Bei mir gibt es aktuell wieder Frust mit Elektromobilität. Oder eher mit der Qualität des Herstellers meines Autos (Tesla Model S von September 2015, was ich inzwischen seit 7 Jahren fahre).

Vor zwei Jahren war das Fahrzeug für 8 Monate in der Werkstatt, weil es einen Batterieschaden gab https://chaos.social/@pylon/111771630363245937

Seit Dienstag steht das Fahrzeug wieder mit Batterieschaden in der Werkstatt.

Dieses Mal klemmte ich den Wagen in der Nacht vor der Abfahrt vom EasterHegg an eine 22kW Ladesäule. Nach einer Stunde brach der Ladevorgang ab – sowas passiert schon mal, wenn ein Hamster auf der Leitung tanzt. Da ich nicht mehr raus wollte, nahm ich mir vor, vor dem Frühstück den Ladevorgang neu zu starten.

Morgens zog ich das Ladekabel ab, um es neu am Fahrzeug reinzustecken. Aber der Ladezugang wurde vom Fahrzeug blockiert.

Habe dann mal die Tür geöffnet, um auf dem Display nach Fehlermeldungen zu schauen. Da tauchte eine Meldung auf, die ich vom letzten Mal beim Batterieschaden schon kannte: "Leistung reduziert, eventuell bei der nächsten Fahrt wieder verfügbar".

Und dann ging das Display des Bordcomputers aus. Aber nicht wieder an. Jedoch konnte ich die Türen schließen oder die Fenster verstellen. Ich vermutete, zu wenig Spannung, aber ich hatte vor Abfahrt vergessen ein Voltmeter einzupacken.

Habe für den Nachmittag einen Helfer vom ADAC kommen lassen, der zumindest mal die 12V-Batterie messen kann. Die hatte nur noch 9V. Mit einer Zusatzbatterie fuhr der Bordcomputer hoch und ich konnte die Fehlermeldung im Display und im Service-Mode betrachten.

Die Bilder vom Service-Mode lasse ich mal weg, da ich dort zu viel schwärzen müsste. Aber es ist eine Historie erkennbar, was passiert ist.

Der Ladevorgang wurde vor 50% Füllstand abgebrochen, da ein Fehler erkannt wurde. Es existiert eine Imbalance zwischen den Bricks. In dem bei meinem Auto verbauten Akku sind 7104 einzelne 18650-Zellen (ja, solche Zellen, die man überall findet und nichts spezielles) zu 16 Bricks verbaut.

Die 12V-Batterie war leer, weil sie nicht mehr vom großen Akku geladen wurde. Wäre sie voll, wäre das Auto sogar noch fahrtüchtig, aber halt in der Leistung eingeschränkt.

Da am Montag ein Feiertag war, konnte ich da eh nicht mehr machen. Also habe ich eine Nacht verlängert und mir abends noch die Stadt angeschaut.

Für Dienstag hatte ich mir folgenden Plan ausgelegt:
1. In einer auf Tesla-Batteriereparatur ausgelegten Fachwerkstatt am Nürburgring (70 km von Koblenz) anrufen, ob sie sich dem Problem annehmen können.
2. Den ADAC davon überzeugen, das Auto in die Fachwerkstatt zu schleppen anstatt zu Tesla, die nur den gesamten Akku wechseln würden.

3. Einen Leihwagen organisieren, um mein Material und mich wieder nach Hause zu bringen.

Was mich heute sehr erstaunt: der Plan ging auf. Es brauchte einige Telefonate und manche Abläufe können erst gestartet werden, wenn bestimmte Bestätigungen vorliegen.

Den Leihwagen gab es beispielsweise erst auf halber Strecke zur Werkstatt, wo mich der freundliche Fahrer des Abschleppfahrzeugs raus gelassen hatte. So konnte ich direkt zur Werkstatt fahren.

Aber das Aufladen auf den Abschlepper war noch ein Problem.

Das Automatikgetriebe des Teslas muss in einen Schleppmodus geschaltet werden. Das geht natürlich nur über das Display. Außerdem musste ich die Front abnehmen, um die Abschleppöse zu montieren.

Das Display konnten wir mit dem Trick vom Vortag starten. Dadurch ließ sich der Schleppmodus aktivieren und das Auto rollte. Aber ohne Servolenkung ist der echt schwer zu bewegen. Nach ein paar Minuten war er jedoch auf dem Schlepper.

An der Werkstatt kümmerte sich direkt ein Mitarbeiter um mich. Das war echt super. Aber wir mussten zum Aktivieren des Displays das gesamte Fahrzeug resetten, also das Schütz zum Hochvolt-Akku abschalten. Erst dann konnte mit einem Ladegerät der Bordcomputer hochgefahren und das Auto von der Laderampe runter gefahren werden.

Der Mitarbeiter las sofort den Fehlerspeicher aus und quittierte die Fehler. Jetzt kann das Auto wieder selbstständig bewegt werden.

Die genaue Ursache und Reparaturmöglichkeiten werde ich wohl erst in ein paar Tagen erfahren. Aus der Erfahrung heißt es, dass es Feuchtigkeit, ein defekter Laderegler oder auch nur ein gammeliges Kabel in einer der Bricks sein kann.

Und das nach nur 2 Jahren und 25.000 km nach dem Einbau des Refurbished Akkus.

Da will man mal was Gutes für die Umwelt tun und einen wiederaufbereiteten Akku nehmen und dann gammelt der auch so schnell weg. Scheint auch kein Einzelfall zu sein.

An der Werkstatt konnte ich dann mein Gepäck in den Mietwagen umräumen und mich auf den Heimweg machen. Es war noch eine schöne Tour durch die Eifel bei bestem Wetter (ich muss da echt mal wieder Urlaub machen).

Spät am Abend kam ich daheim an. Und glücklicherweise kann ich den Mietwagen noch einen Tag länger behalten.

Denn es ist wieder die Zeit, wo ich mein Boot fertig mache und auf ein Auto für den Transport angewiesen bin.

Das habe ich dann heute alles gemacht. Also Außenbordmotor, Batterien, 6 Segel und alles mögliche Werkzeug in den Mietwagen rein und nach der Arbeit zum Hafen gefahren. Dort alles alleine auf das Schiff gebracht. Das Fitnessstudio kann ich mir jetzt sparen.

Jetzt kann ich den Mietwagen morgen zurückgeben und werde die nächsten Tage mit der S-Bahn und Tram oder dem Fahrrad zum Hafen fahren. Das kenne ich ja schon von vor zwei Jahren.

Den Tesla werde ich voraussichtlich reparieren. Aber mir wird der zu unzuverlässig. Im Job bin ich ab und an auf ein Auto angewiesen, da ich nicht alles mit dem Zug erledigen kann.

Mir wurde bereits zu Beginn meiner Tätigkeit in der aktuellen Firma ein Dienstwagen angeboten, aber da gab es nur Verbrenner. Inzwischen sind mehrere Elektrofahrzeuge zur Auswahl. Voraussichtlich werde ich von Privilegien gebrauch machen und auf einen Neuwagen wechseln.

Bei den aktuellen Spritpreisen (mir tat der Tankstopp mit dem Mietwagen gestern etwas weh) wird selbst der alte Tesla dank lebenslangem kostenlosen Supercharging und anderen Mods vermutlich noch einen Abnehmer finden. Und nach der Reparatur wird der bestimmt wieder gut laufen. Aber wie bei jedem Auto, das über 10 Jahre alt ist, es kann immer ein unerwarteter Defekt – und sei es nur mechanisch – auftreten.
@pylon Ich drücke dir die Daumen.