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Ich hinterfrage die Nutzen-Schaden-Bilanz des neuen Lungenkrebsscreenings – und wer kritisiert es als einer der ersten? Ein CT-Hersteller.

Das hat mich nicht geärgert. Es hat mich zum Nachdenken gebracht.

Wer entscheidet, ob Millionen Menschen in einen CT-Scanner geschoben werden – und wer verdient daran? 🧵

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Der G-BA hat 13 stimmberechtigte Mitglieder.

Patient*innen dürfen beraten und Anträge stellen – aber nicht abstimmen.

Die Menschen, deren Körper, Geld und Risiko auf dem Spiel stehen: null Stimmen.

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Stattdessen sitzen am Tisch:

▸ Krankenkassen (5 Stimmen) – verwalten das Geld der Versicherten, entscheiden über Leistungen, haften nicht selbst dafür.

▸ Leistungserbringer (5 Stimmen) – darunter die DKG, deren Mitglieder CT-Geräte betreiben und von Screening-Auslastung profitieren.

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Konkret: Prof. Dr. Henriette Neumeyer ist stellv. DKG-Vorstandsvorsitzende und vertritt die DKG im G-BA-Plenum.

Von 2016–2020: Senior Clinical Consultant bei Philips GmbH – einem CT-Hersteller.

MBA-Thesis: „Integrierte Versorgung und Medizintechnik."

Steht öffentlich in ihrem Berufsprofil. Ob das je jemand im Kontext G-BA thematisiert hat: mir nicht bekannt.

(Quellen: Nordakademie, DGIV)

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Karin Maag sitzt als „unparteiisches Mitglied" im G-BA.

Bis 2021 CDU-MdB mit bezahlten Nebentätigkeiten bei einem US-Dialysekonzern (DaVita) und einer privaten Krankenversicherung (Barmenia). LobbyControl kritisierte das öffentlich.

Die Initiative zur Berufung kam von der Leistungserbringerseite.

(Quellen: abgeordnetenwatch.de; taz 26.03.2021)

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Siemens Healthineers gibt laut Lobbyregister 1,0–1,3 Mio. €/Jahr für Interessenvertretung aus.

Das Lungenkrebsscreening ist dort als konkretes Regelungsvorhaben eingetragen. Positionierung: „Wir unterstützen die Einführung der Früherkennung von Lungenkrebs."

(Quelle: lobbyregister.bundestag.de/suche/R002236)

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Das Lobbyregister erfasst nur Kontakte zu Bundestag und Bundesregierung.

Der G-BA? Nicht erfasst.

Die Offenlegungserklärungen der G-BA-Mitglieder? Nicht öffentlich – 5 Jahre in der Geschäftsstelle, einsehbar nur für Sitzungsteilnehmer.

Lobbying gegenüber dem mächtigsten GKV-Gremium: dokumentationsfreier Raum.

(Quelle: g-ba.de, FAQ Offenlegungserklärung)

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Man braucht keine Verschwörung. Es reicht, die Struktur zu lesen.

Krankenhäuser profitieren. Niedergelassene bekommen neue Abrechnungsziffern. Kassen stehen unter politischem Druck. Die Industrie liefert die Geräte.

Die Einzigen, die Nutzen und Schaden abwägen müssten – die Versicherten – dürfen nicht abstimmen.

#Gesundheitspolitik #GBA #LungenkrebsScreening #Transparenz #Patientenrechte