Urteil zu rechter Gewalt: Sechseinhalb Jahre für Neonazi-Intensivtäter

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Urteil zu rechter Gewalt: Sechseinhalb Jahre für Neonazi-Intensivtäter - feddit.org

[…] Doch wieder wurde kein Täter ermittelt, niemand festgenommen. Dabei ist K. in seinem Wohnblock in Trotha als Rechter bekannt. Am 14. März 2025 zog K. erneut unvermittelt an einer Bushaltestelle in Halle-Trotha die umgebaute Gaspistole und schoss einem Passanten direkt ins Gesicht. Weil der Mann sich zur Seite drehte, verletzte die Stahlkugel nur sein Ohr. Zur Überraschung des Verletzten wurde Lucas K. noch vor Ort von Polizeibeamten kontrolliert – eine Nachbarin aus dem nahegelegenen Wohnblock hatte den Notruf über einen bewaffneten Mann informiert. Doch die Beamten, die auf den blutenden Passanten und Lucas K. trafen, stellten lediglich die Personalien fest und nahmen ihm die Waffe ab. Dass Lucas K. unter zweifacher Bewährung steht und die Waffenbehörde ihm das Tragen einer Waffe amtlich untersagt hat, fiel den Beamten nicht auf. K. konnte nach Hause gehen. […]

Den Prozessausgang kommentiert Andreas N. nüchtern. Er sei realistisch: „Welche Strafe soll denn die Haltung des Haupttäters ändern?“

Ich denke DAS ist der Punkt an dem man ansetzen könnte: Solche Menschen wie den Täter gehören vielleicht nicht unbedingt ins Gefängnis, sondern eher in stationäre psychiatrische Behandlung.

Nein. Ein rechtsextremes Weltbild ist keine Krankheit, auch trotz beliebter Metaphern wie “gesellschaftliches Krebsgeschwür”. Du kannst sowas nicht pathologisieren.

Du kannst sowas nicht pathologisieren

Mal ganz stumpf zurück gefragt: Warum eigentlich nicht? Ist ein irrationaler Hass auf Menschen anderen Aussehens / anderer Herkunft / Geschlechtsidentität / etc. “geistig gesund”? Und sogar wenn man so etwas in das “normale” Spektrum einsortieren würde, ein Verhalten wie das des Täters deutet doch definitiv auf eine fehlerhafte Sozialisierung hin…

Weil schlechte Sozialisierung keine Krankheit ist. Weil nicht alles, was von der wahrgenommenen Norm abweicht, eine Krankheit ist.

Außerdem sorgt eine Pathologisierung von problematischen Weltanschauungen nicht dafür, dass man diese problematischen Weltanschauungen gesellschaftlich angeht, sondern führt lediglich zu weiterer Stigmatisierung und Pathologisierung psychischer Krankheiten und anderer Abweichungen der wahrgenommenen Norm wie Neurodivergenz, trans Identitäten, nonhetero Sexualitäten, usw.

Weil schlechte Sozialisierung keine Krankheit ist.

Meiner Meinung nach kann man aber nur mit Therapie oder therapieähnlichen Mitteln aus Menschen, die wegen schlechter Sozialisierung zu Straftätern geworden sind, wieder resozialisieren.

Wenn du jemanden mit einem hasserfüllten Weltbild einfach nur ins Gefängnis steckst ohne intensive psychologische Betreuung, so wirst du irgendwann eine ältere Person mit demselben hasserfüllten Weltbild wieder entlassen. Und (echte) lebenslange Haft, um die restliche Gesellschaft vor solchen Menschen zu schützen, kann ja auch nicht die Lösung sein.

Ja, da hast du selbstverständlich Recht. Natürlich muss es im Gefängnis dann auch entsprechende Resozialisierungsprogramme geben. Aber das ist nichtsdestotrotz etwas völlig anderes als eine stationäre psychiatrische Behandlung und Weltanschauungen sind keine psychischen Erkrankungen.

Weltanschauungen sind keine psychischen Erkrankungen.

Der Übergang zu z.B. sowas… de.wikipedia.org/…/Dissoziale_Persönlichkeitsstör… … dürfte aber trotzdem in vielen Fällen fließend sein.

Die antisoziale Persönlichkeit macht sich meist schon im Kindes- und Jugendalter durch Missachtung von Regeln und Normen bemerkbar (z. B. Schulschwänzen, Vandalismus, Fortlaufen von Zuhause, Stehlen, häufiges Lügen) sowie durch die Unfähigkeit zu sozialem Lernen aus Erfahrungen. Wenn das Verhalten vor dem 10. Lebensjahr beginnt, entwickelt sich diese Persönlichkeitsstörung meist aus einer chronischen Störung des Sozialverhaltens. Im Erwachsenenalter führen Betroffene ihr Verhalten oft fort und fallen häufig durch nur zeitweiliges Arbeiten, Gesetzesübertretungen, Gereiztheit und körperlich aggressives Verhalten, Nichtbezahlen von Schulden, Rücksichtslosigkeit und teilweise auch durch Rauschmittelkonsum auf. Nicht selten kommen sie deshalb ins Gefängnis.

Ob man betroffene Täter jetzt in einer geschlossenen Psychiatrie oder einem Gefängnis mit intensiver psychologischer Betreuung unterbringt, ist für mich eher eine Frage des Schwerpunktes. In der Praxis dürfte es aber in normalen Gefängnissen viel zu wenig entsprechende Angebote geben und in Psychiatrien viel zu wenige Plätze, als dass man alle dort unterbringen könnte. Das Problem lösen würde es also vermutlich leider nicht. Egal, ob es jetzt als Krankheit gälte oder nicht.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung – Wikipedia

Nein, man. Die Grenzen sind nicht fließend. Problematische Weltanschauungen können natürlich mit Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen einhergehen, und dann müssen die entsprechend behandelt werden. Du kannst aber deswegen keine Rückschlüsse von Weltanschauungen auf Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen ziehen. Das wäre, wenn man das täte, wiederum hochproblematisch, wie oben schon erklärt.