Emil Carlebach – Widerstand und Verantwortung

Emil Carlebach wurde am 10. Juli 1914 in Frankfurt am Main geboren. Bereits 1931 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei und wurde früh politisiert.

In den folgenden Jahren engagierte er sich in der Arbeiterjugend und im antifaschistischen Widerstand – und gehörte damit zu denen, die die Gefahr des Nationalsozialismus früh erkannten und ihr aktiv entgegentraten.

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten setzte er seine Arbeit fort. 1934 wurde er verhaftet. Es folgten elf Jahre Gefängnis und Konzentrationslager, darunter Dachau und Buchenwald. Auch dort blieb er Teil des organisierten Widerstands und beteiligte sich 1945 an der Selbstbefreiung des Lagers.

Dieses Selbstverständnis brachte er später bewusst auf den Punkt und wandte sich gegen eine entpolitisierende Erinnerungskultur:

„Ich bin kein Zeitzeuge. Das ist ein Wort, das erfunden wurde. […] Ein Zeuge ist jemand, der zugeguckt hat. Ich habe nicht zugeguckt, ich war beteiligt.“

Und ebenso:

„Ich bin kein Opfer. Ich war ein bewusster junger kommunistischer Widerstandskämpfer und habe mich nie als Opfer betrachtet.“

Für Emil Carlebach war damit klar: Es geht nicht um bloßes Erinnern, sondern um das Begreifen von Geschichte als Ergebnis von Handeln – von Widerstand wie von Verbrechen – und um die Verantwortung, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Nach 1945 blieb er dieser Haltung treu. Er war Mitbegründer der VVN-BdA und prägte ihre Arbeit über Jahrzehnte. Für ihn war die VVN-BdA der Ort, an dem die Erfahrungen von Verfolgung und Widerstand in politische Verantwortung übersetzt werden.

Sein Leben steht für aktiven Widerstand, Solidarität – und die Verpflichtung, aus der Geschichte Konsequenzen zu ziehen.