Sehr weit.
Und irgendwann zu weit.
Menschen sind in dieser Beziehung sehr belastungsfähig. Die meisten von uns sind mit allgegenwärtiger Werbung aufgewachsen. In Zeitungen, auf Plakaten, Leuchtreklamen, Fernsehen und Radio. Und seit dem Internet auch auf Webseiten, in Video Streams, in Apps. Wir nehmen das alles mehr oder weniger gelassen hin oder richten unser Leben darauf ein, indem wir in den Werbeunterbrechungen Chips holen gehen. Ich biege mit den Chips auf dem Rückweg stets spontan und unerwartet irgendwo hin ab, weil mir was 'dringendes' eingefallen ist. So verpasse ich dann immer die letzten 3 Minuten nach der Werbung und kann nachts nicht schlafen, weil ich nicht mitbekommen habe, wer der Mörder war.
Dann greift Vermeidung. Kein TV mehr schauen, wo Werbung in den Filmen ist. Oder im Supermarkt Kopfhörer tragen, oder bei Plakaten nicht hinschauen, was schwierig ist, aber mit Übung klappt es. Wenn Werbung zu nervig ist, verfehlt sie bei einigen Wesen ihr Ziel, das Produkt bleibt zwar im Kopf, der Kauf wird aber strikt vermieden - weil die Werbung fast übergriffig nervig war. Spontan fällt jeder:m sicher ein quasisportlicher Müslihersteller ein. Oder eine große, rechte Molkerei.
Bei der personenbezogenen Werbung wird es zunächst einmal lustig. Ich bestelle bei einem Online Versandhandel eine Stirnlampe. Nach dem Kauf bekomme ich in allen Apps und Webseiten Werbung für Stirnlampen. Was ein Quatsch, ich habe gerade eine gekauft und habe nur eine Stirn. Was soll ich mit drölf weiteren? Wozu? Was soll das?
Inzwischen wird mit der Menge von Internetsuchen, von mir angeschauten Videos, gelikten Inhalten auf Social Media, meinem Aufenthaltsort und den Interessen von Leuten mit denen ich mich treffe, mir so gezielte, aber auch umfangreiche Werbung angezeigt, dass ich nicht merke, dass diese auf mich zugeschnitten ist. Die Artikel sind so unterschiedlich, dass ich nicht differenzieren kann, ob das Angebot aus dem Treffen mit den Freunden oder meinen Likes auf Social Media stammt. Und ich denke auch gar nicht darüber nach.
Wir (also die meisten Menschen) nehmen das immer noch hin. Wir erkennen nicht, das *wir* es sind und sehen die Werbung genau wie Plakate oder TV Werbung, die nicht direkt persönlich zugeschnitten sind.
So.
Und momentan wird es übergriffig. Kubikübergriffig. Mit immer ausgefeilteren Methoden werden Persönlichkeiten analysiert und mit passender Werbung versorgt. Kameras in SmartTVs, im Auto oder das Mirkofon im Smartphone hängen oft an auch lokal laufenden "KI"s, die meine Bedürfnisse erkennen sollen. Wenn ich abends ins Kopfkissen weine, bekomme ich Stimmungsaufheller angeboten. Oder wenn ich mit dem Urologen über meine Potenz spreche, finde ich überall in meinem Smartphone Werbung für Viagra.
Hier reicht es mir persönlich. Das ist zuviel und ich hoffe, dass sich solche Werbung selbst damit abschafft. Ich habe es lange ausgehalten, aber jetzt blocke ich wo es geht, keine KIs, kein SmartTV, keine Alexa, kein Siri, Abkehr von Google etc.
Wenn ich das nun alles auf Palantir und die Chatkontrolle übertrage, wird *mir* mehr als Angst und Bange. So viele Daten, Metadaten und Sprachanalysen. Ein perfektes Bild meiner Persönlichkeit, ein Bild was ich selbst nicht kenne, denn ich sehe mich nicht von außen.
Und auch jetzt sagen immer noch fast alle, sie hätten ja nichts zu verbergen.
Vielleicht sollten sie mal mit ihrem Smartphone in der Jackentasche zum Urologen gehen.
Heute ist Herbstanfang. Und damit auch die Zeit für Eis(creme) leider vorbei. :')
*ding-dong*🔔
Guten Tag. Ich möchte gerne mit Ihnen über Hochleistungs-Eisenbahnen sprechen.
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