Oder nimmt einen Job unter seiner Qualifikation an. Oder bleibt arbeitslos, ohne staatliche Unterstützung, demoralisiert.
Das ist kein Einzelfall. Das ist die strukturelle Logik eines Systems, das Immobilität fördert, wo Mobilität nötig wäre.
Oder nimmt einen Job unter seiner Qualifikation an. Oder bleibt arbeitslos, ohne staatliche Unterstützung, demoralisiert.
Das ist kein Einzelfall. Das ist die strukturelle Logik eines Systems, das Immobilität fördert, wo Mobilität nötig wäre.
Gemeint ist die behördlich genehmigte oder zumindest ermöglichte Binnenwanderung von Transferleistungsempfängern in Ballungsräume.
Das klingt paradox? Ist es auch.
Das Ergebnis ist eine doppelte Belastung der Ballungszentren: Mehr Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt trifft auf ein Angebot, das nicht mithalten kann. Die Mieten steigen. Für alle.
Diejenigen, die einzahlen, zahlen drauf.
An dieser Stelle kommt ein Einwand, den ich oft höre: „Früher hat ein Einkommen doch auch für Haus, Auto und Familie gereicht! Die Leute stellen sich nur zu sehr an!“
Dieses Argument ist so populär wie falsch. Es ist eine Verwechslung von Nostalgie mit Analyse.
Immobilienpreise haben sich in Ballungsräumen und ihrem Speckgürtel verdrei- bis vervierfacht. Was 1990 ein Haus für 250.000 D-Mark war, kostet heute 800.000 Euro – inflationsbereinigt eine Verdoppelung der realen Belastung.
Die Abgabenlast ist explodiert.
Der Spitzensteuersatz griff erst bei wesentlich höheren Einkommen – gemessen an der allgemeinen Lohnentwicklung.
Lebenshaltungskosten sind in Bereichen gestiegen, die mit dem offiziellen Inflationsindex nur unzureichend erfasst werden. Kita-Gebühren?
Früher fast inexistent, heute in manchen Städten vierstellig monatlich. Mietnebenkosten? Explodiert. Krankenzusatzversicherungen? Notwendiger denn je, weil die gesetzliche Kasse immer weniger abdeckt.
Und dann ist da noch der Elefant im Raum: Die kalte Progression.
Kapitel 5: Die große Umverteilung – Von unten nach oben
Und jetzt, nachdem wir über die Belastung der Fachkräfte gesprochen haben, müssen wir über das große Ganze sprechen. Über die Frage, wer in diesem Land eigentlich wirklich profitiert.
Deutschland rühmt sich seines Sozialstaats. Aber die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.
In Deutschland leben etwa eine Million Millionäre – Menschen mit einem Geldvermögen von über einer Million Euro.
Darüber hinaus gibt es rund 5.000 Menschen mit dreistelligem Millionenvermögen oder Milliardenvermögen. Die 45 reichsten Deutschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.
Gleichzeitig besitzen rund 40 Prozent der Deutschen keinerlei nennenswertes Vermögen.
Oder nutzt Stiftungen. Oder Holding-Strukturen. Oder internationale Gestaltungsmöglichkeiten.
Das ist keine soziale Marktwirtschaft. Das ist ein System, das Arbeit bestraft und Vermögen belohnt.
Im Jahr 2024 sagte die CSU-Politikerin Dorothee Bär, Studierende in Deutschland seien „sehr privilegiert“ – und warnte vor einem „Vollkaskostudium“. Der Satz ist ein Lehrstück in politischer Realitätsverweigerung.
Was ist die Realität?
Wer jetzt denkt, das sei viel, möge bitte versuchen, in München, Hamburg, Freiburg oder Berlin ein Zimmer für 360 Euro warm zu finden.
Spoiler: Es ist unmöglich.
Das sind Studiengänge, die 50, 60 Stunden pro Woche fressen – wenn man sie ernsthaft betreibt.
Die Logik hinter Bärs Aussage ist zynisch: Wer reiche Eltern hat, ist privilegiert. Alle anderen sind es nicht – sollen aber bitte so tun, als wären sie es.
Oder sich nicht beschweren.
Dieselbe Logik steckt hinter der Elterngeld-Debatte. Das Elterngeld war nie als Sozialleistung gedacht, sondern als Lohnersatz und Steuerungsinstrument: Gut ausgebildete Menschen sollten Kinder bekommen.
Frauen sollten nicht jahrelang aus dem Beruf ausscheiden. Die Gesellschaft, die dringend Nachwuchs und Beitragszahler braucht, sollte Anreize setzen.
Jetzt wird diese Logik umgedreht: „Ihr verdient doch gut, warum braucht ihr Elterngeld?“ Die Frage verfehlt den Punkt.
„Ich sage das öffentlich nicht, ich habe Angst vor der Neiddebatte.“
Dieser Satz fällt immer wieder. Von Ärzten. Von Ingenieuren. Von Juristen.
@ArnoldSchiller Das ist klar, und generell finde ich deinen thread spitze - sehr schöne Zusammenfassung!
Mir geht es konkret um das Wort Neiddebatte - was löst das aus, woher kommt es, dass das anscheinend ein Diskussionskiller ist?
Ist das etwas christliches, von wegen Todsünde? I really don’t understand…
@ArnoldSchiller Auf die Leute an auch bin ich auch nicht neidisch - hätte ich gerne absolute finanzielle Sorgenfreiheit für die Familie? Klar, darauf bin ich neidisch.
Aber wie gesagt, selbst wenn ich auf Bezos&Co persönlich neidisch wäre… wir haben ein Riesenproblem in unseren Gesellschaften, dass wir lösen sollten. Völlig egal ob das irgendwelche Konservative als Neiddebatte bezeichnen. Dann führen wir halt eine Neiddebatte, wenn die Bezeichnung jemand glücklich macht…