Dresdner Stadtschreiber im Tanteleuk
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Büchers Best und Tanteleuk präsentieren am Donnerstag einen Preview mit Carl-Christian Elze, dem designierten Dresdner Stadtschreiber, ab Juni 2023 wird er das Amt innehaben. Elze
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Dresdner Stadtschreiber im Tanteleuk - Neustadt-Geflüster

Der Dresdner Stadtschreiber Carl-Christian Elze ist zur Buchvorstellung und Lesung am 25. Mai im Tanteleuk mit seinem Verleger zu Gast

Neustadt-Geflüster

Allein der Name scheint blanker Hohn zu sein: Freudenberg ist nicht nur jung und hat Schwierigkeiten erwachsen zu werden, er ist nicht nur verschlossen und spricht kaum mit seiner Umwelt, er scheint durchaus unglücklich zu sein, eher ein Berg voller Zweifel und Unsicherheit, als ausgerechnet ein Berg voller Freude.
Als er mit seinen Eltern in den Sommerferien nach Polen fährt, erlebt er das an- und abbranden der fremden Sprache als Schlüssel zum Paradies: „Vermutlich redeten all diese Menschen hier den gleichen Unsinn, den gleichen Schrott wie alle Deutschen an irgendwelchen anderen Stränden, dachte Freudenberg, doch man verstand sie nicht, verstand kein einziges Wort, das war der entscheidende Vorteil. Das war der Eingang zum Paradies.“

Dabei fließt Elzes Sprache so schön ruhig und voller wirklich origineller Bilder dahin, kleine Fische sind in Freudenbergs Wahrnehmung so groß wie Neugeborenenhände und ich folge als Leserin bereitwillig in diese ziemlich spezielle Gedankenwelt. Da gibt es Schuhe, die an den Füßen ihres Trägers feststecken, während Freudenberg Teile von sich selbst abspaltet und getrennt von sich betrachtet, wie er die Person, die er sein soll auflöst in Einzelteile: „Hatte es sich denn je wirklich um ihn gekümmert, sein beschissenes Nervensystem? Auch wenn es jetzt zusammen mit ihm hier oben stand, lebendig wie er selbst, hatte dieses verlogene, lemminghafte Ding nicht eigentlich schon immer versucht, ihn zu erledigen?“ Oder wenn Freudenberg über das Denken an sich nachdenkt: „Was war wie beim Tauchen: Wenn man nicht umkommen wollte, musste man auftauchen und Luft holen. Es war unmöglich die Luft und die Gedanken länger anzuhalten, man erstickte daran.“ Das sind wirklich sehr schöne Vergleiche, sehr überzeugende Bilder und ein guter Stil, darüber hinaus gibt es gibt eine Handlung, die alles andere als langweilig ist, Freudenberg findet die Leiche eines toten Jungen, der ihm sehr ähnlich sieht und nutzt diese Gelegenheit, um die Papiere zu tauschen und als „Marek“ ein neues Leben anzufangen. Lange hält er nicht durch und kehrt rechtzeitig zu seiner eigenen Beerdigung ins Elternhaus zurück.
Trotzdem verliert mich Elze irgendwann und selbst der überraschende und doch stimmige Twist am Ende lässt mich das nicht vergessen. Aber vielleicht war mir das alles zu traurig, zu nah mit zwei Söhnen, die nicht viel älter als der Protagonist sind. Vielleicht habe ich auch die Ausweglosigkeit nicht lesen wollen, und die Trauer der Mütter.

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Werke | Voland & Quist

Mmh, der Wunsch jemand anderer zu sein oder überhaupt jemand zu sein - noch bevor so richtig Lebenszeit war, um zu werden. Doch doch, das klingt nach mehr als dem Doppeltes-Lottchen-Ding. Ich bin interessiert. 🤓

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Carl-Christian Elze: Freundenberg