merz ist der denkbar schlechteste bundeskanzler, der uns in dieser lage hätte passieren können. er ist das paradebeispiel des im 20. jahrhundert hängengebliebenen konservativen, der seine vorstellung von wirklichkeit gegen jede realität durchprügelt. er ist strukturell zu nichts anderem fähig.

aber vermenschlichen wir merz einmal und gestehen zu, dass es allgemein und für uns alle schwierig ist, von einer liebgewonnen wirklichkeit loszulassen. dafür braucht es nicht nur aufmerksamkeit und offenheitheit, sondern auch bereitschaft für schmerz.

merz ist emotional *investiert* ins transatlantische bündnis und er (und die meisten anderen auch und zu einem teil auch wir selbst) können nicht einfach loslassen.

mir scheint, dass sich transformationsforschung zu wenig mit schmerz befasst.

ich glaube wirklich, dass das problem tiefer geht und merz nur eine besonders netzwerkzentrale ausprägung dieser kollektiven krankheit ist.

denn den selben mechanismus sehen wir beim fossilismus, dem macho-maskulinismus, dem patriarchat, der white suremacy, der vorstellung von ewigem wachstum und der idee der "autonomie des individuums".

und deswegen erheben sich all diese wegschwimmenden wirklichkeiten nochmal zu einer einzigen faschistischen realität.

ich denke, wenn die analyse "verdrängungsgesellschaft" gültigkeit hat, dann brauchen wir eine materialistische und d.h. nicht kognitivistische/psychologische theorie der verdrängung.

eine theorie, die nicht von der prämisse ausgeht, dass wir individuen sind, sondern versteht, dass wir pfade sind. dass wir alle an einem ort sind und von einem ort kommen und dass unser "handeln" und "denken" daher pfadabhängig von unseren infrastrukturen funktioniert.

@mspro "Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist." -- Ferdinand Lassalle