Europäisches #Stromnetz
Punkt 22 Uhr gerät das Netz aus dem Takt
Am vergangenen Dienstag war der #Frequenzabfall besonders deutlich. Unmittelbar nach 22 Uhr fiel binnen 62 Sekunden die Frequenz um 0,193 Hertz. Ein solcher Abfall entspricht dem plötzlichen Verlust von 3,2 Gigawatt Erzeugungsleistung im kontinentaleuropäischen Netz. Dann muss schnell gegengesteuert werden. Die verfügbaren Regelkapazitäten – Primärregelleistung genannt –, liegen in Europa aktuell bei 3,45 Gigawatt. Sie waren also fast ausgeschöpft.
Eine plausible Erklärung für dieses wiederkehrende 22-Uhr-Phänomen liefert die Windkraft. An besagtem Dienstagabend waren alleine durch die Anlagen an Land rund 40 Gigawatt Windstrom im deutschen Netz. Doch pünktlich um 22 Uhr griffen für zahlreiche Anlagen die Lärmschutzauflagen auf Basis der Verwaltungsvorschrift „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“, kurz TA Lärm; die Maschinen dürfen dann bis zum nächsten Morgen um 6 Uhr nur noch gedrosselt laufen.
Da das bei allen betroffenen Anlagen synchron geschieht, bricht im Netz bei starkem Wind schlagartig eine Leistung weg, die in der Summe mehreren Großkraftwerken entsprechen kann. Genaue Zahlen zum Umfang der betroffenen Anlagen kennt die Branche aber nicht.
