Als man die Subventionen für Agrardiesel streichen wollte, gingen die Bauern auf die Straße. Heute zeigt sich, dass es weder um das Privileg noch um die Spritpreise ging. Es war ein instrumentalisierter Protest gegen "progressive" Politik.

#depol

@mago

Letztendlich hat wohl Habeck zu gut bearbeitet mit seiner, erm, progressiven Politik. Hätte er die Energiekrise zu Beginn des Ukrainekriegs uns voll gegen die Wand fahren lassen, dann hätten wir vielleicht heute eine andere Einstellung zur e-Mobilität und zur Wärmepumpe.

… von der gerade die Agrarfirmen im Osten profitieren könnten, die haben die riesigen Flächen für Windkraftanlagen.

So haben wir halt die 4 Jahre seitdem nicht sehr progressiv genutzt und sitzen nun wieder in der gleichen Scheiße mit dem Sprit.

Die Bauern sind dabei noch die einzigen, die ihren Sprit selber herstellen könnten. (Ob's sinnvoll ist, ist eine andere Sache…tanken dürften sie ihn meines Wissens legalerweise dann nicht, weil nicht versteuert… sonst könnte man auch gleich mit Heizöl fahren.)

@nielso @mago Das witzige dabei ist doch: Viele der "Bauern" sind Profiteure der Förderung der erneuerbaren Energieen. Die haben ja nicht gegen die Subventionen der erneuerbaren Energien protestiert. Die haben schlicht für ihren Geldbeutel und gegen die liberale Veränderung der Gesellschaft protestiert. DIe haben gegen uns linke, intellektuelle Stadtbevölkerung gemeutert - ganz wie MAGA in den USA.
@nielso @mago Bauern habe ich in Hochkommas gesetzt, weil da viele Unternehmer dabei waren, die nur noch als Alibi Bauer sind. Die verdienen ihr Geld mit dem Verleih von Maschinen, die haben große Solarfelder etc. Und halt noch ein bisschen Grünland, denn EU-Subventionen abgreifen für die Stilllegung(!) von Flächen ist ja auch ein Geschäftsmodell (das ist real, einer der damals Interviewten "Bauern" war ein Bruder von einem Bekannten von mir).
@nielso @mago Das ganze ging als Machtdemonstration gegen die liberale Stadtgesellschaft. Die fuhren ja nicht durch ihre Dörfer, die kreisten 10h lang im Stadtzentrum. Die Aufrufe des Bauernverbandes waren hier in faschistoider Bildsprache etc. Wenn du die aktuellen Wahlergebnisse anschaust: Politisch unterscheiden sich Stadt/Land erheblich. Stadt: 60% rot/grün/Volt etc. Land 65% CSU, FW, AfD. Die Unterschiede werden eher größer als kleiner, das verbindende wird schwächer.
@nielso @mago Das ist auch nachvollziehbar: Die Dörfer werden zunehmend Ödland. Infrastrukturell, von der Bevölkerung her. Leerstand, Landflucht, Überalterung. Mittelzentren wie Bamberg platzen aber aus allen Nähten, werden gefördert etc. Und verändern sich aktuell massiv durch den Zuzug (Studenten, Migranten, Angestellte). Da ist Neid, Abscheu, Verachtung, Unverständnis etc. dabei. Und das wird zunehmend über Abgrenzung zu Feindschaft - von beiden Seiten.

@Montrose @mago

Was die Bauern angeht, so muss man wohl zwischen Ost und West bei uns unterscheiden. Im Osten oft eher Agrarkonzerne mit gigantomanischen Flächen. Im Westen vergleichsweise kleine Betriebe, ich kenne die bei uns in Schwaben überwiegend als Inhabergeführt, da sitzt der Boss selber auf dem Traktor.

Der streitbare YouTuber und Unternehmer Marco Scheel mit seinem ländlichen Unternehmen Nordwolle meinte mal, der größte Unterschied in Deutschland sei zwischen Stadt und Land. In der Stadt wird bestimmt, auch über das Land, von Leuten, die davon keine Ahnung haben.

Man muss allerdings bedenken, dass die Landwirte auf dem Land eine Minderheit sind, d.h. die schwarzbraunen Wahlergebnisse sind nicht durch Landwirte verursacht.

Die Dörfler sind schon lange so, und deswegen sind auch viele, die andere Gedanken entwickelt haben, dort weggezogen.

Hier in Schwaben ändert es sich auf dem Dorf schon, aber nur seeeehr langsam. Im Heimatdorf: Die 14% AfD hingegen waren früher halt 14% Republikaner. 🤢

@nielso @mago Das witzige dabei: Wenn du Städter fragen würdest, würden die sagen, dass das flache Land mit seiner rückwärtsgewandten Einstellung zu Wirtschaft und Gesellschaft alles regiert. Bsp: Die CSU wäre ohne flaches Land eine 25%-Partei unter vielen. SIe bestimmt aber weite Teile der politischen Möglichkeiten in den rot/grünen Städten, weil sie auf dem Land in Richtung absolute Mehrheit gewählt wird.
Und wie geschrieben, ich habe die Aufrufe des Bauernverbandes mit eigenen Augen gesehen.