In Golem wurde neulich über den Raketenschutz von Rechenzentren geschrieben:

https://www.golem.de/news/deutschland-und-der-nahostkrieg-duerftige-auskuenfte-zum-raketenschutz-fuer-rechenzentren-2603-206832.html

Einen Raketenschutz für Rechenzentren gibt es nicht und wird es nicht geben. Auch ein "Härten" von Rechenzentren (außer für kleine Installationen) ist aussichtslos. Die Systeme sind einfach zu sensibel.

Außerdem ist es verdammt schwer, Verbraucher im Bereich von 10-1000 Megawatt zu verstecken. Die sind im IR-Bereich praktisch Leuchttürme.

Schaut man sich den Status der AWS-Rechenzentren in Dubai und Bahrein an, dann sind die immer noch tief rot:

https://health.aws.amazon.com/health/status

In beiden Fällen stehen die Services in Ländern, die sich über die kinetische Reaktion des Iran sehr wohl bewusst waren und einige zig Milliarden in eine Luftabwehr investiert hatten.

Die haben dort ca. 900 Patriot- und THAAD-Interceptors verschossen. Mehr als z.B. Deutschland jemals hatte.

Genutzt hat es den Ländern schon was: die zivilen Opfer hätten sonst im Tausender-Bereich gelegen. Aber Rechenzentren sind einfach dankbare Ziele.

Ich bin sicher, Elon Musk wird als Gegenmaßnahme vorschlagen, die ganzen Rechenzentren in das Weltall zu schicken:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/musk-spacex-xai-zusammenlegung-weltall-rechenzentren-li.3380373

Abgesehen von den physikalischen und kostentechnischen Problemen: im Weltall wären Rechenzentren noch einfachere Ziele.

Dei einzige Gegenmaßnahme, die eine echte Chance hat, wäre eine resiliente Architektur.

Aber wenn heutzutage ein Cloud-Projekt mit einem Multi-Cloud-Multi-Region-Ansatz und einer Option auf OnPrem startet, dann steht am Ende "aus Praktikabilitätsgründen" doch oft nur ein "Single Availability Zone Deployment".

Je moderner eine Gesellschaft, desto verwundbarer wird sie. Daran müssen wir uns gewöhnen.

10% der Bomben, die im letzten Monat auf den Iran gefallen sind, hätten bei uns zu einem Kollaps der gesamten Wirtschaft geführt.

Strategisch ist der einzige Weg für Mittelmächte ein Allianz-System, dass a) das Risiko auf mehr Schultern verteilt und b) den potentiellen Schaden für einen Angreifer drastisch erhöht.

Nun sind wir aber mitten in einem Allianz-System, wo der Anführer der einzigen Supermacht dieses auf ein Schutzgeld-System umstellen will.

Wahrhaft interessante Zeiten...

Deutschland und der Nahostkrieg: Dürftige Auskünfte zum Raketenschutz für Rechenzentren - Golem.de

Die Frage, wie gut Rechenzentren in Deutschland gegen Raketenangriffe abgesichert sind, wird offenbar nicht gerne gehört. Antworten dazu fallen teils irritierend aus.

Golem.de

Ach dieser Artikel war mir durchgerutscht: https://www.golem.de/news/nahostkrieg-rechenzentrumsbetreiber-wollen-mehr-staatlichen-schutz-2603-207002.html

Zitat der German Datacenter Association (GDA):

"Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen zeigen, dass digitale Infrastrukturen zunehmend auch strategisch betrachtet werden. Vor diesem Hintergrund halten wir es für entscheidend, dass Staat und Betreiber eng zusammenarbeiten und Rechenzentren in übergeordnete Schutz- und Resilienzkonzepte einbezogen werden."

Auf Deutsch:

Wir haben keine Idee, wie wir das Risiko managen können. Habt Ihr eine?

Nahostkrieg: Rechenzentrumsbetreiber wollen mehr staatlichen Schutz - Golem.de

Auch in Deutschland fragen Rechenzentrumsbetreiber nach mehr staatlichem Schutz. Im Nahostkrieg sind bereits AWS-Standorte zum Ziel geworden.

Golem.de
@masek meine Übersetzung: „Lass die Allgemeinheit haften, ist ja super bedeutend - und den Gewinn für uns“

@Shortman Das ist als Subtext immer enthalten ...

Aber an den fehlenden konkreten Forderungen kann man sehen, dass die selber keine Ideen haben, wie es funktionieren sollte.

@masek @Shortman Ist ja auch logisch, dass die da keine Ideen haben. Traditionelle IT-Security ist ja nicht auf Drohnenangriffe ausgerichtet und als Firma darfst du dir auch nicht einfach so ein Raketenabwehrsystem auf das Dach vom Rechenzentrum stellen.

@mschfr @Shortman Du kannst aber auf der anderen Seite kein Business-Modell bauen, dass ein offensichtliches neues Risiko schafft und dann sagen "Das muss die Gesellschaft für micht lösen."

Oder: Du kannst schon. Ist derzeit ja sogar das Standardverfahren 😠.

@masek @Shortman Grundsätzlich hast du ja Recht, aber gerade bei Krieg ist es ja die Aufgabe des Staates, dich (und dein Business) zu schützen. Im Kern ist ja jedes Geschäfts vom Papierwarenladen bis zum Stahlwerk völlig hilflos gegenüber Drohnenschwärmen.

@masek @Shortman

Gut, ein wenig mehr Anstrengungen und Eigeninitiative geht sicher immer. Bestimmte Lösungen kann ich als Privatunternehmen allerdings auch nicht umsetzen. Ich behaupte einfach mal, dass es für private Rechenzentren recht schwer sein dürfte, selbst auf eigene Kosten, sich eine Flugabwehr aufs Dach zu stellen ...

@varbin @Shortman In den meisten Fällen würde ich da zustimmen. Auf der anderen Seite produzieren diese Unternehmen ein extrem konzentriertes Risiko und verdienen extrem gut daran. Daher sehe ich die mindestens zur Häfte mit in der Pflicht (zumindest beim passiven Schutz).

@masek @Shortman In die Richtung wollte ich mit "mehr Eigeninitiative" zeigen. Georedundanz in Deutschland/EU aufzubauen wäre ja definitiv möglich, und ich sehe da genauso die Anbieter in der Pflicht.

Falls du soetwas meinst, stimme ich dir da komplett zu.

@varbin @masek darüber kann man diskutieren - aber bauliche Sicherheit wäre ja Schritt 1