"Kybernetik und Kritik" von @[email protected] ist für mich das aktuell wichtigste Buch über Digitalisierung. Es ist ein Buch über entmenschlichende Datafizierung, über stumme Zwänge einer allgegenwärtigen Vernetzung, über Herrschaft und Kontrolle mittels digitaler Alltagstechnologie und über Widerstand gegen Datenfetisch und digitalen Totalitarismus. Gleichzeitig dekonstruiert es die menschenfeindliche Gleichsetzung von "Rechnen" mit "Denken", die dem Hype um sogenannte "KI" zugrunde liegt.
Dabei befasst sich Nosthoff vordergründig "nur" mit der Kybernetik, einer zwischen den 1940ern und 1980ern populären Wissenschaft von Kontrolle, Kommunikation, Feedback und datenbasierter Verhaltensanalyse und -beeinflussung. Diese Wissenschaft prägte die Entwicklung von Militärtechnologie, inspirierte das Projekt Cybersyn und findet sich auch in Niklas Luhmanns Systemtheorie. Heute ist von ihr nur die Vorsilbe "cyber" übrig, aber die Ideen und Konzepte der Kybernetik sind derart allgegenwärtig, dass im Grunde jede Befassung mit Digitalisierung, Big Data und Large Data Models ("KI") eine Befassung mit Kybernetik ist.
Nosthoff zeigt, wer und mit welchen Perspektiven seit den 40ern die Kybernetik kritisierte. Je näher sie dabei der Gegenwart kommt, desto greifbarer wird, wie die Konzepte der Kybernetik heute Wirklichkeit sind, etwa in Form des world wide web, von Social Media oder vernetzter Geräte. Es ist geradezu unheimlich, mit welcher Klarheit Kritiker*innen z.B. in den 70ern bereits die heutigen Dogmen rund um das (vermeintlich) demokratisierende Internet und die heilende Allmacht der Daten einordneten.
Das Buch ist sprachlich sehr anspruchsvoll. Ich hoffe deshalb, das sein Inhalt zügig breitenwirksam aufgearbeitet wird, damit es in das Bewusstsein progressiver politischer Bewegungen sickern kann. Denn es ist ein dringend nötiges Gegengift zu Technikgläubigkeit, Vernetzungs- und Datafizierungsfetisch, die auch progressive und linke Kräfte in ihrem Bann haben.
Dabei befasst sich Nosthoff vordergründig "nur" mit der Kybernetik, einer zwischen den 1940ern und 1980ern populären Wissenschaft von Kontrolle, Kommunikation, Feedback und datenbasierter Verhaltensanalyse und -beeinflussung. Diese Wissenschaft prägte die Entwicklung von Militärtechnologie, inspirierte das Projekt Cybersyn und findet sich auch in Niklas Luhmanns Systemtheorie. Heute ist von ihr nur die Vorsilbe "cyber" übrig, aber die Ideen und Konzepte der Kybernetik sind derart allgegenwärtig, dass im Grunde jede Befassung mit Digitalisierung, Big Data und Large Data Models ("KI") eine Befassung mit Kybernetik ist.
Nosthoff zeigt, wer und mit welchen Perspektiven seit den 40ern die Kybernetik kritisierte. Je näher sie dabei der Gegenwart kommt, desto greifbarer wird, wie die Konzepte der Kybernetik heute Wirklichkeit sind, etwa in Form des world wide web, von Social Media oder vernetzter Geräte. Es ist geradezu unheimlich, mit welcher Klarheit Kritiker*innen z.B. in den 70ern bereits die heutigen Dogmen rund um das (vermeintlich) demokratisierende Internet und die heilende Allmacht der Daten einordneten.
Das Buch ist sprachlich sehr anspruchsvoll. Ich hoffe deshalb, das sein Inhalt zügig breitenwirksam aufgearbeitet wird, damit es in das Bewusstsein progressiver politischer Bewegungen sickern kann. Denn es ist ein dringend nötiges Gegengift zu Technikgläubigkeit, Vernetzungs- und Datafizierungsfetisch, die auch progressive und linke Kräfte in ihrem Bann haben.
