Och neee ... Wo ist Almuth Schult hin??? Wer ist dieser seltsam nuschelnde sonnenbrandrote Typ?!!

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Morgen: Geschlechterkrieg um TV-Quoten

Samstag 18 h: Provinz-Fussball (der Herren) gegen Weltklasse-Fussball der Frauen

mit Update 26.4.

Lesen die beim ZDF Beueler Extradienst? Wäre mir neu. Aber nichts dagegen. Samstags 18 h ist seit Menschengedenken Sportschau-Zeit. Selbst allermächtigste Medien-Oligarchen und CDU-Millionenspender konnten sie nicht ermorden. Aber vielleicht schafft es die Spieltagsgestaltung der DFL. Die ARD-Sportschau wird genötigt, nicht nur TV-Werbung für kriminelle Wettmafia (= DFL-“Hauptsponsor”) zu machen, sondern auch die grössten Langweilerpartien zu zeigen und mit unangemessenen Brüll-Kommentaren aufzublasen. Geht es ihr morgen an den Kragen? Vom ZDF?

Denn die Mainzer TV-Fürsten haben sich offenbar beim Disney-Konzern eine Sublizenz der Champions League der Frauen beschafft. Und nachdem die Mädels vom Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum in der Ligaphase vom FC Barcelona bereits standesgemäss mit 7:1 verarbeitet wurden, steht morgen um 18 h im CL-Halbfinale eine Revanche an. Die zusammengekauften Bayrinnen haben nur eine Chance, wenn das beste Frauenfussballteam der Welt sie nach dieser Vorgeschichte massiv unterschätzt, und die Sache morgen zu lässig angeht.

Aber wenigstens sind die besten Fussballerinnen der Welt morgen mal im deutschen TV zu bewundern. Ich freu mich drauf.

Wie alles anfing – der TV-Fussball und ich

Vor 60 Jahren wurden Europacup-Spiele noch zu Zeiten angestossen, zu denen auch Schulkinder zugucken durften. So habe ich den ersten deutschen Europacup-Erfolg der Fussballgeschichte live an der Schwarzweiss-Glotze miterlebt. Das Tor von Stan Libuda ging in die Geschichte ein, wie er selbst, und wie auch der nicht minder legendäre Live-Reporter Ernst Huberty.

1998 schwebte meine Borussia in Abstiegsgefahr wie heute, in nahezu aussichtsloser Position. Am letzten Spieltag gewann sie auswärts in Wolfsburg und rettete den Klassenerhalt nur durch ein besseres Torverhältnis. Ich weiss, dass ich eine nachmittägliche Geburtstagsparty in Godesberg verliess und mit dem Fahrrad nach Beuel raste, um dort rechtzeitig zur Sportschau den Spielbericht verfolgen zu können. Wir hatten zufällig Champagner und Kaviar zuhause vorrätig, die ich mir mit einem Fanschal über der TV-Kiste drapierte, um den Bericht feierlich geniessen zu können.

Es folgte die furchtbarste Borussia-Saison aller Zeiten 98/99 mit dem erfolglosesten Trainer aller Zeiten, dem heutigen Präsidenten Rainer Bonhof. Morgen tritt die Borussia wieder in Wolfsburg an. Es wird ganz gewiss schlimmer als 1998. Und ich werde sicher nicht zuschauen. Herzinfarkt hatte ich schon.

Update 26.4.
Die vom Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum zusammengekauften Fussballerinnen haben sich gegen den FC Barcelona achtbar geschlagen: 1:1 zuhause. Das wird für das Rückspiel nicht reichen. Es wäre eine Sensation. Eine Chance besteht darin, dass der hochverschuldete FC Barcelona sparen will. Selbstverständlich an den Frauen, und nicht an den weit teureren Herren. Deswegen stocken anstehende Vertragsverlängerungen für die besten Spielerinnen. Gut für Leistungsmotivation kann das nicht sein.

Das TV-Quotenduell entschieden die deutschen Provinzherren mit 3:1,3 Mio. für sich. Das Rückspiel in Barcelona ist nächsten Sonntag ab 16.30 h im ZDF.

Morgen: Geschlechterkrieg um TV-Quoten – Beueler-Extradienst

Journalismus ist möglich

Sogar bei taz und faz – drei Perlen aus zehn Tagen – und bei der letzten die Frage, warum sich niemand aufregt

Majid Sattar war 2010-18 Korrespondent der FAZ im Berliner Parlamentsbüro, das damals noch vom konkurrenzlos fabelhaften Günter Bannas geleitet wurde. Obwohl selbst am Niederrhein geboren, kann er mit Bannas’ rheinisch temperierter Ironie nicht ganz mithalten. Das kompensiert er mit umso ausgeprägterer trockener Sachlichkeit. Und politischer Umsicht. Seit 2018 korrespondiert er nun bereits für die FAZ aus Washington, und diese Woche ist ihm ein – für dieses Blatt – sensationell gutes Werk gelungen.

“Epstein” kompakt

Abgründe der globalen Elite: Die Epstein-Verschwörung – Wie konnte ein Studienabbrecher aus Brooklyn zur Spinne in einem kriminellen Netzwerk werden, in dem es um Geld, Macht, Sexsklavinnen und Geheimdienste ging? Eine Spurensuche in seiner Lebensgeschichte.”

Paywall-Gebrauchsanweisung: auf meinem Samsung-Handy im Krankenhaus mit Googles Internetbrowser Chrome war dieser Text diese Woche paywallfrei. An meinem Apple-Desktop zuhause ist er es nicht. Auch wenn es für viele unbequem sein mag: die Anwendung eines Paywallbohrers ist (bei Bedarf) für diesen Text empfehlenswert. Auch wenn, je nach Anwendung welchen Bohrers, “der Russe” dann über Ihre Daten herfallen mag – Samsung und Google haben das in meinem Fall gewiss auch getan.

Warum lohnt sich das? Zunächst, weil Sattar immer bestens informiert und recherchiert schreibt. Zweitens, weil er das kann, ohne übermässig geschwätzig oder gar agitatorisch zu werden. Das ist schon daran zu erkennen, dass er “Verschwörung” nicht in Anführungsstriche setzt, dass er korrekt von einer “Spinne im Netzwerk” schreibt (die Spinne stirbt, das Netzwerk bleibt), und dass seine Aufzählung richtigerweise “Geld, Macht, Sexsklavinnen und Geheimdienste” umfasst, also analytisch weit über clickträchtigen angeblichen Sex hinausreicht.

Gut gemacht. Habe ich so – gleichzeitig kompakt und umfassend – in unserer Sprache noch nirgends gelesen.

Drogenkrieg in Mexiko

Dass das Trump- und das Netanyahu-Regime aktuell – nicht das Mullahregime, sondern – den Iran bombardieren, dient, neben seinem vielfach bezweifelten militärischen Zweck, mit Sicherheit der Zeichensetzung an widerspenstige Gesprächs- und Verhandlungspartner in aller Welt.

Niemand ist dieser Gefahr so nah wie Mexiko und seine demokratisch gewählte und im eigenen Land mit beneidenswerter Zustimmung ausgestattete linke Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo. Und halten Sie, sagen wir mal nur so als Beispiel, dieses Bild hier, gegen das, von, sagen wir mal nur so als Beispiel, ihn hier.

Sind Sie Bürger*in in einem Nato-Mitgliedsland? Überwältigt Sie wie mich die Fremdscham? Dann verstehen wir uns. Wie schön wäre eine Präsidentin wie Sheinbaum – und ich meine das nicht ästhetisch sondern politisch.

Senora Sheinbaum ist kein Idol, kein Vorbild, sondern eine realistische harte politische Strategin. Sonst wäre sie nicht da, wo sie ist. Und wenn sie sich nur für einen PR-trächtigen Wahlkampf aufgeblasen hätte, könnte sie sich dort, wo sie ist, nicht sehr lange aufhalten. Das macht eine sehr gute Reportage von Christian Jakob, einem der wenigen richtig Guten bei der taz, deutlich:

Gewalt in Mexiko: Präsidentin gegen Drogenboss – Nach der Tötung des Kartell-Anführers ‘El Mencho’ eskaliert die Gewalt der Narcos. Gelingt Claudia Sheinbaum, woran vor ihr alle scheiterten?”

Bundesliga-Wettskandal regt niemand mehr auf – Kriminalität ist normal

1971 drehte ein gewisser Horst Gregorio Canellas, seinerzeit Präsident der Offenbacher Kickers, die deutsche Fussballwelt auf links. Oder rechts? Jedenfalls war danach nichts mehr wie vorher. Jedenfalls wurde fast das gesamte mühevoll aufgebaute Spitzenteam des FC Schalke 04, der noch 1965 nur durch eine Manipulation des DFB vor dem Bundesligaabstieg gerettet worden war, rechtskräftig verurteilt, sein Starspieler Reinhard Libuda für den kümmerlichen Rest seines Lebens endgültig gebrochen.

Die öffentliche Aufregung über diesen für alle Beteiligten beschämenden Vorgang war kaum zu toppen.

In der Gegenwart hat die türkische Fussballwelt für vergleichbares Aufsehen gesorgt. Weil unter dem Erdogan-Regime saubere polizeiliche Ermittlungen und juristische – gar menschenrechtliche – Spielregeln eine weniger wichtige Rolle spielen, wurden dort schon über 1000 Spieler und Schiris gesperrt und verhaftet, weil sie auf Spiele gewettet und manipuliert haben. Sport ist was Anderes. Und Erdogan versucht seine trumpähnlich sinkende Beliebtheit mit “Durchgreifen”, bzw. entsprechender Simulation, zu retten.

Hierzulande sieht es offenbar ganz ähnlich aus. Nur, dass es niemand verfolgt, weil alle es (mit)machen. Insbesondere sind die zahlenden Medien die, die es wollen und selbst daran teilhaben. Sie sind integrierter Teil der mafiösen Wettökonomie des real existierenden Kapitalismus. Die Unterscheidung zwischen “legal” und “illegal” entpuppt sich immer mehr als Kulissenschieberei für die dümmeren Teile der Öffentlichkeit.

Denn was den Bertelsmannmedien ein ängstlich anonym bleibender Ex-Fussballprofi erzählt hat, findet in der kapitalistischen Medienwelt, ganz anders als 1971, fast gar keinen Wiederhall. Aus seiner Schílderung ergibt sich, dass alle im professionellen Fussball- und Mediensystem davon wissen, und es sie nicht im geringsten stört – weil alle mitmachen. Das ist schon am ARD-Sportschau-Vorspann zu erkennen, in dem ein marktführender Wettveranstalter sich – gegen alle Gesetze, auf deren Basis die ARD zu arbeiten hat – prominent platziert hat.

Die was-mit-Medien-Fuzzys, die sich von diesen Kriminellen ökonomisch aushalten lassen, irren sich freilich, wenn sie glauben, die Macht zu besitzen, um solche Verbrechen am Sport “totschweigen” zu können. Die Fans wissen Bescheid. Nur die Dummen ahnen nichts.

Verschwörungstheorie? Oder Verschwörung? Entscheiden Sie selbst. Und lassen sich nicht davon runterziehen. Treffen Sie Freund*inn*e*n, gehen sie was Gutes essen und trinken (wie ich gleich mit einem befreundeten Journalisten, in einer Fussballkneipe!).

Gut ist doch, wenn es noch Journalist*inn*en gibt, die ihre Arbeit machen.

Journalismus ist möglich – Beueler-Extradienst

So German commentators can go on for months when there is a hand during a European Championship football game, that plays a crucial role, but when there are really questionable things happening in the semi finals during #Olympic Hockey 🇫🇮 vs 🇨🇦, like a self inflicted foul, with Canadian referees being used in that game too, there is deafening silence. #zdf #ard #sportschau #ardsportschau

Fussball, den die Fans sehen wollen

“Zeigler” füllt die Lücke, die eingebettete Medien und Profifussball (der Herren) hinterlassen

Trotz meiner intimen Kenntnisse und guten Verbindungen in den WDR habe ich bis heute keine Begründung gefunden, warum es der Redaktion von “Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs” gelungen ist, ihre sonntägliche Sendezeit um fünf Minuten auszudehnen, und das sensationellerweise zu Lasten der sonntäglichen Bundesliga-Sportschau, und zwar auch, wenn sonntags drei Spiele sind. Eine solche Massnahme muss nicht nur die ARD-interne 9er-Konferenz passiert haben, sondern auch von der mächtigen DFL, Vertragspartnerin von ARD, ZDF und all den andern, abgenickt worden sein. Es dokumentiert definitiv den Bedeutungsverlust der Bundesliga-Sportschau.

Ein Grund lässt sich am BVB personifizieren. Immer wieder werden Statistiken bemüht, wie fabelhaft erfolgreich er diese Saison bestreitet. Nur will den “Kovac-Fussball”, den er spielt, niemand sehen. Im Stadion ist es so, und in den TV-Fussballkneipen ebenso. Trotz dieses angeblich so überragend-erfolgreichen BVB ist die Frage, wer dieses Jahr deutscher Meister werden könnte, von allen Fragen des Jahres die Langweiligste. Überall wird sie mit gelangweiltem Gähnen quittiert. Auf den globalen Medienmarkt gemünzt: wer soll sowas kaufen? Da hat die DFL ein Problem. Und das wird nicht kleiner.

Spannender ist es in der Zweiten Lige. Und noch spannender in der Dritten. Zeigler zeigte gestern einen Spielbericht vom besten Fussballspiel des Wochenendes: MSV Duisburg-SC Verl 4:2 vor 20.000 Stadionzuschauer*inne*n. In Aachen beim NRW-Derby Aachen-RW Essen waren es sogar knapp 10.000 mehr, nur dass Gegner RW Essen so schlecht spielte, wie sonst der BVB: unansehnlich aber mit Punktgewinn. Trotz des späten Ausgleichs waren die tausenden mitgereisten Fans aus Essen ungehalten. Warum der WDR das Spiel nicht zeigte? Weisichauchnich.

Atmosphärisch noch stärker die Spielreportage, die Zeigler vom Spitzenspiel der Vierten Liga/Regionalliga West zeigte: RW Oberhausen-Fortuna Köln 1:3 vor 4.500 Zuschauer*inne*n im Niederrhein-Stadion. Die Kölner Fortuna bringt zwar originelle aber wahrlich nicht viele Auswärts-Fans mit. Dafür hat sie den Aufstiegskampf mit diesem Erfolg mglw. entschieden. Schade eigentlich. In dieser Liga spielt auch der Bonner SC mit, im Abstiegskampf mit guten Chancen auf den Klassenerhalt.

Warum schreibe ich das? Weil hier noch halbwegs ehrlicher Sport geboten wird. Auch hier ist schon viel Geld im Spiel. Aber mann und frau weiss vorher nicht, wie es ausgeht.

Fussball, den die Fans sehen wollen – Beueler-Extradienst

Stadtbild: weniger Watzke – mehr Can

Und meine gespannte Frage: wer ist “Philippa”?

Der Herr Watzke, ein Spezi von dem Merzfriedrich, will am Wochenende zum Präsidenten eines Ballspielvereins in Dortmund gekrönt werden. Nachdem er sich einige Jahrzehnte als Unternehmensboss der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA verdient gemacht hat (im Sinne des Wortes). Der Spiegel (Paywall) wirft ihm heute eine böse Geschichte hinterher. Sie liegt dieser Redaktion dank effektiver Paywallbohrer vor.

Die von Whistleblowern durchgestochenen Dokumente hat offenbar parallel die vom WDR geführte ARD-Sportschau erhalten, die aber dank unserer inkompetenten deutschen Ministerpräsident*inn*en brav das absurde “Presseähnlichkeitsverbot” befolgt. Wer solche Freunde hat …

Ich referiere darum kurz. Die Spiegel-Story referiert zum einen längst bekannte Tatbestände. Dass Watzke für das von den Fans erfolgreich bekämpfte DFL-Investorenmodell getrommelt hat, und auch sonst keinem Millionenumsatz (Rheinmetall u.a.) aus dem Weg ging. Dass er lukrative Funktionärsämter angehäuft hat (Fifa, Uefa, ECA u.v.m.), wie nur wenige vor und nach ihm. Neu (für mich) ist eine etwas kleinkarierte Nachrechnung seiner Reisekosten (nicht wenige Privatflüge, Merz weiss, was gemeint ist, nach Sylt und anderswo).

Und eine alte Geschichte mit sexueller Gewalt gegen Minderjährige, die Watzke durch sein Missmanagement nicht bekämpft sondern verschlimmert hat. Fälle dieser Art sind im Leistungssport in Deutschland und weltweit leider keine Seltenheit. Der Fortschritt ist heute: alles kommt irgendwann raus. Und dann klärt sich, wer gelernt hat, damit emphatisch gegenüber den Opfern und kämpferisch gegen die Tatbestände vorzugehen – und wer dazu unfähig ist, und das Leid verlängert und intensiviert. Nun raten Sie mal, zu welchen Watzke gehört. Wenn Sie ihn nicht kennen (“kein Interesse an Fussball”), dann stellen Sie sich Friedrich Merz vor, mit der Bedingung, dass nicht seine eigenen “Töchter” betroffen sind, sondern evtl. irgendwelche Migrant*inn*en aus der Dortmunder Nordstadt.

Kontrast: Emre Can

Durch ein zufälliges Zusammentreffen der Publikationen am gleichen Tag kontrastiert das öffentliche Bild des Menschen Watzke radikal mit diesem lobbesungenen öffentlichen Bild seines leitenden Angestellten Emre Can.

Wichtig: die Autorin “Philippa”, der ich rate, hinter ihrem Pseudonym öffentlich hervorzutreten, weil sie literarisch stark schreiben kann, schreibt selbst, dass sie “ihn persönlich gar nicht kenne”. Da geht es ihr wie mir. Es geht also um das öffentliche Bild. Daran arbeiten im Profifussball ganze Konzerne von “Berater*inne*n”. Ein dicker Fisch unter ihnen z.B. dieser Pulheimer, da von wo auch mein Ex-Boss und Freund Karl Uckermann nach Beuel eingewandert ist.

Cans Beratungsagentur ist die “ISM Internationals Soccer Management Holding GMBH & CO. KG” in Düsseldorf, Inhaber Reza Fazeli, gebürtiger Iraner und für seine Cleverness gefürchtet. Seine und Cans Intelligenz hatten immerhin dafür ausgereicht, dass Can nicht auf diesem Foto posierte.

Während Mesut Özil eifrig auch ideologische Solidarität mit dem Despoten Erdogan verteidigte, weil das mit der Weltsicht seines Familienclans, der ihn auch managt, übereinstimmt, waren es beim stiller agierenden Gündogan und seinem Clan auch profane ökonomische Interessen: sie sind in türkischen Einkaufszentren investiert, und also zwangsläufig mit der staatsmonopolistischen Baumafia verbandelt.

Dass Can sich von alldem so klug ferngehalten hat, zeugt von klarem Blick und klarer Analyse. Das ist Professionalität. Wenn dabei Texte wie der von “Philippa” unten rauskommen, heisst das: “alles richtig gemacht”.

Falsche Baustelle

Die ARD-Sportschau stolpert wie immer über ihre eigenen Beine

Es war von der ARD als “Programminnovation” der neuen Saison gefeiert worden. Die Sportschau sendet freitags nicht mehr auf One, sondern im Ersten. Und sie darf sogar das Freitagsspiel der – langweiligen – ersten Bundesliga zeigen, und nicht nur die der spannenderen zweiten. Gestern nur dumm gelaufen, in jeder Hinsicht.

Gross präsentiert wurde das Freitagsspiel zweier Teams, die nun wirklich kein ernstzunehmender Fan im Land leiden kann. Der Konzern aus dem süddeutschen Raum besiegte den aus Fuschl am See, da wo Jürgen Klopp jetzt in seinen Schreibtischsessel pupst, 6:0. Das Amtsblatt der Liga, der Kicker, kommentierte treffend: “Ein Mutmacher für die Bundesliga war dieser Auftakt nicht”. Aber Jammern über mangelhafte Erlöse in der Auslandsvermarktung – das gehört zum Marketingtraining der DFL. “Das Ausland” ist eben nicht so blöd, wie deutsche TV-Veranstalter, sondern kann rechnen.

Den ausbleibenden “Mutmacher” hat die ARD-Sportschau nicht nur ausgebreitet, wie breitgetretenen Quark, sondern – klassische “journalistische Ausgewogenheit” – von einem Ex- und einem Noch-Angestellten des süddeutschen Konzerns nochmal genau so lange kommentieren lassen.

Wen interessierte das? Nicht viele. 1,2 Mio., nochmal 800.000 weniger als bei der zuvor gelaufenen Krimiwiederholung (“Morden im Norden”, ein NDR-Langweiler aus dem Vorabendprogramm), Marktanteil noch deutlich unter dem mickrigen Senderschnitt von 11%.

Das interessanteste Spiel des Tages kam garnicht vor. Der RWE gewann in der 3. Liga bei Wehen-Wiesbaden 4:3 nach dem entscheidenden Tor in der Nachspielzeit (94.). Kein Bild, keine Zusammenfassung, kein Garnichts. Die ARD hat offenbar versäumt, sich Senderechte für die Freitagsspiele der 3. Liga zu sichern, und zeigt diese nur samstags und sonntags. Oder haben sie gar die Rechte, und trotzdem nichts gezeigt? Zuzutrauen ist ihnen sogar das.

Falsche Baustelle – Beueler-Extradienst

Autodementi

Sind bei der ARD jetzt alle Fachredaktionen tot?

Julius Baumeister scheint ein junger Journalist zu sein, der sich für Menschenrechte engagieren will. Das sagt jedenfalls meine Suchmaschine. Er hat sich aber nun leider in der ARD-Sportschau mehrerer Eigentore schuldig gemacht. Und das wirft die Frage auf, warum niemand seiner redaktionellen Mitspieler*innen ihm dabei geholfen hat, sie zu vermeiden. In guten Fussballteams wird das trainiert.

Es geht um seinen Beitrag zu Sportkooperationen mit Ruanda. Der wirft die Frage auf, welcher lobbyistische Druck sich hinter diesem Agendasetting verbirgt. Ich will nicht anzweifeln, dass sich die ruandische Regierung mannigfacher Verbrechen schuldig gemacht hat. Ihre innenpolitische Legitimation bezieht sie freilich aus einer Landesgeschichte, über die sich wir Deutsche als Letzte moralisch erheben sollten. Und dass der ruandische Kriegsgegner im Ostkongo, die kongolesische Regierung, in Menschenrechtsfragen satisfaktionsfähig ist – das wäre eine echt neue Nachricht. Wie gesagt: nichts davon will ich rechtfertigen. Radikalste Kritik daran ist angebracht.

Aber warum lässt Baumeister sie in seinem Film durch die aufgebotenen Zeugen und Belege selbst dementieren? Über den Fussballkonzern im süddeutschen Raum und seine sportpolitische Glaubwürdigkeit ist hierzulande eigentlich schon alles gesagt, insbesondere von seinen kritischen Vereinsmitgliedern selbst, die sich regelmässig von einem am Tegernsee residierenden Wurstfabrikanten dafür beschimpfen lassen müssen. Dass der ebenfalls benannte PSG faktisches Eigentum der Sklavenhaltergesellschaft des Emirates Qatar ist – das weiss in der internationalen Fussballwelt spätestens seit der dortigen WM jedes Kind. Insbesondere, wenn es gelegentlich ARD-Sportschau geguckt hat.

Die optische Spitzenleistung war jedoch, zwei Arsenal-Fans mit “Emirates”-Trikots vor dem “Emirates-Stadium” vor die Kamera zu stellen, und sie stammeln zu lassen, dass Ruanda noch schlimmer als Tottenham sei. Die Vereinigten Arabischen “Emirates”, von denen sie sich in London aushalten lassen, waren aktive Kriegspartei im Jemen, und sind aktive Waffenlieferanten in den failed States Libyen und Sudan – allesamt mit Recht als “grösste humanitäre Katastrophen” klassifiziert. Ihre gewaltsamen Entführungen flüchtiger Prinzessinnen sind dagegen ja fast schon eine feuilletonistische Bagatelle – nach unseren Gesetzen freilich schwerste organisierte Kriminalität. “Unsere” Partner – ist doch wunderbar.

So what, liebe musterdemokratische Fussballkonzerne und eingebettete Medien?

Sport als Mittel zur Emanzipation

Nein es ist nicht alles schlecht. Noch nicht einmal im internationalen Profisport. Das beweist Satou Sabally, Weltklasse-Basketballerin, die in den USA eine fette Profikarriere (“eine der 5 Besten”) hinlegt. Tsellot Melesse hat für die Berliner Multimedia-Produktionsfirma Iconoclast eine Dokumentation über den schwarzen deutschen Star gedreht, und das eben noch kritisierte ZDF hat sie als “Sportstudio-Reportage” in seine Mediathek gestellt.

ZDF-Trailertext: “Die Doku gewährt außergewöhnlich persönliche Einblicke in das Leben einer Athletin, die nicht nur auf dem Spielfeld glänzt, sondern auch abseits davon für Veränderung kämpft und offen über Gleichberechtigung, Identität und Selbstzweifel spricht.” Verfügbarkeitsdauer nicht angegeben. Die Inhaltsangabe kann ich bestätigen. Als fauler weisser Sack muss ich ergänzend gestehen: dieses Berühmtsein wäre mir zu anstrengend. Respekt!

Auch Partner beim FC Bayern: Warum Sportkooperationen mit Ruanda in der Kritik stehen

Paris Saint-Germain, der FC Arsenal oder Bayern München - sie alle werben für "Visit Rwanda". Das Land Ruanda steht jedoch stark in der Kritik. Fans fordern die Beendigung des Sponsorings.

sportschau.de

„Die Schüssel ist zu groß, um sie voll zu kriegen.“

Sportkommentierung am Limit! #ArdSportschau

“Experten”-Unwesen

Wie viel Abdankung von Journalismus ist noch zu ertragen? Der Sportjournalismus ist nur die Avantgarde der Abdankung. Wirtschafts- und Politikjournalismus werden ihm folgen. Auch in diesen “wichtigen” Branchen arbeiten längst mehr und besser bezahlte Menschen in PR-Abteilungen und Denkpanzern (“Thinktanks”), als in unabhängigen Redaktionen. Auch ich selbst habe nie mehr Geld in so kurzer Zeit verdient, wie 2005/2006 als ich mich aus kurzzeitiger Arbeitslosigkeit heraus als Medienberater selbstständig machte. Aber aus aktuellem Anlass noch mal […]

https://extradienst.net/2022/12/11/experten-unwesen/

“Experten”-Unwesen

Wie viel Abdankung von Journalismus ist noch zu ertragen? Der Sportjournalismus ist nur die Avantgarde der Abdankung. Wirtschafts- und Politikjournalismus werden ihm folgen.

Beueler-Extradienst