Ist die Pflege überall so kaputt?

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Ich bin Pflegefachkraft mit drei Jahren Erfahrung auf verschiedenen Stationen, darunter Intensivstation, Notaufnahme, Kardiologie, Unfallchirurgie, Nephrologie, Urologie, Viszeralchirurgie und eine Isolierstation für Patienten mit seltenen Krankheiten. Es ist überall derselbe Mist: Bei Vorstellungsgesprächen behaupten die Vorgesetzten immer, wie toll es ist, dort zu arbeiten, wie erfüllt die Mitarbeiter sind und dass sie bereit sind, dir beizubringen, eine bessere Pflegekraft zu werden. Ich glaube ihnen. Meine Kollegen geben sich zunächst freundlich, aber sobald die Vorgesetzten nicht mehr dabei sind, machen sie eine Kehrtwende und zeigen ihr wahres Gesicht: Vergiss das Lernen, Auffälligkeitenerkennung oder Fragen zu Abläufen oder Medikamenten – sie wollen rauchen, tratschen, nutzen dich als billige Arbeitskraft für die Aufgaben, die sie nicht erledigen wollen, beschweren sich dann, dass du kein Teamplayer bist, wenn du Grenzen setzt (manche erwarteten von mir, dass ich der ganzen Station Essen serviere, während sie sich unterhielten, andere erwarten, dass ich alleine alle Mülleimer der Station entleere, während sie rauchen), und schreien dich an, sind beleidigt, wenn ich vor ihnen mit der Arbeit beginne. Dann stelle ich die Tyrannen zur Rede und, wenn es nichts sich ändert, suche mir was neues oder werde eingeladen, woanders zu arbeiten. Einmal war ich wegen Mobbing langzeit krank. Dann ist da noch die Überstundenfrage: Ich bin eine der wenigen, die die Umkleidezeit als Arbeitszeit rechnet, während die Mehrheit meine anderen Kollegen 30 Minuten früher am Arbeitsplatz erscheinen und bereits vollständig angezogen und 10 Minuten vor Dienstbeginn einsatzbereit sind. Für sie und das Management komme ich zu spät. Für meine Gewerkschaft bin ich pünktlich, aber weil ich so klare Grenzen setze, bin ich für die Station das Arschloch. Bei meinen früheren Vorstellungsgesprächen habe ich das nie erwähnt, aber beim letzten Mal habe ich es getan, und sie haben ziemlich schnell das Thema gewechselt und gesagt, dass ich nicht gut ins Team passen würde. Es ist, als würde jede Abteilung, in der ich arbeite, von mir erwarten, dass ich ohne Widerrede unbezahlte Überstunden mache. Ich habe das stark vereinfacht, weil ich keinen Aufsatz schreiben will. Die Intensivstation war die einzige Station, in der das nicht passierte, aber die Intensivstation ist nichts für mich, zu viel Überlastung. Ich lerne gerne dazu, es gibt so viel Stoff, dass ich nicht weiß und erkläre den Patienten gerne Dinge. Ich kann mich in der Lage sehen, den Patienten zu erklären, was nach einem Eingriff passiert, welche Hilfsangebote sie nutzen können, wie der menschliche Körper funktioniert, was Biomarker bedeuten …, Sachen, die ich schon unofiziell und unanerkannt mache. Die Krankenpflege ist derzeit ein Job, den ich nicht bis zu meiner Rente ausüben möchte, schon gar nicht am Krankenbett. Vor Monaten habe ich mich intern auf eine Stelle als Case Manager beworben, aber alle Führungskräfte kennen sich untereinander und haben mich effektiv blockiert. Ich möchte wegen des Arbeitswegs nicht in ein anderes Krankenhaus wechseln. Wenn auf der Station nicht viel zu tun ist, lerne ich. Das hilft mir, damit zurechtzukommen. Was soll ich also tun? Ich bin zu blöd, um Medizin zu absolvieren.

Hab Erfahrung mit extremer Unterbesetzung in der Altenpflege, aber vernünftigen Kollegen.

Ich bin eine der wenigen, die die Umkleidezeit als Arbeitszeit rechnet, während die Mehrheit meine anderen Kollegen 30 Minuten früher am Arbeitsplatz erscheinen und bereits vollständig angezogen und 10 Minuten vor Dienstbeginn einsatzbereit sind.

Das ist son deutsches Ding… und die Kollegen scheinen sich ja die Zeit woanders wieder zurückzuholen (Raucherpause usw.) wo es nicht so offensichtlich ist. Wenn das wirklich ein Knackpunkt mit den Vorgesetzten ist, würde ich es einfach genauso machen, ist es nicht wert sich darüber Stress zu machen (auch wenn du und die Gewerkschaft natürlich recht habt).

Alles was du erzählst passiert am gleichen Arbeitsplatz?

Das Verhalten deiner Kollegen hört sich schon sehr problematisch an.

Wie viel Zeit lässt du dir zum Umziehen?
Ich wusste gar nicht dass die Gewerkschaft das als Arbeitszeit sieht; bisher ging ich immer davon aus dass die Arbeitszeit dann anfängt wenn ich bereit bin.

Ich kann mir aber denken dass im K-haus Schichtdienst herrscht und dass es problematisch werden kann wenn jemand zur vereinabrten Uhrzeit nicht präsent ist.

Leiden deine Mitarbeiter darunter wenn du dich dann noch umziehst?
Du solltest das lieber mit der Gewerkschaft direkt besprechen; vielleicht kannst du Überstundenbezahlung einfordern.

Wenn du keinen sicheren Arbeitsvertrag hast schiesst du dir damit aber selber ins Knie.
Was du ja auch selber gemerkt hast als du dich intern um eine bessere Stelle beworben hast.

Alles in allem hört sich das nach einem stark verklüngeltem Kleinstadtkrankenhaus an? Bist du sicher dass du da nicht raus möchtest?