Darüber sollten wir mehr reden. Wünsche nicht nur von @detektorfm an #fediverse und #mastodon

Wunschzettel für das Fediverse
⁃ leichteres und besseres Onboarding
⁃ leichtere und bessere Migration von Accounts zwischen Instanzen (inkl. Portabilität von Accounts)
⁃ größere Benutzerfreundlichkeit
⁃ mehr Aufmerksamkeit für das Fediverse (globale Skalierung)

#2MR

Um mal die ersten drei Punkte einzeln anzugehen (Achtung @Mastodon-Nutzer, jetzt wird's extrem lang):

Leichteres und besseres Onboarding

Wie sieht denn heutzutage das Onboarding aus:

  • man erfährt von Mastodon
  • man lädt die offizielle Mastodon-App aufs Handy
  • man ignoriert die Server-Voreinstellung mastodon.social
  • Name, Paßwort, los

Was soll denn da noch mehr vereinfacht werden? Soll in Zukunft nicht nur das Fediverse (im Sinne des Gerade-eben-nicht-nur-Mastodon-Netzwerks) vor den Nutzern verschleiert werden, sondern auch die Dezentralität von Mastodon selbst? Sollen die Leute zwei Jahre lang glauben, Mastodon (bzw. das Fediverse, wenn sie von dem Begriff lesen) sei nur eine einzelne Website oder gar nur eine einzelne Handy-App?

Übrigens, falls das jemand noch nicht mitbekommen hat: Es gibt Nutzer im Fediverse außerhalb von Mastodon, die schon lange dagegen Sturm laufen, daß jedem Neuling das Fediverse als nur Mastodon dargestellt wird, weil das einfacher zu verstehen ist. Daran wiederum stören sich all diejenigen auf Mastodon, die lieber ein reines Mastodon-Fediverse hätten, weil sie zu lange an genau so ein reines Mastodon-Fediverse gewöhnt waren (das es so übrigens nie gab).

leichtere und bessere Migration von Accounts zwischen Instanzen (inkl. Portabilität von Accounts)

Die Technologie gibt's längst. Und ich rede nicht von Bluesky, das das nie unter Beweis gestellt hat.

Ich rede von nomadischer Identität, die schon 2012, fast vier Jahre vor dem Start von Mastodon, erstmals implementiert wurde. Kein grobes Konzept, kein Laborexperiment, sondern seit mehr als einem Jahrzehnt tagtäglich produktiv genutzte Technologie.

Der Hubzilla-Kanal, von dem ich hier jetzt gerade kommentiere, ist voll nomadisch. Ich könnte ihn mit allem, aber auch wirklich allem Drum und Dran auf einen anderen Hub verschieben. Ich bin aber noch weiter gegangen: Ich habe ihn geklont. Dieser Kanal existiert gleichzeitig auf zwei unabhängigen Hubs in zwei beinahe komplett identischen Instanzen, die fast in Echtzeit synchron gehalten werden. Sogar beide Male mit derselben Identität, auch wenn der weit überwiegende Teil des Fediverse das nicht wahrnehmen kann.

Seit 2024 geht nomadische Identität auf Forte sogar rein über ActivityPub.

Was allerdings bis heute nicht gelungen ist, ist, eine typische Fediverse-Serversoftware (nur ActivityPub, nicht nomadisch, Account/Login = Identität) serverseitig voll nomadisch zu machen, also auf demselben Niveau wie auf Hubzilla oder (streams) oder Forte. @silverpill hatte das mit Mitra vor, hat aber letzten Endes lieber einen Client entwickelt, der das erledigen soll.

So wird es bis auf weiteres vier riesige Hürden auf dem Weg zu dem vollnomadischen Fediverse geben, von dem längst schon geträumt worden ist:
  • Existierende, nicht nomadische Fediverse-Software vollnomadisch zu machen, bedeutet einen gigantischen Totalumbau.
  • Das ist so noch nie gemacht worden.
  • Es ist auch bis heute noch nie gelungen, mittels nomadischer Identität über ActivityPub eine Fediverse-Identität von einer Software auf eine andere zu verschieben oder zu klonen. Auch das ist ein rein theoretisches Konzept, von dem keiner weiß, ob und wie gut es funktionieren kann.
  • Selbst wenn das ginge, wird Mastodon sich mit Händen und Füßen dagegen sträuben, eine Technologie einzuführen, die ausgerechnet der Friendica- und Hubzilla-Erfinder Mike Macgirvin erfunden hat. Überhaupt baut Mastodon nur sehr ungern Dinge ein, die sie dann nicht als revolutionär neue komplette Eigenentwicklungen verkaufen können.

größere Benutzerfreundlichkeit


Und das wiederum kann nur heißen: Die existierenden Fediverse-Serveranwendungen müssen noch mehr wie die populären kommerziellen Silos aussehen und sich auch so bedienen.

Das heißt auf die Spitze getrieben: Das ganze Fediverse muß zu einem 1:1-Klon von Twitter werden. Mastodon muß die Oberfläche von Twitter nachbauen. Die offizielle Mastodon-App muß zu einem 1:1-Klon der Twitter-App werden. Und alles, was nicht Mastodon ist, muß "aus dem Fediverse ausgesperrt" werden, weil es Mastodon-Nutzer nur verwirrt.

CC für die im Thread, deren Fediverse-Anwendungen keine Konversationen unterstützen: @Kristian @samvie @candy in the wind @💀 Mirko 💀

#Long #LongPost #CWLong #CWLongPost #LangerPost #CWLangerPost #FediMeta #FediverseMeta #CWFediMeta #CWFediverseMeta #Fediverse #NichtNurMastodon #Hubzilla #Streams #(streams) #Forte #NomadischeIdentität #Onboarding
Nomadic identity - Join the Fediverse

@jupiter_rowland (Was mir bei Posts wie diesen immer wieder ... auffällt, von wegen "sorry, Mastodon-Nutzer, der Post ist lang": Ich bin im Netz seit Mitte der 1990er und hab viele Jahre fast ausschließlich in E-Mail gelebt. Zu Zeiten von E-Mail war es Teil unverrückbarer Netiquette, dass Mails bitte text/plain zu sein haben und Zeilen maximal 72, besser 68 Zeichen lang sind, um sicherzugehen, dass die auch für Nutzer sinnvoll verwendbar sind, die mit eingeschränkter Hardware, ... unterwegs sind. Das war eigentlich gut so und irgendwie akzeptiert.

Im Fediverse ist das komplett anders: Da nutzt einfach jeder, was /seine/ Software hergibt. Wenn's irgendjemand anders nicht kann - selber schuld, sollen sie halt andere Software nutzen. Und ich bin unsicher, inwieweit diese Änderung der Herangehensweise Bände spricht über die Änderung der Kultur hier online.

Und zu dem Threading: Nicht jede förderierte Instanz und Software kann das. Muss auch nicht, weil das kein Standard ist, und weil es zwei komplett verschiedene Philosophien sind, wie man Empfänger adressiert - genau so wie eine E-Mail und ein Post in einem Web-Forum verschieden funktionieren. Hier etwa auch: Wer waren die Lesenden des Original-Threads - vs /will/ ich in einer Antwort all diese erreichen? Die Accounts, die Du zitiert hast, sind nur ein Bruchteil derer, die hier ursprünglich in der Kommunikation hingen. Und ich weiß nicht, ob Du welche weggelassen hast, weil Threading, oder weil Du die explizit nicht erwähnen wolltest. Das hat nix damit zu tun, dass die eine Plattform den einen Weg nicht unterstützt. Das hat nur damit zu tun, dass sich im gegenwärtigen AP-Fediverse faktisch niemand wirklich systematisch für solche Details in all ihren Auswirkungen interessiert.)

@silverpill

@Kristian Im Fediverse ist das komplett anders: Da nutzt einfach jeder, was /seine/ Software hergibt.
Für die Mehrzahl der Mastodon-Nutzer ist das Fediverse aber konzipiert worden als reine puristische Microblogging-Plattform. Für viele ist das Fediverse gleich Mastodon. Viele andere hätten es gern "wieder" so, daß das Fediverse nur Mastodon ist.

Poste mehr als 500 Zeichen auf einmal, wenn du einigermaßen Reichweite hast, und irgendjemand auf Mastodon wird dich stummschalten oder blockieren, weil du mehr als 500 Zeichen postest.

Deswegen habe ich in englischsprachigen Posts und Kommentaren vier Hashtags genau dafür zum Filtern und in deutschsprachigen sechs.

/will/ ich in einer Antwort all diese erreichen?
Ja. Weil es kacke ist, wenn man wie auf Mastodon nötig jedem einzeln antworten muß.

Wenn Alice etwas postet, und Bob, Carol und Dave antworten auf Alice, und ich habe einen Kommentar, der sich auf alle vier bezieht, dann möchte ich, daß auch bitteschön alle vier meinen Kommentar zu lesen bekommen. Auf Friendica, Hubzilla & Co. ist das selbstverständlich. Wenn die aber alle auf Mastodon sind, dann muß ich da nachhelfen. Ich habe nämlich auch keinen Bock, Bob zu antworten, dann Carol zu antworten, dann Dave zu antworten, und die arme Alice kriegt dann gleich drei Kommentare von mir.

Die Accounts, die Du zitiert hast, sind nur ein Bruchteil derer, die hier ursprünglich in der Kommunikation hingen. Und ich weiß nicht, ob Du welche weggelassen hast, weil Threading, oder weil Du die explizit nicht erwähnen wolltest.
Das sind ganz einfach die, von denen ich die Kommentare hier auf Hubzilla in der Konversation jetzt gerade gesehen habe. Ich ging davon aus, daß das wirklich alle waren.

#Long #LongPost #CWLong #CWLongPost #LangerPost #CWLangerPost #FediMeta #FediverseMeta #CWFediMeta #CWFediverseMeta
Netzgemeinde/Hubzilla

@jupiter_rowland Ich hab auf Hubzilla auch gelegentlich erlebt, dass dieses Wechseln zwischen Mastodon-Mentions und Thread-Kontext ... holpert, deswegen war ich lange hauptsächlich bei Friendica. Ansonsten aber: Mastodon tut dort doch nur genau das, was alle anderen Plattformen tun - es nutzt die Freiräume eines (pardon für die harte Formulierung) schlampig gestrickten Protokolls, tut dort drin, was man selbst tun will, und zieht Nutzer dorthin. Das macht jede andere Plattform auch, mir fällt für fast jede Plattform irgendein Feature ein, dass nur genau dort und nirgend anders funktioniert (siehe etwa Pixelfed-Stories, nomadische Hubzilla-Identität, die für ActivityPub-Nutzer auf anderen Systemen verwirrend sein kann, Misskey-Flavoured-Markdown, oder Umfragen, die in Friendica immer noch nur angezeigt, aber nicht beantwortet werden können). Es ist quasi eine Umgebung, in der jeder Entwickler und jedes Projekt relativ locker tut, was es will, man dann das Label "Fediverse" draufpappt und hofft, dass sich über dieses Label die Dinge schon irgendwie finden werden. Im Endeffekt haben wir genau dasselbe, was wir Anfang des Jahrtausends mit dem Web hatten. Wenn wir das, was Mastodon gerade tut, nicht wollen, dann sollten wir darauf hinwirken, dass das Fediverse tatsächlich dort hin kommt, wo es zu sein verspricht - an den Punkt, an dem es relativ egal ist, mit welcher Software man daran teilnimmt. Das nimmt aber sofort den Projekten auch eine ganze Menge Freiraum für Alleinstellungsfeatures, und dort würde sich schnell zeigen, inwieweit diese Kompatibilität wirklich gewünscht oder nur Lippenbekenntnis ohne wirkliche Konsequenzen ist.