#servicetrot Für Euch probiert: wie geht ein Glasregalboden aus Sicherheitsglas kaputt? Nach ca. 15 Jahren ist unser Regal explodiert. Ich hörte einen Knall am Nachmittag, konnte aber keine Ursache finden. Bis jetzt, als ich mir einen Tee kochen wollte.

Wie kommt es zu so einem Ereignis? Ich habe mir als Informatiker meinen Dr.-Ing. nur erschlichen und bin sowohl beeindruckt als auch ratlos. Weiß jemand, wie dazu kommen kann? Der Glasboden ist pulverisiert. Küche ist geheizt.#folllowerpower

Pulverisiert meine ich wörtlich.
Ps: zum Versuchsaufbau: die Belastung des Glasbodens hat sich nicht erhöht.
@david Vielleicht die aktuelle Gesamtsituation?
@jthomi ich wollte einfach nur ein Regal und keine KI 😉
@david Auch ein „profanes“ Regal leidet doch unter dem Druck, dem Weight of the World, tut es nicht? Verständlich da doch einfach aufzugeben.
@david Vor vielen Jahren hatte ich mal einen gebrauchten, ehemaligen Unfallwagen gekauft. Später stellte sich heraus, dass die Windchutzscheibe nicht fachmännisch eingebaut worden war (Spannungen). Als ich dann - wie schon oft zuvor - mit 130 km/h auf der Autobahn fuhr, explodierte die Scheibe ohne erkennbaren Anlass.
Im Fahrzeuginnenraum sahen die Splitter genauso aus wie auf Deinen Fotos.
@david Hab' meinen Dr.-Ing. auf gleichem Weg erschlichen, aber dass das in so viele Teile zerspringt, ist meines Wissens eine absichtliche Eigenschaft von Sicherheitsglas, damit keine Scherben bleiben, mit denen man sich größere Verletzungen zufügen könnte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Einscheiben-Sicherheitsglas
Einscheiben-Sicherheitsglas – Wikipedia

@HeptaSean ja, das mit dem Glaskrümeln kann ich mir noch erklären und ich freue mich, dass die Reinigung leicht ist sowie ich morgen nicht zwei Töchter mit zerschnittenen Füßen habe. Aber was löst eine spontane Pulverisierung aus? Das ist ja quasi das Vibe-Coding-Äquivalent zu irgendwas in Physik.
Immerhin. Der Aufkleber hat überlebt. Das gibt Hoffnung.
@david zu schwer beladen. Hatten wir auch in der Küche, nur mit dem ganzen Schrank (runter von Wand auf den Boden, samt Inhalt). Urplötzlich nach Jahren der Überbelastung. Gab einen Riesenknall und fast das gesamte Geschirr war kaputt. Die Bretter sind dann natürlich auch nur noch Sperrmüll.
@david Sicherheitsglas bedeutet nicht, dass es nicht kaputt geht, sofern das die Splitter in relativ stumpfe Krümel zerfallen an denen man sich nicht in eine Blutbewässerungsanlage verwandelt. Also hat alles funktioniert wie vorgesehen
@david ich erinnere mich dunkel, dass das Glas eine innere Spannung hat, damit das so funktioniert. Vielleicht hat das was mit dem Effekt zu tun?
@david ESG (EinscheibenSicherheitsGlas) wird bei der Produktion (ich glaube heiß) unter Spannung gesetzt, damit für den Fall des Zerbrechens nur Krümel und möglichst wenig scharfe Splitter entstehen. Wenn in der Produktion winzige Einschlüsse im Glas sind kann es im Laufe der Zeit durch Spannung (Glas verändert sich/bleibt "flüssig") ohne äußeren Anlass zum Bruch kommen. Und ja: die ESG Scheibe "platzt" quasi einfach so.
@lost_in_chaos krass. Echt beeindruckend. Auch wenn ich mich gefreut hätte, deshalb nicht gehen 22:30 die Küche putzen zu dürfen. Das heißt auch, dass ich nicht weiß, wann die andere Seite zerspringt? 🥳
@david evt. gar nicht, wenn kein Fehler bei der Produktion passiert ist.
Ich hab mal morgens in einem Ausstellungsraum die Krümel einer 80x200cm großen Scheibe für die Betextung zusammengefegt und war froh, da das nicht mit Besucher:innen im Haus passiert ist.
Die anderen 14 Textscheiben haben ewig gehalten.
@lost_in_chaos ich lese meinem Regal morgen deine Antwort vor!
@david 😁
Wenn ich den Wiki-Artikel lese wird es wohl kein ESG-H gewesen sein 😉
@lost_in_chaos dem kann ich nach dem studium des artikels auch zustimmen.
@david ich hatte dasselbe einmal mit einem leeren, relativ neuen IKEA Trinkglas. Das ist auch völlig spontan und mitten in der Nacht in 1000 Splitter zersprungen.
@eukalyp super, das beruhigt - wenn ich mir anschaue, was hier noch von IKEA rumsteht. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich Asia-Shop-Porzellan besitze. Die Systeme sind offenbar inkompatibel.
@david :D ich erinnere mich, dass ich damals das gemacht habe, was man eben macht, wenn man so richtig beruhigt ist: im Web nach anderen Berichten suchen! Passiert wohl selten, aber ich hätte nicht gedacht, dass ein Trinkglas unter so viel Spannung stehen kann, dass es sich im ganzen Raum verteilt!
@eukalyp es war ein glasboden, kein trinkglas. es ist quasi wie in einem cartoon mit lautem knall zerbröselt und quasi alle gegenstände aus dem oberen regal sind senkrecht heruntergefallen, da der bruch scheinbar gleichzeitig stattfand. irgendwie kam nichts ins rutschen.
@eukalyp @david hah, dazu hatten wir in der Bar, in der ich damals™ gearbeitet hatte, quasi eine Versuchsreihe :D
Wir haben die Gläser in „noch gut“ und „angedotzt“ unterschieden. „Noch gute“ Gläser konnten dir auf die Theke oder auch auf den Boden fallen und haben das überlebt. Ab dem Zeitpunkt waren sie aber „angedotzt“, und da reichte es manchmal, dass die auf der Theke stehend umgekippt sind, um sie zerspringen zu lassen. Haste natürlich immer erst beim Aufschlag erkannt (auch am Klang!)
@stk @david Aber sind die dann auch so richtig explodiert?
@eukalyp @david eher spektakulär zersprungen, gern auch nach Temperaturschock.

@david wie andere schon geschrieben haben, das Glas ist "mit Eigenspannung" produziert. Kommt es lokal zu einer Überlastung, zerspringt das ganze Glas, quasi Bruchfortpflanzung.
Wenn ich mir das Foto anschaue, könnte es bei den noch bestehenden hilfreich sein, eine Kunststofffolie mit kleinen Noppen oder zur Not auch Küchenrolle drauflegen, um eine Dämpfung beim Reinstellen der Glasflaschen zu erreichen (Metall sehe ich nicht, Behältnisse aus Kunststoff sind kein Problem).

Könnt mir vorstellen, dass ein- oder mehrmaliges "schwungvolleres Reinstellen" der Glasflaschen und/oder dabei seitlich anstoßen Mikrorisse entstanden sind, die sich dann langsam unter der Belastung der "Beladung" fortgepflanzt haben bis schlussendlich der Bruch stattgefunden hat - und mit diesem hat sich die Spannung blitzartig abgebaut, daher der Knall.
Als Maschinenbauer hat man mit Glas weniger zu tun, Bruchmechanisch gibt es aber durchaus Ähnlichkeiten bei (sehr) harten Teilen.

@david falls es sich von der Höhe ausgeht lieber die schwereren Flaschen unten hinstellen und die Teebeutel oben.
@david
Mehrere Schichten Lebensmittel, wie z.B. einige Kartons Teebeutel, ein Glas Honig, ein Glas Kakaopulver. Sie stehen aufeinander, so als wäre das Regal zwischen ihnen gewesen. Dazwischen liegen kleine Glasstücke.
#alt4you
@david
Materialermüdung durch Alterung?

@david I think this happens when some point of stress reaches its limit, and due to the nature of the glass, it's basically a chain reaction. If you look at slow motion video of a https://en.wikipedia.org/wiki/Prince_Rupert%27s_Drop shattering you'll get the idea.

What I remember from glassblowing is a lot of annealing to try to let the glass "relax" and not retain internal stresses caused by shaping it. Safety glass like yours is tempered, which distributes stresses as evenly as possible but may, counterintuitively, have incredible internal stresses on purpose. Tempered glass is supposed to shatter like this, rather than leaving big or sharp shards, which as a side effect means it all shatters rather than a crack forming or a piece breaking off. Wherever it's resting on a few points to support weight will become an external stress point and will likely be where the crack starts, although you'll never see it because of the chain reaction. What you saw is inevitably the result.

Prince Rupert's drop - Wikipedia

@david ich meine bei Douglas Adams mal ein schönes Zitat über Materialermüdung und spontane Explosionen gelesen zu haben