RE: https://mastodon.social/@AwetTesfaiesus/116404489679953976

Teilt doch mal, was ihr denkt, was dieser Definition fehlt, wenn ihr mögt. Danke an @Ostfriesin

Also mich interessiert dabei ja z.B. folgendes:

Reicht immer "Gewährleistungsverantwortung" oder braucht es manchmal "Erfüllungsverantwortung" (und wann)?

Wie ist es eigentlich mit (sozialen) Milieus? Bewahren? Öffnen? Beides?

Ergibt sich daraus keinen Anspruch auf Bildung?

Gibt es einen Auftrag zur Sozialen Kohäsion? Sozusagen die Gesellschaft zusammen zu halten?

@AwetTesfaiesus Ein Sozialstaat garantiert dem Einzelnen ein Würdeminimum (nicht Existenzminimum). Das soll dafür sorgen, dass neben würdelosen oder sich selbst oder andere entwürdigenden Handlungsoptionen stets menschenwürdige Optionen zur Verfügung stehen.
Communities (Milieus o.ä.) dürfen das Würdeminimum nicht beschränken, daher müssen sie stets würdige Exitoptionen bieten. Das unterscheidet sie von traditionalen Gemeinschaften.
Daher: Ja, Anspruch auf Bildung auch gegen Willen der Eltern.
@AwetTesfaiesus Eine Gesellschaft auf Basis von Menschenwürde und Menschenrechten zersetzt notwendigerweise das Funktionieren traditionaler Gemeinschaften, weil sie vom Individuum ausgehen muss.
Soziale Kohäsion basiert dann auf anderen als den traditionellen Faktoren der wechselseitigen Abhängigkeit, nämlich auf gleicher wechselseitiger Unabhängigkeit.

@Kraemer_HB siehst du da nicht einen Konflikt mit der Würdegarantie? Vielleicht mit einer Kollektiven Würde?

Ich sage mal ein Beispiel: Arbeiterstolz

Ich könnte auch andere kollektive Würden nennen: Menstruationshygiene; Schweinefleisch; Schwarzes Haar

Konkret etwa: Haben Menschen mit krausen Haaren Anspruch darauf, Zugang zu Haarpflegeprodukten (zB spezielle Spülungen) zu haben?

Oder vegane Menschen Anspruch auf vegane Nahrung (oder nur auf vegetarische?)

Das sind anspruchsvolle Fragen

@AwetTesfaiesus Ich denke, Communities sind keine Subjekte, die selbst eine Würde haben. Wenn es zur Würde eines Individuums gehört, Teil einer Community zu sein (zB Arbeiter, relig. Gemeinschaft, Beruf), dann ist Voraussetzung für die Akzeptanz dieser Community durch den Staat, dass jedes Individuum jederzeit aus der Community aussteigen kann.

Kommunitarismus führt dagegen mE in Widersprüche, die die Menschenwürde untergraben.

Zu Deinen Beispielen: Ein Problem scheinen solche Themen v.a., ...

@AwetTesfaiesus
... wenn der Staat als Gleichmacher wirkt: Etwa Strafgefangene oder Wehrdienstleistende - muss der Staat ihnen Veganes, oder Schweinefleisch (oder Schweinefleischloses) oder spezielle Haarpflege oder Menstruationshygiene bereitstellen? Ist es entwürdigend, wenn alle dasselbe bekommen?
Das Problem liegt aber schon im Zwangscharakter solcher Maßnahmen an sich.
In der Praxis wird oft versucht, das Entwürdigungspotential zu mindern, aber wie vollkommen kann das im Knast schon gehen?

@Kraemer_HB @AwetTesfaiesus

Kann oder wie kann der Staat die Rolle eines "Gleichmachers" erfüllen, wenn sich in unserer Gesellschaft Individualität immer stärker ausdifferenziert?
Muss das Individuum immer vom absoluten Anspruch ausgehen oder gibt es Verhandlungsspielräume?
Ich glaube nicht, dass "alles" durchgeplant werden kann, aber ohne Vorgaben des Staates gibt es auch keine flächendeckenden Veränderungen oder Umdenken Bsp Barrierefreiheit.

@Ostfriesin @AwetTesfaiesus Mit Gleichmacher meine ich hier ja nicht die nötige Gleichheit der Bürger nach Rechten und Chancen, sondern per se entwürdigende Zwangsmaßnahmen wie für Strafgefangene oder Wehrdienstleistende. Wie die als ultima ratio womöglich rechtfertigbar sein könnten, ist nochmal ein anderes Problem.