1/x
Es ist ja schön, hier immer wieder zu lesen, dass Firmen selber schuld sind, wenn so etwas wie jetzt mit #Anthropic passiert.
Aber ich finde das Wohlfeil. Es gibt keinen europäischen #Cloud-Anbieter, der auch nur ansatzweise das bieten kann, was zumindest mal #Amazon und #Microsoft bieten. Weder die #Schwarzgruppe noch #OVH sind in der Lage dazu.
Die Sachen weiterhin lokal zu behalten ist für viele Firmen finanziell nicht interessant. Oder die Spezialisten finden einfach nicht.
Hinzu kommt, dass viele Firmen digitale Legastheniker sind, die keine Ahnung haben und auch nicht den Unterschied kennen zwischen Word, dem Internet oder einem Kaugummi.
Das greift in Deutschland alles ineinander.

2/x
Wir machen bei uns an der Hochschule vor dem ersten Semester Vorkurse in Mathematik und da machen wir keine lineare Algebra, sondern da machen wir Bruch und Prozentrechnung, weil das die Studenten nicht können.
In einer meiner Klausuren kam man zu einem Punkt, wo man 10% von 300.000 berechnen sollte. Die Antwort war: Ohne Taschenrechner nicht zu berechnen.
Das waren keine BWL-er, sondern Informatik-Studenten.

Ich habe bei drittsemester Studenten Projektberichte, wo ich auf 10 Seiten 34 Rechts schreibe- und 46 Kommafehler finde. Die sind nicht in der Lage, die Rechtschreibprüfung zu verwenden oder KI. Und wenn ich Ihnen eine Aufgabe stelle und bewusst sage, Sie sollen Sie mit KI lösen und die KI macht Mist, erkennen Sie es nicht und glauben immer noch, Sie haben Recht.

3/xDas heißt, uns fehlen einfach die Skills, um zu entscheiden, ob Cloud gut oder schlecht ist, was Informatik bedeutet, was das verdammte Internet wirklich ist.
Solche Leute entscheiden dann auch über die Budgets und über die Business Cases.
Ich habe für mehrere DAX-Unternehmen und Fortune 500 gearbeitet. Dort viele Budgets und Business Cases erstellt. Gerade wenn es um Cloud oder Outsourcing nach Indien ging. Ich habe in die Business Cases auch immer in Euro berechnet was die Risiken sind, Eintrittswahrscheinlichkeit etc. Nicht nur den Vergleich der reinen Tagessätze etc.
Mit einer Ausnahme haben alle Firmen mich dazu angewiesen, das zu streichen und den Business Case so zu rechnen, dass der Case zum Outsourcing oder für die Cloud positiv ist.

4/x
Ich habe das nicht getan.
Das hat mich in den meisten Firmen meine Karriere und in manchen Firmen meine Stelle gekostet.
Ich habe in Software-Entwicklungsprojekten immer einen Budgeteintrag für IT-Security gehabt. Und einen für technische Dokumentation. Beide waren die ersten, die man mir aus den Budgets gestrichen hat.

Wir haben in Deutschland weder die Fähigkeiten in der IT noch die mathematische Kompetenz im Finanzwesen. Noch den Willen wirklich wirtschaftlich zu denken.
Ein ehemaliger Bereichsleiter hat das sehr schön formuliert. Ich habe ihm gesagt, wenn wir mit der Software live gehen, wird uns das in zwei oder drei Jahren vollständig um die Ohren fliegen.
Seine Antwort: Wenn du in zwei Jahren noch an dieser Stelle bist, hast du in deiner Karriere große Fehler gemacht.

5/x
Die meisten Vorstände in Deutschland werden für 3 maximal 6 Jahre im Amt behalten. Das reicht nicht, um eine langfristige IT-Strategie aufzubauen. Und da diese Menschen sehr monetär getrieben sind, machen sie genau das, was von ihnen erwartet wird. Kurzfristig irgendwo einzusparen oder kurzfristig Gewinn zu machen. Das erwarten die Anleger und Investoren und das liefern sie. Danach kommt die Sintflut. Hinzu kommt, dass viele von denen keinen IT-Background haben oder irgendeine Ahnung von IT. Ich war bei einem DAX-Unternehmen, da war der CIO aus dem Fachbereich. Der hatte keine Ahnung was der Unterschied zwischen Linux, Windows, Mac oder Firefox und Chrome ist.
Der wurde nur auf diese Stelle gesetzt um einzusparen.
6/x Finale
Wenn wir irgendwas ändern wollen, müssen wir sofort handeln. Das heißt, wir müssen sehr viel Geld in die Hand nehmen und die guten Spezialisten sehr gut bezahlen. Wir müssten die Ausbildung anpassen und auch die Bonisysteme.
In einem Land, in dem vor allem gilt, Geiz ist geil, wird das nicht passieren.
Außerdem denke ich, sind wir zu zerfleddert oder dezentralisiert. Wenn ich mir anschaue, wie viel Vereine es gibt, die alle mehr oder weniger dasselbe wollen, wie viele Spezialisten und alle erwarten, dass man ihnen ein bisschen was spendet. Es müsste von all diesen eine konzertierte Aktion geben, Richtung Politik und Unternehmen. Die meisten reden und die wenigsten tun.
Das Tun liegt unter anderem aber nicht nur daran, dass es 99,9% der Bevölkerung einfach nicht interessiert.