Die Energiewende wird leichter, als viele denken.
Das liegt an einem weitverbreiteten Missverständnis, das Skeptiker ausnutzen, um Angst zu schüren.
Die Energiewende wird leichter, als viele denken.
Das liegt an einem weitverbreiteten Missverständnis, das Skeptiker ausnutzen, um Angst zu schüren.
Denn: Nein, wir müssen das fossile System nicht 1:1 ersetzen. Wir brauchen nicht alle Primärenergie von heute.
„Primärenergie“ ist die Energie, die den natürlichen Quellen entnommen wird. Ein Liter Heizöl enthält 10 Kilowattstunden (kWh), ein Kilogramm Steinkohle 8 kWh usw.
Zurzeit verbraucht die Menschheit global 180.000 TWh Primärenergie. Erneuerbare stellen davon deutlich weniger als zehn Prozent. Um die fünf Prozent.
Das ist ein Fakt, aber komplett irreführend.
Denn Primärenergie ist ein bedeutungsloses Konzept in einer elektrifizierten Welt. Es sagt uns, wie viel Energie in Energiequellen steckt, bevor wir sie umwandeln. Aber nicht diese Energie ist für uns wichtig, sondern die erzeugte Energie.
Wir müssen alle Energiequellen umwandeln, damit sie nützlich werden. Schließlich kippt niemand ein Fass Öl (159 Liter) in seinem Wohnzimmer aus und erwartet, dass es wärmer wird.
Und bei der Umwandlung sind elektrische Systeme deutlich effizienter als fossile. Jede kWh Energie, die wir in ein elektrisches System stecken, kommt mit höherer Wahrscheinlichkeit dort an, wo wir es verbrauchen wollen: am Rad, im Ofen, in der Wärmepumpe.
Der Motor eines E-Autos ist 2-4 mal effizienter als ein Verbrenner, weil er weniger Abwärme erzeugt. Eine Wärmepumpe kann aus 1 kWh Strom bis zu 4 kWh Wärme erzeugen, da sie mit der Umgebungstemperatur arbeitet.
Ein Gasboiler wiederum verheizt das Gas und das war’s. Verbrenner-Autos sind eigentlich Heizungen auf Rädern. (AKWs sind gigantische Wasserkocher.)
Wer also mit Grafiken vom Primärenergiebedarf herumwedelt und die Energiewende damit kritisieren will, sitzt einem Trugschluss auf. Es ist, als hätten sich die Leute in den 1920ern vor die ersten Autos gestellt und gefragt: „Und? Wie viel Hafer frisst das Ding jeden Tag?“
In Deutschland schmeißen wir wegen der Umwandlungsverluste jedes Jahr mehr als 30 Prozent unserer Primärenergie weg. Weltweit waren es vor der großen Elektrifizierung mehr als 50 Prozent.
Mal eine Frage: Gehst du in den Supermarkt, öffnest die Packung mit zehn Eiern, siehst darin drei kaputte Eier und zahlst zufrieden?
Du bist ja nicht blöd. Wir als Gesellschaft sind es schon. Wir haben 30 Prozent Verschwendung in unserem System eingebaut und hielten das so lange für normal, wie es keine Alternative gab.
Aber jetzt gibt es eine.
Wer mit Primärenergie-Charts herumwedelt oder Technologieoffenheit in Deutschland fordert, sagt eigentlich: „Lasst uns weiter verschwenden!“
Sollte dann nicht gar alles auf Gleichstrom ausgerichtet werden? Denn auch die Umwandlung von DC in AC und umgekehrt verheizt viel Energie. Wenn eine Solaranlage Gleichstrom generiert, dass als Wechselstrom eingespeist wird, welcher dann wieder Batteriespeicher füllt, die nachts irgendwo Wechselstrom-Wärmepumpen laufen lassen, geht auch ein bedeutender Teil verloren. Manche Wechsler verlieren 20%.
Die erste Frage war nur rhetorisch. Mir ist klar, dass Gleichstromleitung selbst kleine Heizungen sind und verlustreich bei der nötigen Länge.
schöne Beschreibung 🤭
@bws @isf @grimm Wenn unser Merz-enbecher HOCHEFFIZIENTE VERBRENNER propagiert, muss man auch dringend hinterfragen was denn dann als hocheffizient gelten soll?
Bei einer Einteilung in Effizenzklassen A, B, C,... mit 2% Staffelung hätte bei aktuellen Verbrauchswerten der E-PKW als Basiswert Klasse A, bliebe für die HOCHEFFIZIENTEN vermutlich irgendwas hinter dem Bereich S, T, U und folgende (großzügig zu Gunsten der Verbrenner ausgelegt)
Ich habe eine Öl- Heizung die funktioniert.
@grimm Nichts desto trotz ist es genau so irreführend zu sagen, wir haben 60% Anteil Erneuerbare an der Stromerzeugung. Auch eine Maßzahl, die völlig irrelevant ist.
Variante 1: Wir haben x-MT CO2 emmitiert.
Variante 2: Wir haben x % Anteil Erneuerbare am Gesamtenergiebedarf auf Strombasis.
@grimm Also Primärenergie >> Nutzenergie usw. klar.
Allerdings, seltsames Detail: Das Diagramm zeigt „World Energy Flow“ aber darin auch "Import" und „Export“. Hab ich irgendwelche extraterrestrischen Handelsbeziehungen verpasst?
@grimm Jep, wir müssen das System nicht 1:1 nachbauen. Insbesondere wenn man alle Teile kontrolliert.
Ist apropos auch eine Erkenntnis, die in der IT den feinen Unterschied zwischen "Architekt" und "Seniorarchitekt" macht.
Aber da ist auch der Wurm drin: nicht alle Sektoren haben dieselben Nutznießer, sprich ein Umbau hat Gewinner und Verlierer.
Und rate mal welche Industrie die mehr als 'ne Milliarde Gewinn pro Tag schreibt den Umbau nicht so cool findet?
@grimm Gefunden: "The chart also shows the amount of energy rejected [...]. Of the 99.2 quads consumed, only 42.15 ended up as energy services. Energy services [...] "That's the energy that makes your car move and that comes out of your light bulb."
[...] The remainder, explained Simon, "is simply rejected. For example, some rejected energy shows up as waste heat from power plants."
Quelle: https://www.llnl.gov/article/33896/lab-report-shows-2008-us-energy-use-dropped

Americans used more solar, nuclear, biomass and wind energy in 2008 than they did in 2007, according to the most recent energy flow charts released by the Laboratory. The nation used less coal and petroleum during the same time frame and only slightly increased its natural gas consumption. Geothermal energy use remained the same.The estimated U.S. energy use in 2008 equaled 99.2 quadrillion BTUs ("quads"), down from 101.5 quadrillion BTUs in 2007. (A BTU or British Thermal Unit is a unit of measurement for energy, and is equivalent to about 1.055 kilojoules).Energy use in the industrial and
Weggeworfene Energie, die die Umwelt (vor allem die Flüsse, die das Kühlwasser liefern) aufheizt.
Gibt's die Grafik auch in neu? 2011 ist ja schon einges her.