In „ZDF Mitreden“ kam eine Umfrage zum Thema „Home Office – kann das weg“ vorbei.

Die Argumente für Home Office bezüglich Umwelt und Stauvermeidung sind hinlänglich bekannt.

Es ist inzwischen auch dem letzten Schlipsträger klar, dass er sich mit der Ablehnung von Home Office von gut 2/3 des Arbeitsmarktes abschneidet – all die Leute, die durchaus wertvolle Arbeit leisten können, aber flexible Zeiten brauchen und für die Anwesenheit im Haus notwendig ist, weil sie außerdem noch auf die eine oder andere Art Care-Arbeit leisten.

Was noch nicht ausreichend thematisiert ist: Jeder KI-Agent ist ein Home-Office-Mitarbeiter. Er sieht die ganze „im Vorbeigehen am Schreibtisch“-Kommunikation nicht, und er sieht die Ergebnisse von Meetings nicht, deren Ergebnisse nicht verschriftlicht wurden.

Eine Firma ohne funktionierendes Home-Office-Setup schneidet sich auch ins eigene Fleisch, weil sie ihre Prozesse nicht genügend verschriftlicht und damit einer Ingestion durch Agenten nicht zugänglich macht (bzw. die schriftliche Dokumentation nicht durch Menschen getestet wird, die darauf angewiesen sind, dass sie korrekt und vollständig ist). Sie macht sich den erfolgreichen Einsatz von KI unnötig schwer und erzeugt so große Prozess- und Projektrisiken.

Es gibt noch einen Punkt, der in der Debatte regelmäßig untergeht:

Ein erheblicher Teil der Präsenzforderung ist kein Kulturthema, sondern ein Bewertungsproblem. Generische Manager – Verwalter – ohne ausreichende Fachkompetenz können die tatsächliche Qualität und Wirksamkeit der Arbeit oft nicht direkt beurteilen, ihnen fehlt jegliche Subject Matter Expertise. Also greifen sie zu Surrogaten: Anwesenheit, sichtbare Aktivität, operative Hektik.

Im Büro funktioniert das leidlich. Wer da ist, wirkt produktiv. Wer beschäftigt aussieht, gilt als wirksam. „Im Vorbeigehen“ entsteht ein Gefühl von Kontrolle.

Im Home Office fällt dieser Mechanismus weg. Sichtbarkeit bricht als Bewertungsmaßstab zusammen. Übrig bleibt das, was tatsächlich zählt: Ergebnisse, Qualität, Wirkung.

Und genau dafür braucht es mindestens residuale Fachkompetenz. Wer das nicht hat, empfindet Remote-Arbeit zwangsläufig als Kontrollverlust und fordert Präsenz zurück, weil das eigene Führungssimlationsmodell sonst nicht mehr trägt.

So jemand kann natürlich auch mit KI gar nix anfangen, weil die ihm alles unterschieben kann und es ("funktioniert ja!") genommen wird.

@isotopp Guter Punkt!