Der Winter
Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder
Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer,
Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder,
Und Stürme wehn umher und Regenschauer.
Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende,
Wie einer Frage Ton, daß dieser sich vollende,
Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden,
So glänzet die Natur mit ihrer Pracht auf Erden.
Friedrich Hölderlin
#Morgenlyrik #Lyrik
Und so viel von dem Gute dieser Welt
gib mir, o Herr, daß ich dem armen Mann,
der an die Pforte meines Hauses klopft,
ein Stückchen Brot als Imbiß bieten kann!
Clara Müller-Jahnke
3/3
#Morgenlyrik #Lyrik
Junger Tag
Aus Schleiern des Morgens
Hebt sich der Tag.
Noch hängt an der Wimper
die blitzende Thräne,
Noch huschen die Wölkchen,
Gleich ängstlichen Träumen,
Über die strahlende Kinderstirn –
Aber jubelnd über sein Leben
Will sich die ewige Sonne schon heben,
Küßt ihm den Scheitel
In segnender Liebe,
Weckt ihm die Sehnsucht,
Die knospende auf
Und zieht seinen ersten,
Zagenden Schritten,
Ein leuchtender Herold
Der Schönheit, vorauf!
Anna Ritter
Es gibt so wunderweiße Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut, erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen, traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.
Rainer Maria Rilke
(geboren am 4.12.1875)
#Morgenlyrik #Lyrik
zu glauben, was an dieser Stelle stand.
Denn seit es nicht mehr war, schien es ihm so
seltsam: phantastischer als Pharao.
Und er war anders. Wie aus fernem Land.
Rainer Maria Rilke
#Morgenlyrik #Lyrik
2/2
Schwing frei dich von dem Rand der Erde
empor in Ätherblau!
Beglückt im Reich des Lichtes werde
die ärmste, tiefeste Au.
Wir werfen ab der Nächte Sorgen
des besten Tages schöner Morgen
er bricht in jeder Seele an,
er führt sie froh auf lichter Bahn.
Herr Schikaneder und ich wünschen einen feinen Tag. Wer mag, soll den "barocken Text" ruhig singen. Herrn Mozart wird es freuen :)
#Morgenlyrik #Lyrik
3/3
Ziehe denen, die regieren,
Bitteschön, die Hosen stramm.
Wenn sie heulen und sich zieren,
Zeig auf ihr Parteiprogramm.
Und nach München lenk die Schritte,
Wo der Hitler wohnen soll.
Hau dem Guten, bitte, bitte,
Den Germanenhintern voll!
Komm, erlös uns von der Plage,
Weil ein Mensch das gar nicht kann.
Ach, das wären Feiertage!
Lieber, guter Weihnachtsmann
Erich Kästner
#Morgenlyrik #Lyrik 2/2
Kleines Glück
Sie geht in aller Frühe,
noch eh die Dämmrung schwand,
den Weg zur Tagesmühe
im ärmlichen Gewand;
die dunklen Nebel feuchten
noch in der Straße dicht,
sonst sähe man beleuchten
ein Lächeln ihr Gesicht;
die Götter mögen wissen,
warum sie heimlich lacht -
es weiß es nur das Kissen,
was ihr geträumt heut nacht.
Hermann Lingg