¡Hola! Ich hab lange überlegt, ob ich das Thema Honorarkürzungen Psychotherapie hier aufgreife. Hochpolitisch, emotional, berufspolitisch aufgeladen. Aber: Es betrifft Gesellschaft, Psychotherapeut*innen, Patient*innen – und es gibt klare wissenschaftliche Brücken. Versuchen wir es. 🧵
1/12: Seit dem 1. April 2026 werden Psychotherapeut*innen in der ambulanten Versorgung 4,5% schlechter bezahlt. Mitten in einer Zeit, die viele Akteur*innen als Versorgungskrise bezeichnen. Was dahinter steckt – und warum das alle angeht?
2/12: Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11.3. beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5% zu senken. Der GKV-Spitzenverband hatte sogar 10% gefordert. Die KBV hat dagegen gestimmt – erfolglos.
3/12: Zur Einordnung: Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz liegt bei ca. 5 Monaten (Stadt-Land-Unterscheide noch nicht differenziert). Laut BPtK-Daten warten Patient*innen im Schnitt 142 Tage vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn. Und jetzt: Kürzungen.
4/12: Gesundheitsökonomisch ist ambulante Psychotherapie hocheffizient: Pro investiertem Euro entsteht ein gesellschaftlicher Nutzen von ca. 2-4€ – durch weniger AU-Tage, weniger Frühverrentung, weniger stationäre Behandlungen.
6/12: Die Einsparung durch die Kürzung beträgt ca. 0,05% der GKV-Gesamtkosten. Ambulante Psychotherapie macht 0,7% der GKV-Ausgaben aus.
7/12: Übrigens: Psychotherapie ist ein stark frauendominierter Beruf. Die Honorarkürzung verschärft damit auch den Gender Pay Gap im Gesundheitswesen. Psychotherapeut*innen verdienen bereits jetzt am wenigsten unter akademischen Heilberufen (insb. Medizin).
8/12: Und dann die Weiterbildung: Die Finanzierung der neuen psychotherapeutischen Weiterbildung ist ohnehin ungesichert. Weitere Kürzungen gefährden u.U. die Schaffung neuer Weiterbildungsplätze – und damit die Versorgung der Zukunft. Prognostisch noch größerer PT-Mangel <2032.
@psyfako.bsky.social9/12: Aktuelle Meta-Analyse: Psychotherapie ist wirksam bei allen untersuchten Störungsbildern. Leitlinien empfehlen sie als Erstlinienbehandlung. Die Evidenz ist nicht uneindeutig.
onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10....9/12: Die Kürzung ist kein isoliertes Ereignis. Sie steht in einer Logik, die psychische Gesundheit systematisch unterfinanziert – trotz steigender Krankheitslast, trotz Evidenz, trotz ökonomischer Vernunft. Das ist politisch, nicht fachlich.