Tödliche Kollision auf der Nordbahntrasse.

(Die WR titelt es als "tragischer Verkehrsunfall", was natürlich normativer sprachlicher Mumpitz ist #CrashNotAccident)

72-jähriger Radfahrer an Verletzungen gestorben. Tatverdächtiger E-Roller-Fahrer gesucht.

https://www.wuppertaler-rundschau.de/stadtteile/nordstadt-ostersbaum/toedlicher-unfall-auf-der-wuppertaler-nordbahntrasse_aid-150637065

Tödlicher Unfall auf der Wuppertaler Nordbahntrasse

Auf der Wuppertaler Nordbahntrasse ist am Sonntagnachmittag (28. Juni 2026) ein 72 Jahre alter Fahrradfahrer bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Wuppertaler Rundschau
@cmwpt Das ist ein grauenhaftes Geschehen und ich kann verstehen, wenn jemand nach der Ursache fragt oder nach dem Schuldigen. Aber auch ich würde diesen Unfall als tragisch einordnen - weil er womöglich leicht vermeidbar war, und darum um so bitterer ist.

Wie hätte aus Deiner Sicht der Artikel es treffender benennen können, so dass es für Dich kein Mumpitz wäre?
#Sprache #Journalismus #Fahrradbubble

@dirk_lotze (1/3) Das ist ja genau die Sache: Es als "Unfall" zu bezeichnen nimmt ja direkt Verantwortung heraus. "Unfälle passieren, da kann mensch nichts machen". "Unfall" ist kein neutraler Begriff, sondern impliziert, dass es irgendwie unausweichlich war.
Von "Unfall" kann nur gesprochen werden, wenn es "höhere Gewalt", nicht vorhersehbar & nicht vermeidbar war.
"Unfall" verschleiert Faktoren, Verantwortung & lenkt von Maßnahmen der Verkehrssicherheit ab.

Deshalb der Begriff der Kollision.

@dirk_lotze (2/3) #CrashNotAccident beschreibt im englischsprachigen diesen Umstand & ist umfangreich aufgearbeitet:
https://www.portland.gov/transportation/vision-zero/news/2023/3/23/why-we-say-crash-not-accident
https://www.fmcsa.dot.gov/newsroom/crash-not-accident

Im deutschsprachigen auch:
https://www.tu.berlin/news/interviews/marlene-sattler-verkehrssicherheit

https://www.veloplan.de/berichterstattung-zu-verkehrskollisionen-verzerrte-wahrnehmung/

Sprache schafft Realität & Sprache ist nicht neutral, insbesondere im Bereich des Verkehrswesen und der Verkehrssicherheit. Viele Polizeidienststellen, aber auch Pressevertreter*innen, erkennen die Verantwortung, andere reproduzieren bestehende Strukturen.

Why we say “crash” not “accident”

We’re inviting our community to change the way we talk about crashes, and in doing so, change the broad cultural perception that crashes are inevitable. A Vision Zero approach refuses to accept traffic violence as a byproduct of “just the way things are.” So, will you join us?

Portland.gov
@cmwpt In dieser Bedeutung kann ich verstehen, was Du kritisierst, vielen Dank dafür. Aus meiner Sicht gibt es allerdings Unfälle die "passieren" und solche die verschuldet werden - von einer oder von mehreren Personen. Das Wort Unfall ist für mich nicht ausgeschlossen, nur weil jemand das Geschehen verursacht hat.

Und ob das so war steht bei dem tödlichen Zusammenstoß auf der Nordbahntrasse ja wohl auch noch nicht fest. Aber vielleicht würde ich es anders nennen, wenn direkte Absicht vorliegt.

Siehst Du eigentich Anhaltspunkte, die bei diesem Fall auf ein Muster einweisen könnten?
#Sprache #Fournalismus #Fahrradbubble