Das WWAC hat eine neue attribution Studie rausgegeben. (Auch) Diesmal quasi als Live Ticker, weil der Event überhaupt erst gestern anfing: die Hitzewelle im Süd-Westen der USA.
Sie basieren ihre Analyse also nicht auf Stationsdaten sondern auf einer Wettervorhersage ^^

Die Vorhersage für zB Phoenix, Arizona, war 42C - ich hatte nachgeguckt und der letzte Stationsrekord lag den gestrigen Tag lag bei 35.8C, der Durchschnitt aller 19.Märze seit 1933 in Phoenix war 26C.
Gemessen wurden gestern dann nicht die physikalisch plausiblen und virhergesagten 42C, sondern nur 40C. Nur ^^
Der Sprung vom letzten zum gestrigen Rekord in Phoenix ist schon total bonkers. Kommt aber sogar auch in Deutschlands langen Zeitreihen vor, dass ein neuer Rekord sechs und sogar über 10C höher als der letzte ist. Hab'sch nachgeguckt in unseren 37 DWD-Stationen mit langen Zeitreihen. Aber nur vereinzelt komischerweise, also nicht so ein riesiges Gebiet.

Jedenfalls. Im Südwesten der USA ist also Hitzewelle mit Dom. Hitzedom. Meteorologisch ähnlich dem Event, der in Canada mal die 50C produzierte. Bloß im Frühlingsanfang, nicht im Hochsommer.
Das WWAC sagt, der Event ist ohne #Klimawandel undenkbar, Wiederkehrzeit 800Jahre. Temperatur heiß genug für Hitzetote unter Lebewesen. Schnee schmilzt und Sommerwasserversorgung wird kritisch beäugt.
https://www.worldweatherattribution.org/record-shattering-march-temperatures-in-western-north-america-virtually-impossible-without-climate-change/

In other news: Corpus Christi in Texas ist kurz vorm Zero Water Day.

Daniel's Office Hour zu der Hitzewelle war lehrreich.
https://mastodon.social/@weatherwest/116257619153047322
Dass es um 20 Uhr losging, war speziell nützlich, weil es im Livestream keine Werbeschaltung gibt. Hatte zuletzt 2x im Nachhinein gucken müssen, konnte mich wg der häufigen Unterbrechungen nich konzentrieren und gab auf.
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Auch Daniel sagte, Lytton's 50C Ende Juni 2021 und jetzt die Hitzewelle haben ähnliche Voraussetzungen. Und er bringt dafür auch ein interessantes Beispiel: Hawaiis Regenfälle diese Tage haben in den Luftpaketen enorme Mengen an Hitze produziert - und diese Hitze mit ihrem Auftrieb sähte den Heatdome.
Sowas, sagte Daniel, gabs auch beim Lytton Event. Haha, beim lütten Event ^^
Frag mich, wo die enorme Hitze von Teneriffas Sturzregen im Tief Therese nun hingeht.

Schön fürs systemische Lernen waren seine - total wolkenfreien - Satellitensequenzen und Kontinentalansichten. Darin war der Heatdome zu sehen, wie er von dunkelblauen Wellen im Norden festgehalten und langsam ostwärts geführt wird. Was südlich vom HD los ist, sah man leider nicht.

Schnee hat aber die Stunde dominiert: Überall die geringste oder zweitgeringste Schneedecke auf den 3000er Bergen. Schlecht für Wasserversorgung im Sommer und Waldbrandgefahr jetzt im Frühling.
In Liniencharts zeigte er dann noch was Cooles: Schneedecke am 1. April für einige Gebirgszüge. Da deutet sich ein Trend hin zum Climate Whiplash an, in einem Jahr unheimlich viel Schnee, zB am 1./Apriln2023, gefolgt von rekordniedriger Schneedecke. Da gegt die Schere also auseinander, beide Extreme werden extremer.

Froh, dass ich mir den Termin notiert und dann auch eingeschaltet hatte. Daniel ist ein außergewöhnlich guter Frei-Redner, dazu mit holistischem Gespür und ebensolchem Wissen. Haut mich jedes mal vom Hocker.

2/
Dass und wie Sturzregen in oberen Luftschichten Hitze produziert, muss ich noch verstehen.
Es ist aber so. 😁
Und davon ausgehend, findet diese Studie sogar, dass extreme Hitze, also die, die von Fachleuten "record shattering" und "bonkers" genannt wird, in mittleren Breitengraden quasi gar nich möglich wäre, ohne dass Sturzregen im Vorlauf die Hitze produziert.
Im Vorlauf = also geografisch 1000e km vorgelagert, von wo der Jetstream oder die Erddrehung die Hitze zu der Luftdruck-blockierten Region transportieren kann, wo die Hitzewelle sich anbahnt/zugange ist.
Überflüssig zu sagen: Sturzregen nehmen im #Klimawandel zu. Also auch die Hitze, die sie produzieren und damit ein eventuell "flussabwärts" wachsendes Hitzehoch verschlimmern.

https://www.nature.com/articles/s41467-025-60811-4

Das spezielle Phänomen gibts nur in mittleren Breitengraden, steht da auch. Das liegt wohl an Stärke und Lage des mäandernden Jetstream-Bands so um die 45°Nord, der eben hilft, die Luftdruck-Blockierungen herzustellen, in denen sich Hitze aufstaut und zu mehrtägigen Hitzewellen führt.

Die Addition durch diese Sturzregen-Hitze gibt es hauptsächlich vor und nahe den westlichen Ozeanküsten.
Aber es wird auch eine Hitzewelle in Russland 2010 als bonkers-Beispiel genannt, wo die Hitze aus dem Sturzregen produziert wurde, der 1000e km weiter südlich in Pakistan ein Drittel des Landes überflutet hatte.

Die Hitzewelle in USA ab 19.3. wurde von mehreren #Starkregen in Hawaii gefüttert. Der Lytton-Event Ende Juni 2021 bekam Sturzregen-Hitze aus "atmospheric rivers" überm Pazifik.

Mal eruieren, welche Sturzregen wohl die Hitzewellen in August 2003 und 2018 in Europa mit Hitze fütterten? Oder waren die nicht "bonkers"? Mal sehen…

Jetzt muss ich noch verstehen, was mit Ridge Blocking im Gegensatz Dipole Blocking gemeint ist.
Dipole Blocking sieht aus wie ein Omega Ω, wo Tiefdruckkreisel rechts und Links den Hochdruckkreisel in der Mitte der Schlaufe festklemmen.

#ExtremWetter

Blocking diversity causes distinct roles of diabatic heating in the Northern Hemisphere - Nature Communications

Atmospheric blocking patterns are often categorized into several types and diabatic heating is thought to primarily contribute positively to blocks. Here, the authors show that diabatic heating strengthens ridge blocks, while it dampens dipole blocks in the Northern Hemisphere.

Nature