@Sofie_unlabeled
"Wie viel sind verschwunden?" - ich schätze hier in Dtld. mindestens eine sechsstellige Zahl 😭
In meinem Freund*innenkreis der Autonomen Szene der 1980er haben wir das Phänomen zum ersten Mal bemerkt und als *"Autonomen Durchlauferhitzer"* bezeichnet. Die Dynamik betrifft aber nahezu alle linken Strömungen.
Am krassesten fand ich die arroganten Abweisungen von Leuten, die sich in ihrer Not überwanden und zu uns, den "Gegner*innen des Systems" kamen, in der Hoffnung Hilfe und Verbündete zu finden. Das geht von direkter Abweisung bis hin zu nachträglicher, wenn Mitstreiter*innen funktionalisiert oder trotz Bündnisabsprachen (ich sag nur "Schacht Konrad" 1982...) verraten werden. Das ist auch als Selbstkritik gemeint, denn ohne Selbstbeteiligung, könnte ich das alles gar nicht in dieser Tiefe verstehen.
Dieses scheiss System generiert sich selbst jede Minute neue Feind*innen, aber anstatt dass "wir" das nutzen und zu einer immer größer werdenden Bewegung anwachsen, stoßen wir diese Leute vor den Kopf, weil sie die "falschen" Begriffe benutzen, weil sie "erst einmal ein gutes Buch lesen" sollten, weil sie in anderen Beziehungen die falsche Einstellung haben, usw usf
Das liegt nicht nur an der Arroganz eines hohlen Bewusstseins, "wir sind die Guten, wir haben Es geschnallt aber ihr noch nicht". Es liegt an der Grundstruktur so eines Bewusstseins, das auf binärem Denken (schwarz-weiß & Schubladen) beruht, das sich durch die selbst erzeugte binäre Wahrnehmung permanent selbst bestätigt. Linke Echokammern sind ein Produkt davon.
Die reale Welt ist aber nicht nicht schwarz-weiß! Sie hat unendlich viele Grautöne.
Das gilt auch und im Besonderen beim Thema Sexismus:
- Ich kann mir nicht vorstellen, wie in dieser scheiss patriarchalen #Kriegerkultur jemand sozialisiert wird, ohne etwas von den seelischen und geistigen Verkrüppelungen abzubekommen, mit denen kleine Krieger*innen sozialisiert werden. Und das gibt auch für "Linke".
- Allein durch eine persönlich politische Entscheidung für den Sozialismus oder die Anarchie wird da keinesfalls "der Schalter umgelegt", kein innerer Sexismus (oder ein anderer diskriminierender Ismus) wird exorziert und es gibt keine Absolution für Vergangenes und keine Salbung zum/zur "Guten Revolutionär*in".
Solchen "Linken" kann ich nur sagen:
**Eure Arroganz kotzt mich an!** 🤮
Und was die Folgen dieses Schlamassels angeht, den allgemeinen und inzwischen globalen #Rechtsruck: Dafür ist die real existierende "Linke" indirekt mit verantwortlich, weil sie in einem #Konkurrenzsystem versucht, mit den Rechten und "Internen Gegner*innen" (die ja immer die Schlimmsten sind) zu konkurrieren. Krieg ist aber nicht mit Krieg zu überwinden! Und wenn eine "linke" Lösung einfach nur einen umlackierten Krieg und "Kampf" anbietet, gehen die Leute irgendwann direkt zu den Experten für egoistische Lebensstrategien.
Das ist keinesfalls als Plädoyer für eine dogmatische Gewaltfreiheit gedacht. Wir müssen und wir werden uns (leider) mit Gewalt verteidigen müssen. Aber wir sollten alles daran setzen, dass sich unsere Gegengewalt auf Selbstverteidigung beschränkt und nicht politisches Mittel wird.
Es wird Zeit, dass sich die von so einer Linken Aus- und Abgestoßenen sammeln, ein graswurzelförmiges Geflecht von pan-solidarischen Beziehungen aufbauen und einen neuen Versuch wagen. Auf Basis solch einer radikalen (Selbst)Kritik sollten wir mit der Neuerung einer gewaltfreien Kommunikation Schlüsse ziehen und eine neue Bewegung in gang setzen, um den ganzen Wahnsinn zu stoppen.
#Patriarchat #Kriegerkultur #GfK #binäresDenken #Konkurrenzsystem #Pansolidarität