Bis zur Aktionswoche gegen Linke Einheit ab dem 25.09.2023 veröffentlicht Breaking the Spell täglich eine kurze Lebensgeschichte eines*einer vom Marxismus ermordeten Anarchist*in - heute: Nikolai Belyaev

Intro

Es gab eine Welt vor dem Marxismus: Von 1872 bis ca. 1919 waren der Marxismus und seine Vorläufer*innen eine Randnotiz der Geschichte. Der Hauptteil der Sozialist*innen waren entweder anarchistisch oder anti-autoritär – sie lehnten den Staat ab und wollten eine dezentrale, von unten organisierte Gesellschaft. Wie kommt es dann, dass heute die Linke so sehr auf den Staat als Mittel fokussiert ist? Ein wichtige Rolle spielte der marxistische Terror gegen die anarchistische Bewegung. Tausende von Anarchist*innen wurden durch Marxist*innen ermordet, inhaftiert, gefoltert und vergewaltigt. Hier ist eine kurze Lebensgeschichte eines*einer dieser Anarchist*innen. (Anmerkung zur Sprache: Es wird das überlieferte Geschlecht benutzt, es gab mit Sicherheit auch trans*, inter*, nicht-binäre und agender Anarchist*innen damals. Die Lage von Orten wird oft in der Kurzform „in Nationalstaat“/„(Nationalstaat)“ erklärt, in allen Fällen wird deren Gebietsanspruch abgelehnt.

Nikolai Belyaev

Nikolai Mikhailovich (Nikita) Belyaev wurde entweder 1898 oder 1900 in einer Arbeiter*innenfamilie in der Stadt Tula (Russisches Reich – 120 km südlich von Moskau) geboren. Er erhielt ein Grundschulausbildung und war nach einem Bericht der Tscheka (bolschewistischen Geheimpolizei) Analphabet.
Zunächst war er im radikalsten Teil der Partei der Sozialrevolutionäre (SRs) den Maximalisten*innen aktiv und wechselte dann 1918 in die anarchistische Föderation Tula. Kurz darauf 1919 waren die Anarchist*innen aufgrund der bolschewistischen Repression bereits hauptsächlich im Untergrund tätig. Die Anarchist*innen führten zusammen mit Maximalist*innen und Mitgliedern der Linken SRs (einer weiteren Abspaltung der SR) mehrere Enteignungsaktionen durch und konnten neben Geld 100 Gewehre, ein Maschinengewehr und mehrere Bomben in die Hände bekommen. Nikita war anscheint, auch nachdem er aufgrund von Konflikten die anarchistische Gruppe verließ, der für die Waffen zuständige Quartiermeister.
Im November 1919 wurde er verhaftet und zu 5 Jahren Lager verurteilt. In den Jahren seiner Haft gelang ihm mehrmals kurzzeitig die Flucht und er versucht mit Anarchist*innen außerhalb der Sowjetunion in Kontakt zu bleiben. 1926 wurde er in Kyzylorda (Kazakhstan) erneut verhaftet, weil er zusammen mit A.V. Pankratov gegen die offizielle Demo und die Benennung eines Militärflughafens „in Gedenken“ an Sacco and Vanzetti, zwei italienische Anarchist*innen, die von den USA exekutiert wurden, protestierte. Die Sowjetunion nutzte ihre Hinrichtung zur Propaganda gegen die USA, während sie selbst tausende Anarchist*innen inhaftierte, folterte und ermordete.
Nikita verbrachte sein restliches Leben in Verbannung oder Lager. Vor seiner nächsten Verhaftung arbeitet 1935 er kurzzeitig als Dreher in einem Kraftwerk in Minusinsk. Im Juni 1936 wurde er wegen der Gründung einer anarchistischen Gruppe dort letztmalig verhaftet und am 13. August 1937 zusammen mit dem Anarchist*innen Aron Kopelevich Volchenok erschossen.

Weiterführendes: Belyaev. Nikolai Mikhailovich (Nikita) (1898 or 1900-1937) – Nick Heath: https://libcom.org/article/belyaev-nikolai-mikhailovich-nikita-1898-or-1900-1937

Nikolai Belyaev(ungekürzt): https://breakingthespell.blackblogs.org/wp-content/uploads/sites/2214/2023/09/Nikolai-Belyaevungekurzt.pdf

Outro

Es wird eine Welt nach dem Marxismus geben: Er und der andere Ableger der staatlichen Linken der Liberalismus bestimmen heute die Linke Szene, dadurch kontrollieren sie die anarchistische Bewegung. Uns daran zu erinnern, dass den Staat abzulehnen nicht utopisch, sondern normal ist, bedeutet uns zu befreien - weiter bewegen zu können. Das ist nicht nur eine Frage des Selbstbewusstseins als Anarchist*innen. Praktisch führt die Linke Liebe zum Staat beispielsweise dazu, dass beim Widerstand gegen die von Kapitalismus, Staat und Kolonialismus verursachte Klimakatastrophe der Staat statt als Gegner „als Mittel zu ihrer Lösung" gesehen wird. Brechen wir mit der Linken und der Linken Szene! Keinen Frieden mit Marxismus und Liberalismus! Weitere Texte und Links über das Leben dieses*dieser und anderer Anarchist*innen, die vom Marxismus ermordet wurden gibt's unter: breakingthespell.blackblogs.org/murdered-by-marxists

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Belyaev. Nikolai Mikhailovich (Nikita) (1898 or 1900-1937)

A short biography of Russian anarchist Nikolai Belyaev who spent many years in prison and exile under the Soviet regime

libcom.org

MURDERED BY MARXISTS

Marxist*innen haben zehntausende Anarchist*innen ermordet, inhaftiert, gefoltert und vergewaltigt.1 Der Marxismus ist mit seiner Vorstellung der staatlichen Machtübernahme und Nutzung des Staates eine menschenfeindliche und autoritäre Bewegung. Das er immer wieder Anarchist*innen verfolgt ist nicht den einzelnen Einstellungen seiner Mitglieder geschuldet, sondern aus seiner eigenen grundlegenden Logik und der des Staates heraus muss er anti-staatliche Kräfte ausschalten. Marxist*innen werden deshalb nie aufhören uns zu bekämpfen und ermorden.
In der deutschsprachigen Linken Szene, aber auch der Linken weltweit wird diese marxistische Unterdrückung totgeschwiegen, geleugnet oder manchmal auch offen befürwortet. Menschen, die daran erinnern wollen werden angegriffen und ausgeschlossen. Anarchistische Geschichte erzählen sowie so nur Anarchist*innen.
Große Teile der Linken Szene feiern unterdessen die Sowjetunion oder andere marxistische (beeinflusste) Staaten wie Kuba, China, Nordkorea oder Venezuela, ihre Herrscher*innen/Täter*innen und auch ihre Symbole z.B. Hammer und Sichel. Die Aussage dabei ist klar (welchen machtpolitischen Zweck es hat - dazu später mehr): Die Unterdrückung von Anarchist*innen ist entweder nicht der Rede wert oder richtig.
Schlagen wir (inhaltlich) zurück, sorgen wir für Konflikt, verteidigen anarchistische Räume, erkämpfen uns anderen oder zerstören sie (inhaltlich) und schwächen die Szene!
Zur Unterstützung hat Breaking the Spell 20 Kurzlebensgeschichten von durch den Marxismus ermordeten Anarchist*innen vorbereitet. Von alle diesen gibt es eine (manchmal gekürzte) A3-Plakatversion zum Selbstdruck (geht in den meisten Copyshops). Außerdem gibt es ein Übersichtplakat mit allen ermordeten Anarchist*innen.
Die Gefährt*innen wurden danach ausgewählt, ob es ein Foto von ihnen gibt. Es gibt noch viele weitere Geschichten zu erzählen. 

https://breakingthespell.blackblogs.org/murdered-by-marxists/

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MURDERD BY MARXISTS: Plakatreihe zu vom Marxismus ermordeten Anarchist*innen – Breaking the Spell