Pierre Pinaud – „Der Rosengarten von Madame Vernet“ (2020)

Ein Sozialdrama – für Rosenzüchter:innen, Gärtner:innen und alle, die mögen, was blüht – das auch Ökokrimi und Wirtschaftskomödie, noch dazu ein Heist-Movie ist, und dabei einfach gut aussieht – und vermutlich auch riecht – wenn Sie auf Rosen nicht allergisch sind. (3Sat)

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„The Frankenstein Chronicles“ (Serie, 2015)

Die Leiche eines Kindes wird aus der Themse gezogen. Zusammengenäht aus fremden Körperteilen. Ein Bild, das sich nicht mehr abschütteln lässt, auch zehn Jahre später nicht. Denn diese Serie beginnt nicht als Rätsel, sondern eigentlich als Zumutung. Weil sie sich weigert, gefällig zu sein und ihre eigene Düsternis ernst nimmt. Heute, wo Streaming-Serien längst zur industriellen Fließbandware geworden sind, wirkt dieses Projekt fast wie ein Störgeräusch aus einer anderen Zeit. Das ist echt nicht einfach zu konsumieren, aber ich werde mir das wohl trotzdem wieder ansehen müssen. Auch wegen Sean Bean. (ARD, Wh.)

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Daniel Sackheim – „The Glass House“ (2001)

Ein modernes Haus an der kalifornischen Küste, aus Glas und Stahl, bewohnt von einem wohlhabenden Paar, das verwaiste Kinder aufnimmt. Der Plot wirkt wie ein Sozialdrama verpackt in ein Immobilienexposé mit subtiler Drohung. Denn was hier verkauft wird, ist nicht nur Architektur, sondern die Fantasie, dass Besitz gleich auch Sicherheit bedeutet. Spoiler: tut er nicht. Denn Hausherr ist Stellan Skarsgård. (ZDF, Wh.)

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Volker Schlöndorff – „Die Blechtrommel“ (1979)

Eine Gesellschaft, die bereitwillig den Faschisten hinterhergelaufen ist, um hinterher so zu tun, als sei das alles irgendwie nur zufällig passiert. Genau das Muster fühlt sich heute wieder unangenehm vertraut an. Ein Zustand, der sich lieber verwaltet als hinterfragt, der profitiert und dabei so tut, als hätte das alles keine Geschichte. Der Oscar-prämierte Film nach einem Roman von Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat genau dieses Spannungsfeld auf die Leinwand gebracht. Für mich, hat der Film das ganze Land verändert. Hab‘ ich damals jedenfalls gedacht… (3sat, Wh.)

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Paul Michael Glaser – „Running Man“ (1987)

Hätte ich damals geahnt, dass dieser Film einmal wie eine Gebrauchsanleitung für eine Gegenwart, die sich selbst als Reality-Show inszeniert, wirken würde. Dann hätte ich sicher besser aufgepasst. Damals konnte ich das aber nicht. Das grelle Neon, der Schaumstoffkitsch, Schwarzeneggers überzeichneter Muskelkörper, alles daran hat mich Arthouse-Snob damals abgestoßen. Dabei lag darunter aber ein Film über ein Amerika, auf das wir damals einfach noch nicht vorbereitet waren. Ein Amerika, das seine Entertainment-Industrie zu einem Werkzeug politischer Machtausübung gemacht hat. Kaum 40 Jahre später sehe ich diesen Film komplett anders. (ARD, Wh.)

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Johannes Rotter – „Wir sind die Rosinskis“ (2016)

Ich liebe sie einfach, die Thalbachs! Alle! Katharina kommt mir im Alter am nächsten. Und sie ist die größte von allen. Was ich hier so enthusiastisch über den George geschrieben habe, verdient sie wohl mindestens zweimal. Ganz wie der, hat sie eigentlich auch ihr eigenes Genre geprägt. „Ein Film mit Katharina Thalbach“, mehr Grund brauche ich nicht zum Einschalten. (ARD, Wh.)

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Torsten C. Fischer – „Blutholz“ (2024)

Ein Wald ist nie nur ein Wald. Er ist Mythos, Archiv, Projektionsfläche, Versteck und Gewaltort zugleich. Hier verdichtet sich diese Ambivalenz zu einer Erzählung, die vorgibt, ein Krimi zu sein. Tatsächlich handelt der Film aber von Besitz, Erinnerung und verdrängter Geschichte. Was hier vergraben ist, liegt nicht nur im Boden, sondern in den Körpern und Blicken der Figuren. Mit Joachim Król und Désirée Nosbusch. (ARTE, Wh.)

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Laura Poitras – „All die Schönheit und das Blutvergießen“ (2022)

Ein Dokumentarfilm, der einmal nicht mit einem Skandal beginnt, sondern mit Nähe. Intimität einmal nicht als Pose, sondern als Überlebensstrategie. Dass Laura Poitras daraus einen politischen Film macht, ist keine Überraschung. Eher eine Konsequenz ihres gesamten Werks. Sie untersucht Macht als etwas, das sich in Menschen einschreibt. Hier porträtiert sie Nan Goldin, deren Werk und Leben untrennbar mit Intimität, Schmerz, Widerstand und Erinnerung verbunden ist. (ARTE, Neu!)

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Eugene Kotlyarenko – „Spree – Alles für die Klicks“ (2020)

Das ist kein klassischer Horrorfilm, sondern eigentlich eine Studie über digitale Einsamkeit als soziales System. Eine Welt, in der Kommunikation nicht mehr Austausch ist, sondern Simulation von Nähe für ein unsichtbares Publikum. Es beginnt nicht mit Gewalt, sondern mit Blicken. Mit der stillen Übereinkunft, dass Sichtbarkeit alles ist und alles, das nicht sichtbar ist verschwindet. Eine böse, blutige Social-Media-Satire als „Livestream-Simulation“. (ZDF, Neu)

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Phil Hawkins – „Final Cut – Die letzte Vorstellung“ (2014)

Im Multiplex des Spätkapitalismus riecht Kino nach Nachos, nach Imperialistenbrause, und vor allem nach standardisiertem Entertainment. Projektoren sind längst verschwunden. Alles längst digital. Und irgendwo sitzt noch ein alter Filmvorführer, der merkt, dass seine Arbeit überflüssig geworden ist. Aus dieser melancholischen Diagnose entwickelt Phil Hawkins eine kleine anarchische Horrorphantasie über das Kino selbst. Mit Robert Englund. (ARD, Wh.)

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