NEUE REZENSION: The Legend of Kamui 1 (US-Version) von Sanpei Shirato

Die Neuauflage eines Manga-Klassikers begeistert unseren Rezensenten: "Als in Deutschland noch "Sigurd" das Maß der Dinge war und Amerika durchs finstere Tal der Comic Code Authority wandelte, da erschien in Japan bereits "Kamui". Man kann nur Staunen."

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The Legend of Kamui 1 (US)

Als Sanpei Shiratos Kamui 1995 zum ersten Mal in Deutschland erschien, wurde die Manga-Serie von den damals Verantwortlichen des Carlsen Verlags als „Entwicklungsroman“ bezeichnet. Kamui, so hieß es im Klappentext, sei eines „der bedeutendsten Meisterwerke des japanischen Comics“, ein komplexes, siebzehnbändiges Werk und gut recherchierter Bilderbogen Japans im 16. Jahrhundert. Die Reihe biete „Zeichnungen von atemberaubender Präzision“ und zeige „ein authentisches Bild vom Leben der Bauern, Jäger, Fischer und Unberührbaren während der Edo-Periode“. Aber dann war nach gerade mal zwei Bänden Schluss mit diesem sattsam unterhaltsamen Edelmanga, der zwar reichlich Action und Gewalt auffuhr, aber irgendwie gar nicht so bedeutsam wirkte. Hatte man sich bei der Ansage des Klappentexts etwa doch zu weit aus dem Fenster gelehnt? Natürlich war uns irgendwie auch klar, dass der Carlsen Verlag noch gar nicht anders konnte, als nur einen winzigen Guckkasten über einen gewaltigen Comic zu legen. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn selbst in den USA gibt es erst seit 2025 überhaupt eine erste Veröffentlichung der eigentlichen „Legende von Kamui“. Was wir bisher gesehen hatten, …

Comicgate

NEUE REZENSION: "Die Klingen der Wächter" Band 10

"Worldbuilding von der Größenordnung eines Sonnensystems", findet Christian Muschweck in dieser chinesischen Comicserie.

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Die Klingen der Wächter 10

Am Ende des zehnten Teils von Klingen der Wächter schließt sich ein Bogen zu Band 1: Daoma und sein Junge Xiaoqui beginnen, steckbrieflich gesuchte Kriminelle einzuschüchtern, um ihnen Reisegeld abzupressen. Das ist eine Rückkehr zu alten Kopfgeldjägermethoden, ebenso eine Rückkehr zu den Ursprüngen des ersten Teils. Der Ballast der Politik wird abgestreift, wenn auch nur vorrübergehend. Überhaupt fügen sich in den letzten vorliegenden Kapiteln von Biaoren, wie die Reihe im Original heißt, viele parallele Handlungsstränge zu einem dicht gewobenen, vielschichtigen Erzählteppich. Xu Xianzhe setzt eben nicht nur epische Kämpfe spektakulär in Szene, sondern entwirft darum herum ein komplexes Handlungsgeflecht. Teilweise arbeitet er mit fast schon monströsen, aber doch stets sehr bewusst platzierten Auslassungen, beispielsweise wenn bereits im ersten Teil zwei finstere Verfolger auftreten, deren Hintergrund uns aber erst knapp 1000 Seiten später, im neunten Band, nachgereicht wird. Ebenso ist es mit zahlreichen politischen Entwicklungslinien, die nicht nur parallel zur Haupterzählung stattfinden, sondern – bisweilen auch zeitversetzt in der Vergangenheit – manchmal elliptisch erzählt sind. Als Leser ist man gut beraten, sich einfach in die Geschichte …

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