Gestern hat Hape Kerkeling bei der Gedenkveranstaltung in Buchenwald gesprochen. Seine Rede beginnt ab Minute 53:40. Es wurde daraus schon einiges zitiert. Aber ich würde gerne nochmal ein paar Dinge hervorheben, die mir persönlich als Enkelin eines von den Nazis ermordeten Opas wichtig sind.

1/2

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/weimar/video-buchenwald-befreiung-kerkeling-gedenken-100.html

Hape Kerkeling als Hauptredner: Die Gedenkveranstaltung in Buchenwald hier anschauen | MDR.DE

Mit Aufrufen zur Verteidigung von Demokratie und Menschenwürde ist zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald an die Opfer erinnert worden. Hauptredner war der Entertainer Hape Kerkeling.

Hape Kerkeling: "Mein Großvater musste hier in der Effektenkammer seine Zwangsarbeit verrichten. Im Maschinenraum der Entmenschlichung. Er musste den Raub an seinen Mitmenschen verwalten. Uhr, Ehering, Brille, Brosche, Gebiss.

Alles wurde registriert als handle es sich um bloße Lagerware.

Und hier liegt eine der bittersten historischen Lehren: Die Barbarei beginnt nicht mit dem ersten Schuss. Sie beginnt dort, wo Menschen nur noch Nummern in einer Statistik sind.

2/3

Wo das Mitgefühl der Buchhaltung weicht und das Gewissen der sinnentleerten Gehorsamspflicht."

In diesen Sätzen steckt noch eine weitere Grausamkeit. Nämlich die, auch die Opfer des NS-Regimes zu Werkzeugen der Täter zu machen. Auch das ist Gewalt. Auch das trägt bei vielen Überlebenden zum Schweigen bei. Denn wie soll man das erklären? Welche Worte gibt es dafür?

3/4

Auch in diesen Worten von Hape Kerkeling liegt eine - wie ich finde - eindrückliche Warnung: "Wer die Erinnerung der Opfer als Belastung empfindet vergisst, dass diese Erinnerung das Einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt.

Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen. Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie."

4/5

Dazu gehört aber auch: Es darf keine politische Instrumentalisierung dieser Erinnerung geben.

Wir brauchen eine freie, plurale, vielfältige Erinnerungskultur, die vor allem die Opfer und ihre Angehörigen ins Zentrum stellt - und nicht die Betroffenheit der Nachfahr*innen von Tätern. Es geht darum, sich vor dem Hintergrund dieser Vergangenheit die Gegenwart anzuschauen.

5/6

Kritik und Widerspruch wertzuschätzen und nicht politisch zu reglementieren, indem eine Pseudoneutralität gefordert und zur Drohkulisse aufgebaut wird. Das ist einer der Gründe, warum Wolfram Weimer ausgebuht wurde. Weil er für genau das nicht steht.

Erinnern ist politisch. Immer.

Die Frage ist nur, für welche Politik diese Erinnerung steht. Vor dem Hintergrund der tödlichen NS-Ideologie und der diversen Opfergruppen, kann es nur darum gehen, jedweder Diskriminierung entgegenzutreten.

6/7

Und zu fragen: Wie ist ein vielfältiges Zusammenleben in Freiheit für alle möglich?

7/7