@dalcacer @2ndStar @chrisstoecker In ein paar Jahren haben wir dann einen minimalen Rumpfstaat, der pro forma existiert, um Staatsaufgaben an Konzerne zu übertragen. Die Unterscheidung zwischen Polizei und Militär verschwindet, ist ja eh alles eine Soße, das machen dann Security-Firmen und Söldnerheere. Eine Bundeswehr und Bundespolizei wird man zwar der Form halber noch halten, aber die wird real nur noch Anhängsel der privaten Dienstleister sein. Die Privaten machen das ja angeblich alles viel günstiger und effizienter (aber die Ausgaben steigen natürlich trotzdem, also muß man anderswo kürzen). Die Konzerne werden zu den neuen Adelshäusern im Cyberfeudalismus, das gemeine Volk darf noch regelmäßig in massiv manipulierten Wahlen Demokratie simulieren, dazu digitale Totalüberwachung, aber nicht mit einem Big Brother, sondern mit zigtausend Little Brothers und Little Sisters, die ihre Dienste auf dem Markt anbieten.
Wer sagt denn, daß der Staat das Gewaltmonopol selbst ausüben muß? Man kann ja auch eine Ausschreibung an Gewaltfirmen machen und dann einem privatwirtschaftlichen Gewaltanbieter eine Gewaltlizenz erteilen. Und wo das staatliche Gewaltmonopol zu teuer ist, kann ja der Gewaltmarkt liberalisiert werden, da können die Leute dann ihren Gewaltanbieter frei wählen oder auch selbst zum Anbieter von Gewalt werden. Dazu schöne neue Stadtmauern, damit die Bewohner der reichen Stadtteile nicht durch den Anblick und Gestank des Pöbels belästigt werden.
Dann sieht es zwar auf den ersten Blick noch aus wie eine Marktwirtschaft, aber in der Realität ist es ein Netzwerk aus Kartellen, und Geld wird größtenteils damit gemacht, daß die Infrastruktur privatisiert ist und alle für deren Benutzung ausgequetscht werden. Ein paar superreiche Multimilliardärsfamilien sind dann die neue Aristokratie der Welt, der Rest ihre Untertanen. Ob der Präsident, Premierminister, Kanzler oder was auch immer ein brutaler Diktator ist oder ein nerviger Bürokrat, ist scheißegal, der Staat existiert eh nur noch, um die Eigentumsansprüche der Eigentümer juristisch korrekt zu verwalten.
Das ist die Welt, welche Leute wie Elon, Donald, Curtis, Jeffrey und Konsorten bauen wollen. Die wollen als Könige der Welt in ihren Luxusburgen im Orbit leben wie die Tessier-Ashpools aus Neuromancer. Diese Leute lesen Cyberpunk umgekehrt, die glauben, die Dystopie für sich selbst zu einer Utopie ummünzen zu können; egal, ob die Welt zu einem Scheißhaufen wird, solange ich der König bin!