#löwenstein #reichsbannersrg „Im gleichen Winter wurden vom Reichsbanner über tausend Versammlungen abgehalten.
Aber niemand nahm eigentlich Kenntnis davon.
Denn während über den meskinsten nationalsozialistischen Vortragsabend in der republikanischen Presse ausführlichste Berichte gebracht wurden, schwieg man
sich aus, wenn das Reichsbanner etwas unternahm.
Man war der Ansicht, diese Leute seien sowieso zuverlässig und arbeitswillig, sodass man es gar nicht nötig habe, noch viel Worte auf sie zu verschwenden.
Man übersah dabei, dass die beste Truppe nicht aus sich allein weiterbestehen kann, wenn ihr das psychologische Echo im Volke fehlt. Dieses zu schaffen wäre aber die Presse berufen gewesen, und vor allem
wäre es darum gegangen, das freiheitlich gesonnene Bürgertum auf seine Pflichten gegenüber dem Reichsbanner aufmerksam zu machen. Man nahm es aber als
Selbstverständlichkeit hin, dass die zu 95% proletarischen Mitglieder des Reichsbanners fiir den demokroatischen Staat und nicht fiir den Gedanken des Klassenkampfes eintraten, und meinte, dass dies
immer weiter der Fall sein werde. Auf diese überhebliche und anmassende Einstellung sind viele Spannungen zurūckzuführen, die in den letzten Jahren der Republik im Reichsbanner eintraten und die dieses
daran zweifeln liess, ob seine Haltung nicht in Wirklichkeit eine unfruchtbare und undankbare sei.