haben. Viele sind sogar der Meinung, dass die Robotergesetze in den vorhandenen Robotern schon implementiert sind, was nicht stimmt. In der Langen Nacht der Wissenschaften 2017 an der TU Berlin, wo Teile des Buchs vorgestellt wurden, war der Saal brechend voll.
Wie aktuell sind Regeln für Roboter?
Gunter Laßmann: Das EU-Parlament hat sich mit Robotern beschäftigt, Pflegeroboter sollen den Pflegenotstand beheben und der ehemalige Verkehrsminister Dobrindt will beim Autonomen Fahren sogar Fahrer und Computer gleichstellen. Dies alles funktioniert nicht ohne Regeln für autonome Maschinen. Mehr Hype geht nicht.
Die Robotergesetze von Isaac Asimov sind schon mehr als 75 Jahre alt. Kann man da noch etwas für die heutige Zeit lernen?
Gunter Laßmann: Die Robotergesetze von Isaac Asimov sind eine literarische Konstruktion. Um sie anwenden zu können, müssen sie technisch und philosophisch seziert werden. Aber dann sind sie der Prototyp eines Systems von übergeordneten Regeln, von Metaregeln. Wir weisen nach, dass gerade die modernen selbstlernenden Systeme wie Deep Learning solche Metaregeln brauchen. Es kann nicht sein, dass z.B. der Chatbot "Tay" von Microsoft unter dem Einfluss der Nutzer innerhalb von 24 Stunden in ein rassistisches und sexistisches Propaganda-Programm mutiert. Hier sind übergeordnete Regeln erforderlich, die immer eingehalten werden.
Wo hat denn Asimov in seinen Prognosen wirklich falsch gelegen?
Gunter Laßmann: Asimov war bei der Einschätzung der Natur des Menschen ein grenzenloser Optimist. Terrorismus und so etwas wie Selbstmordanschläge konnte er sich damals nicht vorstellen. Aber heute, 2017, ist klar, dass ein Roboter auf keinen Fall die Befehle jedes beliebigen Menschen befolgen sollte, sondern nur die Befehle der dafür autorisierten Menschen. Andernfalls wäre es unverantwortlich, solche Roboter zu bauen.
https://www.heise.de/tp/features/Die-Aktualitaet-von-Asimovs-Robotergesetzen-3940781.html https://www.heise.de/tp/features/Die-Aktualitaet-von-Asimovs-Robotergesetzen-3940781.html #
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