Die Qual beim Amtstermin mit Kragenbären
bleibt stumm wie ungestellte Zwischenfragen,
wenn alle “Aber nicht in Deutschland!” sagen
und sich dann weigern, Gründe zu erklären –
Die Qual beim Amtstermin mit Kragenbären.
Das Grollen beim Durchbohren dicker Mauern
erzählt von alten, ausgedachten Dingen,
mit Lauten, die wie Nasenflöten klingen,
gespielt von Welsen, tief und voll Bedauern –
Das Grollen beim Durchbohren dicker Mauern.
Die Klage nach dem Schlagen großer Schlachten
erfüllt die Felder, wo die Helden liegen.
Wir trugen Helme aus Gelee beim Siegen,
die wir im Nachhinein mit Angst betrachten –
Die Klage nach dem Schlagen großer Schlachten.
Die Empathie beim Ringen mit den Bären
wenn wir, statt Luft und Boden zu vergiften,
den Wald mit Tierporträts in Öl beschriften,
zur Förderung von Hirschen in Karrieren –
Die Empathie beim Ringen mit den Bären.
Die Zärtlichkeit beim Sägen langer Bretter,
die hat man früher niemals zugelassen.
Wenn man zur Säge griff, dann hieß das: Hassen!
Jetzt sind die Menschen alle etwas netter.
Die Zärtlichkeit beim Sägen langer Bretter.
Ihr folgt ja wohl alle
https://mastodon.social/@robotgernhardt und
https://mastodon.social/@kathrinpassig - dann könnt ihr jetzt den Film sehen, den ich letztes Jahr nach einigen ihrer Gedichte animiert hab:
https://vimeo.com/1051201941
13 Gedichte von Robot Gernhardt
VimeoDie Freude beim Beschauen leerer Schachteln
entflieht so schnell wie Stimmen, die verklingen,
kaum guckt man weg, schon sind sie voll mit Dingen,
mit Pinseln, Schrauben, Moltofill und Spachteln –
Die Freude beim Beschauen leerer Schachteln.
Die Reue beim Verspeisen kluger Tiere,
wenn wir bei Vollmond nachts entweichen
und uns zum Dorfschulmeister schleichen,
damit er uns ausführlich dekliniere,
die Reue beim Verspeisen kluger Tiere.
Der Überdruss beim Lesen von Gedichten
macht sich bemerkbar in der zweiten Zeile.
Und erst die dritte! Pure Langeweile!
Auch auf die vierte könnte man verzichten.
Der Überdruss beim Lesen von Gedichten.
Die Seelenpein beim Tragen langer Stangen,
sie schmeckt nach Tee aus viel zu großen Tassen,
nach Katzen, die uns einfach so verlassen
und allgemein nach schmerzlichem Verlangen –
die Seelenpein beim Tragen langer Stangen.