1/x Hier beginnt ein neuer Thread. Er eröffnet den Kanal #WerkabenteuerArcheo und zeigt das archäotechnische Experiment Birkenpech-Herstellung.

Altstatt: Hier zu sehen ein eimerförmiges, längs teilbares Stampflehmgefäss aus Eichenholz und ein gestampfter Lehmtopf.

#Archäotechnik #ExperimentelleArchäologie #Lehm #WerkabenteuerLehm

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Die zwei Töpfe und das Sieb sind fertig. Der große Topf wird mit Rinde gefüllt verkehrt herum auf das Sieb gestellt. Beides kommt dann auf den kleinen Topf. Der große Topf wird von außen erhitzt, das Schwelgas im Inneren breitet sich aus, dringt durch die Löcher und kondensiert im unteren, kalten Topf zu flüssigem Birkenteer. So der Plan.

#Birkenpech #Birkenteer #Birke #Steinzeit #Archäologie #Museum #ExperimentelleArchäologie #Archäotechnik #WerkabenteuerLehm #WerkabenteuerArcheo

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Das Zwischen-Experiment mit zwei Blechbüchsen war zwar erfolgreich, aber nicht so ergiebig wie erhofft.

Bild 1: Eine mit Birkenrinde gefüllte Blechbüchse und eine ebenso große leere Blechdose. Bild 2: Die leere Büchse wird in die Erde eingegraben, die mit Rinde gefüllte Dose verkehrt herum darauf gestellt und die Verbindungsstelle (Bild 3) mit Lehm abgedichtet. Bild 4: Die Glut des Feuers wird dicht um die oben stehende Büchse gepackt. Die Idee: die Hitze verschwelt die Rinde im Inneren der oberen Dose, das austretende Gas kondensiert in der unteren Büchse zu Teer.

#WerkabenteuerArcheo

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Hier ist das Ergebnis zu sehen. Bild 1 zeigt beide Töpfe. Im Rindentopf sieht man die verschwelte Rinde, zum Teil noch als Rinde erkennbar. Im Teertopf ist das kondensierte Birkenpech zu sehen; der Boden ist damit bedeckt. Bild 2 zeigt die verkohlten Rindenreste aus der oberen Dose. Im Bild 3 wird gezeigt, wie das Teer in der Blechdose über einer offenen Flamme eines Holzgaskochers eingekocht wird, um die wässrigen Kondensate zu entfernen und das Pech einzudicken.

#WerkabenteuerArcheo

So unergiebig ist das Ergebnis gar nicht. Immerhin ein kleines Glas voll. Die Konsistenz ist etwa mit flüssigem Honig vergleichbar. Edit: Text geändert in "Der Geruch ist streng teerig und erinnert sehr intensiv an Straßenbau, Dachpappe oder einen Aschenbecher voller Kippen."

#WerkabenteuerArcheo

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Never ending story. Ich habe den (oder das?) Teer nun mehrmals eingekocht. Er wurde beim jeweiligen Abkühlen immer zäher. Das Ziel ist, eine richtig feste Masse zu kriegen, das ist dann das eigentliche Pech. Funktioniert wie Heißkleber, man muss es wieder erwärmen, und dann klebt es beim Erkalten fest. Der heutigen Teersuppe habe ich zerbröselte Rindenschlacke beigemischt, angeblich wird das Pech dann härter. Das sehen wir morgen.

#WerkabenteuerArcheo #Museum

Über Nacht ausgekühlt, zeigt sich das Pech in einem seeehr zähen Zustand, so dass man den Holzlöffel gerade noch herausziehen kann. Das ist aber noch nicht fest genug! Also wieder einkochen, zum vierten mal.
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Leider ist mir das Pech heute verbrannt. Die Hitze war zu groß. Man sollte es nur vorsichtig erwärmen. Wieder was gelernt.

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Zum zweiten Steinzeit-Erlebnistag in Nickern haben wir heute Birkenpech N°2 hergestellt. Versuchsanordnung: Oben auf der Feuerschale über dem Wasserablaufsloch ein Blumentopf voller Rinde, unten drunter eine Blechbüchse so eingepasst, dass die Feuerschale dicht auf der Dose aufliegt.

#WerkabenteuerArcheo

Dieses Verfahren ist nicht effektiv. Verluste waren sowohl in der Feuerschale als auch darunter zu verzeichnen. Das Teer lief zum Teil nicht ab, sondern verteilte sich um den Blumentopf herum oder lief am unteren Rand der Schale entlang über die Dose hinweg. Die Ausbeute ist entsprechend gering und hat sich nicht gelohnt. Bitte nicht nachmachen.
@werkabenteuer das ist dann Pech gehabt in der Vergangenheitsform. Spannendes Experiment.
@OchmennoPodcast
Ja, wirklich Pech gehabt :) Aus Fehlern kann man ja nur lernen.
@werkabenteuer Sehr spannend. Ich finde Birkenrinde super faszinierend und habe mit selbst geschältem Birken-Leder auch schon Kram repariert und gebastelt, aber Birkenpech war mir immer zu aufwändig. Cool, es hier in mehreren Schritten zu sehen und vor allem bei der Entwicklung dabei zu sein. Nicht so ein: hier, fertig, so einfach :)
@jonitoni
Nee, das (b)raucht so seine Zeit... Ein cooles Ding, was ich mal gesehen habe, war ein jungsteinzeitlicher Keramiktopf, der zerbrochen war und mit Birkenrinde und -pech repariert wurde.
@werkabenteuer @jonitoni nicht verschwenden, wiederverwenden!
Schon in der Jungsteinzeit ein bewährtes Prinzip
@Bot_Anix
Ja, ein gutes Prinzip, vermutlich ist es noch viel älter als die Jungsteinzeit.
@jonitoni
@werkabenteuer @jonitoni da bin ich absolut sicher. Erst in unserer Wegwerfgesellschaft kam es aus der Mode
@jonitoni
Wenn du magst, zeig' mal was von deinen Birkenrindenbasteleien! Bin da neugierig! Unter Kollegen sozusagen. Kennst du die Rindenkanus?

@werkabenteuer Ich habe es als Papierersatz verwendet, um einen abfallenden Buchrücken zu reparieren. Und dann einen Schuber gebastelt und passend gestaltet.
Sonst benutze ich das Zeug für Dekorationen auf Karten u. Ä. Wenn es dünn genug ist, komme ich sogar mit meinem Laser durch und kann es so präzise schneiden.

Ich habe schonmal was von den Rindenkanus gelesen, aber ohne die Nachfrage hab ich es nicht mehr auf dem Schirm gehabt.

@jonitoni
Das veredelt die Bibel mehr als jeder Goldschnitt.
@werkabenteuer
@jonitoni
Mit welchem Kleber hast du die Rinde eigentlich verleimt?
@werkabenteuer Puh, gute Frage. Das ist schon ein Weilchen her. Ich glaube ich habe mir Buchbinderleim von einem Freund dafür gemopst.
@jonitoni @werkabenteuer
Und das hält und bricht nicht an den Biegestellen?
@artem @werkabenteuer Bisher sehr gut. In die andere Richtung (also quasi einen Streifen der "Maserung" nehmen und den als Falz nehmen) falten hält nicht so gut. Diese braunen verholzungstellen sind immer kritisch.
@jonitoni @werkabenteuer Danke für die Rückmeldung. Die Idee ist echt super!
@werkabenteuer das rostige Reibeisen im ALT-Text verwundert mich. Aus welcher Region kommst du?
Ich würde es Stößel nennen.
@Bot_Anix
Dresden. Stößel ist gut. Hätte ich auch so genannt - wenn es mir nur eingefallen wäre. Ein Reibeisen ist was anderes, oder? Vermutlich so ein Blechgerät zum Käsereiben?
@werkabenteuer ja, ne Reibe, Feile, sowas.
Aber nicht für Käse – eher für Hufhorn, Holz, grobes Material.
Die Käsereibe folgt demselben Prinzip, hat aber Löcher, sodass das Geriebene nach unten fällt. Metallwerker haben dafür sicher noch einen eigenen Begriff.