„Alles einerlei?“ – Der garstige Graben zwischen Hoffnung und Wirklichkeit: Eötvös’ „Drei Schwestern“ bei den Salzburger Festspielen
Elena Deinhammer
[caption id="attachment_30889" align="alignleft" width="300"] Salzburger Festspiele/Drei Schwestern 2025/ Ensemble/Foto: © SF/Monika Rittershaus[/caption]
Mit der 1998 uraufgeführten Oper „Drei Schwestern“ des ungarischen Komponisten Peter Eötvös bringen die Salzburger Festspiele erneut ein bedeutendes Werk der neueren Musiktheatergeschichte auf die Bühne der Felsenreitschule. Als Vorlage diente Anton Tschechows gleichnamiges Schauspiel, doch brachen Eötvös und der Librettist Claus H. Henneberg dessen chronologische Erzählstruktur auf und schufen drei Sequenzen mit vorangestelltem Prolog, die jeweils auf eine der Hauptfiguren fokussieren. So entstand ein Werk, das, ausgehend von individuellen Schicksalen, existentielle Grundfragen des Menschseins behandelt und die oft unüberbrückbare Kluft zwischen Hoffnung und Wirklichkeit, zwischen aussichtslosen Wünschen und der bitteren Realität aufzeigt. Durch Verschärfung dieser Existentialität angesichts eines alles bestimmenden Katastrophenzustands verhandelt Regisseur Evgeny Titov die Frage nach einem erfüllten Dasein und beantwortet sie ex negativo auf intensive, beklemmende Weise: Der Grund, warum ein solches nicht gelingt, liegt vor allem in der eigenen Untätigkeit. (Rezension der Premiere v. 8. August 2025) […]