#KeinVergessen: Wir gedenken Halit Yozgat, der heute vor 20 Jahren am 6. April 2006 im Alter von 21 Jahren in Kassel vom rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund ermordet wurde. 1/x
Halit arbeitet an jenem Tag im Internetcafé seiner Familie. Zwei Männer des NSU betreten das Geschäft. Einer tritt an den Tresen, zieht eine Pistole und schießt Halit aus nächster Nähe zweimal in den Kopf. Die Täter fliehen unerkannt. 2/x
Sein Vater findet Halit kurz darauf schwer verletzt. Trotz sofortiger Hilfe stirbt Halit in den Armen seines Vaters. Ein junges Leben, abrupt beendet – ein geliebter Sohn, Bruder, Freund, technisch begabt und fürsorglich. 3/x
Halit wurde 1985 in Kassel geboren. Schon als Kind zeigt er großes Interesse an Technik und Mathematik. Seinen ersten Computer baut er eigenständig auseinander und wieder zusammen – seine Leidenschaft für Technik und Lernen prägt sein Leben. 4/x
Mit 19 eröffnet Halit gemeinsam mit seinem Vater das Internetcafé. Tagsüber arbeitet er dort, abends holt er sein Abitur nach. Sein Traum: Informatik studieren. Sein Alltag zwischen Arbeit und Schule zeigt Disziplin, Ehrgeiz und Verantwortung. 5/x
Nach der Tat ermitteln die Behörden jahrelang nicht in Richtung rechtsextremer Gewalt. Stattdessen geraten Halit und seine Familie unter Verdacht, ihnen werden kriminelle Machenschaften unterstellt. Rassistische Vorurteile prägen die Ermittlungen. 6/x
Die Perspektive rechtsterroristischer Motive wird systematisch ignoriert. Hinweise auf den NSU bleiben unerforscht. Das Vertrauen der Familie in den Rechtsstaat wird schwer erschüttert – sie erfahren Stigmatisierung statt Schutz. 7/x
Zum Tatzeitpunkt befindet sich Andreas Temme, Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes, im Café. Er verlässt kurz nach den Schüssen den Ort des Geschehens, widerspricht sich mehrfach und meldet sich nicht als Zeuge. 8/x
2011 enttarnt sich der NSU: Zehn Menschen wurden ermordet, darunter Halit. Das Ausmaß rechtsterroristischer Gewalt wird sichtbar, das Versagen der Sicherheitsbehörden offensichtlich. Netzwerke, Unterstützer*innen und staatliche Verantwortung bleiben weiter ungeklärt. 9/x