Heute machte mir die Lehre mal so richtig Spaß. Das lag auch und besonders daran, dass es Gruppen von Studierenden gab, die lernen wollten. Häufig genug muss man den Gaul zur Tränke tragen. Gerade, wenn es darum geht, vorher etwas zu ent-lernen.

Konkret ist es so, dass die Studierenden im letzten Semester gelernt haben, wie sie #Git in Ihrer Entwicklungsumgebung nutzen können. Schon länger merke ich, wie sehr nur das taktile (Finger-) Gedächtnis trainiert wird. Da wird auf den entsprechenden Icons herumgeklickt und -gewischt, was das Zeug hält. Bei manchen fühlte ich mich an die berühmten Affen an der Tastatur erinnert. Selbst, wenn ich jenen die tatsächlichen Git-Befehle auf der Kommandozeile erläuterte, wurde das ignoriert (deren gutes Recht) und weiter geklickt,

Nicht so heute in einer Gruppe.

Zunächst bemerkte ich, dass es der Gruppe nicht darauf ankam, schnell mit den Aufgaben fertig zu werden (Effizienz), sondern verstehen zu wollen (Effektivität). Als ich dort vorbei schaute, versuchten die Studierenden die Fehlermeldung zu verstehen, die nach dem Geklicke erschien. Sie probierten auch eine generative KI für Erläuterungen. War aber eher Wischiwaschi, was da vom Automaten zurück kam.

Ich fragte, welche git-Befehle versucht wurden. Große Augen. Dann erläuterte ich, was es grob an Git-Befehlen gibt. Wenn man die auf der Kommandozeile ausführt, liefern viele der Befehle ausführlichere Meldungen. Manchmal sogar Hinweise, was getan werden kann. Also als erstes git status, wo stehe ich. Dann git pull, bzw. deren Teile git fetch und git merge. Langsam näherten wir uns dem Fehler. Zwischendurch bat ich die Studierenden, sich mittels generativer KI die wesentlichen Abläufe mit Git zu erläutern. Als dort geschwafelt wird, gab ich den Hinweis, es mit kritischen Nachfragen zu versuchen. Lustigerweise führte der abschließende git commit zum Öffnen des #Vi-Editors. Also zeigte ich kurz, wie man dort Texte erstellt und, ganz wichtig, dort wieder herauskommt. Voila. Noch ein git push und das Problem war auf einem Rechner gelöst. Weil die Gruppe gut aufpasste, konnten die Studierenden die Lösung selbstständig auf die anderen Rechner übertragen.

Was haben die Studierende gelernt:

  • Schau im Zweifelsfall, wie Befehle auf der Kommandozeile ausgeführt werden. (Hach, war das ein Jubel, als das Hello-World in #Go funktionierte)
  • Generative KI mag Lösungen vorgefertigt liefern. Viel besser ist der Einsatz im kritischen „Gespräch“. Die Studierenden überlegen, ob sie ein gruppenspezifisches Git-Tutorial damit erstellen, damit alle besser die Befehle lernen können.
  • In der Gruppe lernt es sich besser. Ich habe hauptsächlich mit einem Mitglied gesprochen und gemeinsam den Rechner bedient. Die anderen haben zugehört und bildeten das Gruppengedächtnis.
  • Die Studierenden zeigten mir am praktischen Beispiel, wie sie dieses Vorgehen (inkl. Ent-Lernens) für andere Probleme selbst versuchen können.

Da ist es nicht schlimm, wenn die Gruppe vor lauter Lernen von neuen Dingen ganz vergessen haben, ein wichtiges Element der eigentlichen Aufgabe umzusetzen. Diese Gruppe hat es geschafft, genügend auf der Metaebene zu lernen.

Und ich fuhr später mit einem Lächeln mit dem Fahrrad nach Hause.