Endgegner – Trotz WM (II)

“Immer öfter begegnen inzwischen auch wir unserem Endgegner: uns selbst”

mit Update vormittags

So sprach Friedrich Küppersbusch richtiger, als uns und ihm lieb sein kann, in der heute-show (ab Minute 10) kurz vor der WM. Zum gleichen Befund kommen

Klaus Raab/MDR-Altpapier: Schadet KI dem Journalismus, Krake Paul? – Welcher Umgang mit KI-Tools ist für Journalisten richtig? Die Diskussion ist von großen Thesen und vielen Unsicherheiten geprägt – und läuft auf eine unangenehme Frage zu: Schadet sich der Journalismus mehr, wenn er keine KI benutzt? Oder wenn er es doch tut?”

und

Matthias Dell (kluger Mann!)/DLF: “Bari Weiss und der Niedergang von CBS” (Audio 4 min.) mit allzu passenden Bezügen zur deutschen Medienlandschaft

sowie:

Christian Bartels/telepolis: 152 Millionen für WM: Warum ARD und ZDF ihre Nachrichten kürzen – Für die WM-Rechte zahlen ARD und ZDF Millionen. Doch in den Spielpausen schrumpfen die Hauptnachrichten auf ein Minimum”. Derselbe Autor hatte hier schon die Selbstabschaffung der deutschen Medienpolitik beschrieben.

Einige Nummern kleiner: die Bonner Brücken und ihre Medien

Dass die derzeit gesperrte Bonner Nordbrücke baufällig ist, das weiss Wikipedia schon seit 5-10 Jahren. Seit dem Streit um den sog. “Tausendfüssler”, der sich auf der falschen Rheinseite unmittelbar an die Brücke anschliesst, und noch maroder ist als die, ist das Thema allen bekannt, die sich geringfügig damit beschäftigt haben. Und jetzt, nachdem das “Kind im Brunnen” ist, surfen GA und WDR als Lokalmedien genussvoll und wochenlang auf der Welle. Nach dem Motto: zu dem Thema ist alles gesagt, aber noch nicht von Allen.

Medien, die das Thema, sagen wir nur mal so als Beispiel, vor 2 Jahren aufgegriffen und selbst gesetzt hätten, die wären ernstgenommen worden. Aber das wollen die ja vielleicht garnicht. Die sog. Zeitung “Bild” wird ja auch von ihren Leser*inne*n nicht zum Informieren genommen, sondern zum Unterhalten – und zum Fisch einpacken.

Ist die Partei “Die Linke” auch selbst ihr Endgegner?

Dieser Verdacht wird mir von dieser bemühten Verteidigungsschrift für ihren Parteivorstand nahegelegt:

Lauren Balhorn/Jacobin: Die Hoffnung organisieren – und dann? – Vor dem Bundesparteitag der Linken regt sich Widerstand gegen die Parteiführung. Dabei hat diese die Partei vor zwei Jahren vor dem Aus gerettet. Haben die Unzufriedenen neue Konzepte, oder wollen sie einfach nicht zu viel Veränderung?”Die Hoffnung organisieren – und dann?”

Besonders gern zerlegen sich Organisationen der Linken an Fragen, die ihnen aus der Gesellschaft niemand stellt.

Regierungsbeteiligung Ja oder Nein?

Nichts könnte weiter weg sein. Näher läge die Frage nach den Beziehungen zur niedergehenden SPD. Soll sie durch eine zu verabredende stategische Arbeitsteilung gerettet werden? Oder aufgesogen? Oder soll ein realistischer Kooperationsprozess mit offenem Ausgang gestartet werden? Eine Option am Ende eines solchen Prozesses könnte sein, aus zwei mittel- bis sehr schwachen Parteien eine mittelstarke zu machen. Das muss nicht so kommen. Kann aber.

Klar bietet die gegenwärtige SPD-Führung dafür keine Andockpunkte. Dann müssen die eben an anderen Stellen identifiziert werden. Wichtig wäre, überhaupt mit gegenseitiger Kommunikation zu beginnen, die sich eines Tages zu regelrechtem Diskurs weiterentwickeln könnte und sollte. Und wer weiss, wer dann SPD-Führung ist? Dialektik ist der Trick.

Abgeordnetenspenden symbolistisch aufgeladen und im Machtkampf instrumentalisiert

Ein klassischer Fall von alle haben Recht. Selbstverständlich wäre es ein Optimum von Glaubwürdigkeit, wenn Abgeordnete für ein Facharbeitergehalt ihre Arbeit machen. Ebenso klar ist, dass eine Partei das gegenüber gewählten Parlamentsmitgliedern nicht durchsetzen kann – das wäre in der Tat verfassungswidrig.

Der Landtagsabgeordnete und zeitweilige Fraktionsvorsitzende, für den ich 10 Jahre (gerne bis sehr gerne) gearbeitet habe, hat sein Spendenverhalten verfassungsgemäss selbst bestimmt. Daraufhin misslang ihm eine zweite Wiederwahl auf die Reserveliste seiner Partei. Alles daran war rechtmässig. Was daran politisch klug und weniger klug war – darüber gingen und gehen die Meinungen weit auseinander, ganz wie es Art. 5 GG (Meinungsfreiheit) vorsieht.

An dieser Frage eine ganze Oppositionspartei zu zerlegen, wäre die grösste anzunehmende Dummheit.

Politische Bildung der Neumitgliedermassen

Das wäre in der Tat eine der zentralen Aufgaben, eine klassische Führungsaufgabe, das zu organisieren. Exakt dafür wurden von den Verfassungsmüttern und -vätern einst die parteinahen Stiftungen und ihre massive finanzielle Privilegierung ausgedacht. In diesem Fall geht es also um die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Hier wäre auch der richtige Ort, an einem autonomen linken Medien-Ökosystem zu arbeiten. Und zu bauen. Die Linke hat hier einen Kompetenzvorsprung vor den Andern, weil ihre Mitgliederstruktur sich stark verjüngt hat. Als Ingredienz hinzugefügt werden müsste eine konsistente Strategie. Die kann ich bisher nicht erkennen. Aber das kann auch an mir liegen.

Ein erster Schritt wäre, wenn der Autor Balhorn in seinem digitalen Medium Links zu den Texten gesetzt hätte, die er kritisiert, damit wir Leser*innen eine Chance bekämen, seine Gedankengänge nachzuvollziehen – oder fundiert zu kritisieren. Kleines digitales Einmaleins.

Wenn wir uns nun zum Abschluss mal dieses Wohnungsbauprojekt in Köln anschauen, in direkter Nachbarschaft des Deutschlandfunks, der für seine Mitarbeiter*innen wohl die Honorare verdoppeln müsste, dass sie sich diese Wohnungen leisten können, dann identifizieren wir hier die Klassenfrage unserer Zeit. Die seit vielen Jahren darauf wartet, dass die Linke – gemeint als gesellschaftlicher Sektor, und nicht nur eine einzelne Partei – sie erkennt und gesellschaftlich wirksame Bündnisse gegen diesen real existierenden Skandal des Kapitalismus organisiert.

Diese Kölner Preise hochgerechnet – mal abgesehen davon, wie scheisse das aussieht – von der Lage weit weg von funktionierenden Veedels-Strukturen, könnte ich für meine Wohnung in Beuel mehr Miete kassieren, als ich an drei zusammengerechneten Renten erhalte. That may be the economy, stupid! Aber es funktioniert nicht mehr – es ist pervers, und wird wenn nicht ex-, dann implodieren. In Kürze!

Update vormittags

Mann kann das hier Ausgeführte natürlich auch so ausdrücken:

Ambros Waibel/taz: KI und Journalismus: Selbst schuld – Künstliche Intelligenz trifft den Journalismus wie das E-Auto den Verbrenner. Nur: Ein Tankrabatt wird nicht ausreichen, um die Branche zu retten.”

Endgegner – Trotz WM (II) – Beueler-Extradienst

Die starke Frau dahinter

Der München-“Tatort” wäre ohne sie nicht das geworden, was er war – aber wer erinnert noch an sie?

mit Update 7.4.

Ohne solche Redakteur*inn*e*n wäre das TV schon lange tot. Sie haben es gross gemacht, zum zeitweise zentralen und mächtigsten Medium der BRD, das auch in der DDR ausgiebig konsumiert wurde. Das German Television. Sie sind heute fast vergessen, weil sie uneitel kreative Arbeit gemacht haben: Stoffe entwickeln, Bühnen bauen, das Senden gegen ignorante kenntnisfreie Chefs durchsetzen, sich still freuen, wenn sich Erfolg einstellt und Stars geboren werden. Horst Königstein (NDR) war so einer, Heidi Steinhaus (WDR, Schimanski-“Tatorte”, noch nicht mal mit Wikipedia-Eintrag) und ganz sicher auch Silvia Koller, ohne die es die gegenwärtigen Oster-Feierlichkeiten nicht geben würde. Aber wer erinnert an sie?

Ich erinnerte mich an eine angemessene Würdigung von David Denk in der taz. Sie erschien nur drei Wochen vor Frau Kollers Tod. Sie starb kurz nach ihrer Pensionierung. Denks würdigenden Text, der mich damals erstmals auf Frau Kollers segensreiches Wirken aufmerksam gemacht hatte, wird vom taz-Archiv frevelhafterweise hinter einer Paywall vergraben. Warum? Fragen Sie in Berlin.

So muss Ihnen und mir der 16 Jahre alte Nachruf ihres Arbeitgebers, des Bayrischen Rundfunks genügen. Mit ihrem kurz angebundenen Interview. Das haben wir mit unseren TV-Gebühren schon bezahlt.

Wie konnte Frau Koller das tun, was sie getan hat?

Es war die Zeit, als es in den öffentlichen Sendeanstaltedn noch Fachredaktionen gab. Die sind heute fast ausnahmslos wegrasiert.

Meine Hypothese: Frau Koller u.a. profitierten beim BR davon, dass die Herden der servilen irren CSU-Karrieristen alle dahin strömten, wo sie glaubten wichtig zu sein: bei dem, was im BR für Journalismus gehalten wurde. “Fiktion” war nicht wichtig, weil mann da weder Mitgliedern der Landesregierung noch der CSU-Parteiführung begegnen konnte. Und genau das liess die Kreativen und Vernünftigen dorthin gehen, ein sicheres Exil. Persönlichkeiten wie Marianne Lienau (WDR) oder Silvia Koller (BR) wurden zu sorgsamen Müttern solcher Exile.

Wer erinnert noch an sie?

Dietrich Leder (72) ist einer der wenigen Medienpublizist*inn*en, die ein Auge für solche wichtigen Persönlichkeiten hatten. Seine Werke sind heute mehrheitlich in Paywall-Kellern vergraben (Medienkorrespondenz), wie es meine (gegen meinen Willen, ich habe weder Geld noch Lust zu prozessieren) bei Augstein sind.

Heute gibt es solche Redakteur*inn*e*n nicht mehr. Die Sendeanstalten haben alles an kommerzielle Produktionsfirmen privatisiert. Die erhalten Aufträge und (nicht wenig) Geld, und geben weniger Widerworte, weil sonst … Sie wissen schon. Frau Koller, so wurde mir von Besserinformierten berichtet, hat nie Filz mit einer Produktionsfirma entstehen lassen, sondern sie regelmässig gewechselt. Ich meine: das war den München-“Tatorten” auch anzusehen. Jede Folge war irgendwie neu. Und sehr viele guckten zu.

Danke an Frau Koller, und alle die uns diese guten Zeiten beschert haben. Vorbei.

Update 7.4.

Aus der Unzahl laberiger Besprechungen hinter meistens digitaler Vermauerung ragt der Kollege Rüdiger Suchsland/telepolis heraus. An seiner Fachkenntnis der Filmproduktionsverhältnisse besteht kein ernsthafter Zweifel, ganz im Gegensatz zu seinem Irrlichtern in Fragen politischer Strategieproduktion. Immerhin kann er sich an Frau Koller erinnern.

Fairness gegenüber Kollegen fällt ihm dagegen schwer. Wie so viele Scheinlinke ohne materialistische Grundkenntnisse ist er nur Objekt des Individualisierungsschubs im Neoliberalismus (s. Männerkrise). So nennt er den Kollegen Matthias Dell, “freier” also prekärer Journalist wie er, ohne Namensnennung “Tatortonkel”, weil er ihm offenbar den besseren Deal (mit der florierenden Zeit statt den honorarsparsamen Heises) neidet. Dells “Tatort”-Kompetenz ist in der Branche anerkannt und respektiert. Respekt fiel Suchhsland aber schon bei der Berlinale schwer, als er sich wie ein Möchtegernexekutor des Windbeutels im Kanzleramt aufführte.

Offenlegung: mit Matthias Dell habe ich kurze Zeit sehr gut zusammengearbeitet, als er beim Vor-Augstein-Freitag in paywallfreier Zeit der exzellenten Medienredakteurin Barbara Schweizerhof nachfolgte. Die ist mindestens so filmkompetent wie Suchsland und hat zu ihm auch eine eigene Meinung.

Die starke Frau dahinter – Beueler-Extradienst

Ungemütliche Werktagskrimis

mit Update am Abend

Die SZ-Paywall textet heute als Lockstoff “Schluss mit gemütlichem Sonntagskrimi” und macht dahinter Reklame für einen Netflix-Krimi. Das können Sie billiger, und wahrscheinlich sogar besser, haben:

Verbrannte Erde – Das Geschäft des erfahrenen Berufsverbrechers Trojan erlebt eine Zeitenwende: Der Verkauf gestohlener Luxuswaren wird immer schwieriger. Durch alte Kontakte kommt er zu einem unverhofften profitablen Auftrag: Er soll ein Gemälde von Caspar David Friedrich stehlen. Die Übergabe scheitert jedoch, und Trojan gerät in Gefahr … – Zweiter Teil von Thomas Arslans Kriminaltrilogie (2024).” Verfügbar bis 10.3.26.

Regisseur Thomas Arslan ist nur 5 Jahre jünger als ich, also kein “junges Talent” mehr. Er dreht auch offenbar nicht jedes Jahr einen Film. Normal muss so einer mehrere Jahre dafür arbeiten, für eine Produktion Geld zu sammeln. Das ist in der Regel weit schwieriger als das Drehen. Arslan hat jedenfalls ein starkes Ensemble zusammenbekommen, mit Gesichtern, die nicht alle drei Tage durch einen “Regionalkrimi” gezogen werden.

Auch ungemütlich

Bei Arte warnen sie zarte Gemüter vor dem hier:

The Danish Woman – Die ehemalige dänische Geheimdienstagentin Ditte Jensen ist frisch ins isländische Reykjavik gezogen. Doch obwohl sie eigentlich ihre Vergangenheit hinter sich lassen will, bringen sie ihr Instinkt als Elitesoldatin und ihr ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit dazu, die Probleme ihrer Nachbarn lösen zu wollen. Dabei ist ihr jedes Mittel recht …” Verfügbar bis 28.4.26

Hauptdarstellerin Trine Dyrholm spielt in der ersten dänischen Liga und beweist – fussballerisch ausgedrückt – eine souveräne Europacup-Qualifikation. Besonders gefällt mir an ihrem Spiel sowie dem starken Drehbuch (Benedikt Erlingsson, Ólafur Egill Egilsson), dass sie neben sympathischen auch immer stärker zutagetretende zwiespältige Eigenschaften zum Vorschein kommen lässt, die sich als roter Faden und Spannungsfaktor durch die Geschichte ziehen.

Ein Wiedersehen in Folge 3 gibt es mit Jens Albinus, der mich in der erstklassigen Serie mit einem weltklassigen skandinavischen Cast “Der Adler – Die Spur des Verbrechens (Ørnen: En krimi-odyssé)” zu überzeugen wusste. Hier spielt er einen fiesen Agentenführer mit Gehhilfe, very sophisticated auf “Ørnen” anspielend. Das ZDF dürfte dieses Premium-Produkt mit seiner sehr politischen Story gerne wiederholen oder wenigstens dauerhaft in seiner Mediathek anbieten.

Wie warm ich mit der “Danish Woman” werde, kann ich abschliessend noch nicht urteilen. Ich habe nur die erste Halbzeit gesehen. Diese Ungewissheit spricht schon sehr für eine gute Dramaturgie. Und für Bingewatching.

Update am Abend

Ergänzend ein Kommentar des fachkundigen Matthias Dell/DLF, mit dem ich als früherer Freitag-Redakteur kurzzeitig gut zusammengearbeitet habe, dazu, wie bescheuert die ARD-Sender mit ihrer Krimi-Premiumware umgehen. Ein lernunfähiges System (irgendwas mit Kommunikation)?

“Kolumne: Irritierendes Signal – MDR setzt Halle-Polizeiruf ab”, nur als Audio, 4 min.

Ungemütliche Werktagskrimis – Beueler-Extradienst

2025-09-29 Deutschlandfunk mediasres: Der "Clown", der jetzt einen will? Jan Böhmermann und sein öffentliches Bild

https://tbh.co-shaoghal.net/w/wc1WXjuo1EcWRY9ZdTKz2P

2025-09-29 Deutschlandfunk mediasres: Der "Clown", der jetzt einen will? Jan Böhmermann und sein öffentliches Bild

PeerTube

Der Fiebertraum des WDR

Aber warum die Aufregung?

mit Update nachmittags

Die Satireprogramme des konkurrierenden ZDF (“heute-Show”, “ZDF-Magazin Royale”) schlugen sich darauf Eier auf. Mit dieser Stofflieferung des notleidenden Konkurrenten ARD hatten sie nicht gerechnet. Und in der Tat waren die Bilder, die sie von “Die 100” übernommen hatten, schockierend. WDR-Gesichter, die ich bis dahin für zurechnungsfähig gehalten hatte, wie Anna Planken, Till Nassif oder Ralf Caspers wurden quasi öffentlich “verbrannt”. Wie konnte das passieren?

Die Unterhaltungsabteilung des WDR leidet unter einem Trauma: ihre alten Erfolge, die nicht wiederkehren wollen. Viele im Sender verbinden das mit der Figur Axel Beyer. Ich nicht, aber viele tun es. Wer so schmerzfrei die Arbeitgeber wechselt wie er, ist bei mir persönlich nicht übermässig kreditwürdig. Und die WDR-“Unterhaltung” hatte mich in meiner Jugend weit weniger interessiert, als die – damals noch – anspruchsvollen Politangebote des Senders. “Monitor” hatte Super-Einschaltquoten, im Dritten liefen immer wieder erregende Recherche-Dokus (“Es begann mit einer Lüge”), und die Radiowelle WDR2, die heute das Ruhrgebiet mit “Weihnachtswundern” belästigt, war mal meinungs- und marktführend (Morgenmagazin, Zeitzeichen, Hallo Ü-Wagen, Mittagsmagazin, Quintessenz, Radiothek). War ‘ne schöne Zeit. Ich mochte meinen Heimatsender. Umso mehr, je mehr er bei der CDU verhasst war und er sie auf alle damals noch gesunden Bäume des Sauerlandes brachte.

Heute ist er für die WDR-Unterhaltung verantwortlich. Er ist kein “Axel Beyer”, immerhin. Und nicht jede*r muss alles können. Aber wer um Gottes Willen berät ihn?

Die Medien-Medien überschlagen sich mit Verrissen. Die geschätzte Kollegin Christiane Voges/telepolis macht sogar einen Mehrteiler. Aber warum nur? 1,5 von 84 Mio. waren bereit, das auf dem Sofa zu erleiden. Das wurde von Peter Heinrich Brix (ZDF) und Neil Dudgeon/“John Barnaby” (ZDFneo) in Grund und Boden gesendet. So unterirdisch, wie “Die 100” auf die Fachkritik wirkte, ist es quotenstrategisch auch ausgegangen. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich war dabei, als Zuschauer – von Brix und “Barnaby”, wie jeden Montag …

Wo ist also das Problem? Ja richtig, wir haben das bezahlt.

Dazu mein Tipp: gemeinnützig spenden, an freigewählte Adressat*inn*en (bei mir sind das z.B. Proasyl und netzpolitik). Ich weiss genau, wie viel ich spenden muss, um keine Steuern an Rheinmetall u.a. zu zahlen. Für das Wohlbefinden am Jahresende ist das wirksam. Versprochen.

Update nachmittags

Während der Kollege Harald Neuber/Berliner Zeitung sich immer noch nicht einkriegt wegen dieses mediokren Sackes Reis, vermutlich, weil seine Clickzahlen noch niedriger sind als die betreffende Einschaltquote, profiliert sich eine andere Kollegin spektakulär, aber gleichzeitig (vorläufig, eine Woche) unsichtbar, weil Paywall. Annika Schneider/uebermedien, schade, dass ich sie nicht mehr in meinem Edeka darauf ansprechen kann, weil sie jetzt in der Nähe Polens sitzt: “Diese ARD-Show ist anstrengend – und trotzdem finde ich sie wichtig – Nach den neuen Ausgaben der ARD-Debattenshow ‘Die 100’ hagelte es Kritik – mal wieder. Und natürlich kann man sich über einige Szenen aufregen, für den Einsatz einer ‘Hautfarben-Skala’ gar fremdschämen. Andererseits kann uns genau so eine Sendung beibringen, besser zu streiten.” Und dann kommt die Wand. Mein Paywallbohrer hat versagt.

Ob es mich in einer Woche noch interessiert? Ich bin selbst gespannt …

Was vermutlich auch Frau Schneider nicht abstreiten wird, weil sie es längst persönlich kennengelernt hat, ist, was Johanna Adorján in ihrem “Mozart”-Verriss in der SZ-Paywall schreibt, und was ich aus sechs Jahren Rundfunkratssitzungen nur bestätigen kann: “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. ‘Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht’ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht.” Wie schlecht das “Die 100” und die ARD machen, das erklärt Matthias Dell/DLF (nur Audio 4 min).

Es ist einfacher die Ausnahmen von dieser Regel aufzulisten.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

Der Fiebertraum des WDR – Beueler-Extradienst

Stadtbild

Duisburg mal wieder

Wieder mal ist ein Berliner nach Duisburg gereist. Und, oh Wunder, er hat keinen weiteren der unzähligen journalistischen Betriebsunfälle gebaut. Matthias Dell war es, der mich einst kurze Zeit als Freitag-Redakteur betreut hatte, und heute selbst als “Freier” seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Der Deutschlandfunk gab ihm heute morgen gut 6 Minuten. Die waren gut angelegt. Wie üblich nur Audio. Text streng verboten.

Wäre ein Text möglich gewesen, gäbe es Links zu den Orten und Stellen, über und mit denen Dell gesprochen hat. Weil der DLF dafür zu dumm und devot ist, mache ich hier mal fünf Minuten seiner Arbeit als der Öffentlichkeit gehörendes Medium.

Das ist das im Beitrag erwähnte Lehmbruck-Museum. Ja, sowas steht in Duisburg, unglaublich aber wahr. Und hier die Homepage dazu.

Und hier das Dreigiebelhaus. Das kannte selbst ich nicht, obwohl ich nur 20 km entfernt aufgewachsen bin.

Dann wurde das Stadttheater erwähnt, prachtvoller Bau ohne Ensemble. So kenne ich SPD-Kulturpolitik im Ruhrgebiet.

Und als krönender inhaltlicher Abschluss: hier geht es zum Verein Kuckstdu.

Angeboten hätte sich darüber hinaus, die interviewten Personen vorzustellen, zu verlinken und online abzubilden. Oder ist das für Radio verboten? Ich kann es nicht, weil ich dafür die korrekte Schreibweise ihrer Namen benötige. Ich bin sicher, dass das nicht an Autor Dell gescheitert ist …

Hallo DLF (und andere öffentliche Sender): so wird das gemacht.

Stadtbild – Beueler-Extradienst

Warum so dumm?

Wir Demokrat*inn*en und unsere Medien

Können Sie es noch hören (oder lesen)? Das Gegreine über die Fiesigkeit dieser und jener Rechten, Faschist*inn*en und all dieser heuchelnden Brückenbauer*innen zu ihnen? Ich nicht. Ich weiss das alles seit 55 Jahren, seitdem ich mich mit 13 begann zu politisieren. In den Jungdemokraten bildete ich mich weiter. Ich versuche mich auch heute permenent weiterzubilden. Vor allem aber über die Frage: warum bauen Demokrat*inn*en, Konservative, Liberale und Linke so viele Unfälle und leisten den Rechten so viel Vorschub? Mit zunehmendem Alter schmerzt es mich körperlich.

Nicht nur mich. Hören Sie nur kurz mal knapp 4 Minuten den Kollegen Matthias Dell/DLF-@mediasres, mit dem ich zeitweise noch beim Freitag zusammengearbeitet habe: “Kolumne: Kommunikationsversagen reloaded – die ARD kann’s nicht”. Und wenn Sie es nicht hören wollen, dann lesen Sie René Martens/epd-Medien: “Ein Fall für die Aufsicht: Die Debatte um Julia Ruhs und ‘Klar’ in der ARD”. So viele Eigentore und Torgeschenke, dass ich die Übersicht verliere.

Klarer Fall von Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz

A propos Medien und Fussball. Haben Sie gestern den “bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht” bemerkt? Ich auch nicht. Aber die Fussballspieler*innen-Gewerkschaft VDV. Warum wohl? Weil viele ihrer Mitglieder betroffen sind. Nicht nur der in der VDV-Mitteilung kritisierte DFB, auch die Deutsche Fussball-Liga (DFL) und ihre 36 Mitgliedsvereine der ersten und zweiten Bundesliga sind direkt mit kriminellen Sponsoren aus der Glücksspielmafia verbunden. Und ebenso die – für Medienpolitik gesetzlich zuständigen – 16 Ministerpräsident*inn*en und ihre Staatskanzleien: die legalisieren das Glücksspiel nämlich eigens durch von der entsprechenden Lobby entworfene Staatsverträge. Federführend das weltpolitisch erfahrene Schleswig-Holstein, das gelegentlich auch einen Profiverein beherbergt (Holstein Kiel, wenn die nicht absteigen).

Und “unsere” Medien, ARD und ZDF, senden jegliche Glücksspielmafia-Sponsorenwerbung mit, weil sie es sich in nichtöffentlichen Lizenzverträgen von DFB und DFL widerspruchslos diktieren lassen.

Und jetzt Rundfunk-, Fernseh- und vor allem Verwaltungsräte in den Sendern: ihr! Macht Eure Arbeit. Und wenn ihr keine Zeit und/oder keine Lust habt: lasst euch durch Leute mit mehr Kompetenz und Verstand ersetzen.

Warum so dumm? – Beueler-Extradienst

Thomas Stuber – „Kruso“ (2018)

Es ist ein merkwürdiger Spiegel, den Thomas Stuber uns hier vorgehalten hat: Rund dreißig Jahre nach der Wende war sein Film schon mehr als nur ein Rückblick auf die DDR, sondern bereits eine Reflexion über die Kontinuität gesellschaftlicher Ausschlüsse – und über das fragile Versprechen von Gemeinschaft in Zeiten politischer und ökonomischer Fragmentierung. Hiddensee, die Insel im Film, wurde zu einem psychologischen und symbolischen Ort, an dem sich die Überlebenden, die Verstoßenen, die „Schiffbrüchigen“ gesammelt haben – Menschen, die im System keinen Platz hatten. (ARD, Wh.)

Thomas Stuber - "Kruso" (2018)

Es ist ein merkwürdiger Spiegel, den Thomas Stuber uns hier vorgehalten hat: Rund dreißig Jahre nach der Wende war sein Film schon mehr als nur ein Rückblick auf die DDR, sondern bereits eine Reflexion über die Kontinuität gesellschaftlicher Ausschlüsse - und über das fragile Versprechen von Gemeinschaft in Zeiten politischer und ökonomischer Fragmentierung. Hiddensee, die Insel im Film, wurde zu

NexxtPress

Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-„Kultur“

Martin Böttger hat das Organigramm der ARD-Kultur recherchiert. Auf Chef:innenlevel. Das hat genügt, um festzustellen, dass wir (fast) keine:n davon kennen. Wie aber, sind uns Leute eigentlich rechenschaftspflichtig, die wir nicht einmal kennen? Faktisch, wohl eigentlich gar nicht. Über sie richten nur Intendant:innen und Rundfunkrät:innen. „Wie eine Sekte…“

Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-„Kultur“

Martin Böttger hat das Organigramm der ARD-Kultur recherchiert. Auf Chef:innenlevel. Das hat genügt, um festzustellen, dass wir (fast) keine:n davon kennen. Wie aber, sind uns Leute eigentlich…

NexxtPress

Wie eine Sekte – ARD

Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-“Kultur”

Matthias Dell/DLF hat es Monate später immer noch keine Ruhe gelassen. “Was wurde eigentlich aus der Causa Thilo Mischke?” (4 min, nur Audio, danke Frau Teichmann!) Warum? Weil seine Schlussfrage mit einem klaren Nein beantwortet werden muss: “Die Frage ist nur, ob die Affäre damit vorbei ist.” Nein, viele weitere werden folgen. Denn in den Anstalten merken die nichts …

Gestern erst schrieb ich an meinen WDR: “Sehr geehrte Damen und Herren, beim Versuch, den Wetterbericht in Ihrer Sendung zu erwischen, der, wenn die ARD sich schon mit Händen und Füssen gegen ein ‘Klima vor 8’ wehrt, immerhin gelegentlich klimapolitische Fakten enthält, musste ich Ihrer Studiobesatzung dabei zusehen, wie die dabei zusah, wie der neue Vereinsvorsitzende der Katholischen Kirche in Rom präsentiert wurde. Die gleichen Bilder gabs ja nur – ich habe nur 13 öffentlich-rechtliche Programme (DVB-T2) – bei ARD, ZDF, 3sat, Phönix und Tagesschau24. Das reichte natürlich nicht aus. Für Katholik*inn*en. Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten – wahrscheinlich hat es Ihnen wieder keine*r gesagt – aber: ‘Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45% halbiert, während sich die Zahl der Konfessionsfreien von unter fünf auf fast 50% verzehnfacht hat. Laut Fowid lag der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, zum Jahresende 2023 bei 46,2% und Jahresende 2024 bei 47%.’ zit. Wikipedia (Zahlen für Deutschland). Haben Sie auch ein Programmangebot für die Mehrheit? Freundliche Grüße”

Es geht nicht um Mischke, auch nicht um den Papst – es geht um die Weltwahrnehmung. Die ist in “unseren” Anstalten schwerbeschädigt. Die, die noch drin sind, sind mit ihrem Hamsterrad ausgelastet.

Wie kam Dell darauf, den längst verfaulten Apfel “Fall Mischke” nochmal aufzuheben? Weil die Kollegin Annika Schneider/uebermedien anlässlich einer österlichen ARD-Pressemitteilung – ein merkwürdiges Phänomen im aufmerksamkeitsökonomischen Betrieb – hinterherrechiert hatte, und ihre Ergebnisse wiederum erst eine weitere Woche später paywallfrei wurden: ARD-Castings laufen in Zukunft besser. Sagt die ARD. – Warum ausgerechnet Thilo Mischke Kulturmoderator bei ‘ttt’ werden sollte, brachte die ARD in Erklärungsnot. Jetzt stellt der Sender seine Moderatoren-Castings neu auf – angeblich. Denn was sich konkret ändert, behält die ARD lieber für sich.”

Ich weiss, es ist sinnlos. Es ist vergeblich. Aber das motivierte mich dazu, nach den Mitgliedern des Geheimbundes “ARD-Kulturchefs” zu suchen. Hier meine Ergebnisse. Ich lasse Sie live teilhaben.

Ich fange oben, im Norden, an, beim einst mächtigen, einst ernstgenommenen NDR. Ist das nicht der, der die alljährlichen deutschen ESC-Niederlagen verantwortet? Ich glaub’ ja. Denn ich stosse dort auf den NRW-Export Frank Beckmann. Der hat auch sonst schon einiges auf dem Kerbholz – aber ich vermute, der weiss zuviel.

Vom NDR umringt sind die Zwergenanstalten Radio Bremen und RBB. Gehen Sie davon aus, dass sich dort alle untereinander kennen. Das Gegenstück zu Beckmann ist in Bremen Jan Weyrauch. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Herren Direktoren gar keine Zeit hatten, noch selbst zu arbeiten. Sie werden also ihre Verantwortung abschieben auf irgendjemand in ihrem spannenden Organigramm.

So war das ja auch beim RBB in der Gelbhaar-Affäre. Im “Fall Mischke” ist Frau Martina Zöllner verdächtig. Aber natürlich auch nur, wenn sie Zeit hatte.

Da ist es beim nach wie vor mächtigen WDR einfacher zu verorten. Sie ist auch geständig, insofern, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist: Andrea Schafarczyk. Aus den erregten WDR-Gremien weiss ich: Frau Schafarczyk hat alles richtig gemacht.

Beim Hessischen Rundfunk will Intendant Florian Hager neue “moderne” Saiten aufziehen. Transparenz gehört nicht dazu. Oder doch? Im HR-Organigramm ist eine “Kultur-Unit” auffindbar, ganz jung, chic und neu – aber ohne Namen derer, die die Arbeit machen. Vorgesetzt ist ihnen Programmdirektorin Krittian.

Wir nähern uns dem Kern des Problems. “ttt” war früher die Hessen-Ausgabe des “ARD-Kulturreports”. Weil mit letzterer Begrifflichkeit viele nichts anfangen konnten, wählten sie für wirkungsvolleres Branding “ttt”. Nun soll die Koordination für den Scherbenhaufen der MDR übernommen haben, dessen Intendant Ralf Ludwig unüberhörbare Probleme hat, in seinen Kontrollgremien den Personalvorschlag Jana Brandt noch irgendwo und irgendwie durchzubringen. Die soll nämlich in der ARD jetzt koordinieren, was im “Fall Mischke” alles schiefgegangen ist. Sollen wir wetten, wie es ausgeht?

SWR-Kulturchefin ist seit 2020 Bayern-Import Anke Mai. Nach meinem Eindruck ist die bisher clever in Deckung geblieben. Oder haben Sie was bemerkt?

Das gilt auch für Bayerns NDR-Import Björn Wilhelm. Aus seiner Wikipedia-Biografie geht hervor, dass das Chefsein ihm beim Studium im deutschen Machtzentrum Hannover in die Wiege seines Studiums gelegt wurde. Zu gutem Chefsein gehört auch Diskretion über das Ich. Bravo, das ist gelungen. Oder haben Sie einen anderen Eindruck?

Das letzte Machtzentrum deutscher Staatsgewalt ist das Saarland, kleiner als Köln, aber mehr als doppelt so einflussreich. Hier firmiert Ricarda Wackers als Kulturchefin. Ihr Vertrag wurde mitten in den “Mischke”-Wirren mit Begeisterung verlängert. Sie kann also ebenfalls nichts falsch gemacht haben. Oder was meinen Sie?

Also, wenn wir das so überblicken: ist diese ARD nicht töfte? Was machten wir nur ohne sie? Der Hessen-Hager ist übrigens derzeit auch “ARD-Vorsitzender”. Was wird er im Schilde führen? Und was davon wird ihm gelingen? Ich wüsste es tatsächlich gerne.

Für unsere Information. Für unsere Demokratie. Eine Übertreibung ist das nicht. Aber die merken ja nichts …

Wie eine Sekte – ARD – Beueler-Extradienst