Clowns machen das deutsche Feuilleton kenntlich: brav Knochen abnagen und weiterschlafen
Martin Sonneborn und Adolf Winkelmann werden vom FAZ-Feuilleton gefeiert, selbstverständlich nur hinter digitalen Mauern. Sollte sie das beunruhigen? Das müssen sie selbst entscheiden. Winkelmann wird immerhin von Harald Staun porträtiert, einem der wenigen intellektuell geschäftsfähigen Autor*inn*en dort. Vor 15 Jahren habe ich Winkelmann selbst interviewt, weil ich sein Lebenswerk sehr verehre. Schön, dass er noch lebt. Aber es geht weit dümmer, als diesen Systemclowns Beachtung zu schenken.
Sie haben wieder einen vor Eitelkeiten berstenden “Literaturstreit” entfacht, im verzweifelten Bemühen, noch gedruckte Bücher unter die Leute zu bringen. Die abtretende Generation jener, die so alt sind wie ich, oder älter, die sich mit dem Digitalen nicht mehr anfreunden mag, ist aber zahlreich und kaufkräftig, solange sie noch am Leben ist. Nachfrage-Macht! It’s the economy, stupid! Also immer feste am folgenlosen um sich selbst drehenden Karussell arbeiten.
So besoffen, dass sie ihre Abschaffung fast gar nicht bemerken. Jetzt mal im Ernst: Journalismus? Schriftstellerei? Wer braucht sowas? Sollten die nicht lieber mal Arbeiten gehen?
Florian Rötzer/overton, noch etwas älter als ich, den ich mehr schätze, als sein sich AfD-/BSW- und Holger-Friedrich-artig am “Wokismus” abarbeitendes Alters-Exil, hat sich sein ganzes Berufsleben intellektuell mit “Digitalisierung” beschäftigt, mutmasslich schon, bevor es das Wort gab. Seine aktuelle Bestandsaufnahme ist so brutal wie realistisch: “Googles AI Overviews sind zu 90 Prozent richtig. Ist das gut? – Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass bei vielen Anfragen und Suchen, wenn man Google benutzt, sogenannte AI Overviews, die verschiedene Quellen auswerten und zusammenfassen, ganz oben an erster Stelle ausgegeben werden und damit alle anderen Antworten schon einmal degradieren. Sie haben sich bereits zu einer dominanten Informationsquelle entwickelt (KI bedroht Online-Newsmedien).”
In den Produktionshallen dessen, was wir früher als “Journalismus” kannten, wird damit längst kostensenkend gearbeitet. Schreiber*innen, die dabei – und vor allem davor – auch denken? Wer braucht sowas?
Wir nannten es Demokratie.


