Publikation! Ich habe ja schon einmal angedeutet, dass ich ein paar Überlegungen zur Stimme im Radio/des Radios angestellt habe, aus Anlass eines Literaturberichts zur Globalgeschichte des Radios. Jetzt OA aufgeschaltet in der aktuellen Ausgabe der @nplreview.bsky.social :

https://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/article/5453/galley/5911/download/

@histodons
#radio #geschichte #globalgeschichte #mediastudies

Mein Argument ist folgendes: Um einen Analyseansatz mit der "Stimme" zu entwickeln, sollte man nicht nur von gesprochenen Sequenzen im Radio ausgehen. Die Stimme kann im Benjamin'schen Sinne das "radiofonische Objekt" (Baudouin) des Radios umfassen, und wie Benjamin es formuliert, Sprecher*innen zu Gästen der Hörenden und Hörer*innen zu Gästen der Sprechenden machen. Nicht nur entwickeln Radiosender eine eigene "Stimme" (ihren charakterischen Klang, Message, Atmonsphäre usw.), sie *bündeln* auch eine Vielzahl von Stimmen ihrer Hörer*innen und stellen so Gemeinschaft her.

Adorno war skeptisch, was das angeht, und meinte, diese Nähe sei eine „Illusion“ im Gegensatz zur Gemeinschaft des Konzertsaales, die die "hidden forces" hinter der Radiostimme verberge. Aber die neue Literatur gerade zum Radio in kolonialen Gesellschaften steht fest auf Benjamins Seite.

Sie betont die Gemeinschaften, die sich durch die Bündelung vieler Stimmen ergeben, und die Reziprozität, die die von Brecht geforderte "Kommunikation"ssituation sozial permanent herstellte, auch wenn sie technisch nicht in dieser Direktheit gegeben war.