Folgender @tagesschau -Artikel ist ziemlich unverantwortlich, auf verschiedenen Dimensionen.
Prinzipiell ist es ja okay sich auf einen Grenzort zu fokussieren. Aber gerade dann ist es zu wenig sich auf ein paar Stimmen zu verlassen, nicht einzuordnen. Man verschweigt Wesentliches. Und man lässt ziemlich problematische Aussagen einfach so stehen. Journalismus ist dass dann selbstverständlich nicht.

>>Leben in der Eskalationszone<<
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/libanon-israel-angriffe-110.html

Israelisch-libanesische Grenze: Leben in der Eskalationszone

Seit dem Angriff der USA und Israels auf Iran herrscht vor allem im Norden Israels erneut Ausnahmezustand. Der Ort Metula ist an drei Seiten vom Libanon umgeben und besonders gefährdet. Die Anwohner allerdings wollen bleiben.

tagesschau.de

Da wäre einmal die Frage zu klären, warum der Staat Israel sich überhaupt an diesen Ort ausgedehnt hat. Das war ja eine bewusste Entscheidung. Der ist ja nicht völlig zufällig da.

Ausgeblendet wird weitgehend die Kriegsführung der Israelis.

>>Nur 1.000 der 2.000 Einwohner Metulas sind nach der letzten Auseinandersetzung mit der Hisbollah vor anderthalb Jahren zurückgekehrt.<<

An dieser Stelle fehlt, dass es schlichtweg kein "nach der Auseindersetzung" (Euphemismus), für die Einwohner vom Südlibanon gab. Während sich die Hisbollah bis Ende Februar an die Waffenstillstandsvereinbarung hielt, griff die israelische Armee weiter an - 10.000 mal - so die Zahlen der UN.

Eine wiederkehr gab es für viele Menschen in Südlibanon nicht.

>>Er wolle keine Waffenruhe mit der Hisbollah oder mit Iran, erklärt er. "Ich will, dass wir den Terror um uns herum ein für alle Mal beenden. Damit hier für die nächsten 20 Jahre Ruhe ist."<<

Das einfach zu stehen zu lassen ist klares journalistisches Versagen. Was "ein für mal beenden und für die nächsten 20 Jahre Ruhe bedeutet" ist offensichtlich.

>>In den israelischen Medien wird von der Möglichkeit einer schnellen Waffenruhe gesprochen, dass es Gespräche mit Iran geben könnte. Dabei hatte Israels Verteidigungsminister Israel Katz angekündigt, die Armee wolle das Gebiet im Südlibanon 30 Kilometer hinter der Grenze bis zum Litani-Fluss einnehmen, um eine Sicherheitszone für die Bewohner des Nordens zu schaffen.<<

Der deutsche Journalist sitzt stauend davor und kann sich einfach keinen Reim darauf machen.

>>"Hunderttausende im Südlibanon, die wir zur Evakuierung aufgefordert haben, werden nicht dorthin zurückkehren, bis die Sicherheit für unsere Bewohner an der Nordgrenze garantiert ist", sagte Katz.<<

Auch das wird einfach so Einordnung weggemeldet. Natürlich ist allen klar dass es hier nicht um "Evakuierung" geht, die ist komplett anders definiert.
Er spricht von "garantierte sicherheit". Das bedeutet in nicht-propaganda-deutsch: Nie

>>"Alle fünf Brücken, die die Hisbollah für den Waffentransport benutzt hat, haben wir gesprengt. Wir werden die übrigen Brücken kontrollieren und die Sicherheitszone, die bis dahin reicht. Das israelische Militär wird da sein."<<

Auch das wird einfach weggemeldet. Das Zerstören von fünf wichtigen Brücken sind vor allem eins: fünf Kriegsverbrechen.

"Das israelische Militär wird da sein" bedeutet - dauerhafte Besatzung. Ein illegales Kriegsziel

>>Die libanesischen Dörfer rund um Metula sind zerbombt und menschenleer. Vom Grenzzaun aus ist eine Trümmerwüste zu sehen. Mehr als 700.000 Menschen sollen im Libanon auf der Flucht sein, sagen Hilfsorganisationen.<<

Ach? Irgendwie ganz anders als Metula.

>>Eitan glaubt, dass er noch eine ganze Weile im Einsatz sein wird: "Ich denke, dass die Sicherheitszone im Südlibanon, die wir schaffen, ein Pflaster ist. Ein wichtiges Pflaster. Aber es ist keine langfristige Lösung. Unser Ziel ist es, dass wir hier nicht wieder in zwei Jahren herkommen müssen."<<

Auch dieser Euphemismus wird einfach weggemeldet.

Der Artikel schließt mit den Worten einer Einwohnerin:

>>"Dass wir hierbleiben, das ist wahrer Zionismus. Ich will ein menschliches Schild sein. Ich habe volles Vertrauen in die Armee, ich möchte mich ihnen anschließen." Sie warte darauf, eingezogen zu werden. "Meine Tasche ist seit einem Monat gepackt. Ich warte nur auf den Anruf."<<

Da bleiben dann am Ende doch keine weiteren Fragen offen.

@stephie_hamburg Differenzierte oder kritische Berichterstattung bezüglich Israel in der #tagesschau gibt es nicht. Verstößt gegen die Staatsräson 🤡
So wie Trump mitten auf der 5th Avenue ohne Konsequenzen jemanden erschießen könnte, könnte Israel die Atombombe zünden, ohne dass D Kritik üben oder gar die Beziehungen abbrechen würde.

@stephie_hamburg

Ich habe den Artikel auch gelesen und echt geschluckt.

Bei allem Verständnis für die berechtigte Angst der Menschen im Norden Israels vor der Hisbollah, werden die Menschen im Süden des Libanons überhaupt nicht als Personen wahrgenommen.

@mina
Eben, das ist ja gerade der Punkt bei dieser Art von Berichterstattung wie auch dem Konflikt insgesamt. All die Logik der Rechtfertigung von Gewalt geht nicht mehr auf, wenn man Menschen im Libanon oder Palästina als genauso echt, menschlich und mit Menschenrechten und Menschenwürde ausgestattet betrachtet, wie man es gegenüber zionistisch eingestellten israelischen Juden tut.