Die junge Generation als Unheil bringende Blackbox zu framen, ist ein Klassiker. Dabei wird gern so getan, als käme diese Generation wie aus dem Nichts und wäre nicht etwa von Elternhaus etc. sozialisiert. Zugleich wird gern noch so getan, als stünde sie unter dunklen Einfluss
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RE: https://bsky.app/profile/did:plc:3qnjs64swmsues37qmmre33k/post/3mhohzczwrs2aheute gern Internet, früher mal Rockmusik oder auch Satanismus etc.). Dazu wird dann gern noch so getan, als wären diese Jungen hilf- und ahnungslos (Lindner geg. FFF: lasst mal die Profis ran).
Es ist nicht nur grundsätzlich falsch, es ist auch einfach immer skurriler, weil die Jüngeren
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heute so machtlos sind wie nie. Sie sind so wenige, dass wirklich auch keine einzige Partei sie als Wähler*innen ansprechen. Und wenn ihr euch noch an den Wahlkampf 2021 erinnert,damals konnte die FDP irre bei den jungen punkten, sie hatten als einzige Partei überhaupt das Thema Digitalisierung
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von Schulen im Programm. Genützt hat es der Partei gar nichts, denn eine Basis konnte sie damit nicht aufbauen. Das ist auch nicht neu, junge Wähler*innen sind sehr volatil. D.h. die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem 18j. AfD-Wähler ein Stammwähler wird, ist viel geringer als bei einem 40j.
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Trotzdem nützen junge Wähler*innen der Aufmerksamkeit. Als FFF zum Beispiel sehr erfolgreich war, nahmen plötzlich auch CDU, SPD und sogar die FDP klimapolitische Themen in den Fokus (keine Aussage zur Qualität der Ideen), auch die Aufmerksamkeit der FDP bei den Jungen hat damals einerseits
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Panik und bei der Parteispitze wiederum Hybris ausgelöst.
Wenn jetzt die AfD bei Jugendlichen auf Tiktok erfolgreich ist und Björn Höcke mit der Simson und einem Tross junger Männer über die Dörfer brettert, ist Medienaufmerksamkeit garantiert.
In Wirklichkeit jedoch stellt die größte Gruppe
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der Stammwähler*innen die mittlere Generation. Also die 35-50jährigen.
Ihr Medienkosnum hingegen wird kaum hinterfragt, dabei sind auch sie zu 100% im Netz und sie sind recht weitläufig vernetzt. In Kita- und Schulwhattsapp-Gruppen, genauso wie in Familienchats und Firmengruppen.
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Sie sind außerdem keine digital natives. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei manchen digitalen Entwicklungen beispielsweise hinterherhinken oder auch überfordert sind, ist groß. Sie sind zugleich wesentlich gefestigter in ihrem Wahlverhalten. Dass sie heute die gleiche Wahlentscheidung treffen
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wie in 4 Jahren ist groß.
Dazu haben sie oft Kinder und normalisieren rechtsextremes Wahlverhalten auch für diese.
Die älteren hingegen, die bisher immer noch die großen Mehrheiten für demokratische Parteien sichern, sind zwar noch die meisten, aber sie sterben nach und nach weg.
Um diese 9/12
Diskussion wird sich allerdings herumgedrückt. In Talkshows und Wahlanalysen wird eher mit dem Aufregerthema Jugend gearbeitet, dabei müsste längst gefragt werden: warum wählen so viele Menschen, die mitten im Berufsleben stehen rechtsextrem? Wie erreichen wir sie? Warum ist der 10/12
gesellschaftliche Mittelbau zunehmend undemokratisch.
Wer mal auf Wahlveranstaltungen der AfD ist z.B. erkennt dies sofort. Trotzdem tut man lieber so, als käme da irgendwie aus weiter Ferne ein Unheil auf uns zu.
Und nein, ich finde es nicht bedenkenlos oder harmlos, wenn junge Menschen
11/12
rechtsextrem wählen, aber ich finde es interessant, dass sie beispielsweise deutlich weniger rechtsextrem wählen, als die Erwachsenen in ihrer Umgebung. Und das ist sogar eher eine gute Nachricht.
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@annerabe.bsky.social
Sehr richtig, nach ZDF-Wahlanalyse haben in Rheinland Pfalz 21% der U30 Afder gewählt, aber 25% der 30-44 und 23% der 45-59 - und die letzteren beiden Gruppen sind in absoluten Zahlen auch wesentlich größer. Ja, mit 21% sind die Afder die stärkste Kraft bei den 18-24, aber nur weil die (völlig verständlicherweise) die Rentnerparteien CDU uns SPD nur mit 14% bzw 18% gewählt haben, gleichzeitig haben 19% von ihnen Linke, 9% Grüne (über Durchschnitt)
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@annerabe.bsky.social
und 3% Volt gewählt.
Sowohl wenn man sich Analysen in absoluten Zahlen statt Prozentwerten ansieht, als auch Bilder jeder beliebigen Afder-Veranstaltung, sieht man: die weit weit überwiegende Masse von deren Wählern ist eher im mittleren bis fortgeschrittenen Alterssegment. Bis auf den dezidierten Jugendblock gibt es auf deren Demos meist nur die Haarfarbe grau.
Aber wenn immer schön das Problem externalisieren...
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Ceterum censeo afdem esse damnandum